Klaus Harth, Gegend

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Jörn Budesheim
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Jörn Budesheim
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Klaus Harth ist ein Saarländischer Künstler. Ich kenne ihn von Facebook her, aber auch von zwei gemeinsamen Ausstellungen. Im Moment zeigt er häufig Arbeiten zu einer Serie, die er "Gegend" nennt. Ich mag diese Serie sehr ... und außerdem erinnert mich der Titel an vieles, was wir hier zurzeit besprechen. Die folgenden Texte habe ich von FB hierher kopiert. Vielleicht regt es ja zu Weiterem an :-)

Hier Links zu Webseiten von oder über Klaus Harth:

https://www.zeichenblock.info
http://www.bbk-saarland.de/verzeichnis/klaus-harth/
http://harthbasel.de
https://www.facebook.com/klaus.harth.71


Der Titel "Gegend" hat mich heute dazu gebracht, mal bei Wikipedia nachzuschlagen. Dabei hat sich gezeigt, dass die Wurzel des Begriffs nämlich "gegen" zum Beispiel in dem italienischen Wort für Landschaft weiter besteht. Bei anderen Sprachen ist es vergleichbar.

Wikipedia zu “Gegend”:

Der Ausdruck Gegend (von mittelhochdeutsch: gegende, gegenote) bezeichnet das, was dem Betrachter als Fläche oder auch Raum „zugegen“ ist.

Herkunft

Der Begriff leitet sich von „gegen“ ab und ist als Lehnbildung aus lateinisch contra (contrata regio „das gegenüberliegende Gebiet“) in die deutsche Sprache gewandert.

Die lateinische Wurzel besteht weiter in Sprachen wie italienisch: (contrada „Gegend“) oder im französisch: (contrée „Landschaft“), daraus abgeleitet englisch: Country.



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Jörn Budesheim
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Sa 2. Feb 2019, 08:44

Einige der Blätter oben im Bild haben etwas von Spermien die durch das Bild strömen :) Wobei überraschender Weise eins der Blatter quadratisch ist - was diesen Eindruck etwas konterkariert :-)



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Jörn Budesheim
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Sa 2. Feb 2019, 08:44

irgendetwas mag ich besonders an dieser Serie, es ist aber schwierig, das auszudrücken, insbesondere ohne in Kuratoren Kauderwelsch zu verfallen.

Ich finde zum Beispiel beeindruckend, dass hier ganz verschiedene Logiken auf ganz unproblematische Art und Weise ineinander spielen. Es ist (mir) z.b. nie ganz klar, ob die Zeichnung sich gerade ihrer eigenen Logik widmet, sich sozusagen selbst mit sich beschäftigt und einfach Zeichnung ist "oder" ob sie sich eher ihrer Darstellungsfunktion verpflichtet fühlt:

Manchmal sieht man Baum, manchmal sieht man Striche, manchmal sieht man Äste, manchmal Bewegungen. Meistens spielt das alles zusammen, aber manchmal hat man auch das Gefühl, es driftet auseinander - dann gibt es Gegenden in der Gegend, wo die Zeichnung einfach Zeichnungen ist, bis man schließlich bemerkt, dass man dennoch Aste sieht.

Manchmal habe ich auch das Gefühl, dass die Bilder einer gewissen Foto-Logik folgen, während sie zugleich wieder ihrer eigenen Bild und Zeichen Logik folgen ...

Mir gefallen auch besonders die optische Witze, z.b. den NeoGeo-Eingang oder die blaue Linie rechts am Dach ... das sind schöne Pointen (falls das ein brauchbareres Ausdruck ist), ohne spekulativ oder auf Effekt gesetz zu sein.
Klaus Harth hat geschrieben : ich finde, das trifft es alles ziemlich gut. das sind alles so sachen, die mich dabei umtreiben. danke für dieses schöne interpretatorische herantasten :-)



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Friederike
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Sa 2. Feb 2019, 10:10

Toll, die Zeichnungen sehe ich allesamt so: Idylle und anschließend die Idylle durchgestrichen. Ich ahne Idylle und Harmonie, möchte sie sehen und keine Zeichnung, wo sie mir nicht brutal weggestrichen wird. Irgendwie schrecklich, deswegen "brutal" ... aber faszinierend auch.




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Stefanie
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Sa 2. Feb 2019, 18:26

Auf der Zeichenblock nennt er das BGB Gegenden. Für was steht denn das BGB?



Nur Prinzessinnen richten ihr Krönchen.
Königinnen ziehen ihr Schwert.
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Jörn Budesheim
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Sa 2. Feb 2019, 19:23

Friederike hat geschrieben :
Sa 2. Feb 2019, 10:10
Toll, die Zeichnungen sehe ich allesamt so: Idylle und anschließend die Idylle durchgestrichen. Ich ahne Idylle und Harmonie, möchte sie sehen und keine Zeichnung, wo sie mir nicht brutal weggestrichen wird. Irgendwie schrecklich, deswegen "brutal" ... aber faszinierend auch.
Du meinst: Eigentlich hat Klaus idyllische Orte vor sich gehabt, stellt diese Idylle aber nicht dar? Wie kommst du darauf? Einfach so ein Gefühl?



