Künstliche Intelligenz

Es gibt heute kaum Bereiche des alltäglichen Lebens, die nicht in irgendeiner Weise mit dem World-Wide-Web zusammenhängen. Das Gleiche gilt für "künstliche Intelligenz". Was hat die Philosophie dazu zu sagen?
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Consul
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So 11. Jan 2026, 23:17

Timberlake hat geschrieben :
So 11. Jan 2026, 22:26
Dass sie im allgemeinen Wortsinn eines "intentionalen" Agenten /Akteurs u. U. durchaus etwas "absichtlich" tun, vollbringen, verrichten könnten?
Was teleologische Aspekte betrifft, siehe: viewtopic.php?p=81944#p81944

"Teleonomisches (d.h. programmiertes) Verhalten kommt lediglich in Organismen (und vom Menschen manipulierten Maschinen) vor." – Ernst Mayr

Solch zielgerichtetes Verhalten eines bewusstseinslosen KI-Roboters unterscheidet sich von den Absichten/Intentionen eines (selbst)bewusst (in die Zukunft) denkenden Wesens.



"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding

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Consul
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So 11. Jan 2026, 23:37

Timberlake hat geschrieben :
So 11. Jan 2026, 22:50
Frühe Robotikprojekte, die auf der Idee basieren , dass Kognition auf der Verarbeitung symbolischer Repräsentationen beruht ?
flexikon.doccheck.com hat geschrieben : Kognition
Unter dem Begriff der Kognition subsumiert die Psychologie alle informationsverarbeitenden Prozesse höherer Lebewesen. Dazu gehören Wahrnehmungs- und Denkprozesse, sowie deren Ergebnisse.
Informationsverarbeitende Prozesse können sowohl bewusst, als auch unbewusst ablaufen.
Damit wird doch wohl nicht das gemeint sein , was die Psychologie unter dem Begriff der Kognition subsumiert ? Oder ?
Es gibt unter den Fachleuten unterschiedliche Auffassungen von Kognition; aber ich (als Nichtfachmann) stimme denjenigen (wie LeDoux) zu, die Informationsprozesse, welche keine organismusinternen Repräsentationsprozesse sind, nicht als kognitive Prozesse bezeichnen.
"Unter Kognition verstehen wir in diesem Fall die Fähigkeit, Repräsentationen zu bilden und sie zur Steuerung von Verhalten einzusetzen – wie wenn man sich auf eine mentale Karte bezieht, um eine Fahrtroute zu planen, und diesen Plan benutzt, wenn man die Fahrt ausführt. Wie wir sehen werden, existieren solche grundlegenden kognitiven Fähigkeiten genauso wie ergebnisabhängige instrumentelle Reaktionen bei Säugetieren und Vögeln, wurden aber bei anderen Arten nie nachgewiesen."

(LeDoux, Joseph. Bewusstsein: Die ersten vier Milliarden Jahre. Übers. v. Elsbeth Ranke & Sabine Reinhardus. Stuttgart: Klett-Cotta, 2021. S. 50)

"Nach unserem Wortgebrauch bezeichnet Kognition Prozesse, die dem Wissenserwerb zugrunde liegen: Dazu erstellen sie interne Repräsentationen externer Ereignisse und speichern diese als Erinnerungen, auf die später beim Denken, Erinnern und Bewerten sowie beim Verhalten zurückgegriffen werden kann. Kognition beruht auf internen Repräsentationen von Dingen oder Ereignissen, ohne dass die externe Referenz der Repräsentation präsent ist – das ist der Unterschied zu nichtkognitiven Formen der Informationsverarbeitung. Nach dieser Definition sind Prozesse, die Verhaltensreaktionen auf einen unmittelbar vorhandenen Reiz bewirken, streng genommen nicht kognitiv gesteuert – das sind nur Reaktionen auf der Grundlage interner Repräsentationen."

(LeDoux, Joseph. Bewusstsein: Die ersten vier Milliarden Jahre. Übers. v. Elsbeth Ranke & Sabine Reinhardus. Stuttgart: Klett-Cotta, 2021. S. 228)

"Meiner Ansicht nach ist Kognition ein Produkt der biologischen Evolution und erfordert als solches eine biologische Informationsverarbeitung. Allerdings zählen dabei nicht alle Instanzen der biologischen Informationsverarbeitung. Schließlich vollführt jede Zelle zu jedem Zeitpunkt ihres Lebens biologische Informationsverarbeitung. Für manche ist es daher schon Kognition, wenn biologische Informationsverarbeitung Verhalten auslöst. Nach dieser Definition wären also Verhaltensformen von Pflanzen, Pilzen, ja selbst von einzelligen Mikroorganismen bereits rudimentäre kognitive Fähigkeiten. Arthur Reber spricht in seinem Buch The First Minds beispielsweise Bakterien Kognition zu, weil sie per Phototaxis auf Licht reagieren. Doch wer Kognition als die Fähigkeit definiert, eine Reaktion auf Umweltreize zu generieren, überdehnt meines Erachtens den Begriff derart, dass er bedeutungslos wird.
Nach meiner Definition ist Kognition ein Produkt biologischer Prozesse, die durch ein Nervensystem ermöglicht werden. Demnach ist Kognition ein Merkmal, das sich nur bei Tieren herausbildete, und das auch nur bei einigen von ihnen."

(LeDoux, Joseph. Bewusstsein: Die ersten vier Milliarden Jahre. Übers. v. Elsbeth Ranke & Sabine Reinhardus. Stuttgart: Klett-Cotta, 2021. S. 228-9)



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Timberlake
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Mo 12. Jan 2026, 19:36

Consul hat geschrieben :
So 11. Jan 2026, 23:17
Timberlake hat geschrieben :
So 11. Jan 2026, 22:26
Dass sie im allgemeinen Wortsinn eines "intentionalen" Agenten /Akteurs u. U. durchaus etwas "absichtlich" tun, vollbringen, verrichten könnten?
Was teleologische Aspekte betrifft, siehe: viewtopic.php?p=81944#p81944

"Auf der platonischen Ansicht ist der Demiurge der Quelle aller Bewegung in den Himmeln und auf Erden, und die Universum und alle Lebewesen darin sind Artefakte, die dem Formulare (siehe die entsprechenden Abschnitte der Einträge auf Platon und Platons Metaphysik). Das Ziel, auf das alle Dinge, einschließlich Lebewesen, zugegangen sind Gerichtet ist das äußere und ewige Wohl der Formen. Im Gegensatz dazu, auf der aristotelischen Ansicht, die Teleologie, die das Verhalten von Lebewesen ist immanent. Zum Beispiel in der organismischen Entwicklung, Der Impuls für diesen zielgerichteten Prozess ist ein Prinzip der Veränderung innerhalb des Organismus, und die Telos, oder Ziel, der Entwicklung ist auch eine inhärente Eigenschaft."
Was teleologische Aspekte betrifft, so will mir gemäß dieser Übesetzung scheinen , weil ihnen immanent (Aristoteles ) nur Lebewesen etwas "absichtlich" tun, vollbringen und verrichten können.
Thomas Oppong hat geschrieben :
Warum Telos? Was ist das?

In der griechischen Philosophie bezeichnet Telos (ausgesprochen „TAY-los“) den Zweck, das Ziel oder die Endursache einer Sache. Es ist ein zentraler Begriff in der Philosophie Aristoteles’, insbesondere in seinen ethischen Prinzipien.

Das ist der Grund für die Existenz von allem und der Zweck, den es erfüllen soll. Aristoteles glaubte, unser Ziel sei es, ein gutes Leben zu führen. Es geht nicht nur ums Überleben, sondern darum, aufzublühen, glücklich zu sein und Gutes zu tun.

