Dazu eine Anmerkung, wie es zu diesem Buch weiterführend heißt, was angeblich Sigmund Freud vielleicht nicht bemerkt hat …
zentralbuchhandlung.de hat geschrieben :
Vom Prothesengott zur Psychoprothese
Über Psychotherapie und Selbstoptimierung
Zu diesem Buch
Sigmund Freud hat vielleicht nicht bemerkt, daß seine eigenen Neuerungen auf dem Gebiet des Psychischen ebenfalls der Wunschvorstellung und -erfüllung zuzuordnen sind: Durch eine psychoanalytische ´Hebeltechnik` quasi über die Bande spielen und auf Umwegen (Deutung, psychoanalytische Techniken) so zu Erkenntnissen gelangen, die dem Menschen ´normalerweise` nicht zugänglich, nicht bewußt, sind, entspräche just der gleichen ´Trieb`-Feder. Insofern tragen Psychoanalyse, Psychologie und Psychotherapie auch ihrerseits zur Erweiterung der Prothetik - anders ausgedrückt. zur Selbstoptimierung - bei, wenn sie sich etwa die Verbesserung der Arbeits-, Leistungs- und Liebesfähigkeit, die Stützung des verunsicherten und depressiven Selbst u.s.f. auf die Fahnen geschrieben haben.
Dass die Psychoanalyse, Psychologie und Psychotherapie auch ihrerseits zur Erweiterung der Prothetik beitragen würde ich allerdings bezweifeln wollen. Zumindest wenn man die Verbesserung der Arbeits-, Leistungs- und Liebesfähigkeit, die Stützung des verunsicherten und depressiven Selbst u.s.f. infolgedessen, mit dem vergleicht, was uns der Prothesengott "Technik" an Verbesserungen beschert.
"Unsere Untersuchung über das Glück hat uns bisher nicht viel gelehrt, was nicht allgemein bekannt ist. Auch wenn wir sie mit der Frage fortsetzen, warum es für die Menschen so schwer ist, glücklich zu werden, scheint die Aussicht, Neues zu erfahren, nicht viel größer. Wir haben die Antwort bereits gegeben, indem wir auf die drei Quellen hinwiesen, aus denen unser Leiden kommt: die Übermacht der Natur, die Hinfälligkeit unseres eigenen Körpers und die Unzulänglichkeit der Einrichtungen, welche die Beziehungen der Menschen zueinander in Familie, Staat und Gesellschaft regeln. In betreff der beiden ersten kann unser Urteil nicht lange schwanken; es zwingt uns zur Anerkennung dieser Leidensquellen und zur Ergebung ins Unvermeidliche. Wir werden die Natur nie vollkommen beherrschen, unser Organismus, selbst ein Stück dieser Natur, wird immer ein vergängliches, in Anpassung und Leistung beschränktes Gebilde bleiben. Von dieser Erkenntnis geht keine lähmende Wirkung aus; im Gegenteil, sie weist unserer Tätigkeit die Richtung. Können wir nicht alles Leiden aufheben, so doch manches, und anderes lindern, mehrtausendjährige Erfahrung hat uns davon überzeugt. Anders verhalten wir uns zur dritten, zur sozialen Leidensquelle. Diese wollen wir überhaupt nicht gelten lassen, können nicht einsehen, warum die von uns selbst geschaffenen Einrichtungen nicht vielmehr Schutz und Wohltat für uns alle sein sollten. Allerdings, wenn wir bedenken, wie schlecht uns gerade dieses Stück der Leidverhütung gelungen ist, erwacht der Verdacht, es könnte auch hier ein Stück der unbesiegbaren Natur dahinterstecken, diesmal unserer eigenen psychischen Beschaffenheit."
Sigmund Freud: Das Unbehagen in der Kultur
Was übrigens daran deutlich wird, wie wenig uns jenes Stück der Leidverhütung gelungen ist, welches die Beziehungen der Menschen zueinander in Familie, Staat und Gesellschaft betrifft. So dass, so Sigmund Freud, der Verdacht erwacht, es könnte auch hier ein Stück der unbesiegbaren Natur dahinterstecken, diesmal unserer eigenen psychischen Beschaffenheit.
Dorsch Lexikon der Psychologie hat geschrieben :
Es
[engl. id; lat. id es], [EM, KLI, PER], ist nach Freud (Psychoanalyse) eine der drei Instanzen des psychischen Apparats,Instanzenmodell). Das Es ist die älteste seelische Provinz, aus der sich die beiden anderen, das Ich und das Über-Ich, entwickeln. Das Es gilt als der triebhafte Teil der Persönlichkeit, als Reservoir ihrer Triebenergie (Triebtheorie). Zum Es gehört nach Freud «alles, was ererbt, bei Geburt mitgebracht, konstitutionell festgelegt ist, v. a. also die aus der Körperorganisation stammenden Triebe.» Im Es herrscht das Lustprinzip. Letztlich determinieren die Vorgänge im Es, dessen Triebregungen, das seelische Geschehen. Die Ich-Instanz kann sich dieser Determination nicht entziehen. Das Ich steht zeitlebens in der Abhängigkeit vom Es. Das Ich versucht die triebhaften, leidenschaftlichen Interessen des Es zu erfüllen, indem es sie mit den Ansprüchen des Über-Ichs und den Erfordernissen der Realität zu vereinbaren versucht.
Einer psychischen Beschaffenheit, wie die des "Es". So wünschenswert eine Psychoprothese diesbezüglich auch wäre, bei dem, was daraus folgt, würde ich einmal annehmen, dass wohl nur die wenigsten diese Prothese auch anlegen werden. Wohlgemerkt im Gegensatz zu dem, was uns der Prothesengott "Technik" ermöglicht.
"Es klingt nicht nur wie ein Märchen, es ist direkt die Erfüllung aller – nein, der meisten – Märchenwünsche, was der Mensch durch seine Wissenschaft und Technik auf dieser Erde hergestellt hat, in der er zuerst als ein schwaches Tierwesen auftrat und in die jedes Individuum seiner Art wiederum als hilfloser Säugling – »oh inch of nature!« – eintreten muß ..Der Mensch ist sozusagen eine Art Prothesengott geworden, recht großartig, wenn er alle seine Hilfsorgane anlegt, aber sie sind nicht mit ihm verwachsen und machen ihm gelegentlich noch viel zu schaffen. "Sigmund Freud: Das Unbehagen in der Kultur
Wenn es hier heißt ..
"sie sind nicht mit ihm verwachsen und machen ihm gelegentlich noch viel zu schaffen" .. so würde ich übrigens dergleichen an das
Es und somit dem Lustprinzip festmachen wollen.