Der folgende Text ist nur eine freie Improvisation, spielerisch – hätte ich fast gesagt. Er hat fürs Erste kein ausgearbeitetes argumentatives Gerüst, sondern ist ganz rhapsodisch, nur ein erster Aufschlag - denn Spielen ist ein sehr vielfältiges Phänomen:
Für das Spiel, wie wir es spielen, zählen nicht nur die äußere Form (Regeln etc.), sondern auch so etwas wie eine innere Haltung – und natürlich in vielen Spielen auch ein erheblicher Körpereinsatz. Nicht bei allen, aber bei vielen Spielen geht es darum zu gewinnen. Computer gewinnen zwar fast immer, aber sie kennen nicht den Wunsch zu gewinnen.
Zu den Regeln: Wenn wir spielen, dann fühlen wir uns an die Regeln gebunden – zumindest sollten wir das –, an Fairness, an Anstand. Man kann ein schlechter Gewinner ebenso sein wie ein schlechter Verlierer. Das Spiel ist daher ein Ort der Freiheit. Die Regeln sind ja nicht kausal in uns verankert; wir könnten sie brechen. Beim Schachcomputer hingegen sind sie einfach programmiert.
Beim Glücksspiel (Roulette etc.) empfinden wir eine Spannung und in der Regel Freude, wenn wir gewinnen.
Habt ihr eine Erinnerung ans Versteckspielen? Glaubt jemand von euch im Ernst, dass Computer diesen unglaublichen Gefühlsmix haben können, den wir dabei hatten? Habt ihr Vater, Mutter, Kind gespielt? Diese „spielerische Ernsthaftigkeit“, bei der man die Rollen der Eltern angenommen und ausgestaltet hat – kein Computer kann so etwas. Habt ihr Gummitwist gespielt? Dieses körperliche Erleben kennt keine Maschine.
Zudem: Spiele sind (wie Konzert- oder Ausstellungsbesuche) zeitlich begrenzt. Es gibt spezielle Zeiten des Spiels, die sie vom „Ernst“ und vom Alltag unterscheiden.
Bauklötze! Bauklötze werden zu allem, was die eigene Fantasie hergibt. Da entfacht sich manchmal an einfachen Steinen eine unglaubliche geistige und spielerische Welt – auch eine Form von Freiheit, die Freiheit sich selbst spielerisch Regeln zu geben, typisch menschlich.
Deep Blue, der gegen Kasparow „gewonnen“ hat, kennt nichts davon. Aber der Thrill (und vermutlich alles andere) war ja nicht weg. Ich will gar nicht wissen, wie sehr die Programmierer mitgefiebert haben. Sie haben sicher vieles erlebt, was ein Spiel ausmacht. Der arme Computer hingegen wusste ziemlich sicher weder, was auf dem Spiel stand, noch sonst irgendetwas. Wir haben jedenfalls keinen guten Grund zu der Annahme, dass solche Maschinen entsprechende Erlebnisse haben – und sollte man ihnen eines Tages solche zuschreiben müssen, würde sich die Frage stellen, ob man dann noch sinnvoll von Maschinen sprechen kann.
Spielen Computer?
- Jörn P Budesheim
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