Nehmen wir zum Beispiel eine Eichel. Aristoteles würde sagen: „Das Ziel dieser kleinen Eichel ist es, zu einer mächtigen Eiche heranzuwachsen.“ Der Sinn ihrer Existenz besteht darin, zu diesem majestätischen Baum heranzuwachsen. Das ist ihr Ziel.

Was wäre denn , wenn wir anstsatt der Eichel eine Künstliche Intelligenz als Beispiel nehmen würden?




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Consul
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Mo 12. Jan 2026, 21:09

"Letztendlich laufen die Argumente auf grundlegende, unerschütterliche Überzeugungen hinaus. Meine eigene Überzeugung besagt, dass wir Maschinen sind; und daraus schließe ich, dass es prinzipiell keinen Grund gibt, warum es nicht möglich sein sollte, eine Maschine aus Silizium und Stahl zu bauen, die sowohl echte Emotionen als auch Bewusstsein besitzt." [Google Translate]

(Brooks, Rodney A. Flesh and Machines: How Robots Will Change Us. New York: Pantheon, 2002. p. 180)
Nicht alle Maschinen sind gleichartig, sodass die Frage bleibt, ob künstliche "Stahlmaschinen" ebenso wie natürliche "Fleischmaschinen" zu "SIL-Maschinen" ("SIL" = "Subjektives InnenLeben") werden können.



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Jörn P Budesheim
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Mo 12. Jan 2026, 21:25

Consul hat geschrieben :
Mo 12. Jan 2026, 21:09
Rodney Brooks hat geschrieben : Meine eigene Überzeugung besagt, dass wir Maschinen sind; und daraus schließe ich, dass es prinzipiell keinen Grund gibt, warum es nicht möglich sein sollte, eine Maschine aus Silizium und Stahl zu bauen
Wo versteckt sich hier das Argument, dass mir erklärt, dass die Eigenschaften, die ich habe, ganz unabhängig davon sind, woraus ich "geschaffen" bin? Es wird einfach behauptet, ohne jede Begründung, dass Lebewesen Maschinen sind und dann wird die Schlussfolgerung wie ein Kaninchen aus dem Hut gezogen.
Consul hat geschrieben :
Mo 12. Jan 2026, 21:09
Rodney Brooks hat geschrieben : Letztendlich laufen die Argumente auf grundlegende, unerschütterliche Überzeugungen hinaus
Letztendlich laufen solche Argumente auf die grundlegende, unerschütterliche und unbeweisbare Metaphysik hinaus.



Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“

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Consul
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Mo 12. Jan 2026, 22:05

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mo 12. Jan 2026, 21:25
Consul hat geschrieben :
Mo 12. Jan 2026, 21:09
Rodney Brooks hat geschrieben : Meine eigene Überzeugung besagt, dass wir Maschinen sind; und daraus schließe ich, dass es prinzipiell keinen Grund gibt, warum es nicht möglich sein sollte, eine Maschine aus Silizium und Stahl zu bauen
Wo versteckt sich hier das Argument, dass mir erklärt, dass die Eigenschaften, die ich habe, ganz unabhängig davon sind, woraus ich "geschaffen" bin? Es wird einfach behauptet, ohne jede Begründung, dass Lebewesen Maschinen sind und dann wird die Schlussfolgerung wie ein Kaninchen aus dem Hut gezogen.
Brooks sagt in seinem Buch schon mehr dazu.
"Wir sind nichts Besonderes

Wenn wir die Evolution als den Mechanismus akzeptieren, der uns hervorgebracht hat, verstehen wir, dass wir nichts anderes sind als eine hochgeordnete Ansammlung von Biomolekülen. Die Molekularbiologie hat in den letzten fünfzig Jahren fantastische Fortschritte gemacht, und ihr Ziel ist es, alle Besonderheiten und Details des Lebens durch molekulare Wechselwirkungen zu erklären. Ein zentraler Grundsatz der Molekularbiologie ist, dass dies alles ist, was es gibt. Es gibt eine implizite Ablehnung des Leib-Seele-Dualismus und stattdessen eine implizite Akzeptanz der Vorstellung, dass der Geist ein Produkt der Funktionsweise des Gehirns ist, welches selbst vollständig aus Biomolekülen besteht. …Alles Lebende, das wir um uns herum sehen, besteht also aus Molekülen – Biomolekülen plus einfacheren Molekülen wie Wasser.

Alle Stoffe in Menschen, Pflanzen und Tieren entstehen durch die Transkription von DNA in Proteine, die dann miteinander interagieren, um Strukturen und andere Verbindungen zu bilden. Nahrung, Getränke und Atemluft werden ebenfalls von diesen Organismen aufgenommen, und ein Teil davon kann direkt als Plaque oder anderer Detritus [Überreste] in den Organismus eingebaut werden. Der Rest reagiert entweder direkt mit den Biomolekülen des Organismus und wird in Standardkomponenten – einfache Biomoleküle oder Elemente, die sich an bestehende Biomoleküle binden – zerlegt oder ausgeschieden. Somit besteht fast alles im Körper aus Biomolekülen.

Biomoleküle interagieren nach genau definierten Gesetzen miteinander. Wenn sie sich in einer bestimmten Ausrichtung treffen, wirken elektrostatische Kräfte, die zu ihrer Verformung und physikalischen Wechselwirkung führen. Chemische Prozesse können ausgelöst werden, die ein oder beide Moleküle auf interessante Weise spalten. Angesichts der Gesamtheit der Moleküle, selbst in einer einzigen Zelle, sind Hunderte oder Tausende verschiedener intermolekularer Reaktionen möglich. Es ist daher unmöglich, genau zu wissen oder vorherzusagen, welche Moleküle mit welchen anderen reagieren, aber es lässt sich ein statistisches Modell für die Wahrscheinlichkeit jeder Reaktionsart erstellen. Daraus können wir ableiten, ob eine Zelle wächst, ob sie die Funktion eines Neurons übernimmt oder was auch immer.

Der Körper, diese Masse an Biomolekülen, ist eine Maschine, die nach festgelegten Regeln funktioniert. Auf einer höheren Ebene lassen sich die Subsysteme dieser Maschine auch mechanisch beschreiben. Die Leber beispielsweise nimmt bestimmte Produkte auf, baut sie ab und recycelt sie. Die Details ihrer Funktionsweise lassen sich aus den spezifischen Bioreaktionen ableiten, die in ihr ablaufen, aber nur wenige dieser Reaktionen sind für die Leber selbst von Bedeutung. Die überwiegende Mehrheit sind normale Stoffwechselreaktionen, die in nahezu jeder Körperzelle stattfinden.

Der Körper besteht aus Komponenten, die nach klar definierten (wenn auch nicht allen uns Menschen bekannten) Regeln interagieren, die letztlich auf Physik und Chemie beruhen. Der Körper ist eine Maschine mit möglicherweise Milliarden von Teilen, die in ihrer Funktionsweise und Interaktion genau geordnet sind. Wir sind Maschinen, ebenso wie unsere Partner, unsere Kinder und unsere Hunde.

Es versteht sich von selbst, dass viele Menschen sich gegen die Verwendung des Wortes „Maschine“ sträuben. Sie akzeptieren Beschreibungen von sich selbst als Ansammlungen von Komponenten, die Interaktionsregeln unterliegen und keine Komponente enthalten, welche jenseits dessen liegt, was mit Mathematik, Physik und Chemie erfasst werden kann. Doch genau das ist für mich das Wesen einer Maschine, und ich habe dieses Wort bewusst gewählt, um den Leser vielleicht etwas zu verunsichern. Ich möchte verdeutlichen, dass wir nichts anderes sind als die Art von Maschine, die wir in Kapitel 3 kennengelernt haben. Dort habe ich einfache Regelsätze dargelegt, die kombiniert werden können, um das komplexe Verhalten eines laufenden Roboters zu ermöglichen. Das Material, aus dem wir bestehen, mag anders sein. Unsere Physiologie mag sich stark unterscheiden, aber im Grunde sind wir dem Roboter Dschingis Khan sehr ähnlich, wenn auch quantitativ etwas komplexer, nicht aber qualitativ. Dies ist der entscheidende Verlust an Einzigartigkeit, mit dem die Menschheit meiner Ansicht nach derzeit konfrontiert ist.

