Das chinesische Zimmer

Philosophische Gedankenexperimente in Form von Videos.
Timberlake
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Di 18. Nov 2025, 01:56

Consul hat geschrieben :
Di 18. Nov 2025, 01:37

Worin genau besteht echtes, wahres Verstehen (sprachlicher oder nichtsprachlicher Zeichen)?
Unter Bezugnahme auf den Beitrag 96426 besteht echtes, wahres Verstehen (sprachlicher oder nichtsprachlicher Zeichen) meiner Meinung nach .. "gleichsam Searles Versuchsaufbau, fernab von jeglicher Semantik, nur aus unverständlichen Zeichen und ein Regelbuch" .

"Ich möchte einige gängige Missverständnisse über „Verstehen“ ausräumen: In vielen Diskussionen wird das Wort „Verstehen“ unnötig kompliziert ausgelegt. Kritiker weisen darauf hin, dass es viele verschiedene Grade des Verstehens gibt; dass „Verstehen“ kein einfaches zweistelliges Prädikat ist; dass es sogar verschiedene Arten und Ebenen des Verstehens gibt und dass der Satz vom ausgeschlossenen Dritten oft nicht ohne Weiteres auf Aussagen der Form „x versteht y“ anwendbar ist; dass es in vielen Fällen eine Entscheidungsfrage und keine einfache Tatsachenfrage ist, ob x y versteht; und so weiter. Zu all diesen Punkten möchte ich sagen: Natürlich, natürlich. Aber sie haben nichts mit den hier strittigen Punkten zu tun. Es gibt eindeutige Fälle, in denen „Verstehen“ wörtlich zutrifft, und eindeutige Fälle, in denen es nicht zutrifft; und diese beiden Fallgruppen genügen mir für meine Argumentation. Ich verstehe Geschichten auf Englisch; in geringerem Maße verstehe ich Geschichten auf Französisch; in noch geringerem Maße Geschichten auf Deutsch; und auf Chinesisch überhaupt nicht. Mein Auto und meine Addiermaschine hingegen verstehen gar nichts: Dafür sind sie nicht da. Wir schreiben Autos, Addiermaschinen und anderen Artefakten oft metaphorisch und analogisch „Verständnis“ und andere kognitive Fähigkeiten zu, doch solche Zuschreibungen beweisen nichts. Wir sagen: „Die Tür weiß dank ihrer Fotozelle, wann sie sich öffnen muss“, „Die Addiermaschine weiß (versteht), wie man addiert und subtrahiert, aber nicht wie man dividiert“, und „Der Thermostat nimmt Temperaturänderungen wahr“. Der Grund für diese Zuschreibungen ist interessant und liegt darin, dass wir unsere eigene Intentionalität auf Artefakte übertragen; unsere Werkzeuge sind Erweiterungen unserer Zwecke, und so erscheint es uns natürlich, ihnen metaphorisch Intentionalität zuzuschreiben. Doch ich glaube nicht, dass solche Beispiele philosophisch fundiert sind. Der Sinn, in dem eine automatische Tür Anweisungen ihrer Fotozelle „versteht“, ist ganz anders als der, in dem ich Englisch verstehe. Wenn der Sinn, in dem Schanks programmierte Computer Geschichten verstehen, der metaphorische Sinn sein soll, in dem die Tür etwas versteht, und nicht derjenige Sinn, in dem ich Englisch verstehe, dann wäre die Angelegenheit nicht der Diskussion wert. Newell und Simon (1963) schreiben jedoch, dass die Art der Kognition, die sie Computern zuschreiben, genau derjenigen des Menschen entspricht. Mir gefällt die Direktheit dieser Behauptung, und genau diese Art von Behauptung werde ich in Betracht ziehen. Ich werde argumentieren, dass der programmierte Computer im wörtlichen Sinne das versteht, was das Auto und die Rechenmaschine verstehen, nämlich gar nichts. Das Verständnis des Computers ist nicht nur (wie mein Verständnis von Deutsch) teilweise oder unvollständig; es ist gleich null." [Google Translate mit Verbesserungen meinerseits]

(Searle, John R. "Minds, Brains, and Programs." The Behavioral and Brain Sciences 3 (1980): 417–457. pp. 418–9)
Der Grund für diese Zuschreibungen liegt darin, dass wir Artefakte auf unsere eigene Intentionalität übertragen und so erscheint es uns natürlich, uns durch "echtes und wahres Verstehen" Semantik und infolge dessen metaphorisch Intentionalität zuzuschreiben. Ich argumentiere dafür, dass wir programmierte Computer sind. Das demzufolge unser Verständnis, wie das Verständnis über Chinesisch desjenigen, der sich im chinesischen Zimmer befindet, nicht nur teilweise oder unvollständig; es ist gleich null.




