Dietmar Hübner - Theorie der Willensfreiheit: Für einen (milden) Platonismus der Gründe

Hier werden Vorträge und Vorlesungen diskutiert, die online als Video verfügbar sind.
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Jörn Budesheim

Mi 30. Apr 2025, 11:26

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Spielregel: Falls sich jemand findet, der - so wie ich - die grundlegende Prämisse von Dietmar Hübner, dass Gründe (mild) "platonisch" sind, akzeptiert, dann (aber nur dann) könnte man hier gemeinsam über Details der Vorlesung diskutieren.

Ich weiß natürlich, dass im Moment niemand hier ist, der so denkt, aber vielleicht stolpert ja jemand neues über diesen Beitrag und würde gerne unter dieser Voraussetzung darüber diskutieren. Beiträge, die dieser Spielregel nicht entsprechen, verschiebe ich in eine andere Rubrik.

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Einwand/Irritation: Ich hätte (prima facie) eher vermutet, dass schlechte Gründe nur vermeintliche Gründe sind.

Definition: Hübner macht geltend, dass es keine Definition von "Grund" geben kann. Der Philosoph Derek Parfit ist ebenfalls der Ansicht, dass der Begriff des Grundes nicht definiert werden kann, schlägt aber (neben anderen) eine Formulierung vor, die der von Charles Larmore sehr ähnlich ist: "Es ist schwer, den Begriff eines Grundes zu erklären bzw. zu erläutern, was der Ausdruck »ein Grund« bedeutet. Wir könnten sagen, dass Tatsachen uns Gründe liefern, wenn sie dafür sprechen, dass wir eine bestimmte Haltung haben oder dass wir auf eine bestimmte Weise handeln sollten." Ich finde folgende Formel, die sich so oder so ähnlich bei Larmore findet, gut: Gründe sind Tatsachen, die für etwas sprechen.

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Jörn P Budesheim
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Fr 18. Jul 2025, 09:12

Ich hab Hübner einfach (auf YouTube) gefragt:

Kleiner Einwand/Irritation: Ich hätte (prima facie) eher vermutet, dass schlechte Gründe nur vermeintliche Gründe sind.

Es wird geltend gemacht, dass es keine Definition von "Grund" geben kann. Der Philosoph Derek Parfit ist ebenfalls der Ansicht, dass der Begriff des Grundes nicht definiert werden kann, schlägt aber (neben anderen) folgende Formulierung vor: "Es ist schwer, den Begriff eines Grundes zu erklären bzw. zu erläutern, was der Ausdruck »ein Grund« bedeutet. "Wir könnten sagen, dass Tatsachen uns Gründe liefern, wenn sie dafür sprechen, dass wir eine bestimmte Haltung haben oder dass wir auf eine bestimmte Weise handeln sollten."

Ich finde folgende Formel, die sich so oder so ähnlich bei Larmore findet, gut: "Gründe sind Tatsachen, die für etwas sprechen". Wäre das keine Definition?


Und er hat tatsächlich geantwortet:

Zum ersten Punkt: Ich denke, dass es letztlich stimmiger ist einzuräumen, dass es auch schlechte Gründe gibt. Zum Beispiel wäre meine Einschätzung, dass der kategorische Imperativ insgesamt ein deutlich besserer Grund ist als etwa utilitaristische Prinzipien. Dennoch schiene es mir unangebracht, den utilitaristischen Prinzipien den Status als moralische Gründe rundheraus abzuerkennen. Ethisch mögen sie unzureichende Vorgaben formulieren, aber ontologisch sind auch sie rationale Strukturen.

Zum zweiten Punkt: In meiner Deutung sind Gründe rationale Strukturen unterschiedlichen Typs (etwa moralischer oder prudentieller Art). Insbesondere haben sie stets einen normativen Charakter (d.h. sie zeichnen etwas als korrekt zu denken oder richtig zu tun aus). Tatsachen sind aber faktische Strukturen, denen als solchen nichts Normatives anhaftet. Daher scheint es mir angemessener zu sagen, dass Gründe auf Tatsachen Bezug nehmen und hieraus Empfehlungen oder Behauptungen generieren, so dass erst durch sie die Tatsachen für etwas sprechen.



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