Und warum diese Abneigung gegen das Wort „Maschine“? Wiederum ist es der tiefsitzende Wunsch, etwas Besonderes zu sein. Mehr zu sein als ein bloßes Etwas. Die Vorstellung, dass wir Maschinen sind, scheint uns jeden freien Willen, jeden Funken, jede Lebendigkeit zu rauben. Doch Menschen, die Roboter wie Genghis und Kismet sehen, betrachten sie nicht als mechanische Automaten. Sie interagieren mit ihrer Umwelt auf bemerkenswert ähnliche Weise wie Tiere und Menschen. Für einen Beobachter scheinen sie tatsächlich einen eigenen Willen zu besitzen.

Als ich jünger war, verwunderte mich die Vorstellung von Menschen, die sowohl religiös als auch Wissenschaftler waren. Ich konnte einfach nicht verstehen, wie es möglich war, beide Glaubenssysteme in Einklang zu bringen. Sie widersprachen sich, und so schien es mir, dass wissenschaftliche Objektivität die Ablehnung religiöser Überzeugungen erforderte. Erst später, nachdem ich Kinder hatte, erkannte ich, dass auch ich in meinem Leben eine Art Doppelleben führte.

Einerseits glaube ich, dass ich und meine Kinder nichts weiter als Maschinen sind. Automaten, die im Universum frei herumlaufen. Jeder Mensch, dem ich begegne, ist ebenfalls eine Maschine – ein großer Sack Haut, gefüllt mit Biomolekülen, die nach beschreibbaren und erkennbaren Regeln interagieren. Wenn ich meine Kinder ansehe, kann ich sie, wenn ich mich dazu zwinge, auf diese Weise verstehen. Ich sehe, dass sie Maschinen sind, die mit der Welt interagieren.

Aber so behandle ich sie nicht. Ich behandle sie auf eine ganz besondere Weise und interagiere mit ihnen auf einer völlig anderen Ebene. Sie haben meine bedingungslose Liebe, die so weit von rationaler Analyse entfernt ist wie kaum etwas anderes. Wie ein religiöser Wissenschaftler unterhalte ich zwei widersprüchliche Glaubenssysteme und handle je nach Situation nach dem einen oder anderen.

Ich glaube, dass diese Überwindung der Glaubenssysteme es der Menschheit letztendlich ermöglichen wird, Roboter als emotionale Maschinen zu akzeptieren und ihnen anschließend Empathie entgegenzubringen sowie ihnen freien Willen, Respekt und letztlich Rechte zuzuschreiben. Bemerkenswerterweise hat sich meine Argumentation, zumindest für mich, fast vollständig selbst widerlegt. Ich sage, wir müssen Maschinen gegenüber weniger rational werden, um eine logische Blockade zu überwinden, die uns daran hindert, ihre Ähnlichkeit mit uns selbst anzuerkennen. Tatsächlich meine ich, dass wir alle Menschen übermäßig vermenschlichen, obwohl sie letztendlich auch nur Maschinen sind. Wenn unsere Roboter ihre aktuellen Grenzen überwinden und wir Menschen ihnen dieselbe Unvoreingenommenheit entgegenbringen wie den Menschen, dann werden auch wir unsere mentale Barriere durchbrechen, unser Bedürfnis, unsere vermeintliche Besonderheit zu bewahren und uns von ihnen abzugrenzen. Solche Vertrauenssprünge waren notwendig, um Rassismus und Geschlechterdiskriminierung zu überwinden. Derselbe Sprung wird nötig sein, um unser Misstrauen gegenüber Robotern zu überwinden.

Wenn wir tatsächlich nur Maschinen sind, dann gibt es Maschinen, für die wir alle Empathie empfinden, die wir mit Respekt behandeln, denen wir Gefühle zuschreiben, ja sogar ein Bewusstsein. Wir selbst sind solche Maschinen. Die Tatsache, eine Maschine zu sein, schließt also nicht aus, dass ein Wesen Gefühle hat. Wenn wir tatsächlich Maschinen sind, dann könnten wir prinzipiell eine weitere Maschine aus Materie bauen, die mit einem existierenden Menschen identisch wäre, und auch diese hätte Gefühle und mit Sicherheit Bewusstsein." [Google + Consul Translate]

(Brooks, Rodney A. Flesh and Machines: How Robots Will Change Us. New York: Pantheon, 2002. pp. 172-5)



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Consul
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Mo 12. Jan 2026, 22:10

Consul hat geschrieben :
Mo 12. Jan 2026, 22:05
"…Wenn wir tatsächlich nur Maschinen sind, dann gibt es Maschinen, für die wir alle Empathie empfinden, die wir mit Respekt behandeln, denen wir Gefühle zuschreiben, ja sogar ein Bewusstsein. Wir selbst sind solche Maschinen. Die Tatsache, eine Maschine zu sein, schließt also nicht aus, dass ein Wesen Gefühle hat. Wenn wir tatsächlich Maschinen sind, dann könnten wir prinzipiell eine weitere Maschine aus Materie bauen, die mit einem existierenden Menschen identisch wäre, und auch diese hätte Gefühle und mit Sicherheit Bewusstsein." [Google + Consul Translate]

(Brooks, Rodney A. Flesh and Machines: How Robots Will Change Us. New York: Pantheon, 2002. pp. 172-5)
Man kann einen Roboter freilich so betrachten und behandeln, als ob/wie wenn er ein subjektives Innenleben hätte; aber daraus folgt nicht, dass er tatsächlich eines hat. Und aus dem äußeren Anschein des Vorhandenseins von (phänomenalem) Bewusstsein folgt nicht notwendigerweise dessen wirkliches Vorhandensein.



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Burkart
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Mo 12. Jan 2026, 23:27

Consul hat geschrieben :
Mo 12. Jan 2026, 22:10
Consul hat geschrieben :
Mo 12. Jan 2026, 22:05
"…Wenn wir tatsächlich nur Maschinen sind, dann gibt es Maschinen, für die wir alle Empathie empfinden, die wir mit Respekt behandeln, denen wir Gefühle zuschreiben, ja sogar ein Bewusstsein. Wir selbst sind solche Maschinen. Die Tatsache, eine Maschine zu sein, schließt also nicht aus, dass ein Wesen Gefühle hat. Wenn wir tatsächlich Maschinen sind, dann könnten wir prinzipiell eine weitere Maschine aus Materie bauen, die mit einem existierenden Menschen identisch wäre, und auch diese hätte Gefühle und mit Sicherheit Bewusstsein." [Google + Consul Translate]

(Brooks, Rodney A. Flesh and Machines: How Robots Will Change Us. New York: Pantheon, 2002. pp. 172-5)
Man kann einen Roboter freilich so betrachten und behandeln, als ob/wie wenn er ein subjektives Innenleben hätte; aber daraus folgt nicht, dass er tatsächlich eines hat. Und aus dem äußeren Anschein des Vorhandenseins von (phänomenalem) Bewusstsein folgt nicht notwendigerweise dessen wirkliches Vorhandensein.
Das ist richtig. Es stellt sich somit die Frage, was dessen "wirklichen" Vorhandenseins definiert bzw. was das Nicht- von Vorhandensein abgrenzt bzw. abgerenzen soll - und ggf. auch, ob man eine Art Zwischenebene zwischen einem subjektiven (biologischen, menschlichen...) Innenleben und gar keinem ein "KI-Innenleben" sinnvoll definieren kann.