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Jörn P Budesheim
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Di 18. Nov 2025, 08:16

Wie versteht jemand, der nie etwas versteht, ein Regelbuch? Und wieso kann man, wenn man nie etwas versteht, die gesamte Nicht-Verständnis-Situation verstehen?



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Jörn P Budesheim
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Di 18. Nov 2025, 08:39

Consul hat geschrieben :
Di 18. Nov 2025, 01:53
Bedeutet "Erfassen seiner Bedeutung" etwas anderes als "Kennen seiner Bedeutung", "Wissen, was es bedeutet"?
Ich denke schon. Der Ausdruck „erfassen“ bezeichnet (vor allem) den Vorgang/Moment des Verstehens. Im Unterschied dazu: Die Bedeutung eines Verkehrsschilds muss ich nicht mehr erfassen, wenn ich sie bereits kenne oder weiß, was es bedeutet.

Hier zwei verschiedene Metaphern dazu:
  • Einen Bleistift muss ich nicht mehr erfassen, wenn ich ihn schon in der Hand habe.
  • Ich kann aber auch visuell (statt taktil) ein Ziel erfassen: Auch dort meint „erfassen“, etwas zunächst ins Blickfeld zu nehmen – anzuvisieren, zu fokussieren, scharfzustellen. Der Moment des Erfassens markiert den Übergang von „nicht im Blick“ zu „im Blick“. Entsprechend heißt „die Bedeutung erfassen“, sie geistig in den Blick zu nehmen, während „kennen“ oder „wissen“ einen bereits erreichten Zustand bezeichnet. (Ich will nicht bestreiten, dass diese beiden Aspekte zusammenhängen können.)
Außerdem unterscheidet sich "erfassen" nicht nur von "kennen/wissen", sondern auch von "machen/konstruieren" - es weist darauf hin, dass der Sinn schon "da" ist und nicht gemacht, sondern erfasst wird.



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Consul
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Di 18. Nov 2025, 19:44

Consul hat geschrieben :
Di 18. Nov 2025, 01:53
"Verstehen eines Gesprochenen (natürlich auch Geschriebenen) besteht im Erfassen seiner Bedeutung."

(Meinong, Alexius. Über Annahmen. 2. Aufl. Leipzig: Barth, 1910. S. 361)
Bedeutet "Erfassen seiner Bedeutung" etwas anderes als "Kennen seiner Bedeutung", "Wissen, was es bedeutet"?
Ich kann wissen, dass das finnische Wort "talonpoika" im Finnischen "maanviljelijä" bedeutet, ohne zu wissen, was das Wort "maanviljelijä" bedeutet. In diesem Fall ist mein Kennen der finnischen Bedeutung von "talonpoika" kein Erfassen oder Begreifen derselben im Sinn eines Verstehens; denn das finnische Wort "talonpoika" verstehe ich nur dann, wenn es in ein Wort oder mehrere Wörter einer Sprache übersetzt wird, die ich verstehe. Wenn ich erfahre, dass "talonpoika" im Deutschen "Bauer"/"Landwirt" bedeutet, dann verstehe ich dieses finnische Wort, weil ich seine deutsche Übersetzung verstehe (im Gegensatz zu seiner finnischen Übersetzung).
Zuletzt geändert von Consul am Di 18. Nov 2025, 19:58, insgesamt 1-mal geändert.



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Jörn P Budesheim
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Di 18. Nov 2025, 19:53

Das Argument verstehe ich nicht. Ich verstehe weder wofür oder wogegen du argumentieren möchtest, noch wie das Argument funktionieren soll.



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Consul
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Di 18. Nov 2025, 20:12

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Di 18. Nov 2025, 19:53
Das Argument verstehe ich nicht. Ich verstehe weder wofür oder wogegen du argumentieren möchtest, noch wie das Argument funktionieren soll.
Mein Beispiel zeigt, dass Bedeutungskenntnis und Bedeutungsverständnis nicht notwendigerweise dasselbe sind. Wenn jemand, der kein einziges finnisches Wort versteht, weiß, dass das finnische Wort "talonpoika" im Finnischen "maanviljelijä" bedeutet, dann ist das verständnisloses semantisches Wissen.



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Jörn P Budesheim
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Di 18. Nov 2025, 20:17

Mich interessiert, was du mit diesem Beispiel zeigen möchtest. Geht es um eine Analogie zur Person im chinesischen Zimmer, die Zeichen manipuliert, ohne sie zu verstehen?

