Ping Pong.Jörn Budesheim hat geschrieben : ↑So 1. Jun 2025, 08:40Wörter oder Sätze können in der besten Absicht verwendet werden, aber trotzdem verletzen. Es genügt nicht, sich zu fragen, welche Absicht man selbst damit verbunden hat, sondern man muss sich auch fragen, wie es bei den Anderen ankommt; das ist schließlich einer fundamentale Fähigkeit des Menschen, sich in den anderen hinein zu versetzen.
Hübl über Moral, Selbstüberschätzung, Narzissmus, Empörung
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Quk
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Beispiel?Jörn Budesheim hat geschrieben : ↑So 1. Jun 2025, 08:52Zudem ist Gewalt durch Sprache in vielen Fällen strukturell und gar nicht individuell.
Umberto Eco unterscheidet zwischen der intentio auctoris (der Absicht oder Meinung des Schreibers/Sprechers), der intentio operis (der "Absicht" oder Bedeutung des Geschriebenen/Gesprochenen selbst) und der intentio lectoris (der Absicht oder Deutung des Lesers/Hörers).Jörn Budesheim hat geschrieben : ↑So 1. Jun 2025, 08:40Wörter oder Sätze können in der besten Absicht verwendet werden, aber trotzdem verletzen. Es genügt nicht, sich zu fragen, welche Absicht man selbst damit verbunden hat, sondern man muss sich auch fragen, wie es bei dem anderen ankommt; das ist schließlich einer fundamentale Fähigkeit des Menschen, sich in den anderen hinein zu versetzen.
Alle drei Aspekte spielen eine Rolle; und wenn ich zum Thema verbale Gewalt auf einer offiziellen Website der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes für Kinder & Jugendliche Folgendes lese, dann bin ich damit nicht einverstanden:
Mein Punkt ist, dass Begriffe wie "verbale Gewalt" kein privates oder privatsprachliches Eigentum sind, worüber das angebliche Opfer die absolute, alleinige Deutungshoheit besitzt."Jede Generation von Jugendlichen hat ihre eigene Sprache. Erwachsene tun sich oft schwer, diese Sprache zu verstehen und die Begriffe, die hierbei verwendet werden, richtig einzuordnen. In erster Linie wird oft versucht, besonders witzig rüberzukommen. Die Frage ist aber, wann die Grenze erreicht oder überschritten ist. Auch hier gilt der Grundsatz: "Was Gewalt ist, entscheidet das Opfer, nicht der Täter!""
Quelle: https://www.polizeifuerdich.de/deine-th ... le-gewalt/
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
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Jörn Budesheim
Das ist vermutlich nicht vollständig, denn mein Wissen um das, was die anderen vermutlich verstehen werden, gehört ebenso dazu. (Ebenso natürlich die verschiedenen Kontexte.)
Damit die verschiedenen Aspekte zusammenspielen, muss man sich manchmal klar machen, wie das, was man sagt, bei den Anderen ankommt. Wenn man das nicht voraussetzen kann oder weiß oder wenn es einem egal ist, dann kann man auch nicht von einem Zusammenspiel sprechen. Und das herauszufinden, lohnt es sich gelegentlich Erfahrungsberichte von jenen "angeblichen Opfern" zu hören oder zu lesen.
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Jörn Budesheim
Natürlich gibt es Ausnahmen, bei denen man auch ohne jede Lektüre wissen kann, dass etwas nicht in Ordnung ist – etwa, eine junge Frau, die asiatisch aussieht und einen Hund spazieren führt, zu fragen, ob sie ihn heute Abend essen will. Was man jedoch nicht ohne Lektüre wissen kann: dass man mit diesem geschmacklosen Witz nicht der Erste ist.