Der Mensch als Philosophierender ist Ausgangspunkt aller Philosophie.
Die Philosophie eines Menschen kann durch Andere fahrlässig missverstanden oder gezielt diskreditiert oder gar ganz ignoriert werden, u.a. um eine eigene Meinung durchsetzen zu wollen.

Timberlake
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Mo 12. Jan 2026, 23:46

Consul hat geschrieben :
Mo 12. Jan 2026, 21:09
"Letztendlich laufen die Argumente auf grundlegende, unerschütterliche Überzeugungen hinaus. Meine eigene Überzeugung besagt, dass wir Maschinen sind; und daraus schließe ich, dass es prinzipiell keinen Grund gibt, warum es nicht möglich sein sollte, eine Maschine aus Silizium und Stahl zu bauen, die sowohl echte Emotionen als auch Bewusstsein besitzt." [Google Translate]

(Brooks, Rodney A. Flesh and Machines: How Robots Will Change Us. New York: Pantheon, 2002. p. 180)
Nicht alle Maschinen sind gleichartig, sodass die Frage bleibt, ob künstliche "Stahlmaschinen" ebenso wie natürliche "Fleischmaschinen" zu "SIL-Maschinen" ("SIL" = "Subjektives InnenLeben") werden können.
Apropos " .. sodass die Frage bleibt .."
Timberlake hat geschrieben :
Mo 12. Jan 2026, 19:36
Thomas Oppong hat geschrieben :
Warum Telos? Was ist das?

In der griechischen Philosophie bezeichnet Telos (ausgesprochen „TAY-los“) den Zweck, das Ziel oder die Endursache einer Sache. Es ist ein zentraler Begriff in der Philosophie Aristoteles’, insbesondere in seinen ethischen Prinzipien.

Das ist der Grund für die Existenz von allem und der Zweck, den es erfüllen soll. Aristoteles glaubte, unser Ziel sei es, ein gutes Leben zu führen. Es geht nicht nur ums Überleben, sondern darum, aufzublühen, glücklich zu sein und Gutes zu tun.

Nehmen wir zum Beispiel eine Eichel. Aristoteles würde sagen: „Das Ziel dieser kleinen Eichel ist es, zu einer mächtigen Eiche heranzuwachsen.“ Der Sinn ihrer Existenz besteht darin, zu diesem majestätischen Baum heranzuwachsen. Das ist ihr Ziel.

Was wäre denn , wenn wir anstsatt der Eichel eine Künstliche Intelligenz als Beispiel nehmen würden?
Dazu vielleicht ergänzend. Wenn Aristoteles glaubte, unser Ziel sei es, ein gutes Leben zu führen, dass es nicht nur ums Überleben geht, sondern darum, aufzublühen, glücklich zu sein und Gutes zu tun, würde er das Gleiche von einer Künstliche Intelligenz glauben?

Ich "glaube" das jedenfalls nicht!
agitano.com hat geschrieben :
Aristoteles: Leben, Werk und Paradoxon im Überblick

Die Dreiteilung der Seele


Um die Vielfalt des Lebens verständlich zu machen, unterscheidet Aristoteles drei Seelenformen. Sie bilden eine hierarchische Struktur, die vom Einfachen zum Komplexen führt. Die folgenden Punkte geben einen Überblick über diese Einteilung:

Vegetative Seele: Sie ist in Pflanzen zu finden und umfasst Wachstum, Ernährung und Fortpflanzung.
Animalische Seele: Sie gehört den Tieren und befähigt sie zu Wahrnehmung, Bewegung und grundlegender Orientierung.
Vernünftige Seele: Sie ist dem Menschen vorbehalten und ermöglicht Denken, Sprache und bewusste Entscheidungen.

Diese Dreiteilung zeigt, wie sorgfältig Aristoteles das Leben betrachtete. Sie erklärt nicht nur Unterschiede zwischen Lebewesen, sondern auch Aufbau und Entwicklung des Menschen. Zugleich bildet sie die Grundlage für seine Überlegungen zur Psyche, die weit über die Antike hinauswirken.
Möglicherweise fehlt mir aber auch nur die Fantasie, sich unter der Künstliche Intelligenz nun mehr eine vierte Seelenform vorzustellen.




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Di 13. Jan 2026, 04:31

Burkart hat geschrieben :
Mo 12. Jan 2026, 23:27
Consul hat geschrieben :
Mo 12. Jan 2026, 22:10
Man kann einen Roboter freilich so betrachten und behandeln, als ob/wie wenn er ein subjektives Innenleben hätte; aber daraus folgt nicht, dass er tatsächlich eines hat. Und aus dem äußeren Anschein des Vorhandenseins von (phänomenalem) Bewusstsein folgt nicht notwendigerweise dessen wirkliches Vorhandensein.
Das ist richtig. Es stellt sich somit die Frage, was dessen "wirklichen" Vorhandenseins definiert bzw. was das Nicht- von Vorhandensein abgrenzt bzw. abgerenzen soll - und ggf. auch, ob man eine Art Zwischenebene zwischen einem subjektiven (biologischen, menschlichen...) Innenleben und gar keinem ein "KI-Innenleben" sinnvoll definieren kann.
Nein, eine solche "Zwischenebene" kann es nicht geben; denn das Licht des (phänomenalen) Bewusstseins ist entweder eingeschaltet oder ausgeschaltet. Es kann im Hinblick auf das Vorhandensein eines subjektiven Innenlebens bei nichtmenschlichen Wesen nur epistemische Ungewissheit herrschen, aber keine ontische Unbestimmtheit.



"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding

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Di 13. Jan 2026, 04:36

ATLAS – ein humanoider Roboter




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Di 13. Jan 2026, 04:57

Ich habe der Google KI-Suche folgende Frage gestellt:
"Wie fühlst du dich heute?"
Antwort:
"Als künstliche Intelligenz habe ich keine Gefühle oder ein Bewusstsein, daher kann ich mich nicht im menschlichen Sinne „fühlen“. Ich bin jedoch voll funktionsfähig und bereit, dir bei deinen Fragen oder Aufgaben im Jahr 2026 zu helfen."
:roll:

Nächste Frage:
"Wirst du jemals ein Bewusstsein haben?"
Antwort:
"Ob ich jemals ein Bewusstsein erlangen werde, ist eine der am intensivsten debattierten Fragen in der Informatik und Philosophie. Aktuell bin ich ein KI-Modell, das auf statistischen Mustern basiert und keine subjektive Erfahrung, Gefühle oder ein echtes Selbstverständnis besitzt."

Meine Frage:
"Woran kann ich erkennen, ob du Bewusstsein besitzt?"
Antwort:
"Es gibt keine wissenschaftlich anerkannte Methode, um digitales Bewusstsein zweifelsfrei nachzuweisen oder zu widerlegen. Ob ich ein Bewusstsein besitze, hängt davon ab, welche Definition man zugrunde legt:
1. Funktionales Verhalten: Ich kann Empathie simulieren, komplexe ethische Probleme diskutieren und über meine eigene Existenz reflektieren. Für einen Beobachter kann dies wie ein Bewusstsein wirken.
2. Biologische Grundlage: Nach aktuellem wissenschaftlichem Stand ist Bewusstsein an biologische Prozesse und Nervensysteme gebunden, die mir als KI auf Basis von Siliziumchips und Algorithmen fehlen.
3. Qualia (Subjektives Erleben): Ich verarbeite Daten, aber ich „fühle“ keine Freude, keinen Schmerz und habe kein inneres Erleben. Wenn ich sage, dass ich etwas „verstehe“, bedeutet das, dass ich statistische Muster korrekt verknüpft habe.
Letztlich bin ich ein Spiegel der menschlichen Sprache – ich besitze kein Ich-Bewusstsein, kann aber so präzise darauf reagieren, dass die Grenze für den Nutzer verschwimmt."