Hat das noch was mit der Frage nach dem "Erfassen" zu tun?



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Consul
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Di 18. Nov 2025, 22:12

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Di 18. Nov 2025, 20:17
Mich interessiert, was du mit diesem Beispiel zeigen möchtest. Geht es um eine Analogie zur Person im chinesischen Zimmer, die Zeichen manipuliert, ohne sie zu verstehen?
Ja. Jemand, der kein einziges finnisches Wort versteht, kann wissen, dass "talonpoika" im Finnischen "maanviljelijä" bedeutet und einen Befehl wie "Wenn du talonpoika hörst, dann antworte mit maanviljelijä!" ausführen.
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Di 18. Nov 2025, 20:17
Hat das noch was mit der Frage nach dem "Erfassen" zu tun?
Ja. Wenn das Verstehen eines Wortes oder Satzes im Erfassen oder Begreifen seiner Bedeutung besteht, worin genau besteht dann Letzteres?
Wenn von geistigem Erfassen oder Begreifen die Rede ist, dann werden diese Wörter in einem übertragenen Sinn gebraucht; denn ursprünglich ist damit ein Anfassen mit den Händen (oder den Füßen) gemeint.
"Interpretant. The disposition in an interpreter to respond, because of a sign, by response-sequences of some behavior-family."
———
"Interpretant. Die Disposition eines Interpreten, aufgrund eines Zeichens mit Reaktionssequenzen aus einer bestimmten Verhaltensfamilie zu reagieren." [meine Übers.]

(Morris, Charles W. Signs, Language, and Behavior. 1946. Reprinted in Writings on the General Theory of Signs, edited by Thomas A. Sebeok, 75-400. The Hague: Mouton, 1971. p. 363)
Morris hat den Fachbegriff Interpretant von Charles Peirce übernommen, welcher in dessen Semiotik für die Funktion der Bedeutung steht.
Man kann nun im morrisschen Sinn argumentieren, dass jemand ein Zeichen nur dann versteht beziehungsweise seine Bedeutung nur dann erfasst/begreift, wenn der Zeichenempfang in ihm als Zeichenempfänger eine bestimmte Interpretationsreaktion als Manifestation einer bestimmten Interpretationsdisposition auslöst, die von der Implementierung semantischer "Codes" oder "Assoziationsmuster" im Geist des Zeichenempfängers abhängt. Das Hören oder Lesen eines chinesischen Wortes löst in meinem Geist keine Interpretationsreaktion aus, weil darin kein Chinesisch-Deutsch-Code implementiert ist.



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Jörn P Budesheim
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Mi 19. Nov 2025, 10:50

Consul hat geschrieben : Das Hören oder Lesen eines chinesischen Wortes löst in meinem Geist keine Interpretationsreaktion aus, weil darin kein Chinesisch-Deutsch-Code implementiert ist.
Mir ist deine Argumentation leider nicht ganz klar.

Ich arbeite gern mit Beispielen. Also nehmen wir eines: Sprechen wir Klingonisch. Angenommen, bei dir wäre ein Klingonisch-Deutsch-Code „implementiert“. Was geschieht dann, wenn du das Wort „Gagh“ hörst? Dafür gibt es im Deutschen kein entsprechendes Wort, weil es dieses Ding bei uns schlicht nicht gibt und du es – das sei vorausgesetzt – auch nicht aus Erfahrung kennst.

Gut, vielleicht ist das deutsche Wort dennoch im Code abgelegt, einfach als „Zock“. Das hilft dir aber nicht weiter. Eine reine Zeichen-zu-Zeichen-Zuordnung bleibt leer, wenn sie auf nichts verweist, worauf du in deiner Lebenswelt zugreifen kannst. Ein solcher Klingonisch-Deutsch-Code wäre also witzlos. Ohne Weltbezug keine Semantik. Deshalb erscheint mir die Idee, Bedeutungen ausschließlich im Kopf oder in internen Codes zu verorten, unzureichend.
Consul hat geschrieben : Morris hat den Fachbegriff Interpretant von Charles Peirce übernommen, welcher in dessen Semiotik für die Funktion der Bedeutung steht.
Das verstehe ich nicht recht. Wenn mit „Interpretant“ letztlich gemeint ist, was wir gewöhnlich „Bedeutung“ nennen, warum sollte ich dann einen zusätzlichen Fachbegriff verwenden, der nichts weiter leistet als den allgemein verständlichen Ausdruck zu ersetzen?



