Was ist Philosophie?

Hier geht es um die Philosophie selbst, denn sie kann sich selbst zum Gegenstand des Nachdenkens machen - zum Beispiel: Was ist Philosophie? Was sind die Themen der Philosophie? Wie grenzt sie sich von anderen Disziplinen ab? ...
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Stefanie
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Sa 29. Jun 2024, 19:28

Natürlich ist Gegenstand der Philosophie der Mensch.
Gibt es auf diesem Planeten noch eine zweite Art Mensch, Mensch 2? Nein.
Die Bereiche der Philosophie, in denen wir uns mit uns beschäftigten, sind in der Gliederung des Forums abgebildet. Aber auch die anderen. Wenn wir uns mit der Umwelt, der Natur, den anderen Lebwesen auf diesem Planten, dem Universium beschäftigen, tun wir dies immer aus unserer Perspektive. Von unserem Standpunkt aus. Wie stehen wir zu den anderen Lebewesen, wie ist das Verhältnis. Was ergibt sich daraus, entstehen daraus Pflichten für uns usw.
Ebenso die Fragen, was bedeuten naturwissenschaftliche Erkenntnisse für uns und die anderen Lebewesen, was sind die Konsequenzen usw.



Prinzessinnen richten ihr Krönchen.
Königinnen ziehen ihr Schwert.

Jörn Budesheim

Sa 29. Jun 2024, 19:48

Quk hat geschrieben :
Sa 29. Jun 2024, 11:06
Nur der Mensch und nichts weiteres?
Immanuel Kant stellt in seiner Philosophie die berühmten Leitfragen: "Was kann ich wissen?", "Was soll ich tun?" und "Was darf ich hoffen?". All diese Fragen gipfeln in der vierten, alles umfassenden Frage: "Was ist der Mensch?"

Kathrin Glüer greift diesen Gedanken im Grunde auf und schreibt in ihrem Buch über "Donald Davidson": "Wer wir sind, und wo unser Ort ist in der Welt — diesen Fragen gilt letztlich das philosophische Interesse, sie motivieren, wenn auch häufig nur indirekt, noch die kleinsten Detailfragen [z.b.] einer Bedeutungstheorie."

Dies unterstreicht, meines Erachtens, dass die Philosophie, auch wenn sie sich oft mit Detailfragen beschäftigt, letztlich stets vom Interesse an dem Menschen und seinem Platz in der Wirklichkeit motiviert ist.
Grundgesetz hat geschrieben : 1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
Wolfgang Endemann hat geschrieben :
Sa 29. Jun 2024, 15:14
Ich will nicht darauf herumreiten, daß es DEN Menschen gar nicht gibt.
Ich finde schon, dass man sinnvoll von "dem Menschen" sprechen kann und soll, unser Grundgesetz macht es vor. Das zeigt auch, dass der Begriff nicht bloß ein biologischer, physikalischer, etc. ist, sondern auch andere Aspekte aufweist.

Meines Erachtens ist der Begriff Mensch ein genuin normativer Begriff, der Mensch ist etwas, was eine Würde und Menschenrechte hat. Beides kommt ihm zu qua Menschsein, deswegen ist es sogar essentiell wichtig, dass wir von "dem Menschen" sprechen.




Quk

Sa 29. Jun 2024, 20:30

Stefanie hat geschrieben :
Sa 29. Jun 2024, 19:28
Natürlich ist Gegenstand der Philosophie der Mensch.
Gibt es auf diesem Planeten noch eine zweite Art Mensch, Mensch 2? Nein.
Menschenaffen.

(Das war jetzt halb Spaß, halb Ernst.)

Ganz ernst: Die Philosophie beschäftigt sich auch mit Sachen wie Mathematik oder Logik; da kommen zwar auch Fragen menschlicher Kontexte auf, aber auch andere Fragen, die den menschlichen Kontext nicht berühren. Klar, Philosophierende sind immer Menschen. Und Kuchen backen tun auch immer nur Menschen (oder menschengemachte Backmaschinen). Und deswegen kann ich auch immer irgendwie sagen, beim Backen gehe es um den Menschen. Aber wenn ich auf diese Weise in jeden Gedanken immer den Menschen einbinde, kann ich ebenso mit gleicher Intensität Atome einbinden, und Luft, und Energie und etliche weitere Beteiligte. Denn auch dazu gibt es immer irgendwelche Kontexte, oder nicht?




