Künstliche Intelligenz

Es gibt heute kaum Bereiche des alltäglichen Lebens, die nicht in irgendeiner Weise mit dem World-Wide-Web zusammenhängen. Das Gleiche gilt für "künstliche Intelligenz". Was hat die Philosophie dazu zu sagen?
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Consul
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Burkart hat geschrieben :
So 28. Dez 2025, 11:31

Möglichkeit künstlichen Bewusstseins
Grundsätzlich hält Seth künstliches Bewusstsein für möglich, wenn Bewusstsein auf materiellen, physikalischen Prozessen in Gehirn und Körper beruht; dann sollte man diese Prozesse prinzipiell technisch nachbilden können, auch wenn es vielleicht Tausende Jahre dauert.

Sein eigener, eher „außenseiterischer“ Standpunkt ist, dass Bewusstsein eng mit dem Lebendig‑Sein verbunden ist; daher erwartet er künstliches Bewusstsein eher von „lebenden Maschinen“ (z.B. Gehirnorganoiden und synthetischer Biologie) als von zukünftigen Generationen bloßer Sprachmodelle."
Ich teile Seths biozentrischen Standpunkt, der Nobelpreisträger Gerald Edelman dagegen nicht:
"Ist es möglich, ein bewusstes Artefakt zu konstruieren? Wie ich…bereits erwähnte, hätte die Existenz eines solchen Artefakts wichtige Konsequenzen für unsere erkenntnistheoretischen Fragestellungen. Tatsächlich hätte ein bewusstes Artefakt von allen Konsequenzen unseres Verständnisses der Mechanismen des Bewusstseins die weitreichendsten Auswirkungen.

Wenn wir von bisherigen Erfahrungen ausgehen, können wir unsere Frage bejahen. Wir wissen nicht, wie lange die Entwicklung eines solchen Geräts dauern würde, aber wir können bestimmte Einschränkungen berücksichtigen und Rückschlüsse auf den möglichen Erfolg eines solchen Vorhabens ziehen. Die zu berücksichtigenden Einschränkungen hängen mit den besonderen Eigenschaften der dem Bewusstsein zugrunde liegenden Gehirnsysteme zusammen. Wir dürfen einige grundlegende Eigenschaften des Gehirns nicht außer Acht lassen. Erstens dürfen wir nicht vergessen, dass das Gehirn ein Selektionssystem ist. Zweitens müssen wir die Beobachtung beachten, dass das Gehirn verkörpert ist und daher Gehirn und Körper entscheidend miteinander interagieren. Darüber hinaus sind beide in die reale Welt eingebettet, was offensichtlich einen enormen Einfluss auf ihre Dynamik hat. Drittens wissen wir, dass der reentrante thalamokortikale Kern eine enorme Komplexität aufweist, die sowohl integrierte als auch differenzierte Zustände umfasst. (Die einheitliche Szene erfordert die Integration in den dynamischen Kern, während aufeinanderfolgende Kernzustände voneinander unterscheidbar sind.) Schließlich stellt sich die Frage nach Zusammensetzung und Struktur: Müsste ein bewusstes Artefakt aus denselben chemischen Komponenten bestehen wie ein bewusstes menschliches Gehirn?

Bevor ich darauf eingehe, wie ein Artefakt die soeben skizzierten Hauptbedingungen erfüllen muss, möchte ich diese letzte Frage klären. Die Position, dass das vorgeschlagene Artefakt aus biochemischen Komponenten bestehen muss, ist als biologischer Chauvinismus bekannt. Das andere Extrem, der extreme Liberalismus, geht davon aus, dass die „Hardware“, die chemische Zusammensetzung des Gehirns, irrelevant ist, da das Gehirn als Computer rein als Software auf einer virtuellen Maschine laufen kann. Es wird Sie nicht überraschen, dass ich beide Positionen ablehne. Stattdessen behaupte ich, dass es ausreichen würde, die Strukturen, die bewusstes Erleben ermöglichen, unter den oben genannten Bedingungen in ein beliebiges Material einzubetten, das ihre funktionalen Anforderungen adäquat erfüllt. Die zentrale Idee ist, dass es die Gesamtstruktur und Dynamik, nicht das Material, eines Artefakts (ob bewusst oder nicht) ist, die denen eines echten Gehirns ähneln müssen, um zu funktionieren. Diese Anforderung wurde bereits durch die Entwicklung und den Bau einer Reihe gehirnbasierter Geräte (…) am Neurosciences Institute erfüllt. Obwohl sie noch weit davon entfernt sind, bewusstes Verhalten zu zeigen, sind diese realen Geräte ohne Anleitung zur Wahrnehmungskategorisierung, zum Lernen und zur Konditionierung fähig. Sie beginnen sogar, ein episodisches Gedächtnis zu entwickeln, ein Merkmal der Hippocampusfunktion, und können sich dadurch selbstständig in der realen Welt lokalisieren und vorgegebene Ziele ansteuern." [Google Translate]