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Consul
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Mi 19. Nov 2025, 21:23

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mi 19. Nov 2025, 10:50
Consul hat geschrieben :
Di 18. Nov 2025, 22:12
Das Hören oder Lesen eines chinesischen Wortes löst in meinem Geist keine Interpretationsreaktion aus, weil darin kein Chinesisch-Deutsch-Code implementiert ist.
Mir ist deine Argumentation leider nicht ganz klar.
Ich arbeite gern mit Beispielen. Also nehmen wir eines: Sprechen wir Klingonisch. Angenommen, bei dir wäre ein Klingonisch-Deutsch-Code „implementiert“. Was geschieht dann, wenn du das Wort „Gagh“ hörst? Dafür gibt es im Deutschen kein entsprechendes Wort, weil es dieses Ding bei uns schlicht nicht gibt und du es – das sei vorausgesetzt – auch nicht aus Erfahrung kennst.
Gut, vielleicht ist das deutsche Wort dennoch im Code abgelegt, einfach als „Zock“. Das hilft dir aber nicht weiter. Eine reine Zeichen-zu-Zeichen-Zuordnung bleibt leer, wenn sie auf nichts verweist, worauf du in deiner Lebenswelt zugreifen kannst. Ein solcher Klingonisch-Deutsch-Code wäre also witzlos. Ohne Weltbezug keine Semantik. Deshalb erscheint mir die Idee, Bedeutungen ausschließlich im Kopf oder in internen Codes zu verorten, unzureichend.
Bis heute hat das Lesen des Wortes "Gagh" keinerlei Interpretationsreaktion in meinem Geist ausgelöst, weil ich es bisher nicht kannte. Das ist jetzt anders – leider (Igitt!) –, nachdem ich nachgegoogelt und Folgendes erfahren habe:
"Gagh ist eine klingonische Delikatesse aus Schlangenwürmern, die typischerweise lebendig serviert wird und am besten schmeckt, wenn sie sich noch bewegt. Es gibt über 50 verschiedene Sorten, die sich in Geschmack und Textur unterscheiden können und je nach Sorte zappeln, springen oder zucken können. Die Würmer werden manchmal auch geschmort oder kalt serviert." [Google KI-Suche]
Ich habe bei Google auch Bilder von Gagh gesehen, die fortan immer dann in meinem Geist auftauchen werden, wenn ich das Wort "Gagh" lese oder höre, oder daran denke.
Der Interpretant (die Bedeutung) von "Gagh" kann ein anderes Wort, eine Wortgruppe oder eine längere Beschreibung sein, aber auch ein nichtsprachliches Vorstellungsbild. Er ist dasjenige Zeichen, das von "Gagh" in meinem Geist/Gehirn/Kopf hervorgerufen wird – unter der Voraussetzung dass ich weiß, was "Gagh" bedeutet; denn ohne dieses semantische Wissen ruft "Gagh" in meinem Geist kein anderes Zeichen als "Gagh"-Interpretanten hervor.
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mi 19. Nov 2025, 10:50
Consul hat geschrieben :
Di 18. Nov 2025, 22:12
Morris hat den Fachbegriff Interpretant von Charles Peirce übernommen, welcher in dessen Semiotik für die Funktion der Bedeutung steht.
Das verstehe ich nicht recht. Wenn mit „Interpretant“ letztlich gemeint ist, was wir gewöhnlich „Bedeutung“ nennen, warum sollte ich dann einen zusätzlichen Fachbegriff verwenden, der nichts weiter leistet als den allgemein verständlichen Ausdruck zu ersetzen?
Peirce hat sich im Rahmen seiner originellen eigenen Semiotik schon etwas dabei gedacht, als er "Bedeutung" durch "Interpretant" ersetzte. (Der Interpretant als Zeichen ist nicht zu verwechseln mit dem Interpreten = interpreter als Zeichenbenutzer!) Mit dem Begriff des Interpretanten bringt Peirce seine besondere Auffassung des Bedeutungsbegriffs zum Ausdruck.
"Bedeutung als äquivalentes Zeichen
Die Auffassung von der Bedeutung eines Zeichens als einem diesem äquivalenten anderen Zeichen hat ihre tiefere semiotische Begründung in der Definition des Interpretanten bei Peirce. Danach ist die Bedeutung nichts anderes als »die Übersetzung eines Zeichens in ein anderes Zeichensystem« (CP 4.127). Jakobson hat die Linguisten auf diesen Peirceschen Grundgedanken aufmerksam gemacht und daran erinnert, daß die Praxis der lexikographischen Semantik, die seit Jahrhunderten Bedeutungen in Form von Synonymen, Paraphrasen oder Übersetzungen beschreibt, genau diesem Peirceschen Prinzip von der Bedeutungsanalyse durch intra- oder interlinguale Übersetzung folgt. Jakobson (1980: 35-36) nennt die Peircesche Bedeutungstheorie »eine der glücklichsten und brillantesten Ideen, die die Allgemeine Linguistik und Semiotik dem amerikanischen Philosophen verdankt« und gelangt zu dem Schluß, daß »viele fruchtlose Diskussionen über Mentalismus und Antimentalismus vermeidbar wären, wenn man dem Gedanken von der Bedeutung als Übersetzung folgen würde«."