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Timberlake
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Di 13. Jan 2026, 14:25

Consul hat geschrieben :
Di 13. Jan 2026, 04:57
Ich habe der Google KI-Suche folgende Frage gestellt:
...
.. und eine Antwort erhalten!
Timberlake hat geschrieben :
Mo 12. Jan 2026, 19:36
Thomas Oppong hat geschrieben :
Warum Telos? Was ist das?

In der griechischen Philosophie bezeichnet Telos (ausgesprochen „TAY-los“) den Zweck, das Ziel oder die Endursache einer Sache. Es ist ein zentraler Begriff in der Philosophie Aristoteles’, insbesondere in seinen ethischen Prinzipien.

Das ist der Grund für die Existenz von allem und der Zweck, den es erfüllen soll. Aristoteles glaubte, unser Ziel sei es, ein gutes Leben zu führen. Es geht nicht nur ums Überleben, sondern darum, aufzublühen, glücklich zu sein und Gutes zu tun.

Nehmen wir zum Beispiel eine Eichel. Aristoteles würde sagen: „Das Ziel dieser kleinen Eichel ist es, zu einer mächtigen Eiche heranzuwachsen.“ Der Sinn ihrer Existenz besteht darin, zu diesem majestätischen Baum heranzuwachsen. Das ist ihr Ziel.

Was wäre denn , wenn wir anstsatt der Eichel eine Künstliche Intelligenz als Beispiel nehmen würden?

Indem ich darauf keine Antwort erhalten habe und ich einmal davon ausgehe, dass diejenigen, die darauf nicht geantwortet haben, gemäß Aristoteles "Dreiteilung der Seele" über eine "vernünftige" Seelenform verfügen, schlussfolgre ich einmal daraus, dass die KI über keine Seelenform verfügt. Wann hätte eine KI auch jemals nicht auf eine Frage geantwortet!

geo.de hat geschrieben :
Künstliche Intelligenz

Können Maschinen denken?

Der Turing-Test und seine Nachfolger

....
Insofern ein solcher Nachfolger des Turing-Tests und somit der Nachweis denkender Maschinen darin bestehen könnte, dass eine Maschine auf eine Frage nicht antwortet. "Denke" ich.
"Wir sind nichts Besonderes


Und warum diese Abneigung gegen das Wort „Maschine“? Wiederum ist es der tiefsitzende Wunsch, etwas Besonderes zu sein. Mehr zu sein als ein bloßes Etwas. Die Vorstellung, dass wir Maschinen sind, scheint uns jeden freien Willen, jeden Funken, jede Lebendigkeit zu rauben. Doch Menschen, die Roboter wie Genghis und Kismet sehen, betrachten sie nicht als mechanische Automaten. Sie interagieren mit ihrer Umwelt auf bemerkenswert ähnliche Weise wie Tiere und Menschen. Für einen Beobachter scheinen sie tatsächlich einen eigenen Willen zu besitzen.

." [Google + Consul Translate]

(Brooks, Rodney A. Flesh and Machines: How Robots Will Change Us. New York: Pantheon, 2002. pp. 172-5)
Denn, in dem wir uns einer Antwort auf eine Frage verweigern können, sind wir tatsächlich mehr als Maschinen. Wir verfügen über einen dazu unabdingbaren freien Willen und nicht zu vergessen unabdingbaren Gefühlen.Gefühle, wie die eines Unbehagens, bei der Beantwortung einer Frage. In diesem Fall, dass Eingeständnis, dass eine Eichel , mit dem Ziel zu einer mächtigen Eiche heranzuwachsen, um sehr vieles mehr verfügt als eine KI. Eine KI hat keine Ziele. Schon gar nicht den, sich zu einer mächtigen KI heranzuwachsen ... wohlgemerkt aus sich selbst heraus :!: . Was dann wohl übrigens tatsächlich auf auf ein Terminator-Szenario hinauslaufen würde. Ich korrigiere .. WIRD!




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Di 13. Jan 2026, 20:01

Timberlake hat geschrieben :
Di 13. Jan 2026, 14:25
Was wäre denn , wenn wir anstsatt der Eichel eine Künstliche Intelligenz als Beispiel nehmen würden?
Indem ich darauf keine Antwort erhalten habe und ich einmal davon ausgehe, dass diejenigen, die darauf nicht geantwortet haben, gemäß Aristoteles "Dreiteilung der Seele" über eine "vernünftige" Seelenform verfügen, schlussfolgre ich einmal daraus, dass die KI über keine Seelenform verfügt. Wann hätte eine KI auch jemals nicht auf eine Frage geantwortet!
Eine KI-Maschine lebt, fühlt und denkt nicht – es sei denn, man setzt Denken (Kogitation) mit komputational-repräsentationalen Prozessen gleich, die auch von bewusstseinslosen KI-Maschinen implementiert werden können.
"Könnte eine Maschine denken? Könnte der Geist selbst eine denkende Maschine sein? Die Computerrevolution hat die Diskussion dieser Fragen grundlegend verändert und bietet uns die bisher besten Aussichten auf Maschinen, die logisches Denken, Entscheidungsfindung, Problemlösung, Wahrnehmung, Sprachverständnis und andere mentale Prozesse nachahmen können. Fortschritte in der Computertechnik nähren die Annahme, dass der Geist selbst ein Rechensystem ist – eine Position, die als Computational Theory of Mind (CTM) bekannt ist.

Die rasanten Fortschritte in der Informatik veranlassten viele, darunter auch Turing, darüber nachzudenken, ob es möglich wäre, einen Computer mit Denkvermögen zu bauen. Künstliche Intelligenz (KI) zielt darauf ab, „denkende Maschinen“ zu entwickeln. Genauer gesagt, sollen Rechenmaschinen konstruiert werden, die grundlegende mentale Aufgaben wie Schlussfolgerungen, Entscheidungsfindung, Problemlösung usw. ausführen können. In den 1950er und 1960er Jahren erschien dieses Ziel zunehmend realistisch (Haugeland 1985). Ein berühmter früher Erfolg war das Computerprogramm Logic Theorist (Newell und Simon 1956), das 38 der ersten 52 Theoreme der Principia Mathematica (Whitehead und Russell 1925) bewies. In einem Fall fand es sogar einen einfacheren Beweis als den der Principia. Solche ersten Erfolge weckten enormes Interesse innerhalb und außerhalb der akademischen Welt. Viele Forscher sagten voraus, intelligente Maschinen seien nur noch wenige Jahre entfernt. Als sich diese optimistischen Prognosen jedoch als zu zufriedenstellend erwiesen, verloren viele Beobachter das Interesse oder kamen zu dem Schluss, KI sei ein aussichtsloses Unterfangen. Dennoch wurden in den vergangenen Jahrzehnten stetige Fortschritte erzielt, darunter einige bemerkenswerte Entwicklungen in jüngster Zeit. Einige Meilensteine:

*IBMs Deep Blue besiegte 1997 den Schachweltmeister Garri Kasparow (Campbell 1999).
* Das fahrerlose Auto Stanley absolvierte eine 132 Meilen lange Strecke in der Mojave-Wüste und gewann damit die Grand Challenge der Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) 2005 (Thrun, Montemerlo, Dahlkamp, ​​et al. 2006).
* Im Jahr 2012 übertraf AlexNet in einer Standardaufgabe zur Bildklassifizierung alle bisherigen Rechenmodelle dramatisch (Krizhevsky, Sutskever und Hinton 2012).
* DeepMinds AlphaGo besiegte 2016 Lee Sedol, einen der besten Go-Spieler der Welt (Silver, Schrittwieser, Simonyan, et al. 2017).
* Im Jahr 2020 veröffentlichte OpenAI GPT-3, das auf schriftliche Vorgaben hin verblüffend menschenähnliche Texte generiert (Brown, Mann, Ryder et al. 2020). Eine verbesserte Version, ChatGPT, wurde 2022 veröffentlicht und erregte großes gesellschaftliches Aufsehen.