(Edelman, Gerald M. Second Nature: Brain Science and Human Knowledge. New Haven: Yale University Press, 2007. pp. 126-8)
Burkart hat geschrieben :
So 28. Dez 2025, 11:31
=> Meine Anmerkungen:
Mal abgesehen davon, dass Bewusstsein nicht etwas klar Verstandenes oder wenigstens begrifflich gut Definiertes ist, finde ich seine Beschreibung mit "überhaupt irgendeine Erfahrung zu haben" schon interessant. Mit Erfahrung verbinde ich (u.a.) Zugang zur realen physischen Welt (die man eben über Sinne (Input-Geräte) erfahren kann) und nicht nur zu einer rein digitalen Welt. Reine Software wie LLMs haben diese nicht, bei Robotern sähe es anders aus.
Wahrnehmung als sensorischer "Zugang zur realen physischen Welt" kann sowohl bewusst (mit Empfindungen) als auch unbewusst (ohne Empfindungen) stattfinden.
"[C]onsciousness is the presence of any kind of subjective experience whatsoever."
———
" Bewusstsein ist die Anwesenheit irgendeiner Art subjektiver Erfahrung/Erlebung." [Consul Translate]

(Seth, Anil. "Consciousness and the Self: A Conversation with Anil Seth." In Sam Harris, Making Sense: Conversations on Consciousness, Morality, and the Future of Humanity, 95-156. New York: Ecco, 2020. p. 98)



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Consul
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Fr 2. Jan 2026, 18:22

Timberlake hat geschrieben :
Do 1. Jan 2026, 20:28
"Ja, das heißt, wenn Sie sagen, die KI denkt, die KI spielt Schach, dann sprechen Sie einfach nicht ordentlich Deutsch .. 33:26 "
Markus Gabriel
Menschen und KI-Maschinen (wie der Schachcomputer Deep Blue) teilen offenkundig bestimmte Fähigkeiten. Die Frage ist, ob und, falls ja, inwieweit man jene geteilten Fähigkeiten als geistige Fähigkeiten bezeichnen kann.
"Ich werde diejenigen Eigenschaften, die wir und erlebnislose Maschinen zu teilen scheinen, die 'X-Eigenschaften' nennen.
Hier sind fünf mögliche Antworten auf das Problem, das die X-Eigenschaften aufzuwerfen scheinen.

Erste Antwort. (A) Wir sind geistige Wesen. (B) Wir und erlebnislose Wesen haben die X-Eigenschaften gemeinsam. (C) Wir zählen die X-Eigenschaften in unserem eigenen Fall zu den geistigen Eigenschaften. Deshalb (D) müssen wir die X-Eigenschaften im Fall der erlebnislosen Wesen zu den geistigen Eigenschaften zählen. Denn wenn (E) die X-Eigenschaften in einigen Fällen richtigerweise als geistige Eigenschaften erachtet werden, dann (F) werden die X-Eigenschaften in allen Fällen richtigerweise als geistige Eigenschaften erachtet. Deshalb (G) können erlebnislose Wesen geistige Eigenschaften haben.

Zweite Antwort (erweitert die erste). Ausgehend von (A) bis (F), ergibt sich (G), dass erlebnislose Wesen geistige Eigenschaften haben können. Deshalb (H) sollten wir erlebnislose Wesen zu den geistigen Wesen zählen. Denn (I) das Haben einer geistigen Eigenschaft ist hinreichend, um ein geistiges Wesen zu sein.

Dritte Antwort (die Kontraposition des Arguments in der zweiten Antwort). Da (nicht-H) erlebnislose Wesen offensichtlich keine geistigen Wesen sind, ergibt sich, dass (nicht-G) sie keine geistigen Eigenschaften haben können, denn (I) das Haben einer geistigen Eigenschaft ist hinreichend, um ein geistiges Wesen zu sein. Es ergibt sich also unter der Annahme, dass es in der Tat wahr ist, dass (B) wir und erlebnislose Wesen die X-Eigenschaften gemeinsam haben, dass (nicht-E) die X-Eigenschaften genau genommen überhaupt keine geistigen Eigenschaften sind.

Vierte Antwort (verwirft die von der zweiten und dritten Antwort geteilte Argumentation sowie teilweise diejenige in der ersten). (A) Wir sind geistige Wesen. (nicht-H) Erlebnislose Wesen sind keine geistigen Wesen. Es stimmt, dass (C) wir die X-Eigenschaften in unserem eigenen Fall zu den geistigen Eigenschaften zählen. Aber daraus folgt nicht, dass (D) wir die X-Eigenschaften im Fall der erlebnislosen Wesen zu den geistigen Eigenschaften zählen müssen. Denn (E) impliziert nicht (F). Aus der Tatsache, dass (E) die X-Eigenschaften in einigen Fällen richtigerweise als geistige Eigenschaften erachtet werden, folgt nicht, dass (F) die X-Eigenschaften in allen Fällen richtigerweise als geistige Eigenschaften erachtet werden.

Die Ablehnung des Schrittes von (C) zu (D) (und folglich des Schrittes von (E) zu (F)) klingt nicht unbedingt völlig kontraintuitiv, wenngleich dadurch Leibnizens Gesetz sorglos verletzt wird. Man kann natürlicherweise sagen, dass meine Fähigkeit, Schach zu spielen, (offensichtlich) eine geistige Eigenschaft ist, die ich besitze, wohingegen die Fähigkeit des Computers, Schach zu spielen, (offensichtlich) keine geistige Eigenschaft ist, die er besitzt. So gesehen, können sowohl die Maschine als auch ich Schach spielen, aber nur in meinem Fall gilt dies als eine geistige Fähigkeit.