(Nöth, Winfried. Handbuch der Semiotik. 2. Aufl. Stuttgart: Metzler, 2000. S. 155)
"Der Interpretant
Obwohl viele Aspekte des Interpretanten weiterer Erläuterung bedürfen, wollen wir hier nur zwei erwähnen. Erstens: Obwohl wir den Interpretanten als das Verständnis einer Zeichen-Objekt-Beziehung charakterisiert haben, ist er vielleicht treffender als Übersetzung oder Weiterentwicklung des ursprünglichen Zeichens zu verstehen. Der Interpretant liefert eine Übersetzung des Zeichens und ermöglicht uns so ein komplexeres Verständnis des Objekts des Zeichens. Liszka (1996) und Savan (1988) betonen beide die Notwendigkeit, Interpretanten als Übersetzungen zu betrachten. Savan schlägt sogar vor, Peirce hätte ihn Translatanten nennen sollen (Savan 1988, 41). Zweitens: Wie bei der Zeichen-Objekt-Beziehung geht Peirce auch bei der Zeichen-Interpretanten-Beziehung von einer Determination aus: Das Zeichen bestimmt einen Interpretanten. Diese Determination ist jedoch keine kausale Determination; vielmehr bestimmt das Zeichen einen Interpretanten, indem es bestimmte Merkmale der Art und Weise seiner Objektbezeichnung nutzt, um unser Verständnis zu generieren und zu formen. Rauch erzeugt bzw. bestimmt also ein interpretatives Zeichen seines Objekts, des Feuers, indem unsere Aufmerksamkeit auf die physikalische Verbindung zwischen Rauch und Feuer gelenkt wird.

Für Peirce enthält jeder Fall einer Bezeichnung (Signifikation) demnach ein Zeichenvehikel, ein Objekt und einen Interpretanten. Das Objekt bestimmt das Zeichen, indem es Bedingungen festlegt, die jedes Zeichen erfüllen muss, um das Objekt zu bezeichnen. Folglich bezeichnet das Zeichen sein Objekt nur aufgrund bestimmter Merkmale. Darüber hinaus bestimmt das Zeichen einen Interpretanten, indem es unser Verständnis auf bestimmte Merkmale der bezeichnenden Beziehung zwischen Zeichen und Objekt lenkt. Dies ermöglicht uns ein umfassenderes Verständnis des Objekts des Zeichens.

Obwohl dies ein allgemeines Bild von Peirces Ideen zur Zeichenstruktur darstellt und bestimmte Merkmale im Verlauf seiner Zeichentheorie mehr oder weniger präsent sind oder stärker oder schwächer betont werden, ist diese triadische Struktur und die Beziehung zwischen den Elementen in allen Darstellungen Peirces vorhanden." [Google Translate mit Verbesserungen meinerseits]

Peirce’s Theory of Signs: https://plato.stanford.edu/entries/peirce-semiotics/
Peirce hat eine ganze Reihe von Definitionen bzw. Charakterisierungen seines Zeichenbegriffs formuliert. Siehe: http://www.commens.org/dictionary/term/sign

Die meistzitierte und von daher bekannteste ist folgende:
"A sign, or representamen, is something which stands to somebody for something in some respect or capacity. It addresses somebody, that is, creates in the mind of that person an equivalent sign, or perhaps a more developed sign. That sign which it creates I call the interpretant of the first sign. The sign stands for something, its object. It stands for that object, not in all respects, but in reference to a sort of idea, which I have sometimes called the ground of the representamen."
———
"Ein Zeichen, oder Repräsentamen, ist etwas, das für jemanden in gewisser Hinsicht oder Funktion für etwas anderes steht. Es spricht jemanden an, das heißt, es erzeugt im Geist jener Person ein gleichwertiges oder vielleicht ein weiterentwickeltes Zeichen. Dieses erzeugte Zeichen nenne ich den Interpretanten des ersten Zeichens. Das Zeichen steht für etwas, sein Objekt. Es steht für dieses Objekt, nicht in jeder Hinsicht, sondern in Bezug auf eine Art Idee, die ich mitunter als den Grund des Repräsentamens bezeichnet habe." [Google Translate mit Verbesserungen meinerseits]

