Bettdeckeneffekt
Vielleicht hatte Kant recht, als er darauf hinwies, dass unser Denken an der Grenze Gefahr läuft, ins Absurde abzustürzen. Das Denken ist notwendig auf das Sein bezogen, ist ihm aber letztlich trotzdem nicht wirklich gewachsen. Man hat das den ›Bettdeckeneffekt‹ genannt. Die Bettdecke ist immer zu kurz, entweder am Hals oder an den Beinen. Irgendwo frieren wir immer und nichts erklärt alles, auch nicht das philosophische Denken. (Hans-Dieter Mutschler)
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Timberlake
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.. und eben deshalb, um nicht aufgrund einer zu kurzen Bettdecke irgendwo immer zu frieren, um nicht sogar zu sagen zu erfrieren, wären meiner Meinung nach insbesondere empathische Menschen gut beraten, sich bezüglich ihres Mitgefühls eigene Grenzen zu setzten …
Beispiel
Ist doch das Sein, auf das sich ein Denken notwendig bezieht, mitunter nicht von der Art, dass man dem als mitfühlender Mensch gewachsen ist. Zumindest geht es mir so, mit meinem Focus auf das Sein. Bei anderen, mit ihrem Focus auf das Sein, mag das durchaus anders sein.Timberlake hat geschrieben : ↑So 1. Feb 2026, 13:33...
Um an dieser Stelle ... , auf den Unterschied zwischen Mitleid und Mitgefühl aufmerksam zu machen.praxis-nusselt.de hat geschrieben :
Mitleid vs. Mitgefühl: Ein wesentlicher Unterschied
Es ist wichtig, zwischen Mitleid und Mitgefühl zu unterscheiden. Mitleid kann oft eine herablassende Qualität haben – es impliziert, dass man sich in einer überlegenen Position befindet, während man auf jemand anderen herabschaut, der leidet. Mitgefühl hingegen ist eine empathische Reaktion, die auf einer gleichberechtigten Ebene stattfindet. Man fühlt mit der Person, anstatt sich von oben herab um sie zu kümmern. Mitgefühl motiviert zu einer gesünderen Art der Unterstützung, da es weniger darum geht, das Problem für die andere Person zu lösen, und mehr darum, ihre Erfahrungen zu validieren und sie in ihrem eigenen Prozess zu unterstützen.
Zumal mitfühlende und somit empathischen Menschen wohl tatsächlich nicht umhinkommen, sich diesbezüglich Grenzen zu setzten, wollen sie nicht an einer emotionalen Erschöpfung zu Grunde gehen.praxis-nusselt.de hat geschrieben : Die Herausforderung: Warum ist es so schwierig, Grenzen zu setzen?
Empathische Menschen fühlen oft eine natürliche Verpflichtung, anderen zu helfen und deren Leid zu lindern. Diese Tendenz kann jedoch zu einer emotionalen Erschöpfung führen, wenn man nicht gleichzeitig darauf achtet, eigene Grenzen zu setzen. Das Hauptproblem dabei ist, dass das Erkennen und Respektieren der eigenen Grenzen oft als Selbstsucht missverstanden werden kann – sowohl von anderen als auch von einem selbst. Dies führt zu einem inneren Konflikt zwischen dem Bedürfnis, zu helfen, und der Notwendigkeit, sich selbst zu schützen.
Beispielsweise dadurch, dass man abstraktes (Freiheit? Liebe? .. Mitgefühl? ) lieber erstmal raus lässt und sich anstattdessen einem Sein zuwendet, dem man anscheinend auch nicht gewachsen ist. Nur dass dessen Frieren, aufgrund einer deshalb zu kurzen Bettdecke, so gänzlich anderer Natur ist.kritikdervernetztenvernunft.de hat geschrieben :
Sein und Seiendes
Also: Das Seiende ist alles, was da draußen in der Realität angetroffen werden kann, was irgendwie begegnet. Das kann Physisches sein, womöglich auch abstraktes (Freiheit? Liebe?) – aber das lassen wir lieber erstmal raus.