Fünfte Antwort (wohl nur eine Abwandlung der vierten). Es ist wahr, dass (F) die X-Eigenschaften in jedem Fall geistige Eigenschaften sind. Aber es ist falsch, dass (B) wir und die erlebnislosen Wesen die X-Eigenschaften gemeinsam haben. Das heißt, es ist tatsächlich falsch anzunehmen, dass die X-Eigenschaften wirklich derartig sind, dass die erlebnislose Maschine und ich sie beide besitzen. Die Maschine kann gar nicht wirklich Schach spielen oder den Unterschied zwischen Kreisen und Quadraten erkennen—jedenfalls nicht in dem Sinn, wie ich das kann. Schach zu spielen heißt notwendigerweise, bestimmte Erlebnisse zu haben (oder haben zu können), zusätzlich zum Ausführen bestimmter Bewegungen, Befolgen bestimmter Regeln usw. Leibnizens Gesetz bleibt somit gewahrt." [Consul Translate]

(Strawson, Galen. Mental Reality. 2nd ed. Cambridge, MA: MIT Press, 2010. pp. 146-48)



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Consul
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Fr 2. Jan 2026, 18:30

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
So 28. Dez 2025, 12:26
Burkart hat geschrieben :
So 28. Dez 2025, 11:31
Erfahrung können (z.B.) Roboter auch schon ohne biologische Struktur machen
Aber dein Argument dafür läuft in der Regel darauf hinaus, den Erfahrungsbegriff so sehr zu entleeren, dass er mit der Bedeutung, die wir üblicherweise damit verbinden, eigentlich nichts mehr zu tun hat. Das bedeutet, man legt die Latte so niedrig, dass man sie unmöglich reißen kann. Selbst meine Kaffeemaschine müsste dann als etwas gelten, was Erfahrungen macht.
Die bloße technologische Registrierung von und Reagierung auf physische(n)/chemische(n) Signale(n) machen ein System natürlich nicht zu einem phänomenologischen Erfahrungssubjekt.



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Jörn P Budesheim
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Fr 2. Jan 2026, 18:57

„Menschen und KI-Maschinen (wie der Schachcomputer Deep Blue) teilen offenkundig bestimmte Fähigkeiten.“ (Consul)

Ich für meinen Teil finde das keineswegs offenkundig. Meines Erachtens hat Deep Blue ebenso wenig die Fähigkeit, Schach zu spielen, wie Steine die Fähigkeit haben, zu liegen. Wahr ist hingegen, dass wir eine bestimmte Fähigkeit besitzen: nämlich die Fähigkeit, Maschinen zu bauen, mit deren Hilfe wir deutlich bessere Züge im Schach ermitteln können, als wir es ohne diese Maschinen können.

Wer hier dennoch von Fähigkeiten spricht, die Deep Blue und wir teilen, hat unter der Hand die Bedeutung des Begriffs „Fähigkeit“ verändert. Als Alltagsmetapher kann man das durchgehen lassen; nimmt man es wörtlich, wird es jedoch schief.

Denn Fähigkeiten sind keine bloßen Funktionsbeschreibungen. Kaffeemaschinen haben keine Fähigkeiten. Ich wäre nicht mal sicher, dass Lebendigkeit für sich genommen genügt, um sinnvoll von Fähigkeiten zu sprechen: Ein Baum hat (vermutlich) nicht die Fähigkeit, sich zum Licht hin zu orientieren – das geschieht einfach. Bei einer Katze hingegen kann man ziemlich sicher davon sprechen, dass sie die Fähigkeit hat, Mäuse zu fangen.

In den Begriff der Fähigkeit ist Normativität aufgeladen: hat man nur wo etwas gelingen oder misslingen kann. Wenn Deep Blue gewinnt, sind aber allein wir es, die den erfolgreichen Ausgang der Partie festlegen und feststellen. Dementsprechend sind auch die Trainingsprogramme von KI aufgebaut: Es gibt immer einen menschlichen Rahmen, der Erfolg oder Misserfolg definiert.

Consul, ich stimme also nur zur Hälfte zu, wenn es in deinem Text heißt:
  • Man kann natürlicherweise sagen, dass meine Fähigkeit, Schach zu spielen, (offensichtlich) eine geistige Eigenschaft ist, die ich besitze, wohingegen die Fähigkeit des Computers, Schach zu spielen, (offensichtlich) keine geistige Eigenschaft ist, die er besitzt. So gesehen, können sowohl die Maschine als auch ich Schach spielen, aber nur in meinem Fall gilt dies als eine geistige Fähigkeit. (Galen Strawson*)
Ich hingegen bin der Ansicht, dass Computer streng genommen kein Schach spielen können.