Dunkel wird der Rede Sinn, sobald von "struktureller Gewalt" gesprochen wird!Jörn Budesheim hat geschrieben : ↑So 1. Jun 2025, 08:52Zudem ist Gewalt durch Sprache in vielen Fällen strukturell und gar nicht individuell. Es bedarf also einer gewissen Selbstaufklärung der Sprecher:innen, um sich darüber Klarheit zu verschaffen, der Blick auf die eigenen Absichten reicht hier in vielen Fällen nicht.
"Strukturelle Gewalt wird durch Strukturen (vor allem Institutionen) einer bestehenden Gesellschaftsformation ausgeübt," heißt es – doch alle sozialen Strukturen sind nichts weiter als "Figurationen interdependenter Individuen" (Norbert Elias), d.h. in wechselseitigen Abhängigkeitsbeziehungen stehende individuelle Personen oder Akteure."Der Übergang von individueller bzw. personaler zur kollektiven bzw. „anonymen“ sprachlichen Gewaltausübung wird vor allem in soziologischen Studien thematisiert. In der soziologischen Fachliteratur wird der Zusammenhang von Aggression, institutioneller Gewalt und Machtausübung aus verschiedenen Perspektiven erleuchtet. Diese Studien haben vor allem den Machtaspekt in den Mittelpunkt ihres Interesses gestellt, den Terminus „Gewalt“ begrifflich definiert und mit „institutioneller“ Aggression in Verbindung gesetzt. Der Friedensforscher Johan Galtung (1975) prägte in seiner gleichnamigen Studie den Begriff der „strukturellen Gewalt“, der die strukturelle Dimension der Machtausübung durch Institutionen, Religionen und Ideologien bezeichnet. Strukturelle Gewalt wird durch Strukturen (vor allem Institutionen) einer bestehenden Gesellschaftsformation ausgeübt und drückt sich in Werten und Normen aus, die die Funktion haben, Machtverhältnisse zu legitimieren. Beispiele für strukturelle Gewalt seien nach Galtung das Schulsystem, die Gesetzgebung sowie die Gestaltung von Diskursen durch die Medien. Die strukturelle Gewalt habe einen ausgeprägt aggressiven Charakter und enge das Individuum ein, obwohl sie oft von den Opfern nicht einmal als Gewalt wahrgenommen wird. 1993 präzisierte Galtung sein Gewaltkonzept und entwarf das Modell eines Gewaltdreiecks, in dem er strukturelle Gewalt, kulturelle Gewalt und personale Gewalt miteinander verband."
(Bonacchi, Silvia. "Sprachliche Aggression beschreiben, verstehen und erklären: Theorie und Methodologie einer sprachbezogenen Aggressionsforschung." In Verbale Aggression: Multidisziplinäre Zugänge zur verletzenden Macht der Sprache, hrsg. v. Silvia Bonacchi, 3-31. Berlin: de Gruyter, 2017. S. 12-3)
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
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Wir unterscheiden im Deutschen die Anrede mit "Sie" und die Anrede mit "Du". Wer steht mir nah? Wer steht mir fern? Für gewöhnlich werden nur Kinder grundsätzlich mit "Du" angesprochen, egal, ob sie nah oder fern stehen.Consul hat geschrieben : ↑So 1. Jun 2025, 10:14"Strukturelle Gewalt wird durch Strukturen (vor allem Institutionen) einer bestehenden Gesellschaftsformation ausgeübt," heißt es – doch alle sozialen Strukturen sind nichts weiter als "Figurationen interdependenter Individuen" (Norbert Elias), d.h. in wechselseitigen Abhängigkeitsbeziehungen stehende individuelle Personen oder Akteure.
Wenn nun bis vor nicht allzu langer Zeit die Bewohner*innen in Altenpflegeheimen von den Mitarbeitenden häufig mit "Du" angesprochen wurden, dann würde ich das einen Fall von "struktureller Gewalt durch Sprache" nennen. Möglich ist dies aufgrund von Konventionen, die ich als "Struktur" bezeichnen würde. "Du"/"Sie" bedeutet nicht nur nah und fern, sondern auch höherrangig und untergeordnet. Es gibt dazu ausgetüftelte Regeln, die ich nicht im Einzelnen kenne: Wer darf wem das Du anbieten?