Das interessante ist, dass wir sogleich in diesem Begegnen mit Seiendem draufzeigen und sagen: „Das ist ein Baum!“ „Das ist Matthias!“, „Das ist rot!“ usw. Und in diesem „ist“ steckt das Sein. In diesem Akt des Zeigens und Abgrenzens vom Rest.
Beispiel
Dia_Logos hat geschrieben : ↑So 18. Jan 2026, 09:39Diese kurze Sequenz war der Anlass, diesen Faden zum Thema Mereologie zu starten.Consul hat geschrieben : ↑Fr 16. Jan 2026, 20:40Ja, denn ich bin mereologischer Universalist. Das heißt, ich gehe davon aus, dass es zu jeder beliebigen Vielheit von Dingen (genau) ein Ding gibt, das die Summe (Fusion) jener Dinge ist. (Eine mereologische Summe ist wohlgemerkt etwas anderes als eine Menge im logisch-mathematischen Sinn, zumal die Summe aller Schwäne ein konkretes Objekt ist und die Menge aller Schwäne ein abstraktes.)Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Fr 16. Jan 2026, 11:01@Consul: Gibt es deiner Ansicht nach einen „Gesamt-Schwan“, der alle „Einzel-Schwäne“ umfasst?
Die Mereologie ist – einfach gesagt – die philosophische Lehre von den Teilen und dem Ganzen. Ihr Name leitet sich vom griechischen Wort „meros“ für Teil ab. Im Kern untersucht sie die Beziehungen zwischen Bestandteilen und den Objekten, die daraus bestehen, sowie die Frage, unter welchen Bedingungen mehrere einzelne Teile eine neue, eigenständige Gesamtheit bilden.
Hier ein paar Anregungen: Bilden alle Schwäne dieser Welt zusammen ein einziges Ding, selbst wenn sie weit voneinander entfernt sind – einen „Gesamt-Schwan“? Entsteht, wenn zwei Menschen sich die Hände reichen, für diesen Moment eine neue, echte Einheit, sagen wir das Müller-Schmidt-Objekt? Oder sind nur einzelne Lebewesen, dieser bestimmte Schwan oder ein bestimmter Mensch wie Karl wirklich eigenständige Dinge? Kann uns das Nachdenken über Teile und Ganzes helfen, das alte Rätsel des „Schiffs des Theseus“ zu verstehen? Und was ist mit alltäglichen Gegenständen: Ist ein Tisch wirklich ein Ganzes, oder existiert in Wahrheit nur eine Ansammlung von Teilchen, die sich "zufällig" zu einer Form fügen?
Warum extra Bettdeckeneffekt? Ist die Decke nicht irgendwie überall zu kurz, stößt man nicht überall irgendwie an Grenzen?
Der Mensch als Philosophierender ist Ausgangspunkt aller Philosophie.
Die Philosophie eines Menschen kann durch Andere fahrlässig missverstanden oder gezielt diskreditiert oder gar ganz ignoriert werden, u.a. um eine eigene Meinung durchsetzen zu wollen.
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Ich denke, weil der Bettdeckeneffekt dafür, dass man überall irgendwie an Grenzen stößt, als Metapher, ein Bild in den Köpfen ihres Publikums erzeugt, das Interesse Ihrer Zuhörer hoch hält, ...
.managementcircle.de hat geschrieben :
7 Gründe, warum Sie Metaphern verwenden sollten
Sie erzeugen Bilder in den Köpfen Ihres Publikums.
Sie halten das Interesse Ihrer Zuhörer hoch.
Sie machen komplexe Zusammenhänge leichter verständlich.
Sie machen die Sachverhalte dadurch einprägsamer.
Sie sorgen dafür, dass Ihr Publikum sich Argumente leichter merken kann.