Quk

Sa 29. Jun 2024, 20:34

§ 666
Alle Menschen haben den gleichen Charakter.

§ 777
Alle Menschen haben die selben Wünsche.




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Stefanie
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Sa 29. Jun 2024, 20:44

Quk
Ganz ernst: Die Philosophie beschäftigt sich auch mit Sachen wie Mathematik oder Logik; da kommen zwar auch Fragen menschlicher Kontexte auf, aber auch andere Fragen, die den menschlichen Kontext nicht berühren
Welche Fragen sind das? Das von mir Fett markierte.



Prinzessinnen richten ihr Krönchen.
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Jörn Budesheim

Sa 29. Jun 2024, 20:50

Die Frage nach dem Menschen ist für den Menschen nicht eine Frage unter vielen, sondern die Frage, die ihn zum Menschen macht.

Die Existenz des Menschen wird heute, zumindest in unseren Breitengraden, in der Regel geleugnet, und das ist meines Erachtens ein wichtiger Grund für die Philosophie, sich vor allem mit dem Menschen unserer wirklichen Existenz zu beschäftigen.




Quk

Sa 29. Jun 2024, 20:57

Stefanie hat geschrieben :
Sa 29. Jun 2024, 20:44
Welche Fragen sind das? Das von mir Fett markierte.
Zum Beispiel Fragen zur Russellschen Antinomie.




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Stefanie
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Sa 29. Jun 2024, 23:03

Danke. Gibt es dazu auch was für Dummies?



Prinzessinnen richten ihr Krönchen.
Königinnen ziehen ihr Schwert.

Wolfgang Endemann
Beiträge: 1271
Registriert: Di 23. Apr 2024, 14:30

So 30. Jun 2024, 00:43

Nun, es heißt doch Philosophie, nicht Homophilie. Aber Scherz beiseite. Der Begriff deutet an, daß es seinen frühen Nutzern nicht um Menschenliebe, sondern um Wahrheitsliebe ging. Erst im utilitaristischen Zeitalter, als der Philosophie die wahrheitsdefiniten Gegenstände aus der Hand genommen wurden, hat man sich auf die Kernkompetenz des universell Menschlichen zurückgezogen, noch bei Kant ist die erste Bestimmung der Philosophie: was kann ich wissen.

Ich würde also dabei bleiben, daß Philosophie die universale Reflexionswissenschaft, die Metawissenschaft, die Wissenschaft der Wissenschaften und aller anderen Arten von Erkenntnisgewinnung ist. Die Philosophie auf Ethik zu beschränken bedeutet, den emphatischen Begriff von Wahrheit aufzugeben. Von welcher Wissenschaft soll denn Wissenschaftstheorie betrieben werden? Die Sonderstellung des Menschen übrigens ergibt sich doch von selbst.




Quk

So 30. Jun 2024, 07:25

Stefanie hat geschrieben :
Sa 29. Jun 2024, 23:03
Danke. Gibt es dazu auch was für Dummies?
Vielleicht als erster Schritt:





Jörn Budesheim

So 30. Jun 2024, 08:01

Stefanie hat geschrieben :
Sa 29. Jun 2024, 23:03
Danke. Gibt es dazu auch was für Dummies?
Bei der Russellschen Antinomie handelt es sich um ein kompliziertes logisches Problem. Die Logik beschäftigt sich mit den Gesetzen der Wahrheit; sie zeigt uns, wie wir (die Menschen) denken sollten, um Widersprüche und Fehler zu vermeiden. Auch hier geht es letztlich um den Menschen, nämlich um die Gesetze des (logisch) richtigen Denkens.




Quk

So 30. Jun 2024, 09:01

Gewissermaßen geht es immer um den Menschen.

Gewissermaßen geht es immer ums Denken, egal ob denkender Mensch oder denkender Bonobo.

Gewissermaßen geht es immer ums Suchen, egal ob suchender Mensch oder suchende Intelligenz.