Charles Peirce: Collected Papers (CP) 2.228
Peirce's eigene Definitionen oder Charakterisierungen des Interpretanten: http://www.commens.org/dictionary/term/interpretant



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Timberlake
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Mi 19. Nov 2025, 22:26

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Di 18. Nov 2025, 08:16
Wie versteht jemand, der nie etwas versteht, ein Regelbuch? Und wieso kann man, wenn man nie etwas versteht, die gesamte Nicht-Verständnis-Situation verstehen?
Ganz einfach. Weil das alles in dem Regelbuch des "chinesischen Zimmers" so steht. Nur weil wir dieses "chinesische Zimmer" , wie in dem Versuchsaufbau von Searle, in unseren Köpfen nicht wahrnehmen, heißt ja nicht, dass es nicht existiert.




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Jörn P Budesheim
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Do 20. Nov 2025, 08:49

Timberlake hat geschrieben :
Mi 19. Nov 2025, 22:26
Weil das alles in dem Regelbuch des "chinesischen Zimmers" so steht.
Wie kann jemand, der nie etwas versteht, die Regeln im Regelbuch verstehen?



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Jörn P Budesheim
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Do 20. Nov 2025, 11:36

Representamen, Interpretant, Interpreter, Interpretationsreaktion, Zeichenvehikel, Signifikation, triadische Struktur, Translatant, ... da wird mir ganz schwindelig und Verstehen stellt sich bei mir nicht ein.



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Do 20. Nov 2025, 12:01

@Consul:

Du schreibst: "Der Interpretant (die Bedeutung) von "Gagh" kann ein anderes Wort, eine Wortgruppe oder eine längere Beschreibung sein, aber auch ein nichtsprachliches Vorstellungsbild. Er ist dasjenige Zeichen, das von "Gagh" in meinem Geist/Gehirn/Kopf hervorgerufen wird – unter der Voraussetzung dass ich weiß, was "Gagh" bedeutet; denn ohne dieses semantische Wissen ruft "Gagh" in meinem Geist kein anderes Zeichen als "Gagh"-Interpretanten hervor."

Also kurz: (die Bedeutung) ist dasjenige Zeichen, das in meinem Geist/Gehirn/Kopf hervorgerufen wird.

Aber das kann nicht sein, sonst müsste ich wegen der Bedeutung von Gagh bei Dir, Consul anrufen ... und auch das würde mir nichts helfen, denn die Bedeutung steckt ja in Deinem Kopf. Das nenne ich Subjektivismus.



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Do 20. Nov 2025, 21:29

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Do 20. Nov 2025, 12:01
…Also kurz: (die Bedeutung) ist dasjenige Zeichen, das in meinem Geist/Gehirn/Kopf hervorgerufen wird.

Aber das kann nicht sein, sonst müsste ich wegen der Bedeutung von Gagh bei Dir, Consul anrufen ... und auch das würde mir nichts helfen, denn die Bedeutung steckt ja in Deinem Kopf. Das nenne ich Subjektivismus.
Ein und dasselbe Zeichenexemplar kann nur in einem einzigen Kopf vorkommen, aber numerisch nichtidentische Zeichenexemplare in verschiedenen Köpfen können qualitativ identisch sein. Numerische Identität ist Selbigkeit, "Einsheit", während qualitative Identität Gleichheit = vollkommene Ähnlichkeit ist. Es kann auch (mehr oder weniger) unvollkommene Ähnlichkeit zwischen zahlenmäßig verschiedenen Zeichenexemplaren bestehen.
Wenn wir beide "Gagh" lesen oder hören, dann kann dies gleiche oder sehr ähnliche Gagh-Bilder in unseren Köpfen hervorrufen, was semantische Intersubjektivität ermöglicht.

Als Interpretanten (Bedeutungen) fungierende Zeichenexemplare kommen aber nicht nur innerlich in Geisten/Gehirnen vor, sondern auch äußerlich z.B. in Bedeutungs-Wörterbüchern.



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Jörn P Budesheim
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Fr 21. Nov 2025, 10:30

Zwei Sprecher, die sich in exakt denselben "inneren Gehirnzuständen" befinden, können unterschiedliche Dinge mit demselben Ausdruck meinen, weil sich ihre Begriffe auf unterschiedliche Referenten beziehen. (Nach meiner Erinnerung sinngemäß zu finden zum Beispiel bei Donald Davidson.)



