Jaa, Veronika Olma

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Jörn Budesheim
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Bild

Jaa
Veronika Olma, 2019 - GPS-track gestickt/Chitosan-Tempera auf Rohleinen
30 x 40 cm
Modell: Klaus Harth

"GPS-track gestickt" heißt: Veronika macht regelmäßig GPS-Bilder. Dabei "geht" sie mit ihrem Hund "Bazi" Texte oder Zeichnungen, die per GPS aufgezeichnet werden. Sie nennt das "begangene AUFzeichnung GPS/Galileo" > https://www.olma.de/gps-drawing-begangene-aufzeichnung/

Zwei dieser "AUFzeichnungen" sind auf den "rohen" Stoff gestickt - "über" ein "Portrait" von Klaus Harth. Klaus Harth ist ein Saarländischer Künstler-Kollege von Veronika > https://www.zeichenblock.info/aquarelle ... den-zu-bgb


Der folgende Text von mir ist "meditierend" entstanden. Oder etwas genauer: Ich hab das Bild - das ich auf Facebook gesehen habe - eine knappe halbe Stunde (auf einem Tablet) zum Gegenstand einer Meditation gemacht. Und danach aufgeschrieben, was mir irgendwie noch in Erinnerung geblieben ist. Das ganze hat dabei natürlich eine Form bekommen, die es beim Meditieren nicht hatte - das war ungeordneter ... Ob das eine seriöse Art der Bildbetrachtung ist, weiß ich natürlich nicht, aber es hat mir viel Spaß gemacht:

Steht Klaus Harth einfach dumm in der Gegend* herum? Nein, er blickt intensiv auf einem bestimmten Punkt knapp rechts außerhalb des Bildes. Steht dort Bazi, der vom Jaa-Spaziergang mit Veronika zurück kommt? Niemand wird es je erfahren :-)

Ich kann nicht ein langgezogenes Jaa sehen oder hören ohne an Joseph Beuys zu denken… es geht einfach nicht. Ja, ja, ja nee, nee, nee**. Das war an der Uni in den Achtzigern eine Zeit lang ein echter Hit. Später lese ich irgendwo, dass es eine Stelle aus der Bibel zitiert. Aber ich will ja nicht abschweifen. Aber wieso eigentlich nicht? Abschweifen das passt doch perfekt zu diesem Bild.

Gut ich kehre zurück. Klaus schaut nach rechts aus dem Bild, was er sieht, sehe ich nicht. Aber links hinter ihm - das kann er nicht sehen, befindet sich das J - es ist ganz klar, dass dieses J ihn nachäfft. Es hat einen Kopf und einen Arm und so ungefähr dieselbe Beugung nach vorne wie Klaus. Rechts davon steht ein zweiter Kerl, ich weiß nicht genau, ob sie zusammen ein H machen. Dann hieße es nicht Jaa, sondern Haa … naja.

Ich kann die rote Linie nicht wirklich entziffern. Gut, ich weiß, es steht dort ein “Jaa”. Das sagt mir der Titel. Aber wenn es das Ergebnis eines Spaziergangs ist, dann müsste es doch eine einzige Linie sein? Oder? Irgendwo ein Start und irgendwo ein Ende - am besten doch an derselben Stelle wo der Startpunkt war?! Aber das kriege ich nicht zusammen. Ist es eine Linie oder 2wei? Vielleicht sind es sogar drei. Nur nebenbei, nach einigen Minuten schauen - ergeben die beiden A übrigens ein Gesicht; vielleicht aus einer Zeichnung von Klaus?

Ich fahre weiter fort im assoziierenden Stil ohne Ziel. Ein Spaziergang durch das Bild. Eine Zeichnung macht ihren Bildträger oft unsichtbar, ähnlich ist es bei einem Text. Man sieht schließlich die Linien oder liest die Buchstaben, aber man betrachtet in der Regel nicht eigens den Untergrund, das ist ja “nur” der Träger. Aber was den Träger angeht, gibt es auf diesem Bild einen kleinen Witz, meine ich. Das Rohleinen trägt den roten Faden und besteht seinerseits aus Fäden: horizontalen und vertikalen. Ganz ähnlich erscheint einem doch eine Landkarte. Sie ist aufgeteilt im Quadranten - entstehend aus horizontalen und vertikalen Linien. Könnte man sich das Rohleinen nicht als ganz feines sehr stoffliches Millimeterpapier vorstellen :-) gleichsam eine Vorstufe der Google Karte? in welches dann die Zeichnung bzw der Spaziergang eingetragen wird.