Gewissermaßen geht es immer um Menschen, Bonobos, Intelligenz.

Die Frage, welche der vielen Sachen die einzig zentrale sei, mag jeder beantworten wie er mag, je nach persönlichem Hang zur Anthropozentrik.

Zweiter Punkt: "Der" Mensch.
Die Philosophie enthält unzählige, wechselseitig widersprechende Ismen. Welche davon die einzig Wahren sind, bleibt unklar. Wie kann man angesichts dieser bunten Widersprüchlichkeiten, einschließlich der widersprüchlichen ethischen Debatten, ein widerspruchfreies Einheitsbild des Menschen behaupten? Die Toleranzvielfalt beginnt bereits in so trivial erscheinenden Geboten wie "du sollst nicht töten".

Natürlich gibt es auch viele gemeinsame Schnittmengen. Alle Menschen bejahen das Leben, zum Beispiel. Aber aus diesen gemeinsamen Schnittmengen lässt sich nicht schließen, dass alle Menschen in allen Eigenschaften gleich seien, ohne jegliche Individualität. Deshalb halte ich es für sinnvoller, bei einer Verallgemeinerung immer die entsprechende Eigenschaft zu nennen, anstatt "den" Menschen als eine einzige Mono-Eigenschaft per se aufzufassen; ein Mensch besteht aus unendlich vielen Eigenschaften. Einige sind bei allen gleich, und einige sind individuell. Wäre es nicht so, würde es diese Diskussion nicht geben. Und die Frage, ob in der Philosophie der Mensch im Mittelpunkt stehe, ist meines Erachtens auch schon wieder Philosophie, obwohl doch diese Frage, wenn auch von einem Menschen gestellt, als Objekt in den Raum gestellt wurde und von jedweder Intelligenz bejaht oder verneint werden kann. Im Falle einer Verneinung ist die Philosophie a priori nicht anthropozentrisch.




Jörn Budesheim

So 30. Jun 2024, 09:12

Quk hat geschrieben :
So 30. Jun 2024, 09:01
... ein widerspruchfreies Einheitsbild des Menschen behaupten?
Auf welchen Beitrag bezieht sich das?




Quk

So 30. Jun 2024, 09:16

Auf jeden Deiner Beiträge, in dem die Phrase "der Mensch" zu lesen ist.




Jörn Budesheim

So 30. Jun 2024, 09:19

Erstaunlich.




Jörn Budesheim

So 30. Jun 2024, 09:43

Ich sehe jetzt den Zusammenhang mit dem "Einheitsbild" nicht.

(Dass der Begriff "Mensch" normativ ist, habe ich weiter oben schon geltend gemacht.)




Wolfgang Endemann
Beiträge: 1271
Registriert: Di 23. Apr 2024, 14:30

So 30. Jun 2024, 10:14

Um etwas zu präzisieren. Die Russellsche Antinomie (RA) selbst ist in die Logik ausgelagert, wobei man manchmal noch zwischen mathematischer Logik und philosophischer unterscheidet. Was als philosophisches Problem an der RA bleibt, ist die Reflexion auf die Formalisierbarkeit der formalen Wahrheiten, das könnte man die philosophische Metalogik nennen. Im Falle der RA, eines Problems, das vollständig gelöst ist, ist es die Reflexion auf Unendlichkeit, denn alle nichttrivialen formalen Denksysteme erlauben die Bildung unendlich vieler Aussagen, die nicht als evident wahr begriffen werden können, die aber wahr sein müssen. Daher müssen Konsistenzbeweise geführt werden, und diese können direkt oder indirekt sein. Das macht einen wesentlichen Unterschied, und daher gibt es zwei grundsätzlich unterschiedene mathematische Denksysteme, das klassische und das strengere intuitionistische.. Die Tatsache, daß das Paradox in der modernen axiomatisierten Mengenlehre direkt als Falschaussage bewiesen werden kann, zeigt, daß diese Mengenlehre auch intuitionistisch gültig ist.
Nun ist natürlich die Frage, ist diese Erkenntnis eine philosophische oder eine innermathematische? Das ist eine Definitionsfrage. Ich würde dazu neigen, hier von Philosophie zu sprechen.