---
*Consul, arbeitest du zufälligerweise als Bibliothekar oder warum sind bei dir die Namen immer falsch rum? Also Strawson, Galen statt Galen Strawson. :)



Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“

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Fr 2. Jan 2026, 19:07

Burkart hat geschrieben :
So 28. Dez 2025, 12:37
(Ein) Zentraler Punkt von Erfahrung ist für mich für die ((auch) eigene) Zukunft lernen zu können. Ich wüsste nicht, inwiefern deine Kaffeemaschine das kann.…
Das Wort "Erfahrung" ist mehrdeutig:
1. Wahrnehmung (Beobachtung)
2. wahrnehmungsbasiertes Wissen
3. praktisch erworbene Kenntnisse ("Der Schreiner hat jahrelange Erfahrung in seinem Beruf")
4. objektive "Erleidung" (im alten, nicht auf die Psychologie beschränkten Wortsinn von "erleiden", in dem es das Gegenwort zu "tun", "handeln" ist: passio versus actio) – Siehe das unten zitierte Beispiel!
5. subjektive "Erleidung" (im psychologisch-phänomenologischen Sinn)

Jörn hat das Wort im Sinn #5 gebraucht.
""Das Metall erfährt" ist eine gängige Formulierung in der Werkstoffkunde, Physik und Chemie und bedeutet, dass das Metall bestimmten physikalischen oder chemischen Einwirkungen ausgesetzt wird, wie mechanischer Beanspruchung (Ziehen, Drücken, Verformen), thermischen Veränderungen, chemischen Reaktionen (z.B. Oxidation) oder Einfluss von Liganden in der Komplexchemie, was zu Veränderungen in seiner Struktur, Form oder seinen Eigenschaften führt (z.B. Rissbildung, Verformung, Änderung der Oxidationszahl).

Mechanisch: Das Metall erfährt eine Kraft, eine Scherverformung oder wird gezogen und verformt sich dabei.
Chemisch: Das Metall erfährt eine Reaktion, wodurch sich seine Oxidationszahl ändert.
Koordinationschemie: Ein Ligand erfährt eine Verdrillung, wenn er an das Metall bindet.

Beispiele:
"Das Metall erfährt eine starke Verformung durch Tiefziehen."
"Wenn das Metall eine bestimmte Kraft erfährt, entstehen Risse."
"Das Metall erfährt bei der Addition einen Zuwachs in der Oxidationszahl."

Quelle: Google KI-Suche



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Jörn P Budesheim
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@Consul, das Wort "Erleidung" würde ich nur verwenden, wenn man mich ordentlich dafür bezahlt :) ich bin aber jederzeit für entsprechende Angebote offen :)



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Fr 2. Jan 2026, 19:43

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Do 1. Jan 2026, 19:43
Der Philosoph Wilhelm Schmid im Interview: "Dass KI für keinerlei Intelligenz steht, für keinerlei menschliches Verständnis, wird sich bald herumsprechen. …"
Was versteht Schmid unter "Intelligenz"?
"Die Definition von Intelligenz: Laut Webster’s New World College Dictionary (3. Auflage) ist Intelligenz „die Fähigkeit, aus Erfahrung zu lernen oder zu verstehen, die Fähigkeit, Wissen zu erwerben und zu behalten; geistige Fähigkeiten“ (Neufeldt, 1997, S. 702). Diese Definition erfasst viele Facetten des Wesens von Intelligenz, jedoch nicht unbedingt jene, die von Experten als zentral angesehen werden. Zwei Symposien haben versucht, die Schlüsseleigenschaften von Intelligenz aus Sicht von Experten zu ermitteln („Intelligence and its Measurement“, 1921; Sternberg & Detterman, 1986). Zu den kritischen Elementen der Intelligenzdefinition gehören laut Experten (1) die Fähigkeit, sich effektiv an die Anforderungen der Umwelt anzupassen, (2) elementare Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitsprozesse, (3) höhere Prozesse des abstrakten Denkens, der mentalen Repräsentation, der Problemlösung und der Entscheidungsfindung, (4) die Lernfähigkeit und (5) effektives Verhalten in Problemsituationen. Einige Experten begnügen sich jedoch damit, Intelligenz operational zu definieren, also einfach als Intelligenzquotient oder IQ (Boring, 1923). Diese Definitionen basieren auf Tests wie denen von Binet und Simon (1916) zur Messung des Urteilsvermögens oder von Wechsler (1939) zur Messung verbaler und praktischer Fähigkeiten. Auch Laien können Intelligenz definieren, und es zeigt sich, dass sich ihre Definitionen von denen von Experten unterscheiden, indem sie soziale Kompetenzen etwas stärker gewichten. In einer Studie beispielsweise definierten Laien Intelligenz anhand von drei Hauptkompetenzbereichen: (1) praktische Problemlösung, (2) verbale Fähigkeiten und (3) soziale Kompetenz (Sternberg, Conway, Ketron & Bernstein, 1981). Die Definitionen können je nach Beruf variieren (Sternberg, 1985)." [Google Translate]

("Human Intelligence." In The Concise Corsini Encyclopedia of Psychology and Behavioral Science, 3rd ed., edited by W. Edward Craighead and Charles B. Nemeroff, 442-444. Hoboken, NJ: John Wiley & Sons, 2004. pp. 442-3)
"Künstliche Intelligenz (KI) ist das Forschungsgebiet, das die Synthese und Analyse intelligent agierender Computerakteure [computational agents] untersucht. Betrachten wir die einzelnen Teile dieser Definition genauer.

Ein Akteur [agent] ist etwas, das in einer Umgebung agiert; es führt eine Handlung aus. Beispiele für Akteure sind Würmer, Hunde, Thermostate, Flugzeuge, Roboter, Menschen, Unternehmen und Staaten. Uns interessiert, was ein Akteur tut, also wie er agiert. Wir beurteilen einen Akteur anhand seiner Handlungen.

Ein Akteur handelt intelligent, wenn
• sein Handeln den Umständen und Zielen angemessen ist, und dabei die kurz- und langfristigen Folgen seiner Handlungen berücksichtigt werden.
• er flexibel auf sich ändernde Umgebungen und Ziele reagiert.
• er aus Erfahrung lernt.
• er angesichts seiner Wahrnehmungs- und Rechenkapazitäten angemessene Entscheidungen trifft.