Nachtrag: Das Gendern ist die Aufhebung der "strukturellen Gewalt durch Sprache", bei der Frauen in der Sprache nicht vorgekommen sind, es sei denn ausnahmsweise und im Einzelfall.
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Jörn Budesheim
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Andersherum gewendet kann man sich mit dem Ausdruck "Vergewaltigung der dt. Sprache" auch unnötig empören über Veränderungen, die die Rechtschreibung betreffen oder das Anhängen eines "in" an viele Wörter. Und warum muß man eine militärische Metapher wählen für den Umstand, daß viel Papier beschrieben wird (für wenig Relevantes).Quk hat geschrieben : ↑So 1. Jun 2025, 07:48Beispiel: Über die Phrase "die Vergewaltigung der deutschen Sprache" kann man sich unnötig empören mit Blick auf die Tatsache, dass Vergewaltigung ein furchtbares Verbrechen ist und deshalb nicht als Metapher benutzt werden sollte. Oder: "Papierkrieg" -- Krieg ist furchtbar, also nicht verwenden für solche harmlosen Metaphern mit Papier. Diese Empfindlichkeit kann meines Erachtens nur dadurch entstehen, indem der Empfindliche den Kontext ausblendet -- oder ausblenden will.
Dennoch -
stimme ich mit Dir ganz und gar überein.Quk hat geschrieben : Bei unnötigen Empörungen sieht man zudem oft sehr genau, wie da Kontexte ausgelassen werden und allein nur das verbotene Wort an sich im Fokus steht; das heißt, es geht da beispielsweise nicht darum, mit welcher Absicht ein Sprecher das Wort benutzt, sondern es läuft nur noch ein automatisierter Triggermechanismus ab. Da spielt es keine Rolle mehr, ob ein Wort in einem ironischen oder zitierenden oder metapherhaften oder freundlichen Kontext steht.
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Das ist eine interessante Beobachtung, die ich, soweit ich die Genderlit. gelesen habe, für zutreffend halte. Aus meiner Sicht beruht dies darauf, daß Trömel-Plötz und Butler zu den Mitentdeckerinnen der Erkenntnis gehören, daß die Sprache Machtstrukturen abbildet, im speziellen Fall das "Patriarchat" (auch ein Triggerwort). Wächst mann/frau in eine Sprachgemeinschaft hinein und wird zu einem kompetenten Sprecher derselben, dann ist es nicht die übelwollende Absicht eines einzelnen Mannes, wenn er die Kollegin, die Professorin, die Bürgerin nicht anspricht. Er benutzt die Sprache in der Form, in der sie vorliegt. Es war die Erkenntnis, daß sich in der Sprache, die wir als Sprachgemeinschaft benutzen, Machtverhältnisse zeigen, die man über die Sprachuntersuchung aufdecken kann. Und dieser Sachverhalt ist unabhängig von einzelnen Akteuren. Wie hätte ich, hätte ich vor 150 Jahren gelebt, auf die Idee kommen sollen, als unverheiratete Frau nicht mit "Fräulein" angeredet werden zu wollen! (dann hätte ich eine andere sein müssen als die, die ich bin). Das ist meinerseits kein Einwand gegen das "Akteure"-Konzept, nur eine Verteidigung der Idee, daß "Sprache an sich" ebenfalls agiert.Consul hat geschrieben : ↑So 1. Jun 2025, 07:11[...] "Das Buch Gewalt durch Sprache von Senta Trömel-Plötz (1997) trägt den programmatischen Untertitel „die Vergewaltigung von Frauen in Gesprächen“; Judith Butler eröffnet ihre Studie Hass spricht (engl. Excitable Speech: A Politics of the Performative, 1997) mit dem Kapitel „Wie Sprache verletzen kann“. Hermann/Kuch (2007), Herausgeber des Sammelbandes Verletzende Worte. Die Grammatik sprachlicher Missachtung (2007), schreiben in ihrer Einführung: „Mit Sprache können wir Gewalt nicht nur beschreiben, ankündigen und androhen, sondern auch selbst Gewalt zufügen“ (Hermann/Kuch 2007: 7). Bei all diesen wichtigen Studien wird erstaunlicherweise ausgeblendet, dass „Sprache“ an sich nicht „verletzen“ kann. Es sind immer Akteure (Individuen, Gruppen, aber auch Institutionen), die durch sprachliches Handeln Wirkungen hervorrufen, die von den Interaktanten − in unmittelbarer oder mittelbarer psychologischer Evidenz − als „verletzend“, „erniedrigend“ oder gar „gewalttätig“ empfunden bzw. bezeichnet werden (können)."
