Ich denke auch nicht, dass wir weit auseinander liegen. Mir ist es nur wichtig, dass man Kreativität nicht als eine Art Zauberei ansieht, die KI schon aus Prinzip nicht können kann oder so.Wolfgang Endemann hat geschrieben : ↑Fr 29. Nov 2024, 12:31Ja und nein. Ein neues Ziel wird erreicht, wenn das Fortschreiten in der Produktion mit einer neuen Idee, gar einem Paradigmenwechsel verbunden ist, dann ist das Denken kreativ, es emergiert Neues, das Ziel erscheint in neuem Licht. Mechanische Produktion kann also zu Neuem führen, dann ist es kreatives Denken, wenn nur mechanisch die Schlußfolgerungen gezogen werden, nenne ich es nicht kreativ. Wenn der Schüler 273·327 ausrechnet, nenne ich das nicht kreativ, denn er weiß, wie man multipliziert, daß man alle Zahlen miteinander multiplizieren kann und ein eindeutiges Ergebnis herauskommt. Und eine 52-stellige Zahl mit einer 49-stelligen zu multiplizieren, ist nichts anderes als 3·7 auszurechnen. Im Fall von Beweisen gibt es den mechanischen, daher trivial genannten, und den Beweis, für den man eine nicht auf der Hand liegende Idee benötigt. Diese Idee zu finden, ist kreativ.
Richtig ist jedoch, daß man nur kreativ ist, wenn man die Idee findet. Hat man sie einmal gefunden, braucht man sie nur noch mechanisch aus dem Gedächtnis abrufen und kann sie auf vieles anwenden. Natürlich ist auch kreativ, wenn man sich diese Idee nicht merken kann, vergessen hat, aber sie kreativ wieder rekonstruieren kann. Und kreativ ist auch, wenn man eine solche Idee ganz überraschend auf ein ganz anderes Feld übertragen kann. Das ist in Mathematik, aber auch in Naturwissenschaften das Auffinden von Isomorphien.
Wir liegen also gar nicht weit auseinander. Du hast selbst ein schönes Beispiel gegeben. Man muß in der Mathematik den Unterschied von Zahl und Variable, den Unterschied von gebundenen und ungebundenen Variablen verstanden haben, dann wird das Rechnen Algebra, sonst ist man noch beim Rechnen stehengeblieben.
Natürlich ist mechanisches Abarbeiten das, was Computer von sich aus am besten können, ähnlich wie dein Schüler mit dem Ausrechnen.
So wie Schüler kann man aber auch KI an Höheres heranführen, auch wenn es natürlich nicht ganz einfach ist. Was du bei Idee meinst, sind so etwas wie Gedanken an zu erfüllende Ziele, um es formaler (und damit umsetzbarer) zu sehen. Auch beim Übertragen auf andere Gebiete (Isomorphien u.ä.) stecken gerade solche Ziele dahinter. Wer z.B. als Fußballer gut Tore schießen kann, kann sich ggf. einfacher überlegen, wie es als Handballer geht; auch aufs gute Tischtennis-Spiel kann man was übertragen (z.B. das Anschneiden des Balls). Dabei geht es immer um Ziele, ob nun ein Tor zu schießen oder werfen oder zumindest den Ball in eine gewünschte Richtung und Art zu bewegen.