Ein Computerakteur ist ein Akteur, dessen Entscheidungen über seine Handlungen rechnerisch (computertheoretisch/informatisch) erklärt werden können. Das heißt, die Entscheidung lässt sich in primitive Operationen unterteilen, die in einem physischen Gerät implementiert werden können. Dieser Rechenprozess [computation] kann viele Formen annehmen. Beim Menschen findet er in der „Wetware“ statt; beim Computer in der „Hardware“." [Google Translate]

(Poole, David L., and Alan K. Mackworth. Artificial Intelligence: Foundations of Computational Agents. 2nd ed. Cambridge: Cambridge University Press, 2017. pp. 3-4)
"Legg und Hutter (2007 [„A Collection of Definitions of Intelligence“]) führen 70 Definitionen von Intelligenz auf und ziehen folgendes zusammenfassendes Fazit:

Intelligenz:
* Ist eine Eigenschaft, die ein individueller Akteur in der Interaktion mit seiner Umwelt besitzt.
* Steht in Zusammenhang mit der Fähigkeit des Akteurs, im Hinblick auf ein bestimmtes Ziel erfolgreich zu sein oder einen Nutzen daraus zu ziehen.
* Hängt davon ab, wie gut sich der Akteur an unterschiedliche Ziele und Umgebungen anpassen kann.

Die Kombination dieser Schlüsseleigenschaften ergibt eine informelle Definition von Intelligenz: „Intelligenz misst die Fähigkeit eines Akteurs, Ziele in einem breiten Spektrum von Umgebungen zu erreichen. Merkmale wie Lern- und Anpassungsfähigkeit sowie Verständnis sind in der obigen Definition implizit enthalten, da diese Fähigkeiten einem Akteur zum Erfolg in einem breiten Spektrum von Umgebungen verhelfen.“ (Legg und Hutter 2007)." [Google Translate]

(Trewavas, Anthony. Plant Behaviour and Intelligence. Oxford: Oxford University Press, 2014. p. 195)
"Zwölf Merkmale der Intelligenz:
1. Wahrnehmung
2. Problemlösung
3. Planung
4. Entscheidung
5. Verständnis
6. Lernen
7. Abstraktion
8. Kreativität
9. Schlussfolgerndes Denken
10. Gefühl (emotionale Intelligenz)
11. Kommunikation
12. Handeln"
[Google Translate]

(Thagard, Paul. Bots and Beasts: What Makes Machines, Animals, and People Smart? Cambridge, MA: MIT Press, 2021.)



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Fr 2. Jan 2026, 20:09

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Fr 2. Jan 2026, 19:15
@Consul, das Wort "Erleidung" würde ich nur verwenden, wenn man mich ordentlich dafür bezahlt :) ich bin aber jederzeit für entsprechende Angebote offen :)
"leiden, etwas über sich geschehen lassen, gegensatz von handeln oder thun." – GRIMM

Was man erleidet, ist, was einem angetan wird – Passion als Affektion. In diesem alten Sinn werden auch positive seelische Erfahrungen wie Freude erlitten. In jenem Sinn sind die Wörter "Passion" und "Affekt(ion)" wohlgemerkt nicht auf psychische Zustände beschränkt, insbesondere nicht auf Emotionen. Auch das Substantiv "Leidenschaft" hat eine entsprechende alte Bedeutung (als allgemeines Gegenwort zu "Tätigkeit"):

"Chr. Wolff braucht das wort [leidenschaft] zunächst in der allgemeinen bedeutung eines leidenden zustandes im gegensatz zur thätigkeit (wie leiden I, 4 sp. 660): eine veränderung, davon der grund in der sache anzutreffen, die verändert wird, heiszet man eine that oder ein thun: hingegen eine veränderung, davon der grund in einer andern sache, als die verändert wird, anzutreffen, heiszet man eine leidenschaft."GRIMM



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Jörn P Budesheim
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Fr 2. Jan 2026, 20:19

Consul hat geschrieben :
Fr 2. Jan 2026, 20:09
leiden
Das Verb "leiden" nutze ich jederzeit unentgeltlich!



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Fr 2. Jan 2026, 21:00

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Fr 2. Jan 2026, 18:57
„Menschen und KI-Maschinen (wie der Schachcomputer Deep Blue) teilen offenkundig bestimmte Fähigkeiten.“ (Consul)
Ich für meinen Teil finde das keineswegs offenkundig. Meines Erachtens hat Deep Blue ebenso wenig die Fähigkeit, Schach zu spielen, wie Steine die Fähigkeit haben, zu liegen. Wahr ist hingegen, dass wir eine bestimmte Fähigkeit besitzen: nämlich die Fähigkeit, Maschinen zu bauen, mit deren Hilfe wir deutlich bessere Züge im Schach ermitteln können, als wir es ohne diese Maschinen können.

Wer hier dennoch von Fähigkeiten spricht, die Deep Blue und wir teilen, hat unter der Hand die Bedeutung des Begriffs „Fähigkeit“ verändert. Als Alltagsmetapher kann man das durchgehen lassen; nimmt man es wörtlich, wird es jedoch schief.