Ich bitte um Nachsicht, Consul, daß ich die Quelle des von Dir zitierten Textes unterschlagen habe, die jetzt wegen der Bequemlichkeit nicht wieder reinhieven möchte. Sie ist für alle nachlesbar in Deinem Beitrag.
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Jörn Budesheim
#cancelculturespiegel hat geschrieben : Biesenbach: Im Vorfeld war Nan zu 100 Prozent davon überzeugt, dass wir sie ausladen. Ich aber habe nie eine Sekunde gedacht, dass wir sie ausladen – und wenn das bedeutet hätte, dass ich hier gehen muss.
In diesem Fall von Respektlosigkeit gegenüber Altenheimbewohnern überhaupt von Gewalt zu sprechen, halte ich für eine inflationäre Vergewaltigung des Gewaltbegriffs.Friederike hat geschrieben : ↑So 1. Jun 2025, 10:39Wir unterscheiden im Deutschen die Anrede mit "Sie" und die Anrede mit "Du". Wer steht mir nah? Wer steht mir fern? Für gewöhnlich werden nur Kinder grundsätzlich mit "Du" angesprochen, egal, ob sie nah oder fern stehen.Consul hat geschrieben : ↑So 1. Jun 2025, 10:14"Strukturelle Gewalt wird durch Strukturen (vor allem Institutionen) einer bestehenden Gesellschaftsformation ausgeübt," heißt es – doch alle sozialen Strukturen sind nichts weiter als "Figurationen interdependenter Individuen" (Norbert Elias), d.h. in wechselseitigen Abhängigkeitsbeziehungen stehende individuelle Personen oder Akteure.
Wenn nun bis vor nicht allzu langer Zeit die Bewohner*innen in Altenpflegeheimen von den Mitarbeitenden häufig mit "Du" angesprochen wurden, dann würde ich das einen Fall von "struktureller Gewalt durch Sprache" nennen.
Ich habe den kurzen Wikipedia-Artikel zu struktureller Gewalt durchgelesen, worin die erwähnten Kritiker meinen Eindruck bestätigen, dass es dabei eigentlich um strukturelle (institutionelle) Macht (potestas) oder soziales Unrecht bzw. soziale Ungerechtigkeit (iniuria) geht, und nicht um Gewalt im Sinn von violentia.
Siehe dazu: Andreas Braun: Strukturelle Gewalt – ein analytisch überschätzter Begriff
Ein Ausschnitt aus einem Interview mit der Politikwissenschaftlerin Eva Wuchold, der meinen negativen Eindruck von Galtungs inflationär-nebulösem Gewaltbegriff ebenfalls verstärkt:"[D]urch die Lehre von der „strukturellen Gewalt", die von der neomarxistischen Richtung der sog. Friedensforschung vertreten wird[, werden] „Frieden" und (sozialistisch verstandene) soziale Gerechtigkeit…ineinsgesetzt. Soziale Ungerechtigkeit gilt als (strukturelle) Gewalt, gegen die (physische) Gegengewalt gerechtfertigt wird (vgl. J. Galtung, Strukturelle Gewalt, dt. Ausgabe 1975)."