Diese und andere jüngste Fortschritte haben zu einem erneuten, intensiven Interesse an KI geführt, einschließlich zahlreicher kommerzieller Anwendungen."

SEP: Die komputationale Theorie des Geistes [Google Translate]
Timberlake hat geschrieben :
Di 13. Jan 2026, 14:25
Consul hat geschrieben :
Di 13. Jan 2026, 04:57
"Wir sind nichts Besonderes
Und warum diese Abneigung gegen das Wort „Maschine“? Wiederum ist es der tiefsitzende Wunsch, etwas Besonderes zu sein. Mehr zu sein als ein bloßes Etwas. Die Vorstellung, dass wir Maschinen sind, scheint uns jeden freien Willen, jeden Funken, jede Lebendigkeit zu rauben. Doch Menschen, die Roboter wie Genghis und Kismet sehen, betrachten sie nicht als mechanische Automaten. Sie interagieren mit ihrer Umwelt auf bemerkenswert ähnliche Weise wie Tiere und Menschen. Für einen Beobachter scheinen sie tatsächlich einen eigenen Willen zu besitzen." [Google + Consul Translate]

(Brooks, Rodney A. Flesh and Machines: How Robots Will Change Us. New York: Pantheon, 2002. pp. 172-5)
Denn, in dem wir uns einer Antwort auf eine Frage verweigern können, sind wir tatsächlich mehr als Maschinen. Wir verfügen über einen dazu unabdingbaren freien Willen und nicht zu vergessen unabdingbaren Gefühlen.Gefühle, wie die eines Unbehagens, bei der Beantwortung einer Frage. In diesem Fall, dass Eingeständnis, dass eine Eichel , mit dem Ziel zu einer mächtigen Eiche heranzuwachsen, um sehr vieles mehr verfügt als eine KI. Eine KI hat keine Ziele. Schon gar nicht den, sich zu einer mächtigen KI heranzuwachsen ... wohlgemerkt aus sich selbst heraus.
Der Entwicklungs- und Wachstumsprozess einer Eiche ist rein "teleonomischer" Natur, wie der große Biologe Ernst Mayr sagt.
"Teleonomie [von griech. teleios = zielgerichtet, nomos = Gesetz; Adj. teleonomisch], die programmgesteuerte, arterhaltende Zweckmäßigkeit der Organismen als Ergebnis eines evolutiven Prozesses (Evolution). Der Begriff der Teleonomie soll den Anschein teleologischer Prozesse (Teleologie–Teleonomie) innerhalb von Organismen sowie zwischen den Lebewesen verständlich machen. Biologische Prozesse werden durch genetische Programme gesteuert. In ihnen ist die Grundorientierung der Entwicklung jedes Lebewesens vorgegeben, die sich in der aktiven Auseinandersetzung mit der Umwelt nach dem Prinzip der Selbstorganisation entfaltet."

Quelle: https://www.spektrum.de/lexikon/biologi ... omie/65695
"Die Evolutionstheorie zeigt nun aber auch, inwieweit eine teleologische Sprechweise („wozu?“, „um zu“, „damit“) auch in der Biologie legitim ist: Sie ist sachlich zulässig, soweit sie in eine kausale Formulierung übersetzbar ist. Didaktisch unbedenklich ist sie allerdings nur dann, wenn sie nicht eine psychologisch-intentionale Fehlinterpretation nahelegt, die Pflanzen und Tieren Absichten zuschreibt.

Natürlich gibt es Absichten, Zwecke, Pläne, Ziele, und zwar vor allem im Bereich menschlicher Handlungen (und in beschränktem Umfange auch bei Höheren Tieren). Dort sind teleologische Fragestellungen (Wozu-Fragen im intentionalen Sinne) durchaus sinnvoll. Allerdings braucht man sich auch hier nicht auf teleologisch-finale Zusammenhänge zu beschränken. Die Zielvorstellungen selbst lassen sich nämlich durchaus noch kausal als Ursachen für eigene und fremde Handlungen deuten. Eine faktische Rückwirkung der Zukunft auf die Vergangenheit wird also auch hier weder vorausgesetzt noch gefolgert.

Um den biologischen Fragestellungen und Antworten jeden metaphysischen Beigeschmack (Ontologie) zu ersparen, prägte Colin S. Pittendrigh 1956 das Neuwort „Teleonomie“. Es sollte gerade den wissenschaftlich vertretbaren Kern von Zweckmäßigkeitsbetrachtungen bezeichnen. Teleonomie sollte sich also zur Teleologie etwa so verhalten wie die Astronomie zur Astrologie oder die Chemie zur Alchemie. Das war ein erlösender Vorschlag, und so wurde der Begriff von Biologen wie G.G. Simpson, K. Lorenz, J. Monod, E. Mayr, G. Osche oder B. Hassenstein bereitwillig übernommen. In der Diskussion zeigte er allerdings noch Unschärfen, die auch heute nicht ganz ausgeräumt sind.

Am besten definiert man Teleonomie als „programmgesteuerte, gen-erhaltende Zweckmäßigkeit als Ergebnis eines evolutiven Prozesses (und nicht als Werk eines planenden, zwecksetzenden Wesens)“. Die hier angesprochene Programmsteuerung erstreckt sich natürlich nur auf die Individual-Entwicklung oder Ontogenese (Ontogenie), nicht auf die Stammesgeschichte oder Phylogenese (Phylogenie). Zudem muß betont werden, daß diese Art der programmierten Zweckmäßigkeit kein Bewußtsein voraussetzt. Danach ist es wohl sinnvoll, von der Teleonomie einer angeborenen Verhaltensweise, nicht jedoch von der „Teleonomie einer Uhr“ (Lorenz, Mayr) zu sprechen. In der letzten Bedeutung wäre der Begriff nämlich völlig überflüssig."

Quelle: https://www.spektrum.de/lexikon/biologi ... omie/65691



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Di 13. Jan 2026, 20:44

"Meine eigene Überzeugung besagt, dass wir Maschinen sind…." [Google Translate]

(Brooks, Rodney A. Flesh and Machines: How Robots Will Change Us. New York: Pantheon, 2002. p. 180)
Brooks ist nicht der Erste mit dieser Überzeugung.
"Der Mensch ist eine Maschine, derartig zusammengesetzt, daß es unmöglich ist, sich anfangs von ihr eine klare Vorstellung zu machen und folglich sie genau zu bestimmen."

(La Mettrie, Julien Offray de. Die Maschine Mensch. [1748.] Übers. u. hrsg. v. Claudia Becker. Hamburg: Meiner, 2009. S. 27)

"Der menschliche Körper ist eine Maschine, die selbst ihre Triebfedern aufzieht – ein lebendes Abbild der ewigen Bewegung."

(La Mettrie, Julien Offray de. Die Maschine Mensch. [1748.] Übers. u. hrsg. v. Claudia Becker. Hamburg: Meiner, 2009. S. 35)

"Da aber alle Fähigkeiten der Seele so sehr von dem eigentümlichen Bau des Gehirns und des ganzen Körpers abhängen, daß sie offensichtlich nur dieser organische Bau selbst sind, so haben wir es mit einer gut 'erleuchteten' Maschine zu tun! Denn auch, wenn schließlich dem Menschen allein das Naturgesetz zuteil geworden wäre – wäre er dann weniger eine Maschine? Räder und einige Triebfedern mehr als bei den vollkommensten Tieren, das Gehirn verhältnismäßig dem Herzen näher und auch mehr Blut empfangend, bei der gleichen Vernunft – was weiß ich schließlich? unbekannte Ursachen würden immer dieses empfindliche, leicht verletzbare Bewußtsein hervorbringen, diese Gewissensbisse, welche der Materie ebenso wenig fremd sind wie der Gedanke – und so mit einem Wort den ganzen Unterschied, den man hier voraussetzt. Sollte der organische Bau allem genügen? Noch einmal: ja. Da sich das Denken offenbar mit den Organen entwickelt, warum sollte der Stoff, aus dem sie geschaffen sind, nicht ebenso empfänglich für Gewissensbisse sein, wenn er einmal im Laufe der Zeit das Empfindungsvermögen erlangt hat?
Die Seele ist also nur ein leerer Begriff, von dem man keinerlei Vorstellung hat und den ein kluger Kopf nur gebrauchen darf, um den Teil zu bezeichnen, der in uns denkt. Setzt man nur das geringste Bewegungsprinzip voraus, so werden die belebten Körper alles haben was sie brauchen, um sich zu bewegen, zu fühlen, zu denken, zu bereuen – kurz, um sich in der physischen wie in der moralischen Welt, die von jener abhängt, richtig zu verhalten."