Denn Fähigkeiten sind keine bloßen Funktionsbeschreibungen. Kaffeemaschinen haben keine Fähigkeiten. Ich wäre nicht mal sicher, dass Lebendigkeit für sich genommen genügt, um sinnvoll von Fähigkeiten zu sprechen: Ein Baum hat (vermutlich) nicht die Fähigkeit, sich zum Licht hin zu orientieren – das geschieht einfach. Bei einer Katze hingegen kann man ziemlich sicher davon sprechen, dass sie die Fähigkeit hat, Mäuse zu fangen.

In den Begriff der Fähigkeit ist Normativität aufgeladen: hat man nur wo etwas gelingen oder misslingen kann. Wenn Deep Blue gewinnt, sind aber allein wir es, die den erfolgreichen Ausgang der Partie festlegen und feststellen. Dementsprechend sind auch die Trainingsprogramme von KI aufgebaut: Es gibt immer einen menschlichen Rahmen, der Erfolg oder Misserfolg definiert.
Nein, Fähigkeit ist kein normativer Begriff. Die Festlegung der Schachregeln war natürlich ein normativer Akt; aber die Fähigkeit, diese Regeln zu lernen und ein Schachspiel regelkonform zu spielen, hat nichts Normatives an sich.

GRIMM gibt als lateinische Bedeutung von "Fähigkeit" "facultas" an:
"facultās, ātis, f. (v. alten facul, w. s.), die Tunlichkeit, I) subjektiv = das jmdm. inwohnende Vermögen, die Kraft, etwas zu vollbringen,…"

Quelle: http://www.zeno.org/Georges-1913/A/facultas?hl=facultas
Deep Blue hat Garri Kasparow in einem Schachspiel geschlagen, also muss es die Fähigkeit—die Vermögenheit, Mächtigkeit, Macht, Kraft—dazu gehabt haben.

Außerdem: Im weiten Sinn sind nicht alle Fähigkeiten Fähigkeiten zum Tun, denn es gibt auch Fähigkeiten zum (Er-)Leiden. Ich bin beispielsweise fähig zu sterben, wobei mein Sterben keine Tat oder Handlung meinerseits ist. (Selbsttötung ist hingegen eine Tat.)

Es kann übrigens unklar sein, ob ein Geschehnis oder Vorgang ein Tun (eine Aktion/Aktivität) oder ein Leiden (eine Passion/Passivität) ist. Ist mein Denken etwas, das ich tue, oder etwas, das mir angetan wird, das ich erleide?
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Fr 2. Jan 2026, 18:57
Consul, ich stimme also nur zur Hälfte zu, wenn es in deinem Text heißt:
  • Man kann natürlicherweise sagen, dass meine Fähigkeit, Schach zu spielen, (offensichtlich) eine geistige Eigenschaft ist, die ich besitze, wohingegen die Fähigkeit des Computers, Schach zu spielen, (offensichtlich) keine geistige Eigenschaft ist, die er besitzt. So gesehen, können sowohl die Maschine als auch ich Schach spielen, aber nur in meinem Fall gilt dies als eine geistige Fähigkeit. (Galen Strawson*)
Ich hingegen bin der Ansicht, dass Computer streng genommen kein Schach spielen können.
Wenn du recht hast, wie konnte es dann sein, dass ein Computer, der nicht Schach spielen kann, den Schachweltmeister Garri Kasparow in einem Schachspiel besiegen konnte?

Wenn eine Fähigkeit nur dann eine geistige Fähigkeit ist, wenn ihre Ausübung bewusst erfolgt—mit bewussten, subjektiv erfahrenen Denkungen, Vorstellungen oder Wahrnehmungen—, dann ist Deep Blue's Fähigkeit, Schach zu spielen, freilich keine geistige Fähigkeit von Deep Blue, da es im Gegensatz zu Garri Kasparow kein bewusstes Wesen ist.
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Fr 2. Jan 2026, 18:57
*Consul, arbeitest du zufälligerweise als Bibliothekar oder warum sind bei dir die Namen immer falsch rum? Also Strawson, Galen statt Galen Strawson. :)
Ich arbeite nicht als Bibliothekar, aber bei bibliographischen Angaben wird der Nachname richtigerweise zuerst angeführt. Daran halte ich mich.



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Fr 2. Jan 2026, 21:29

Consul hat geschrieben :
Fr 2. Jan 2026, 21:00
Wenn du recht hast, wie konnte es dann sein, dass ein Computer, der nicht Schach spielen kann, den Schachweltmeister Garri Kasparow in einem Schachspiel besiegen konnte?
Der Computer hat Kasparow nicht geschlagen, es waren die Programmierer (oder wer auch immer), die ihn mithilfe dieses Werkzeugs besiegt haben. Der Umstand, dass diejenigen, die das Werkzeug steuern, nicht immer sichtbar sind, ändert daran nichts. Das macht die gesamte Situation mit KI oft brenzlig: „Denn die im Dunkeln sieht man nicht.“ Wenn wir stets die gesamte Infrastruktur sehen würden – die riesigen Serverlandschaften und auch diejenigen, deren Fähigkeiten sich in den Texten auf den Bildschirmen niederschlagen – dann würden wir niemals der Illusion erliegen, dass die KI irgendwie menschlich sei.