Sie regen Ihre Zuhörer dazu an, sich die Bedeutung der Metapher selbst zu erschließen und sich mit Ihrem Vortrag länger zu beschäftigen.
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„7 Gründe, warum Sie Metaphern verwenden sollten“ – der Hinweis darauf ist eine Antwort auf die Frage, warum eine Metapher verwendet wurde, aber keine Antwort auf die Frage, warum gerade diese!
Mir gefällt die Metapher. Sie macht anschaulich, wie metaphysische Hoffnungen scheitern. Unsere metaphysischen Erklärungsversuche hängen in diesem Bild notwendig zusammen: Wärmt man die Füße, liegt der Kopf frei; zieht man die Decke über den Kopf, beginnen die Füße zu frieren. Es ist nicht bloß so, dass wir irgendwo an Grenzen stoßen, sondern dass jeder Versuch, Vollständigkeit zu erlangen, den Mangel nur verlagert. Die Decke ist in diesem Bild daher nicht einfach nur „überall zu kurz“, sondern der Mangel nimmt mit unseren metaphysischen Erklärungsversuchen jeweils eine andere Gestalt an. Ob wir wollen oder nicht.
Mir gefällt die Metapher. Sie macht anschaulich, wie metaphysische Hoffnungen scheitern. Unsere metaphysischen Erklärungsversuche hängen in diesem Bild notwendig zusammen: Wärmt man die Füße, liegt der Kopf frei; zieht man die Decke über den Kopf, beginnen die Füße zu frieren. Es ist nicht bloß so, dass wir irgendwo an Grenzen stoßen, sondern dass jeder Versuch, Vollständigkeit zu erlangen, den Mangel nur verlagert. Die Decke ist in diesem Bild daher nicht einfach nur „überall zu kurz“, sondern der Mangel nimmt mit unseren metaphysischen Erklärungsversuchen jeweils eine andere Gestalt an. Ob wir wollen oder nicht.
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Ich habe einmal dazu von Hans-Dieter Mutschler folgendes recherchiert ..Dia_Logos hat geschrieben : ↑Di 27. Jan 2026, 10:54Vielleicht hatte Kant recht, als er darauf hinwies, dass unser Denken an der Grenze Gefahr läuft, ins Absurde abzustürzen. Das Denken ist notwendig auf das Sein bezogen, ist ihm aber letztlich trotzdem nicht wirklich gewachsen. Man hat das den ›Bettdeckeneffekt‹ genannt. Die Bettdecke ist immer zu kurz, entweder am Hals oder an den Beinen. Irgendwo frieren wir immer und nichts erklärt alles, auch nicht das philosophische Denken. (Hans-Dieter Mutschler)
Ausgehend von der Überschrift des Buches würde ich meinen, dass Hans-Dieter Mutschlerall mit dem Bettdeckeneffekt all die widerlegen will, die der Meinung sind, das alles Materie sei.
Hans Dieter Mutschler: ALLES MATERIE ODER WAS? Das Verhältnis von Naturwissenschaft und Religion.
Der bekannte Theologe und Physiker (Krakau/Frankfurt) legt hier ein gewichtiges Werk vor über den möglichen Dialog zwischen der modernen Physik und der Rede von Gott. Darin widersetzt er sich mit scharfen Argumenten dem materialistischen und dem naturalistischen Weltbild viele Naturwissenschaftler und vieler Zeitgenossen. Er kritisiert den fundamentalen Fehlschluss vom methodischen Atheismus in allen wissenschaftlichen Disziplinen zu einem ontologischen oder metaphysischen oder praktischen Atheismus. Dieser Fehlschluss sei nicht korrekt und nicht notwendig. Zunächst unterscheidet der Autor zwischen dem klugen und reflektierten Atheismus und der naiven und unreflektierten Gottesleugnung. Auch zwischen dem theoretische und dem praktischen Atheismus sollte genau unterschieden werden. Aus dieser praktischen gottlosen Lebensform folge heute ein weit verbreiteter Hedonismus des Habenwollens an Sachgütern, der unsere natürliche Umwelt bedrohe.