Horizontale, Vertikale. Klaus und die Schrift spielen dieses Spiel nach. Die Schrift ist in der Horizontalen, wie es ich für eine Schrift in Europa gehört, Klaus in der vertikalen, wie es sich für einen homo sapiens versteht. Klaus steht, die Schrift geht :-)

Noch eine weitere Assoziation kommt mir in den Sinn, bevor ich endlich aufhöre. Gibt es eine Geschichte des Stoffes? Ich meine irgendwann gelesen zu haben, dass der Homo sapiens aufhören musste ein Wanderer, ein Nomade zu sein, um schließlich Bilder machen zu können, den unseren von der Form her ähneln … ich weiß noch nicht wie ich diesen Gedanken zu Ende führe. Vielleicht würde hier irgendetwas mit Spaziergängen passen :-)


Zur Erläuterung:

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** Ja, ja, ja, ne, ne, ne ist eine "Audio Skulptur" von Joseph Beuys. http://www.medienkunstnetz.de/werke/jajaja/

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* Gegend: Klaus Harth zeichnet zurzeit eine Serie von "Stadtbildern", die den Titel "Gegend" tragen.



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Jörn Budesheim
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In diesem schönen Video kommen Veronika und Klaus mehrmals vor.



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Friederike
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Mo 4. Feb 2019, 13:03

Ich brauche ein wenig Muße ... vorerst aber schon "Danke" für die vielen Anregungen zur Bilder-Kunst.




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TsukiHana
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Di 5. Feb 2019, 00:33

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Fr 1. Feb 2019, 20:11
Noch eine weitere Assoziation kommt mir in den Sinn, bevor ich endlich aufhöre. Gibt es eine Geschichte des Stoffes? Ich meine irgendwann gelesen zu haben, dass der Homo sapiens aufhören musste ein Wanderer, ein Nomade zu sein, um schließlich Bilder machen zu können, den unseren von der Form her ähneln … ich weiß noch nicht wie ich diesen Gedanken zu Ende führe. Vielleicht würde hier irgendetwas mit Spaziergängen passen :-)
Ja, es gibt durchaus eine Geschichte des Stoffes, bzw. der Textilien. Das älteste gewebte Kleidungsstück, ein Leinenhemd aus Ägypten, wurde mit der Radiokarbonmethode auf das 4. Jahrtausend v.u.Z. datiert. Leinen, "linum usitatissimum" (Flachs) kannten die Ägypter schon vor 5000 Jahren und machen Leinen somit zu einer der ältesten Nutzpflanzen der Welt. Ein "Spaziergang" würde dann wohl an den Flachs-Feldern am Nil beginnen? Vielleicht würde sich auch ein Abstecher in das Textilmuseum Augsburg http://www.timbayern.de/ausstellung/dauerausstellung/ lohnen?
Veronika Olma benutzt für ihre Objekte sehr grobes Leinen, was mir sehr gefällt. Der Vergleich mit Millimeterpapier ist durchaus stimmig.


(gerade versuchte ich hier ein Bild zu installieren - erfolglos... wo finde ich eine Anleitung?)



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Friederike
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Di 5. Feb 2019, 12:18

TsukiHana hat geschrieben :
Di 5. Feb 2019, 00:33
[...] (gerade versuchte ich hier ein Bild zu installieren - erfolglos... wo finde ich eine Anleitung?)
Da ich nun fast 2 Jahre hier bin, habe ich mich zunehmend weniger getraut, diese Frage zu stellen :lol: ("was, das kannst du immer noch nicht !!!") - ich hätt's also auch gerne erklärt.




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Stefanie
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Di 5. Feb 2019, 12:47

Ich mache das so:
Auf Dateinanhänge gehen, Bild hochladen, und dann "im Beitrag anzeigen anklicken."