Man sieht weder die wirklichen Agenten noch ihre Interessen, noch welche weiteren Fähigkeiten sie besitzen. Wenn mittels KI Wahlen manipuliert werden, dann handelt nicht die KI, sondern diejenigen, die die Wahlen manipulieren wollen. Und sie sind es auch, die dazu fähig sind, nicht die KI – sie ist nur das Werkzeug.

Werkzeuge haben keine Fähigkeiten, nur bestimmte Eigenschaften, die Menschen mit den entsprechenden Fähigkeiten nutzen können. Ein Hammer hat keine Fähigkeit, er besitzt nur gewusse Eigenschaften, die jemand, der hämmern kann, zum Beispiel nutzen kann, um Nägel in die Wand zu treiben.



Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“

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Fr 2. Jan 2026, 21:38

Consul hat geschrieben :
Fr 2. Jan 2026, 21:00
Ich arbeite nicht als Bibliothekar, aber bei bibliographischen Angaben wird der Nachname richtigerweise zuerst angeführt. Daran halte ich mich.
Verstehe :) und ich muss es dann immer wieder umdrehen, weil ja der Vorname zuerst kommt. Macht aber nichts. Die Arbeit nehme ich gerne auf mich ;)



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Sa 3. Jan 2026, 10:56

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Fr 2. Jan 2026, 21:29
Consul hat geschrieben :
Fr 2. Jan 2026, 21:00
Wenn du recht hast, wie konnte es dann sein, dass ein Computer, der nicht Schach spielen kann, den Schachweltmeister Garri Kasparow in einem Schachspiel besiegen konnte?
Der Computer hat Kasparow nicht geschlagen, es waren die Programmierer (oder wer auch immer), die ihn mithilfe dieses Werkzeugs besiegt haben. Der Umstand, dass diejenigen, die das Werkzeug steuern, nicht immer sichtbar sind, ändert daran nichts. Das macht die gesamte Situation mit KI oft brenzlig: „Denn die im Dunkeln sieht man nicht.“ Wenn wir stets die gesamte Infrastruktur sehen würden – die riesigen Serverlandschaften und auch diejenigen, deren Fähigkeiten sich in den Texten auf den Bildschirmen niederschlagen – dann würden wir niemals der Illusion erliegen, dass die KI irgendwie menschlich sei.

Man sieht weder die wirklichen Agenten noch ihre Interessen, noch welche weiteren Fähigkeiten sie besitzen. Wenn mittels KI Wahlen manipuliert werden, dann handelt nicht die KI, sondern diejenigen, die die Wahlen manipulieren wollen. Und sie sind es auch, die dazu fähig sind, nicht die KI – sie ist nur das Werkzeug.

Werkzeuge haben keine Fähigkeiten, nur bestimmte Eigenschaften, die Menschen mit den entsprechenden Fähigkeiten nutzen können. Ein Hammer hat keine Fähigkeit, er besitzt nur gewusse Eigenschaften, die jemand, der hämmern kann, zum Beispiel nutzen kann, um Nägel in die Wand zu treiben.
Die Frage bei KI oder allgemeiner Intelligenz ist: Worum geht es uns? Um Existenz oder ihren Urspung? Consul und ich schauen bei dem Begriff eher auf die Existenz, das System, du auf den Ursprung, den wir natürlich auch nicht vernachlässigen.

Ja, gerade schwache KI kann leicht manipuliert werden, aber Menschen ja auch, siehe Trump-Wähler, viele Russen, die Putin unterstützen usw. Sicher mag da KI noch verstärken, aber ohne KI geht es da auch schon lange "gut genug".

Werkzeuge... kommen wir uns als Angestellte bei Firmen nicht auch manchmal so vor? Oder als Konsumenten u.ä.? However ;)
Was "Fähigkeit" betrifft, stoße ich eher auf solche Definitionen:
"Fähigkeit ist allgemein bei Personen, Tieren oder Sachen die Gesamtheit der zur Ausführung einer bestimmten Handlung / Leistung, bzw. eines Vorgangs erforderlichen Bedingungen." (hier aus wikipedia; KIs schreiben nicht zufällig ähnlich)
Somit ist deine Definition leider zu Menschen-zentriert gedacht.
Dem Hammer fehlt z.B. die Energie gezielt zuzuschlagen; ein Roboter mit Hammer hat dagegen ggf. die gewünschte Fähigkeit.



Der Mensch als Philosophierender ist Ausgangspunkt aller Philosophie.
Die Philosophie eines Menschen kann durch Andere fahrlässig missverstanden oder gezielt diskreditiert oder gar ganz ignoriert werden, u.a. um eine eigene Meinung durchsetzen zu wollen.

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Jörn P Budesheim
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Diese Definition von Wikipedia ist ja sogar noch deutlich anspruchsvoller als das, was ich geschrieben habe. Denn sie sprechen ja auch noch von Handlungen! Eine Handlung ist etwas, was mit einer Absicht geschieht. Schachcomputer (das war das, worüber wir gesprochen haben) haben aber keine Absichten. Wir haben nicht die geringsten Indizien, das zu glauben.



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Jörn P Budesheim
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Burkart hat geschrieben :
Sa 3. Jan 2026, 10:56
Somit ist deine Definition leider zu Menschen-zentriert gedacht.
Wie genau lautet hier das Argument?

Wenn wir Begriffe nutzen, die sich auf uns Menschen (oder andere hochentwickelte Lebewesen) beziehen, dann sind die Definitionen logischerweise auf Menschen oder die anderen hochentwickelten Lebewesen zentriert. Handeln können ist bereits äußerst anspruchsvoll und voraussetzungreich.