Oder auch, dass alles Gehirn sei.Consul hat geschrieben : ↑So 1. Feb 2026, 23:32Nein, nicht zu etwas "völlig anderem". Ein Gehirn ist ein Gehirn ist ein Gehirn…Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑So 1. Feb 2026, 08:12Genau, hier haben wir ein Teil, das nur als Teil eines Ganzen das sein kann, was es ist. Isoliert man es von diesem Ganzen, wird es zu etwas völlig anderem.
Insofern ich übrigens meinen würde, dass von daher für Consul eine solche Grenze, wo unser Denken Gefahr läuft, ins Absurde abzustürzen und somit ein Bettdeckeneffekt nicht existiert. Geschweige denn davon, dass er auf Grundlage dessen, also dem Bettdeckeneffekt, auch nur bloß ein Dialog zwischen der modernen Physik und der Rede von Gott in Betracht zieht. Ein Dialog, bei dem sich Hans Dieter Mutschler mit scharfen Argumenten einem materialistischen und naturalistischen Weltbild widersetzt. Wenngleich, wenn von Gott die Rede ist, auch für Jörn, bei dem, wo etwas zu völlig anderem wird, wenn man es von diesem Ganzen isoliert .. ich sage mal so … schluss mit dem Bettdeckeneffekt ist. Zumindest gehe ich einmal davon aus.
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Es gibt Ganzheiten, die sich dadurch auszeichnen, dass die Teile dieser Ganzheiten andere Eigenschaften aufweisen als „für sich“ genommen, also ohne die Ganzheit. Organismen sind dafür ein Beispiel. Das ist allerdings keine metaphysische Behauptung über das Ganze der Wirklichkeit, sondern über das Ganze eben u.a. von Organismen.
Der Titel des Buches, dem ich das Zitat mit dem „Bettdeckeneffekt“ entnommen habe, lautet übrigens: „Philosophie für Künstler“. Was Mutschler mit der Metapher meint, steht eigentlich direkt im Zitat: „Vielleicht hatte Kant recht, als er darauf hinwies, dass unser Denken an der Grenze Gefahr läuft, ins Absurde abzustürzen. Das Denken ist notwendig auf das Sein bezogen, ist ihm aber letztlich trotzdem nicht wirklich gewachsen. Man hat das den ›Bettdeckeneffekt‹ genannt.“ Ich schätze, dass Mutschler mit dem „Denken an der Grenze“ auf die Kantischen Antinomien angespielt hat. Zum Beispiel: „Die Welt hat einen Anfang/Grenzen (These) vs. die Welt ist unendlich (Antithese).“
Der Titel des Buches, dem ich das Zitat mit dem „Bettdeckeneffekt“ entnommen habe, lautet übrigens: „Philosophie für Künstler“. Was Mutschler mit der Metapher meint, steht eigentlich direkt im Zitat: „Vielleicht hatte Kant recht, als er darauf hinwies, dass unser Denken an der Grenze Gefahr läuft, ins Absurde abzustürzen. Das Denken ist notwendig auf das Sein bezogen, ist ihm aber letztlich trotzdem nicht wirklich gewachsen. Man hat das den ›Bettdeckeneffekt‹ genannt.“ Ich schätze, dass Mutschler mit dem „Denken an der Grenze“ auf die Kantischen Antinomien angespielt hat. Zum Beispiel: „Die Welt hat einen Anfang/Grenzen (These) vs. die Welt ist unendlich (Antithese).“
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.. und eben deshalb hatte vielleicht Kant tatsächlich recht ..Philoxander hat geschrieben : ↑Fr 6. Feb 2026, 13:25Vielleicht sollten wir an diesem Punkt definieren, was "Rationalität" ist.Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Fr 6. Feb 2026, 13:09Nein. Sie folgt aus einer intensiven Auseinandersetzung mit der Sache und aus Gründen, nicht aus einem bloßen Glaubensartikel. Wer jede begründete Position pauschal als „Glauben“ etikettiert, verabschiedet sich aus der rationalen Diskussion. Selbstdenken beginnt nicht beim Glauben, sondern bei der Bereitschaft, Gründe zu erwägen und zu prüfen.Philoxander hat geschrieben : ↑Fr 6. Feb 2026, 09:23Diese Aussage folgt aus dem Glauben an (D)eine Wahrheit.