Nur Prinzessinnen richten ihr Krönchen.
Königinnen ziehen ihr Schwert.
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Bild

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TsukiHana
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Di 5. Feb 2019, 12:58

Friederike hat geschrieben :
Di 5. Feb 2019, 12:18
TsukiHana hat geschrieben :
Di 5. Feb 2019, 00:33
[...] (gerade versuchte ich hier ein Bild zu installieren - erfolglos... wo finde ich eine Anleitung?)
Da ich nun fast 2 Jahre hier bin, habe ich mich zunehmend weniger getraut, diese Frage zu stellen :lol: ("was, das kannst du immer noch nicht !!!") - ich hätt's also auch gerne erklärt.
@Friederike, WO wenn nicht in "BILDbesprechungen" sollen wir es lernen?
Jetzt brauchen wir nur noch einen "ErklärBär", der genügend Geduld mit uns hat... :D



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TsukiHana
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Di 5. Feb 2019, 13:09

Hach! Es hat offenbar funktioniert! :D
Vielen Dank Stefanie! :idea:

Leinenhemd, Museum of Egyptian Archaeology
leinenhemd.jpg
leinenhemd.jpg (118.09 KiB) 2294 mal betrachtet



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Friederike
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Di 5. Feb 2019, 14:39

@Tsuki, sag' bloß, Du hast das "Teil" im Original gesehen ?! Alleine die Vorstellung, daß ein Mensch, wie Du und ich, dieses Hemd vor ca. 6000 Jahren getragen hat ... ich meine, alleine das Alter ... die Pünktchen stehen für, ich weiß nicht recht, was ich sagen soll/will.

Achso, es scheint kein grobes Leinen zu sein, aber das Transparente, Durchscheinende, Feine könnte natürlich auch das Ergebnis des "Zahns der Zeit" sein.




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Friederike
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Di 5. Feb 2019, 15:04

Doch, jetzt weiß ich, ein Aspekt von "Kunst" ist ja der, das aus der "Lebenswelt" Vertraute neu und unvertraut erscheinen zu lassen. Und hier ist es das Alter des Hemdes, das ein Gebrauchsstück auch der gegenwärtigen, d.h. unserer Lebenswelt ist, was den Fremdheitswert erzeugt.




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TsukiHana
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Di 5. Feb 2019, 16:14

Friederike hat geschrieben :
Di 5. Feb 2019, 14:39
@Tsuki, sag' bloß, Du hast das "Teil" im Original gesehen ?! Alleine die Vorstellung, daß ein Mensch, wie Du und ich, dieses Hemd vor ca. 6000 Jahren getragen hat ... ich meine, alleine das Alter ... die Pünktchen stehen für, ich weiß nicht recht, was ich sagen soll/will.
Nein, leider habe ich es (noch) nicht im Original gesehen. Das hole ich allerdings bei meinem nächsten London-Besuch ganz sicher nach, da es - nach eingehenden und modernsten Untersuchungen - derzeit im im Petrie Museum ausgestellt wird.
Es gleicht schon an ein kleines Wunder, dass dieses Hemd überhaupt erhalten blieb und (erneut) entdeckt wurde, denn es fristete viele Jahrzehnte lang ein jämmerliches Dasein in einen Haufen von Leinentüchern, die man für Grabtücher hielt und wohl deshalb nicht weiter beachtete. Erst als das gesamte Stoffbündel für Konservierungsmaßnahmen ins Victoria and Albert Museum in London geschickt wurde, fand man es.
Dank der Radiokarbondatierung kann man das Alter heute relativ genau bestimmen. Es ist das älteste, derzeit bekannte, gewebte Kleidungsstück der Welt... *gänsehaut
Es berührt mich auch auf eine eigentümliche Weise es zu betrachten. Getragen wurde es wohl von einer Frau, oder einem zierlichen Teenager. Obwohl es doch recht grobes Leinen ist, wirkt es sehr fein und strahlt eine schlichte Eleganz aus. Gewebt aus drei Bahnen, genäht nach einem schlichten Schnittmuster, welches auch heute noch „en vogue“ sein könnte. Die gesamte Machart lässt schon erahnen, dass es sich hierbei nicht um die Anfänge der Webkunst handelt, sondern schon um ein recht exklusives Kleidungsstück.
Die Trägerin (ich gehe von einer Frau aus!) hinterließ deutliche Spuren, Knitterfalten an den Ellenbogen und unter den Armen, was darauf deutet, dass es tatsächlich getragen wurde und nicht nur als Grabbeigabe diente.
Doch ein Detail verschlug mir wahrlich die Sprache:
es ist die Auffindesituation, denn es soll ausgesehen haben, als wenn es gerade erst ausgezogen worden wäre, wie nach dem Über-den-Kopf-Ziehen, auf links gekrempelt.
Hm...