(Isensee, Josef. Das Grundrecht auf Sicherheit: Zu den Schutzpflichten des freiheitlichen Verfassungsstaates. Berlin: De Gruyter, 1983. S. 19fn39)
"…struktureller Gewalt sprechen.
Der Begriff geht auf Johan Galtung zurück.
[Wuchold:] Genau, der Norweger gilt als Gründungsvater der Friedens- und Konfliktforschung. Er versteht darunter die strukturell, also aufgrund von Werten, Normen, Institutionen oder Machtverhältnissen bedingte vermeidbare Beeinträchtigung grundlegender menschlicher Bedürfnisse. Oder, um es allgemeiner auszudrücken: Die Diskrepanz zwischen Gegebenem und Möglichem.
Das ist ein sehr weiter Rahmen.
[Wuchold:] Ja, er schließt alle Formen der Diskriminierung, Ausbeutung, die ungleiche Verteilung von Einkommen, Bildungschancen, Lebenserwartung auch aufgrund von Umweltverschmutzung sowie jegliche Wohlstandsgefälle und ein Verhindern emanzipatorischer Bestrebungen mit ein. Dem legt Galtung in seiner Lehre systemische Faktoren zugrunde, die unabhängig vom Handeln sozialer Akteure sind.…"
Quelle: https://www.rosalux.de/publikation/id/4 ... eberwinden
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
Wenn man allerdings das weite Bedeutungsfeld von "Gewalt" betrachtet, dann kann man das ungefragte Duzen von Altenheimbewohnern als Gewalt im Sinn von indignitas ansehen—als unwürdige Behandlung, ungehöriges/ungebührliches Benehmen. Das ist jedoch heutzutage keine gebräuchliche Bedeutung mehr.
"…die häufigkeit der verwendung und die ausdehnung des bedeutungsumfangs, die schon das erste litterarische auftreten kennzeichnen, haben sich bis in die neuere zeit nicht vermindert, sondern in hohem grade gesteigert, vgl. gewalt .. potestas, potentia, facultas, efficacitas, vis, violentia, injuria, indignitas…"
Quelle: https://www.dwds.de/wb/dwb/gewalt
"indignitās, ātis, f. (indignus), I) die Unwürdigkeit, Untüchtigkeit (Ggstz. dignitas)… II) übtr.: A) das in jmds. Benehmen u. Behandlung liegende Unwürdige, Entrüstende, Empörende, die unwürdige, empörende Behandlung, das empörende Benehmen, die Ungebühr, die Niederträchtigkeit"
Quelle: http://www.zeno.org/Georges-1913/A/indi ... indignitas
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
Für einen Gesamtüberblick über das Bedeutungsfeld von "Gewalt" und dessen Entwicklung, siehe: https://www.zdl.org/wb/wortgeschichten/Gewalt
Insbesondere diese beiden Abschnitte:
Psychische Gewalt und verbale Gewalt
Subjektlose Gewalt: strukturelle Gewalt
Insbesondere diese beiden Abschnitte:
Psychische Gewalt und verbale Gewalt
Subjektlose Gewalt: strukturelle Gewalt
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
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Quk
Ja, die unnötigen Empörungen sind auf allen Seiten zu beobachten, denke ich. Wenn allseits keiner nachgibt, nenne ich das Ping Pong. Leute haben unterschiedliche Interessen, und in der Demokratie muss man um Kompromisse ringen. Beim Gendern, beispielsweise, habe ich im Lauf der Jahre den selben Kompromiss gemacht wie die Zeitung "Die Zeit", nämlich statt permanent "innen" anzuhängen, die jeweiligen Personen im Text der Reihe nach abwechselnd weiblich und männlich zu setzen: Ärztinnen, Meteorologen, Fußgängerinnen, Bürger; so sind