Es ist des Menschen Schicksal, sich mit dem zu begnügen, was ihm in seinem Bewusstsein als Wissen geliefert wird, das ihm bewusst wird.
Das ist der einzige Ort, an dem überhaupt von Rationalität gesprochen werden kann.
Alles Wissen außerhalb dieses Gefängnisses beruht logischerweise auf Glauben, der logische Schlüsse zulässt, aber keine Beweise für Dinge außerhalb des Gefängnisses.
Dia_Logos hat geschrieben : ↑Di 27. Jan 2026, 10:54Vielleicht hatte Kant recht, als er darauf hinwies, dass unser Denken an der Grenze Gefahr läuft, ins Absurde abzustürzen. Das Denken ist notwendig auf das Sein bezogen, ist ihm aber letztlich trotzdem nicht wirklich gewachsen. Man hat das den ›Bettdeckeneffekt‹ genannt. Die Bettdecke ist immer zu kurz, entweder am Hals oder an den Beinen. Irgendwo frieren wir immer und nichts erklärt alles, auch nicht das philosophische Denken. (Hans-Dieter Mutschler)
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Kant spricht gemäß dem Zitat im Start-Beitrag übrigens nicht von Denkern und Denkerinnen, sondern vom Denken selbst. Wenn sich beispielsweise jemand gegen alle Einwände immun macht, dann ist das eine Einschränkung im Denken dieser bestimmten Person, aber keine Einschränkung des Denkens schlechthin.
"Was Kant von der Unwissenschaftlichkeit dessen überzeugt hatte, was bis dato ›Metaphysik‹ hieß, war die [...] Entdeckung der Antinomien, also die Tatsache, dass die Vernunft mit sich selbst notwendig in Widerspruch gerät, wenn sie die Grenzen möglicher Erfahrung überschreitet und dort nach Erkenntnissen sucht; ..." (Herbert Schnädelbach, Kant)
"Was Kant von der Unwissenschaftlichkeit dessen überzeugt hatte, was bis dato ›Metaphysik‹ hieß, war die [...] Entdeckung der Antinomien, also die Tatsache, dass die Vernunft mit sich selbst notwendig in Widerspruch gerät, wenn sie die Grenzen möglicher Erfahrung überschreitet und dort nach Erkenntnissen sucht; ..." (Herbert Schnädelbach, Kant)
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Ganz meiner Meinung.
Wenn sich beispielsweise jemand gegen alle Einwände immun macht, wie dem Einwand, dass die Erde keine Scheibe ist, so ist das eine Einschränkung im Denken dieser Person.
Wie ich übrigens diesen Einwand auch nicht zu jenen Einwände zählen würde, wo die Vernunft mit sich selbst in Widerspruch gerät.
Wenn sich beispielsweise jemand gegen alle Einwände immun macht, wie dem Einwand, dass die Erde keine Scheibe ist, so ist das eine Einschränkung im Denken dieser Person.
Wie ich übrigens diesen Einwand auch nicht zu jenen Einwände zählen würde, wo die Vernunft mit sich selbst in Widerspruch gerät.