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Stefanie
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Di 5. Feb 2019, 16:41

Es ist wohl davon auszugehen, dass dieses Kleidungsstück von jemanden getragen wurde, der kein Bauer oder Arbeiter war, sondern von hohen Stand. Solche Kleidung trugen keine einfache Leute. Da die Menschen früher und noch viel mehr früher wesentlich kleiner waren, als wir heute, dürfte es sich nicht um eine Bluse handeln, sondern um ein Kleid, wahrscheinlich mind. bis zu den Knien gehend. Ich bin auch für eine Frau, Männer trugen noch weniger Kleidung.
Die Auffindsituation bietet Stoff für einen Krimi. Aber vieleicht war es auch harmlos, nachlässig nach dem ausziehen liegen gelassen, und dann vergessen.



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Jörn Budesheim
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Di 5. Feb 2019, 18:14

Ich lade alle meine Bilder hierher > https://picr.de

Das finde ich bequemer, außerdem hab ich sie dort alle zusammen im Überblick für den Fall, dass ich sie mehrfach verwenden will.



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Jörn Budesheim
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Di 5. Feb 2019, 18:47

Nur noch ein zwei kurze Bemerkungen zum Thema Stoff: es eröffnet meines Erachtens einen sehr weiten Assoziationsraum :-) Insbesondere bei diesem Bild, da Stoff nicht nur der Grund des Bildes ist, sondern auch dargestellt ist, Klaus trägt ja schließlich Kleider :-)

Eine andere "Verknüpfungsmöglichkeit" (sic!) ist natürlich der des Textes bzw der Textur, womit man gleich wieder beim gewanderten Text ist, einer der Stoffe von denen das Bild handelt.



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TsukiHana
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Mi 6. Feb 2019, 04:07

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Di 5. Feb 2019, 18:47
Eine andere "Verknüpfungsmöglichkeit" (sic!) ist natürlich der des Textes bzw der Textur, womit man gleich wieder beim gewanderten Text ist, einer der Stoffe von denen das Bild handelt.
Der gewande(r)te Text, das gegangene "jaa", aus unzähligen Schritten von Veronika und Bazi werden aneinandergereihte Stiche, gestickt mit rotem Faden in das Webgitter des groben Leinens, wie in eine textile Landkarte.
Etwas mäandernd, wirkt es auf mich wie ein fröhliches, zustimmendes "jaa". Der Hund macht am Wegesrand Entdeckungen, ändert plötzlich die Route, um noch einen vertrauten Baum zu beschnuppern, macht dann eine abrupte Wende, um vielleicht noch schnell ein Bad in einer Pfütze zu nehmen, rennt beherzt noch einem Kaninchen hinterher und fügt so durch seine Ausgelassenheit der "jaa"-Kalligraphie eigene Linien und Schnörkel hinzu.
Klaus verharrt in einer etwas angespannten Haltung, leicht skeptisch vielleicht, als wollte sich ihm die Botschaft des roten Fadens, deren Teil er ist, noch nicht ganz erschließen, als müsste er sie erst dechiffrieren, vielleicht sogar erst den Anfang des Ariadnefadens finden... oder das Ende?
Wer führt wen bei dieser Wanderung entlang des roten Fadens?
Vade mecum (Geh mit mir!)
Gehend philosophieren. Gehen ist auch Meditation.



