Rotwelsch

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Stefanie
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Registriert: Mi 19. Jul 2017, 20:09

Mo 26. Jan 2026, 19:06

Rotwelsch ist eine historische, vom 13. bis ins 20. Jahrhundert überwiegend als Geheimsprache genutzte Sondersprache deutscher Randgruppen wie Bettler, Gauner und fahrender Händler. Es basiert auf deutscher Grammatik, enthält jedoch stark jiddische, hebräische, Romani- und romanische Einflüsse. Viele Begriffe gingen in die deutsche Umgangssprache ein
Ursprünglich diente es der Verständigung unter Aussenseitern und dem Schutz vor Polizei sowie Sesshaften.
Es gibt auch Geheimzeichen, sog. Zinken, Gaunerzinken. Das hat nicht geklappt, diese aus einem Buch nach hier zu kopieren.
Die Basis ist Deutsch, erweitert durch einen variablen Wortschatz aus Jiddisch, Romani und anderen Sprachen, oft durch Wortneubildungen. Es wird auch als Soziolekt bezeichnet.
Das Rotwelsche wurde über Jahrhunderte von Vaganten und Händlern genutzt und gilt heute in einigen Formen als Teil des kulturellen Erbes, auch als immaterielles Kulturerbe. https://www.unesco.de/staette/rotwelsch-dialekte/

Beispiele von Wikipedia:
ausbaldowern bzw. baldowern: „auskundschaften“, von jidd. baal „Herr“, und jidd. dowor „Sache, Wort“, also „Herr der Sache“ „baal davar“ sein
Bimbes: „Geld“, von bims, „Brot“ und „Geld“[35]
Bock: „Hunger, Gier“, von romani bokh „Hunger“, daraus auch dt. umgangsspr. Bock haben „Lust haben“
Bulle: „Kriminalbeamter, Polizist“, aus niederl. bol, „Kopf, kluger Mensch“
Ganove: von hebr. ganav ״גנב״ „Dieb“
kaspern: „reden“
Kohldampf: „Hunger“, von romani kálo
Kober: „Wirt“, von jidd. kowo, kübbo „Schlafkammer, Bordell, Hütte, Zelt“; davon auch ankobern „anmachen, Freier aufreißen“ (siehe Koberer)
Model, Maudel, Mudel, Muldel: „Frau, Mädchen“
mosern, herummosern: „sich beschweren, nörgeln, meckern“.
Muß, Moß: „Mädchen, Frau, Dirne“, von dt. Mutze, „Vulva“, oder dt. Musche, „Hure“
Platte „Bande“, Platte machen „auf der Straße leben, im Freien nächtigen“
Polente: „Polizei“, von jidd. paltin „Burg, Palast“
Sauregurkenzeit: „schwierige Zeit“, von jidd. Zóres- und Jókresszeit, (gesprochen Soires un Jokre) „Zeit der Not und der Teuerung“[38]
Schmiere stehen: „Wache halten“, von hebr. shmirah ״ שמירה״ „wachen“
schofel, schovel: „schlecht, schäbig, mies, gering, übel, niedrig“ (rotw. schofel „minderwertig, gemein, schlecht, wertlos“ < jidd. schophol, schophel „gering, niedrig, schlecht“)
Stuss: „Unsinn, Unfug, dummes Gerede“, von westjidd. shtus „dummes Zeug“, auch urspr. hebr. „Irrsinn, Narrheit“


Beispiele aus: Martin Pucher Die Sprache der Vagabunden, Siedler Verlag 1. Auflage Deutsch 2021
Dieses Buch habe ich gelesen.

ROTWELSCHE ORTSNĀMEN
Mokum-Beiß Berlin
Mokum-Matina Augsburg
Mokum Zaddik Köln
Freymokum Freiburg im Breisgau
Godel Mokum Hey Hamburg
Glockmokum Basel
Häringsmokum Hildesheim
Kalle-Mokum Frankfurt am Main

Namen für Polizisten
Meese (Bezeichnung fir Leipziger Stadtsoldaten bis 1830
Mondschein (Wachmann
Naderer (Geheimpolizist)
Polente (Polent Burg, Schloss, jidd. paltin)
Quetsch (Polizist, Gerichtsdiener, Amtsdiener)
Säbelhut
Schmiere (Wachposten, jidd. schmiro Wachter)
Spitzkopf
Weitere Ausdrücke
schofel - minderwertig, gemein, schlecht, wertlos
schummeln - freundlich tun, schöntun
mauscheln betrügen
verratzen - verraten, verlieren
amerikanisch mischen - in betrügerischer Weise Karten
mischen
Gannef -Dieb
schoren -stehlen (Tschorr, Schor Dieb)
Moos - Geld
Tinef- Dreck, Schund, Kot


Etliche Ausdrücke kommen einen sehr bekannt vor und werden auch verwendet, d.h. sie sind in unseren alltäglichen Sprachgebrauch eingezogen.



Prinzessinnen richten ihr Krönchen.
Königinnen ziehen ihr Schwert.

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Jörn P Budesheim
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Mo 26. Jan 2026, 20:32

Bild



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Stefanie
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Di 27. Jan 2026, 16:35

Genau, solche Zinken.

In den Buch von Martin Pucher sind auch komplexe Bilder abgebildet.
Seite 70
20260127_163033.jpg
20260127_163033.jpg (614.71 KiB) 631 mal betrachtet


Das Wort Tinef- Dreck, Schund, Kot verwende wir hier im Rheinland oft.
In der Schreibweise Tinnef für wertloses Zeug, Ramsch, Kram, Krimskrams. Es hat es sogar in den Duden geschafft.



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Jörn P Budesheim
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Di 27. Jan 2026, 17:27

Ich kenne noch einige dieser Begriffe: ausbaldowern, Bimbes, Bock, Bulle, kaspern, Kohldampf, mauscheln, Moos, mosern, Polente, Sauregurkenzeit, Schmiere, schummeln, Stuss, Tinef ...



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Stefanie
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Di 27. Jan 2026, 18:32

Diese kennen wohl nahezu alle. Erstaunlich. Über Sauregurkenzeit war ich meisten verblüfft.
Diese Sprache wurde von einer Minderheit gesprochen, zahlenmäßig und hatte trotzdem einen ziemlich großen Einfluss auf den Wortschatz. Das mag vielleicht daran liegen, dass es Menschen waren und teilweise immer noch, die von Ort zu Ort zogen, also die Wörte an vielen Orten quasi hinterlassen haben.



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Jörn P Budesheim
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Mi 28. Jan 2026, 13:26

Stefanie hat geschrieben :
Mo 26. Jan 2026, 19:06
als Geheimsprache genutzte Sondersprache
Mich erinnert das vage an die Jahr für Jahr wechselnden Jugendsprachen, die in gewisser Hinsicht auch „Geheimsprachen“ sind. Damit kann man Inklusion und Exklusion betreiben … wie eigentlich mit jeder Sondersprache. Oft werden Fachsprachen ja als solche Fälle von bewusster Exklusion verstanden.



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