Einwände, wie sie sich in den Kantischen Antinomien widerspiegeln. Wäre doch sowohl die Annahme des Einen „Die Welt hat einen Anfang/Grenzen (These)", als auch des Anderen "die Welt ist unendlich (Antithese)" mit der Vernunft herleitbar. Das die Erde eine Scheibe war, war seiner Zeit, als man sie als eine These formulierte, durch das, was man mit seinen Sinnen wahrnahm, auch durch die Vernunft herleitbar, nur ist die These, weil man sie durch eine Antithese widerlegen konnte, von gänzlich anderer Natur, als die, dass die Welt einen Anfang/Grenzen hat. Das mit der Antithese zu widerlegen , wie die , dass die Welt aus dem Urknall hervorging, mag man zwar in gleicherweise mit der Vernunft vereinbar sein, nur hat das aber auch zur Konsequenz, dass es ein zuvor demzufolge nicht gab. Und tatsächlich, Zeit und Raum entstanden bekanntlich erst mit dem Urknall.Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Mi 4. Feb 2026, 07:41Ich schätze, dass Mutschler mit dem „Denken an der Grenze“ auf die Kantischen Antinomien angespielt hat. Zum Beispiel: „Die Welt hat einen Anfang/Grenzen (These) vs. die Welt ist unendlich (Antithese).“
Dass die Erde eine Kugel ist, das kann man sich denken. Ein "Ereignis ohne Ursache", wie den Urknall, das kann man sich allerdings tatsächlich schlechthin nicht denken.scinexx.de hat geschrieben :
Astronomie/Kosmologie
Ereignis ohne Ursache
Warum? Diese Frage stellen schon kleine Kinder in ihrem Bemühen, die Welt um sich herum zu verstehen. Deshalb ist es kein Wunder, wenn sich uns auch beim Urknall unweigerlich die Frage stellt: Warum gab es ihn? Was war der Auslöser für diesen Anfang unseres Universums?
Ohne Zeit keine Kausalität
Der belgische Kosmologe Georges Lemaitre spekulierte in den 1930er Jahren, dass vielleicht der Zerfall eines Uratoms alles auslöste. Dafür aber hätte es schon vor dem Urknall etwas geben müssen – das besagte Uratom. Doch nach der klassischen Urknall-Theorie ist das nicht möglich, weil es vor dem Uranfang eben noch nichts gab: weder Zeit, noch Raum noch Materie.
Damit aber kommen wir auch mit der Frage nach der Kausalität in die Bredouille. „Weil die Zeit selbst erst mit dem Urknall begann, ist dies ein Ereignis, das nicht durch etwas oder jemanden verursacht worden sein kann“, erklärt Stephen Hawking. „Die Gesetze der Natur selbst sagen uns, dass das Universum entstanden sein kann, ohne dass dazu Energie oder eine Ursache nötig war.“ Doch sich vorzustellen, dass es ein Ereignis ohne Ursache gibt, einfach so aus dem Nichts, ist schwer – erst recht, wenn es um Etwas von so fundamentaler Bedeutung für unser Universum geht.
Wir haben also als solches tatsächlich ein Problem mit dem Denken selbst.Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Sa 7. Feb 2026, 08:05Kant spricht gemäß dem Zitat im Start-Beitrag übrigens nicht von Denkern und Denkerinnen, sondern vom Denken selbst. Wenn sich beispielsweise jemand gegen alle Einwände immun macht, dann ist das eine Einschränkung im Denken dieser bestimmten Person, aber keine Einschränkung des Denkens schlechthin.
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Dazu vielleicht ergänzend, also wo gemäß dem Bettdeckeneffekt, das Denken selbst einem Sein nicht wirklich gewachsen ist. Einem Sein, auf das man sich zu dem tatsächlich notwendig beziehen muss. Beispielsweise beim Betreiben eines CD-Players.(Die Quantenmechanik als Motor der modernen Welt).
"Wer glaubt, die Quantentheorie verstanden zu haben, hat sie nicht verstanden."
Richard Phillips Feynman
Auch hier haben wir es übrigens mit einem Sein zu tun, dass unserem Denken von Ursache und Wirkung und somit der Kausalität zuwider läuft ...
"Wer glaubt, die Quantentheorie verstanden zu haben, hat sie nicht verstanden."