Wenn du diese Begriffe dann für Maschinen verwenden willst, dann bist du selbst argumentativ gefragt und musst zeigen, warum das sachgerecht ist. Dass die "Definition leider zu Menschen-zentriert gedacht" ist, ist ganz sicher kein Argument.



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Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Sa 3. Jan 2026, 11:05
Diese Definition von Wikipedia ist ja sogar noch deutlich anspruchsvoller als das, was ich geschrieben habe. Denn sie sprechen ja auch noch von Handlungen! Eine Handlung ist etwas was mit deiner Absicht geschieht. Schachcomputer (das war das, worüber wir gesprochen haben) haben aber keine Absichten.
Du siehst aber schon, dass dort nicht nur "Handung" steht und eben auch "oder Sachen".

"Absicht" ist ein Begriff mit weitem Spektrum. Ernährt sich jedes noch so dumme Lebewesen mit Absicht um zu überleben? Warum soll man einem Schachcomputer dann nicht die Absicht zuordnen, einen möglichst guten Zug zu finden?



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Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Sa 3. Jan 2026, 11:23
Burkart hat geschrieben :
Sa 3. Jan 2026, 10:56
Somit ist deine Definition leider zu Menschen-zentriert gedacht.
Wie genau lautet hier das Argument?

Wenn wir Begriffe nutzen, die sich auf uns Menschen (oder andere hochentwickelte Lebewesen) beziehen, dann sind die Definitionen logischerweise auf Menschen oder die anderen hochentwickelten Lebewesen zentriert. Handeln können ist bereits äußerst anspruchsvoll und voraussetzungreich.

Wenn du diese Begriffe dann für Maschinen verwenden willst, dann bist du selbst argumentativ gefragt und musst zeigen, warum das sachgerecht ist. Dass die "Definition leider zu Menschen-zentriert gedacht" ist, ist ganz sicher kein Argument.
Kurz zusammenfasst: Da steht auch "oder Sachen" u.ä., siehe meinen vorigen Text.

Grundsätzlich sollte man Begriffe so neutral wie möglich sehen, also warum an Menschen/Lebewesen koppeln, wenn es nicht nötig ist? (Die Erde ist auch nicht das Zentrum des Universums, auch wenn es für uns so aussehen mag ;) )



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Burkart hat geschrieben :
Sa 3. Jan 2026, 11:29
Grundsätzlich sollte man Begriffe so neutral wie möglich sehen ...
Grundsätzlich sollte man Begriffe richtig verwenden und nicht falsch.



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Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Sa 3. Jan 2026, 11:36
Burkart hat geschrieben :
Sa 3. Jan 2026, 11:29
Grundsätzlich sollte man Begriffe so neutral wie möglich sehen ...
Grundsätzlich sollte man Begriffe richtig verwenden und nicht falsch.
Und wann ist etwas richtig? Ich erinnere z.B. an "oder Sachen"...



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Burkart hat geschrieben :
Sa 3. Jan 2026, 11:29
Da steht auch "oder Sachen"
Da steht auch, dass diese erste Definition noch unspezifisch ist und erst konkretisiert werden muss. Es handelt sich also nicht um eine abschließende Begriffsbestimmung, wie du suggerierst, sondern um einen bewusst offenen Einstieg. Das geht aus deinem Text allerdings nicht hervor.

Im weiteren Verlauf des Wikipedia-Artikels werden verschiedene Spezifikationen vorgeschlagen und schließlich auch unterschiedliche philosophische Versuche skizziert, den Begriff der Fähigkeit präziser zu fassen. Unter anderem heißt es: „Der Begriff der Fähigkeit wird meist darauf bezogen, was Handelnde grundsätzlich tun können, d. h. unabhängig von einer bestimmten Situation.“ Auch hier wird also der Begriff der Handlung herangezogen – nicht bloß der eines beliebigen Vorgangs.

Der Handlungsbegriff ist jedoch alles andere als trivial. Eine Handlung ist etwas, das jemand absichtlich tut und für das er daher auch verantwortlich ist. Damit ist eine normative Dimension im Spiel: Handelnde können für ihr Tun gelobt oder getadelt und gegebenenfalls zur Rechenschaft gezogen werden. Genau das tun wir in der Regel bei Menschen – aber nicht bei Taschenrechnern, Schachcomputern oder Robotern. Und schon gar nicht bei „Sachen“. Vor diesem Hintergrund geht dein wiederholter Hinweis auf „Sachen“ am philosophischen Kern der Debatte vorbei.

Dass wir im Alltag metaphorisch von „Fähigkeiten“ von Artefakten sprechen („Die alte Karre hat’s nicht mehr drauf“), ist unstrittig. Im philosophischen Kontext geht es jedoch darum, ob diese Redeweise auch der Sache nach rechtfertigt ist. Wenn ich davon spreche, dass X handelt oder eine Fähigkeit hat, möchte ich wissen, ob das tatsächlich zutrifft, ich möchte wissen, ob X tatsächlich gehandelt hat, also ob der Begriff korrekt verwendet wurde. Genau dazu müssen die verwendeten Begriffe philosophisch präzisiert werden. Ein kurzer, zudem noch verkürzender Textschnipsel aus Wikipedia reicht dafür keineswegs aus.

So viel zur Sache.



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