alle garantiert "sichtbar" und der Text bleibt flüssig. Ich finde, das ist ein guter Kompromiss. Was ich weiterhin nicht sagen werde, sind Sätze wie: "Laut den Mainzer Meteorologinnen und Meteorologen gibt es morgen Regen." Denn es geht hier um eine Regen-Vorhersage und nicht um Geschlechtsteile.Friederike hat geschrieben : ↑So 1. Jun 2025, 13:35Andersherum gewendet kann man sich mit dem Ausdruck "Vergewaltigung der dt. Sprache" auch unnötig empören über Veränderungen, die die Rechtschreibung betreffen oder das Anhängen eines "in" an viele Wörter. Und warum muß man eine militärische Metapher wählen für den Umstand, daß viel Papier beschrieben wird (für wenig Relevantes).Quk hat geschrieben : ↑So 1. Jun 2025, 07:48Beispiel: Über die Phrase "die Vergewaltigung der deutschen Sprache" kann man sich unnötig empören mit Blick auf die Tatsache, dass Vergewaltigung ein furchtbares Verbrechen ist und deshalb nicht als Metapher benutzt werden sollte. Oder: "Papierkrieg" -- Krieg ist furchtbar, also nicht verwenden für solche harmlosen Metaphern mit Papier. Diese Empfindlichkeit kann meines Erachtens nur dadurch entstehen, indem der Empfindliche den Kontext ausblendet -- oder ausblenden will.
Ja, man könnte das Wort "Krieg" vermeiden. Aber ich mag Satire und Karikatur. Diese Genres brauchen die Freiheit zur Übertreibung. Da ist die Übertreibung das wichtigste Mittel überhaupt. Gleichwohl setze ich auch da Grenzen. Ich würde zum Beispiel niemals den Islam verspotten, oder, wie es das Magazin "Titanic" tat, dem Papst Fäkalien ans Kleid photoshoppen. Also auch da sehe ich in der Medienlandschaft unnötige Extreme, von denen ich persönlich Abstand nehme. Mit dem bloßen Wort "Krieg" ist die Grenze aber noch lange nicht erreicht.
Auch in der Musik gefallen mir bisweilen "kriegerische" Ausdrücke, wie etwa bei dem Woodstock-Auftritt von Jimi Hendrix, als er die US-amerikanische Nationalhymne interpretiert. Das ist Anti-Kriegs-Musik. Zu diesem friedlichen Zweck muss der Krieg ins Bild. Jimi muss den Krieg akustisch erwähnen -- Sirenen, abstürzende Jets, Bomben -- um das Leiden musikalisch mitzuteilen. Wer das mitfühlt, bekommt Tränen in die Augen. Das ist jetzt nicht als Gleichstellung mit der Papierkrieg-Metapher gemeint; ich will nur sagen, dass die politische Begrenzung der Anwendung von brutalen Begriffen eine sehr heikle Sache sein kann und sich prompt selbst auf die freiheitlichen Füße treten kann, meiner Auffassung nach.
An Jörn: Es gibt große dunkle Räume, die Kindern Angst machen. Es gibt Hausmeister und Rektorinnen, die Kindern Angst machen.
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Jörn Budesheim
Wenn ich hier einen Text schreibe und "jeder weiß Bescheid" wieder streiche, um stattdessen zu schreiben "alle wissen Bescheid", dann hab ich gegendert, auch ohne Binnen-"i" oder was auch immer. Wenn du - wie die Zeit - die männliche und die weibliche Form abwechselst, dann genderst du. Hübl gendert in dem Interview ebenfalls.
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Quk
Ja, Hübl und ich gendern. Und?
Du denkst immer so kategorisch. Ich denke geschmeidig skalierend.
Du denkst immer so kategorisch. Ich denke geschmeidig skalierend.