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Auch hier haben wir es übrigens mit einem Sein zu tun, dass unserem Denken von Ursache und Wirkung und somit der Kausalität zuwider läuft ...
spektrum.de hat geschrieben :
Kausalität in der Quantenwelt
Das Prinzip von Ursache und Wirkung ist uns seit der Kindheit vertraut: Wenn man den ersten Dominostein in einer fein säuberlich aufgestellten Reihe antippt, fallen mit einem befriedigenden Rattern innerhalb weniger Sekunden nacheinander alle Steine um. Der Dominoeffekt macht das Konzept der Kausalität greifbar, das überall in Wissenschaft und Alltag tief verwurzelt ist.
In der Quantenwelt gelten andere Regeln.
Manchmal lässt sich nicht sagen, ob nun A vor B stattgefunden hat oder ob B vor A kam. Und zwar nicht, weil diese Information aus der Apparatur irgendwie nicht ausgelesen werden könnte oder besonders gut versteckt wäre. Sie existiert einfach nicht. Die Quantenphysik erlaubt die Überlagerung beider Abläufe, eine »Superposition«. Das ist so, als würden die Dominosteine gleichzeitig sowohl von links nach rechts als auch von rechts nach links fallen.
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Apropos .. unbeantwortete Frage und mangelnde mangelnde Vorstellungskraft
@PhiloxanderJörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Sa 7. Feb 2026, 08:05Kant spricht gemäß dem Zitat im Start-Beitrag übrigens nicht von Denkern und Denkerinnen, sondern vom Denken selbst. Wenn sich beispielsweise jemand gegen alle Einwände immun macht, dann ist das eine Einschränkung im Denken dieser bestimmten Person, aber keine Einschränkung des Denkens schlechthin.
"Was Kant von der Unwissenschaftlichkeit dessen überzeugt hatte, was bis dato ›Metaphysik‹ hieß, war die [...] Entdeckung der Antinomien, also die Tatsache, dass die Vernunft mit sich selbst notwendig in Widerspruch gerät, wenn sie die Grenzen möglicher Erfahrung überschreitet und dort nach Erkenntnissen sucht; ..." (Herbert Schnädelbach, Kant)
Wie steht es denn diesbezüglich bei dir, bezüglich dieser Antinomien, also nach Ansicht von Herbert Schnädelbach der Tatsache, dass die Vernunft mit sich selbst notwendig in Widerspruch gerät!
Zum Beispiel zu deiner Vorstellungskraft, bei der Beantwortung der Frage, ob die Welt einen Anfang/Grenzen (These) hat oder unendlich (Antithese) ist.Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Mi 4. Feb 2026, 07:41Ich schätze, dass Mutschler mit dem „Denken an der Grenze“ auf die Kantischen Antinomien angespielt hat. Zum Beispiel: „Die Welt hat einen Anfang/Grenzen (These) vs. die Welt ist unendlich (Antithese).“
Könnte es vielleicht sein, dass nun mehr auch dein Denken Gefahr läuft, ins Absurde abzustürzen? Ein Denken, dass notwendig auf das Sein bezogen ist ,ihm aber, gemäß dem ›Bettdeckeneffekt‹, letztlich trotzdem nicht wirklich gewachsen ist?Dia_Logos hat geschrieben : ↑Di 27. Jan 2026, 10:54Vielleicht hatte Kant recht, als er darauf hinwies, dass unser Denken an der Grenze Gefahr läuft, ins Absurde abzustürzen. Das Denken ist notwendig auf das Sein bezogen, ist ihm aber letztlich trotzdem nicht wirklich gewachsen. Man hat das den ›Bettdeckeneffekt‹ genannt. Die Bettdecke ist immer zu kurz, entweder am Hals oder an den Beinen. Irgendwo frieren wir immer und nichts erklärt alles, auch nicht das philosophische Denken. (Hans-Dieter Mutschler)