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Stefanie
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Sa 2. Feb 2019, 19:42

Mir gefallen die Bilder. Es wird das gezeigt, was man in Gegenden so sehen kann, wobei ein jeder ein jede was anderes sieht.

Den Neo Geo Eingang sah ich spontan als Bushaltestelle. Soweit dazu. : - )



Nur Prinzessinnen richten ihr Krönchen.
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Jörn Budesheim
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So 3. Feb 2019, 06:38

Ja, kann gut sein. Aber du hast die Stelle identifiziert, die ich meinte. Ist ziemlich überraschend - wo doch jede/r was anderes sieht :)



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Friederike
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So 3. Feb 2019, 10:23

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 2. Feb 2019, 19:23
Du meinst: Eigentlich hat Klaus idyllische Orte vor sich gehabt, stellt diese Idylle aber nicht dar? Wie kommst du darauf? Einfach so ein Gefühl?
Die Zeichnungen von H. haben es mir wirklich angetan. Ich habe sie eben wieder angesehen, um ihrer Wirkung auf mich auf die Spur zu kommen. Es sind die Kontraste, mir fällt kein besseres Wort ein; die Idylle verheißenden Stellen sind die bewegungslosen, die stillen Elemente, die von den wie wild gezogenen Strichen durchkreuzt werden. "Gegend", wenn ich überhaupt ein inneres Bild zu "Gegend" habe, sieht exakt so aus, wie H. sie zeichnet. :lol: Die kalte Farbgebung, sehr viel Stimmung ist in den Bildern, finde ich, sie vermitteln hauptsächlich Atmosphäre, ja, den Charme der Wohngegenden, wo man eigentlich lieber nicht wohnen möchte. Ich glaube, ich ersetze "Idylle" durch "Sehnsucht" ...




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Friederike
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So 3. Feb 2019, 10:37

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 2. Feb 2019, 19:23
Du meinst: Eigentlich hat Klaus idyllische Orte vor sich gehabt, stellt diese Idylle aber nicht dar?
Dazu fällt mir eben noch ein, daß ich die Bilder auch deswegen so anziehend finde, weil ich den Eindruck habe, daß sie mich nicht zwingen ... ich meine damit, daß ich mich nicht aufgefordert finde, bestimmte Botschaften oder Aussagen oder Intentionen in ihnen zu entdecken. Daß ich also frei bin, sie einfach auf mich wirken zu lassen und das in ihnen zu sehen, was ich sehe.




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Friederike
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So 3. Feb 2019, 11:03

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 2. Feb 2019, 08:44
Manchmal habe ich auch das Gefühl, dass die Bilder einer gewissen Foto-Logik folgen, während sie zugleich wieder ihrer eigenen Bild und Zeichen Logik folgen ...
Klaus Harth hat geschrieben : ich finde, das trifft es alles ziemlich gut. das sind alles so sachen, die mich dabei umtreiben. danke für dieses schöne interpretatorische herantasten :-)
Aha, die "Darstellungsfunktion", wie Du weiter oben geschrieben hattest, das ist also die "Foto-Logik".

Und ja, Du interpretierst, wie H. sagt; es besteht ein Unterschied zu dem, was ich mit den Bildern tue, ich interpretiere nicht ... interpretieren heißt "verstehen" - ich weiß auch nicht :lol: - wir betrachten unter unterschiedlichen Aspekten. Du unter dem Aspekt der Maltechnik, ich unter dem der Wirkung auf mein Gemüt.




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Stefanie
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So 3. Feb 2019, 12:10

Jörn Budesheim hat geschrieben :
So 3. Feb 2019, 06:38
Ja, kann gut sein. Aber du hast die Stelle identifiziert, die ich meinte. Ist ziemlich überraschend - wo doch jede/r was anderes sieht :)
Gut, ich formuliere es um...jeder jede sieht es anders.

Die Bilder haben einen hohen Wiedererkennungseffekt.
Wohngegenden, und ich meine auf einem sieht es mehr aus wie ein Gewerbegebiet (das zweite von oben auf der zeichenblock Seite könnte ein Autohaus sein).
So sieht es halt aus in deutschen Wohngegenden, könnte auch bei mir bei sein. Mischbebauung aus freistehenden Einfamilienhäusern, Reihenhäusern, Mehrparteinhäusern plus die Garagen.
Gemalt, und nicht photographiert, ergänzt um individuelle Akzente.

Zur Abwechslung mal keine Bilder, bei den Frau grossartig grübeln muss, Frau findet sich wieder.

Toll, bzw. Cool, finde ich das auf der Facebook Seite, das obere rechts. Sieht auf wie vor einer Fensterscheibe stehend gemalt, auf der sich Regentropfen befinden plus farbeffekte im Hintergrund. Nur weil es regnet, muss ja nicht alles trist sein.