Jörn Budesheim

So 30. Jun 2024, 10:49

Quk hat geschrieben :
So 30. Jun 2024, 09:01
Aber aus diesen gemeinsamen Schnittmengen lässt sich nicht schließen, dass alle Menschen in allen Eigenschaften gleich seien, ohne jegliche Individualität.
Ich behaupte eigentlich eher das Gegenteil: Alle Menschen sind Individuen. Das ist z. B. eine Allaussage über den Menschen, die ich unterschreibe. Und alle Menschen haben das Recht, diese Individualität zu leben, sofern sie das Recht der anderen Menschen, das Gleiche zu tun, nicht behindern.  Es ist meines Erachtens offensichtlich, dass diese Allaussage über den Menschen keine Gleichmacherei (oder wie immer man es nennen möchte) darstellt, sondern ganz im Gegenteil.




Quk

So 30. Jun 2024, 13:24

Jörn Budesheim hat geschrieben :
So 30. Jun 2024, 10:49
Quk hat geschrieben :
So 30. Jun 2024, 09:01
Aber aus diesen gemeinsamen Schnittmengen lässt sich nicht schließen, dass alle Menschen in allen Eigenschaften gleich seien, ohne jegliche Individualität.
Ich behaupte eigentlich eher das Gegenteil: Alle Menschen sind Individuen. Das ist z. B. eine Allaussage über den Menschen, die ich unterschreibe. Und alle Menschen haben das Recht, diese Individualität zu leben, sofern sie das Recht der anderen Menschen, das Gleiche zu tun, nicht behindern.  Es ist meines Erachtens offensichtlich, dass diese Allaussage über den Menschen keine Gleichmacherei (oder wie immer man es nennen möchte) darstellt, sondern ganz im Gegenteil.
Mir erscheint das nicht offensichtlich, vor allem deshalb nicht, weil Du Deine Sätze oft sehr knapp und vage formulierst, wo keine Rede ist von Individualität und ähnliches.

Wenn Du möchtest, dass Deine Inhalte verstanden werden, nimm mich als beispielhaften Zuhörer mit langer Leitung, und verstehe dies als konstruktiver Verbesserungsvorschlag für Deine zukünftigen Texte :-)

Wenn jedoch Deine Aussagen verständlich sein sollen nur für Leute Deiner Wellenlänge, so ändere nichts an Deinem Schreibstil.

Ich bin ein sehr logisch-technisch denkender Mensch, und die Singular-Aussage, "der Mensch" sei individuell, ergibt für mich keinen Sinn -- außer siehe unten* --, weil Individualität nur im Plural vorkommen kann. Für eine Unterscheidung braucht man mehr als eins. Daher würde ich so sprechen: "Die Menschen sind Individuen."

* "Der Mensch ist individuell." -- Ja, er unterscheidet sich vom Vogel. Der Mensch, der Vogel. Zwei Individuen.




Jörn Budesheim

So 30. Jun 2024, 13:38

Jörn Budesheim hat geschrieben :
So 30. Jun 2024, 10:49
Ich behaupte eigentlich eher das Gegenteil: Alle Menschen sind Individuen. Das ist z. B. eine Allaussage über den Menschen, die ich unterschreibe. Und alle Menschen haben das Recht, diese Individualität zu leben, sofern sie das Recht der anderen Menschen, das Gleiche zu tun, nicht behindern.  Es ist meines Erachtens offensichtlich, dass diese Allaussage über den Menschen keine Gleichmacherei (oder wie immer man es nennen möchte) darstellt, sondern ganz im Gegenteil.
Quk hat geschrieben :
So 30. Jun 2024, 13:24
Mir erscheint das nicht offensichtlich, vor allem deshalb nicht, weil Du Deine Sätze oft sehr knapp und vage formulierst, wo keine Rede ist von Individualität und ähnliches.
Wieso ist da keine Rede von Individualität, das steht doch eindeutig und unmissverständlich da? Und der Ausdruck "offensichtlich" bezieht sich darauf, dass diese Aussage "Alle Menschen sind Individuen" offensichtlich keine Gleichmacherei beinhaltet.




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