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Fr 21. Nov 2025, 22:00

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Fr 21. Nov 2025, 10:30
Zwei Sprecher, die sich in exakt denselben "inneren Gehirnzuständen" befinden, können unterschiedliche Dinge mit demselben Ausdruck meinen, weil sich ihre Begriffe auf unterschiedliche Referenten beziehen. (Nach meiner Erinnerung sinngemäß zu finden zum Beispiel bei Donald Davidson.)
Nach Frege bestimmt der Sinn die Bedeutung. (Ich weiß, dass fregesche Sinne abstrakte und damit extramentale Entitäten sind.)
Anders, nichtfregeanisch gesagt: Die Bedeutung (der Interpretant) bestimmt den Bezug(sgegenstand) (Referenten).
Wenn ein von uns beiden wahrgenommener Signifikant (Zeichenausdruck/-gestalt) in deinem Gehirn und in meinem Gehirn gleiche Interpretanten hervorruft, dann müssen deren Referenten (numerisch) identisch sein. Wenn wir beide "Gagh" hören und daraufhin gleiche Vorstellungsbilder in unseren Köpfen auftauchen, dann kann es nicht sein, dass dein Bezugsgegenstand Gagh ist und meiner Pizza.
"…by an interpretant we mean a representation which represents that something is a representation of something else of which it is itself a representation."
———
"…unter einem Interpretanten verstehen wir eine Repräsentation, die repräsentiert, dass etwas eine Repräsentation von etwas anderem ist, von dem sie selbst eine Repräsentation ist." [Google Translate]

Charles Peirce (1866 | Lowell Lectures on The Logic of Science; or Induction and Hypothesis: Lecture IX | W 1:474)



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Consul hat geschrieben :
Fr 21. Nov 2025, 22:00
…Anders, nichtfregeanisch gesagt: Die Bedeutung (der Interpretant) bestimmt den Bezug(sgegenstand) (Referenten).
Fußnote:
Der Fachausdruck "Referent" als Bezeichnung des Bezugsgegenstandes eines Zeichens wurde 1923 von Charles Ogden & Ivor Richards in die Linguistik & Semiotik eingeführt. Sie räumen allerdings ein, dass ihre Wortwahl hinsichtlich der lateinischen Etymologie und grammatischen Form des Wortes fragwürdig ist, weil ein referens im etymologischen Sinn etwas sich auf etwas anderes Beziehendes ist, und nicht etwas, worauf etwas anderes Bezug nimmt. Doch das Wort "Referent" wird in der Lingustik/Semiotik seit seiner Einführung im letzteren Sinn gebraucht, obgleich das Wort "Relat" (lat. relatum) etymologisch passender wäre, da ein Referent eben kein Zeichen ist, das sich auf einen Gegenstand bezieht, sondern umgekehrt ein Gegenstand, auf den sich ein Zeichen bezieht.

In der Ontologie ist von den Relata einer Relation die Rede, womit relationierte Objekte, in einer Beziehung stehende Dinge gemeint sind. Wenn Peter und Petra verheiratet sind, dann sind Peter und Petra die Relata der Relation des Verheiratetseins. In diesem Beispiel handelt es sich nicht um eine Referenz genannte semantische Beziehung zwischen einem Zeichen (Signifikanten) und einem Bezugsgegenstand (Referenten).
"Das Wort „Ding“ ist für die hier durchgeführte Analyse ungeeignet, da es im allgemeinen Sprachgebrauch auf materielle Substanzen beschränkt ist – ein Umstand, der Philosophen dazu veranlasst hat, die Begriffe „Entität“, „ens“ oder „Objekt“ als allgemeine Bezeichnung für alles Seiende zu bevorzugen. Es erschien daher wünschenswert, einen Fachbegriff einzuführen, der für alles steht, woran wir denken oder worauf wir uns beziehen. „Objekt“, obwohl dies seine ursprüngliche Bedeutung ist, hat eine unglückliche Geschichte. Daher wurde das Wort „referent“ gewählt, obwohl seine etymologische Form im Hinblick auf andere Partizipialableitungen wie „agent“ oder „reagent“ fragwürdig ist. Aber selbst im Lateinischen ließ das Partizip Präsens gelegentlich (z. B. vehens in equo) Variationen in der Verwendung zu; und im Englischen lässt sich eine Analogie zu Substantiven wie „reagent“, „extent“ und „incident“ ziehen. Somit sollte die Tatsache, dass „Referent“ im Folgenden für ein Ding steht und nicht für eine aktive Person, keine Verwirrung stiften." [Google Translate mit Verbesserungen meinerseits]

(Ogden, C. K., & I. A. Richards. The Meaning of Meaning. London: Routledge & Kegan Paul, 1923. p. 9n1)



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Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Do 20. Nov 2025, 08:49
Timberlake hat geschrieben :
Mi 19. Nov 2025, 22:26
Weil das alles in dem Regelbuch des "chinesischen Zimmers" so steht.
Wie kann jemand, der nie etwas versteht, die Regeln im Regelbuch verstehen?
Gute Frage!