Nur Prinzessinnen richten ihr Krönchen.
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Friederike
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So 3. Feb 2019, 12:39

Stefanie hat geschrieben :
So 3. Feb 2019, 12:10
Toll, bzw. Cool, finde ich das auf der Facebook Seite, das obere rechts. Sieht auf wie vor einer Fensterscheibe stehend gemalt, auf der sich Regentropfen befinden plus farbeffekte im Hintergrund. Nur weil es regnet, muss ja nicht alles trist sein.
O, das ist die Zeichnung, die ich am tristesten finde. Das abscheuliche Gelb hat es in sich. Als würde es auf die gesammelte Geschmacklosigkeit des Zeitgeistes hinweisen.




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Stefanie
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So 3. Feb 2019, 13:18

So weit dazu, jeder sieht es anders.

Das Gelb leuchtet, der Pinkton auch, und das mit der Fensterscheibe ist toll. Die Bäume haben kaum Blätter, im Hintergrund ein grüner Nadelbaum, also Sommer dürfte es kaum sein, und dazu noch regen, dann die Farbakzente, das beste draus gemacht. Trist, nein.
Die Fensterscheibe zeigt auch, wie es aussieht, wenn im Regen die Brillengläser Tropfen abbekommen, so sieht eine Brillenträgerin dann die Gegend.



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Jörn Budesheim
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So 3. Feb 2019, 13:47

Stefanie hat geschrieben :
So 3. Feb 2019, 13:18
So weit dazu, jeder sieht es anders.
Stefanie hat geschrieben :
So 3. Feb 2019, 12:10
...jeder jede sieht es anders.
Ein Satz, der bei Kunstausstellung oder bei Bildbetrachtungen sicherer fällt als das berühmte Amen in der Kirche :-) Man müsste mal erkunden, was er bedeutet bzw. was er bedeuten kann.



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Jörn Budesheim
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So 3. Feb 2019, 13:53

Stefanie hat geschrieben :
Sa 2. Feb 2019, 19:42
Mir gefallen die Bilder
Friederike hat geschrieben :
So 3. Feb 2019, 10:23
Die Zeichnungen von H. haben es mir wirklich angetan
Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 2. Feb 2019, 08:44
irgendetwas mag ich besonders an dieser Serie
Dann sind wir uns ja einig :-) Zumindest in einer Hinsicht.



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Stefanie
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So 3. Feb 2019, 15:30

Je mehr ich die Bilder anschaue, um so mehr Spass machen sie. Es gibt vieles zu entdecken.



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TsukiHana
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So 3. Feb 2019, 16:04

Jörn Budesheim hat geschrieben :
So 3. Feb 2019, 13:47
Stefanie hat geschrieben :
So 3. Feb 2019, 13:18
So weit dazu, jeder sieht es anders.
Stefanie hat geschrieben :
So 3. Feb 2019, 12:10
...jeder jede sieht es anders.
Ein Satz, der bei Kunstausstellung oder bei Bildbetrachtungen sicherer fällt als das berühmte Amen in der Kirche :-) Man müsste mal erkunden, was er bedeutet bzw. was er bedeuten kann.
Nun, das berühmte "Amen in der Kirche" steht immer am Ende eines liturgischen Textes und soll die gemeinschaftliche Zustimmung der Gemeinde ausdrücken. Sollte eine einzelne Person berechtigte Zweifel an den vorgetragenen Stellen/Gebeten hegen, ist ein "Nicht-Amen" gar nicht vorgesehen. :D
Da ist doch eine Ausstellungs-Situation schon wesentlich komfortabler, wo eine unmittelbare Debatte über das/die Werke ausgetragen werden kann.
"...jeder jede sieht es anders." wirkt auf mich allerdings eher wie eine Verweigerung einer Debatte, somit durchaus mit dem liturgischen "Amen" vergleichbar.

Dabei könnte es doch gerade HIER spannend werden, oder?



Wozu die Tage zählen!?
(Ф.М. Достоевский)

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Stefanie
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So 3. Feb 2019, 17:32

Jeder bzw. Jede sieht es anders kommt daher, dass jemand, der sich Kunst anschaut etwa mitbringt.
Einen Rucksack mit Kenntnissen, Wissen, Erfahrungen, Kunsterfahrungen, Neuling, Erwartungen, sich selber mit seinem Charakter usw.
Eine Beitrag wie den von Jörn kann es von mir nicht geben, da mir schlicht auch das theoretische Wissen fehlt, um das schreiben zu können.
Es macht meiner Meinung nach ein Unterschied, ob jemand, der aus der Kunst kommt und in dieser ist, sich einem Kunstobjekt widmet, oder ob es jemand ist, der damit wesentlich weniger Berührung hat.
Dazu kommen noch die Erwartungen, und der eigene Charakter, Vorlieben, Abneigungen z.B. welche Farben haben welche Wirkung usw. Gerade Assoziationen kommen ja nicht aus dem Nichts.
Diesen Rucksack kann man nicht komplett ablegen.
Mich wundert es nicht, dass der eine etwas so sieht, und eine andere es anders.

Eine Diskussionsverweigerung ist das nicht.



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