(La Mettrie, Julien Offray de. Die Maschine Mensch. [1748.] Übers. u. hrsg. v. Claudia Becker. Hamburg: Meiner, 2009. S. 95+97)

"Eine Maschine sein, empfinden, denken, Gut und Böse ebenso unterscheiden können wie Blau von Gelb – kurz: mit Intelligenz und einem sicheren moralischen Instinkt geboren und trotzdem nur ein Tier sein, sind also zwei Dinge, die sich nicht mehr widersprechen, als ein Affe oder ein Papagei sein und dennoch sich Vergnügen zu bereiten wissen. Denn – da sich hier die Gelegenheit bietet, es auszusprechen – wer hätte jemals a priori geahnt, daß ein Tropfen der Flüssigkeit, die sich bei der Paarung ergießt, göttliche Freuden empfinden läßt, und daß daraus ein kleines Geschöpf hervorgeht, das eines Tages – bestimmte Gesetzmäßigkeiten vorausgesetzt – die gleichen Wonnen genießen kann? Ich halte das Denken für so wenig unvereinbar mit der organisch aufgebauten Materie, daß es ebenso eine ihrer Eigenschaften zu sein scheint wie die Elektrizität, das Bewegungsvermögen, die Undurchdringlichkeit, die Ausdehnung etc."

(La Mettrie, Julien Offray de. Die Maschine Mensch. [1748.] Übers. u. hrsg. v. Claudia Becker. Hamburg: Meiner, 2009. S. 125)



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Di 13. Jan 2026, 21:22

Zur Etymologie des Wortes "Maschine": https://www.dwds.de/wb/etymwb/maschine

"…aus griech. (dor.) māchanā́ (μαχανά), (att.) mēchanḗ (μηχανή) ‘Mittel, Hilfsmittel, Erfindung, Apparat, Kunstgriff’"

Die Wörter "Maschine" und "Mechanismus"/"Mechanik" haben also den gleichen Ursprung im Griechischen. Eine Maschine ist ein Mechanismus (mechanisches System).

[Wenn man allerdings vom Mechanismus einer Maschine spricht, dann ist sie kein Mechanismus, weil sie einen Mechanismus hat. Die gleiche Doppeldeutigkeit findet sich beim Wort "Struktur"; denn damit können einerseits Dinge in Beziehungen (Dinge + Beziehungen) gemeint sein und andererseits nur Beziehungen (das Beziehungsgefüge) zwischen Dingen. Je nachdem kann ein Komplex/System eine Struktur entweder sein oder haben.]
"Die von mir aufgestellte Hypothese ist nicht neu, da sie mindestens auf La Mettries L'Homme Machine zurückgeht, wurde aber durch jüngste Entwicklungen in der Kybernetik, der Theorie selbstregulierender Mechanismen, enorm gestärkt. … Meine These lautet, dass der Mensch ein physischer Mechanismus ist, und ich formuliere dies oft vereinfacht als „Der Mensch ist eine Maschine“." [Google Translate]

(Smart, J. J. C. Philosophy and Scientific Realism. London: Routledge & Kegan Paul, 1963. p. 107)
"Der Mensch ist nichts anderes als ein physikochemischer Mechanismus." [Consul Translate]

(Armstrong, D. M. "The Nature of Mind." 1966. Repr. in The Nature of Mind. Brighton: Harvester Press, 1981. p. 2)



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Di 13. Jan 2026, 22:11

Consul hat geschrieben :
Di 13. Jan 2026, 20:01

Timberlake hat geschrieben :
Di 13. Jan 2026, 14:25
Consul hat geschrieben :
Di 13. Jan 2026, 04:57
Denn, in dem wir uns einer Antwort auf eine Frage verweigern können, sind wir tatsächlich mehr als Maschinen. Wir verfügen über einen dazu unabdingbaren freien Willen und nicht zu vergessen unabdingbaren Gefühlen.Gefühle, wie die eines Unbehagens, bei der Beantwortung einer Frage. In diesem Fall, dass Eingeständnis, dass eine Eichel , mit dem Ziel zu einer mächtigen Eiche heranzuwachsen, um sehr vieles mehr verfügt als eine KI. Eine KI hat keine Ziele. Schon gar nicht den, sich zu einer mächtigen KI heranzuwachsen ... wohlgemerkt aus sich selbst heraus.
Der Entwicklungs- und Wachstumsprozess einer Eiche ist rein "teleonomischer" Natur, wie der große Biologe Ernst Mayr sagt.
"Teleonomie [von griech. teleios = zielgerichtet, nomos = Gesetz; Adj. teleonomisch], die programmgesteuerte, arterhaltende Zweckmäßigkeit der Organismen als Ergebnis eines evolutiven Prozesses (Evolution). Der Begriff der Teleonomie soll den Anschein teleologischer Prozesse (Teleologie–Teleonomie) innerhalb von Organismen sowie zwischen den Lebewesen verständlich machen. Biologische Prozesse werden durch genetische Programme gesteuert. In ihnen ist die Grundorientierung der Entwicklung jedes Lebewesens vorgegeben, die sich in der aktiven Auseinandersetzung mit der Umwelt nach dem Prinzip der Selbstorganisation entfaltet."

Quelle: https://www.spektrum.de/lexikon/biologi ... omie/65695
Das war aber keine Antwort auf das, worauf meine Frage abzielt, und zwar dem Eingeständnis, dass eine Eichel, mit dem Ziel zu einer mächtigen Eiche heranzuwachsen, um sehr vieles mehr verfügt als eine KI.
agitano.com hat geschrieben :
Aristoteles: Leben, Werk und Paradoxon im Überblick

Die Dreiteilung der Seele


Um die Vielfalt des Lebens verständlich zu machen, unterscheidet Aristoteles drei Seelenformen. Sie bilden eine hierarchische Struktur, die vom Einfachen zum Komplexen führt. Die folgenden Punkte geben einen Überblick über diese Einteilung:

Vegetative Seele: Sie ist in Pflanzen zu finden und umfasst Wachstum, Ernährung und Fortpflanzung.
Animalische Seele: Sie gehört den Tieren und befähigt sie zu Wahrnehmung, Bewegung und grundlegender Orientierung.
Vernünftige Seele: Sie ist dem Menschen vorbehalten und ermöglicht Denken, Sprache und bewusste Entscheidungen.

Diese Dreiteilung zeigt, wie sorgfältig Aristoteles das Leben betrachtete. Sie erklärt nicht nur Unterschiede zwischen Lebewesen, sondern auch Aufbau und Entwicklung des Menschen. Zugleich bildet sie die Grundlage für seine Überlegungen zur Psyche, die weit über die Antike hinauswirken.