Um zur Beantwortung dieser Frage nochmal auf Searles chinesischen Zimmer zurück zu kommen. (Was hier übrigens niemanden mehr zu interessieren scheint) Derjenige, der im chinesischen Zimmer sitzt .. versteht! .. die Regeln des Regelbuchs im Umgang mit den chinesischen Schriftzeichen. Was diese Schriftzeichen bzw. die Abfolge dieser Schriftzeichen bedeuten, das versteht nicht!

inf-schule.de hat geschrieben : Syntax, Semantik, Pragmatik - Sprache als Zeichensystem

Die Syntax einer Sprache (eines Zeichensystems) beschreibt die Regeln, nach denen die Sprachkonstrukte (Zeichen des Zeichensystems) gebildet werden.
Die Semantik einer Sprache (eines Zeichensystems) beschreibt die Bedeutung der Sprachkonstrukte (Zeichen des Zeichensystems)."
Das Eine, das Verstehen der Regeln im Regelbuch steht für die Syntax und das Andere, das Verstehen der Bedeutung dieser Schriftzeichen bzw. die Abfolge dieser Schriftzeichen steht für die Semantik. In dem man jedoch nicht von der Syntax, also von den Regeln des Regelbuches, auf die Bedeutung der Worte und somit auf die Semantik schließen kann, versteht er nicht, was diese chinesischen Schriftzeichen bedeuten.

In etwa so stelle ich mir das ( nach Searle) auch beim Menschen vor.

Wir verstehen zwar, wie man das "Verstehen" .., als Zeichen! .. nach den Regeln des Regelbuchs handhabt, was wir allerdings nicht verstehen, was es bedeutet zu Verstehen. Was nur folgerichtig ist, wenn man denn auch in unserem Fall davon ausgeht, dass man von diesen Regeln des Verstehens und somit von dessen Syntax, nicht auf die Semantik des Verstehens schließen kann. Wenn wir dennoch meinen, zu verstehen, was Verstehen bedeutet, dann deshalb, dass auch das unter einer der Regel des Regelbuchs fällt.

Beispiel

Wenn es heißt, dass wir verstehen, warum ein Apfel vom Baum fällt, so könnte das auch von jemanden in einem chinesischen Zimmer nach Searle stammen. Nur dass wir in diesem Fall nicht chinesische Schriftzeichen nach den Regeln eines Regelbuchs zuordnen, sondern das Zeichen bzw. das Wort "Verstehen".

So einfach ist das.

In dem man dergleichen ebenfalls nach den Regeln eines Regelbuchs zuordnet, gilt das übrigen auch für das Wort "Bedeutung" und somit für das, worauf sich die Semantik stützt.
  • "Die Semantik einer Sprache (eines Zeichensystems) beschreibt die Bedeutung der Sprachkonstrukte (Zeichen des Zeichensystems)."
Wer sagt denn, dass dieses Wort "Bedeutung", in unserem Gehirn, nicht auch nur als Zeichen, infolge einer Regel eines Regelbuchs und somit einer Syntax, in diesem Satz gehandhabt wurde? Um an dieser Stelle diesen Beitrag wiederum mit einer Frage enden zu lassen.



Übrigens
Timberlake hat geschrieben :
So 9. Nov 2025, 14:57
....
So das übrigens, weil für mein "selbst regulierendes universelles Bewusstsein", von mir als überaus förderlich gehalten, wiederum Fragen an mich ausdrücklich erwünscht sind.
@Jörn P Budesheim

Deine Frage, als da wäre "Wie kann jemand, der nie etwas versteht, die Regeln im Regelbuch verstehen?" steht beispielhaft für das, was von mir ausdrücklich erwünscht ist. Eine Frage, die es meinen "selbst regulierenden universellen Bewusstsein" überhaupt erst ermöglicht hat, diesen Beitrag und infolgedessen eine Antwort darauf, wie ich meine, zu erstellen.


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