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Jörn Budesheim
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TsukiHana hat geschrieben :
Mi 6. Feb 2019, 04:07
Webgitter ...
mäandernd
Ja, finde ich auch - aus diesem Kontrast lebt die Arbeit (neben vielem anderen) auch. Also den Kontrast zwischen dem rechten Winkel und den bewegten lebendigen Formen.



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Jörn Budesheim
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TsukiHana hat geschrieben :
Mi 6. Feb 2019, 04:07
Klaus verharrt in einer etwas angespannten Haltung, leicht skeptisch vielleicht, als wollte sich ihm die Botschaft des roten Fadens, deren Teil er ist, noch nicht ganz erschließen, als müsste er sie erst dechiffrieren, vielleicht sogar erst den Anfang des Ariadnefadens finden... oder das Ende?
Ich schätze, das ist ein wichtiger Punkt für die gesamte Serie: Der (beziehungsweise die) Blickwinkel. Also beispielsweise der Blick von oben, welcher den "gegangenen Text" anzeigt; ein Blick, der uns selbst in dieser Form in der Regel verwehrt ist. Geben unsere Bewegung hier unten von oben besehen irgendeinen Sinn? Ist unsere Lebenslinie am Ende ein sinnvoller erzälbarer Text?

Wenn man so will, haben wir es mit einem "Sinnbild" dafür zu tun, dass wir aus unserer eigenen Perspektive heraustreten können.

In gewisser Hinsicht steht Google earth heutzutage doch für diesen Blick von Nirgendwo, oder?



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Jörn Budesheim
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Philosophie des Spazierens
In Gedankenschritten durch die Welt
Von Jule Hoffmann

...

Spazierengehen lässt Raum zum freien Denken, verweigert sich jedoch dem Zweck, gezielt Gedanken zu erzeugen. Der Spaziergang bleibt ein Freiraum, eine Flucht, ein Ausbruch aus funktionalen Zusammenhängen. Das ziellose Herumspazieren ist Arbeitsverweigerung, Kurzurlaub, eine Demonstration gegen das Effizienz-Diktat des Kapitalismus.

...


https://www.deutschlandfunkkultur.de/ph ... _id=392330



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TsukiHana
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Mi 6. Feb 2019, 23:59

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Mi 6. Feb 2019, 05:36
TsukiHana hat geschrieben :
Mi 6. Feb 2019, 04:07
Webgitter ...
mäandernd
Ja, finde ich auch - aus diesem Kontrast lebt die Arbeit (neben vielem anderen) auch. Also den Kontrast zwischen dem rechten Winkel und den bewegten lebendigen Formen.
In der Tat. Wober ich in diesen Arbeiten (plural) noch zahlreiche weitere Kontraste finde. Ich denke da an ein besonderes Objekt aus dieser Serie, wo Veronika eine mit Kreuzstichen bestickte Textilie (altes Kissen, oder Omas Tischdecke) mit dem gestickten roten Faden der GPS-Spur fast gesprengt hat...
Veronika Olma hat geschrieben : Ausgangsmaterialien sind alte, bestickte Altardecken, Sofakissen, sogenannte Überhandtücher oder einfache Spruchtücher aus dem letzten Jahrhundert.
Die Leinentücher werden auf Holzboxen gespannt, so dass nur noch Teile der Sinnsprüche lesbar sind. Darauf werden mit feinstem Pinsel Darstellungen von Tieren oder Mensch-Tier-Beziehungen gemalt. Diese Vorlagen stammen aus dem Internet, von alten Postkarten, aus Zeitschriften, von eigenen Fotos oder aus der Werbung. Das surrealistische Prinzip wird gesteigert, indem die Sprüche – die in der heutigen Zeit sehr komisch anmuten – mit diesen Bildern kombiniert werden.
Die Stick-Stoff-Boxen haben es mir angetan. Bei einigen Textilien fühle ich mich in de gode Stuuv vun min Grootmudder
zurückversetzt. Gerade überlege ich, welche Antwort ich "gehen" könnte auf Omas Do wat du wullt, un de lütt snackt doch...
Technik der Gegenwart überschreibt in abstrakter Weise die entschleunigte Stick-Arbeit der Vergangenheit.



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