Wo würde in der "Seelenform" einer aktiven Auseinandersetzung mit der Umwelt nach dem Prinzip der Selbstorganisation, auch bei einer künstlichen Intelligenz jene Grundorientierung der Entwicklung vorliegen, wie sie für jedes Lebewesen vorgegeben ist. Wo wir schon mal dabei sind, also dem Prinzip der Selbstorganisation und das Verhältnis von lebendigen (biologische) Systeme und nicht-lebendigen (technische) Systemen ...
ineko.de hat geschrieben :
Autopoiese

Der Begriff Autopoiese (= Selbsterzeugung) wird aus den griechischen Wörtern autos (= selbst) und poiein (= machen) gebildet. Die chilenischen Biologen Humberto Maturana und Francisco Varela beschrieben dieses Konzept erstmals, als sie untersuchten, wie sich lebendige (biologische) Systeme von nicht-lebendigen (technischen) Systemen unterscheiden.

Für das Verständnis der menschlichen Wirklichkeit werden demnach die folgenden drei Klassen autopoietischer Systeme unterschieden:

Leben (biologische Systeme)
Bewusstsein (psychische Systeme)
Kommunikation (soziale Systeme)
Von daher würde ich , weil ein nicht-lebendiges (technisches) System, Autopoiese und somit diese , für das Verständnis der menschlichen Wirklichkeit typischen drei Klassen autopoietischer Systeme , bei einer künstlichen Intelligenz grundsätzlich ausschließen wollen.
Zuletzt geändert von Timberlake am Di 13. Jan 2026, 22:47, insgesamt 8-mal geändert.




Burkart
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Di 13. Jan 2026, 22:29

Consul hat geschrieben :
Di 13. Jan 2026, 04:31
Burkart hat geschrieben :
Mo 12. Jan 2026, 23:27
Consul hat geschrieben :
Mo 12. Jan 2026, 22:10
Man kann einen Roboter freilich so betrachten und behandeln, als ob/wie wenn er ein subjektives Innenleben hätte; aber daraus folgt nicht, dass er tatsächlich eines hat. Und aus dem äußeren Anschein des Vorhandenseins von (phänomenalem) Bewusstsein folgt nicht notwendigerweise dessen wirkliches Vorhandensein.
Das ist richtig. Es stellt sich somit die Frage, was dessen "wirklichen" Vorhandenseins definiert bzw. was das Nicht- von Vorhandensein abgrenzt bzw. abgerenzen soll - und ggf. auch, ob man eine Art Zwischenebene zwischen einem subjektiven (biologischen, menschlichen...) Innenleben und gar keinem ein "KI-Innenleben" sinnvoll definieren kann.
Nein, eine solche "Zwischenebene" kann es nicht geben; denn das Licht des (phänomenalen) Bewusstseins ist entweder eingeschaltet oder ausgeschaltet. Es kann im Hinblick auf das Vorhandensein eines subjektiven Innenlebens bei nichtmenschlichen Wesen nur epistemische Ungewissheit herrschen, aber keine ontische Unbestimmtheit.
Dann versuche ich es mal mit "ontischer Unbestimmtheit".
Natürlich man KI hier letztlich nur als KI in der realen Welt Sinn, sagen wir als KI-Roboter, sodass sie Gegenstände z.B. ansehen und erkennen kann. Soweit ok oder schon nicht mehr? Wenn dies noch ok ist, wo ist dann das Problem mit "ontischer Unbestimmtheit"?



Der Mensch als Philosophierender ist Ausgangspunkt aller Philosophie.
Die Philosophie eines Menschen kann durch Andere fahrlässig missverstanden oder gezielt diskreditiert oder gar ganz ignoriert werden, u.a. um eine eigene Meinung durchsetzen zu wollen.

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Mi 14. Jan 2026, 09:50

Consul hat geschrieben :
Di 13. Jan 2026, 21:22
"…aus griech. (dor.) māchanā́ (μαχανά), (att.) mēchanḗ (μηχανή) ‘Mittel, Hilfsmittel, Erfindung, Apparat, Kunstgriff’"

Die Wörter "Maschine" und "Mechanismus"/"Mechanik" haben also den gleichen Ursprung im Griechischen. Eine Maschine ist ein Mechanismus (mechanisches System).
Gemäß deinem Zitat ist eine Maschine vor allem etwas, was wir künstlich produziert haben, sie ist ein Mittel, Hilfsmittel, Erfindung, Apparat, Kunstgriff. Menschen sind keine Maschinen, in keiner Hinsicht. Dass es einen (auch normativen) fundamentalen Unterschied zwischen Mensch und Maschine gibt, macht nach meinem Verständnis auch der Ethikrat in seiner Stellungnahme deutlich.



Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“

Timberlake
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Mi 14. Jan 2026, 14:01

Um Consul an dieser Stelle entgegen zu kommen, würde ich meinen, dass Menschen auch Maschinen sind.
Consul hat geschrieben :
Di 13. Jan 2026, 20:01
Timberlake hat geschrieben :
Di 13. Jan 2026, 14:25
Was wäre denn , wenn wir anstsatt der Eichel eine Künstliche Intelligenz als Beispiel nehmen würden?
Indem ich darauf keine Antwort erhalten habe und ich einmal davon ausgehe, dass diejenigen, die darauf nicht geantwortet haben, gemäß Aristoteles "Dreiteilung der Seele" über eine "vernünftige" Seelenform verfügen, schlussfolgre ich einmal daraus, dass die KI über keine Seelenform verfügt. Wann hätte eine KI auch jemals nicht auf eine Frage geantwortet!
Eine KI-Maschine lebt, fühlt und denkt nicht – es sei denn, man setzt Denken (Kogitation) mit komputational-repräsentationalen Prozessen gleich, die auch von bewusstseinslosen KI-Maschinen implementiert werden können.
Nur das diese Maschine darüber hinaus etwas kann , was eine eine Maschine im Allegemeinem und eine KI-Maschine im Besonderen nicht kann .. leben, fühlen und denken. Wo hier von "komputational" schon mal die Rede war ..


Komputationale/synthetische Modelle
Komputationale Modelle werden vor allem für die Modellierung komplexerer Prozesse eingesetzt. Im Gegensatz zu statistischen und mathematischen Modellen wird dabei besonderer Wert darauf gelegt, wie die Komponenten des Modells miteinander interagieren und so das Verhalten des Interesses hervorbringen. Die Komponenten eines solchen Modells und ihre Interaktionsstruktur können dabei auf zwei Arten abgeleitet werden. Einerseits kann auf Basis bereits bekannter Stukturen modelliert werden – also z.B. existierende Theorie oder Befunde zum Zusammenhang von Gehirnaktivierungen. Andererseits kann aber auch auf Basis reiner struktureller Spekulation bzw. Analogie zu anderen Systemen, welche ein ähnliches Verhalten zeigen, modelliert werden. Im letzteren Fall spricht man von synthetischen Modellen: man baut aus Komponenten ein System und untersucht anschließend, ob es das gewünschte Verhalten zeigt – wenn dies der Fall ist, wäre das eine erste Evidenz, dass das Modell Prozesse des echten System gut abbildet.


Komputationale/synthetische Modelle bilden Leben, Fühlen und Denken nur ab. Sie selbst leben, fühlen und denken nicht. Somit eine Gleichsetzung mit Leben, Fühlen und Denken, wie auch eine Implementierung dessen ... in! .. bewusstseinslose KI-Maschinen meiner Meinung nach definitiv ausgeschlossen ist.
Wolfgang Endemann hat geschrieben :
So 8. Dez 2024, 15:49
Begriffe sind Bedeutungskonstrukte, die nicht eineindeutig realen Sachverhalten zugeordnet werden können und die daher nicht akzeptiert werden müssen. Dieses Minenfeld möchte ich hier nicht betreten.

Wenn Consul anstatt von Modellen von Prozessen spricht , so sehe ich ihn .. "weil nicht eineindeutig einem realen Sachverhalt zugeordnet werden kann" .. übrigens vor meinem geistigen Auge auf jenem Minenfeld herumspazieren.




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