Mit den beiden Begriffen Was und Wie lässt sich meines Erachtens der Unterschied zwischen Naturwissenschaften und Philosophie holzschnittartig auf den Punkt bringen.
Die Philosophie ist bekannt für ihre Was-Fragen: Was ist Mut? Was ist Liebe? Was sind Emotionen? Ihr Ziel besteht darin, das Wesen eines Phänomens zu erfassen – oder, etwas nüchterner formuliert, seine allgemeinen Strukturen zu klären. Die Frage nach dem Wesen des Schmerzes richtet sich also auf jene grundlegenden Merkmale, die Schmerz zu genau diesem Phänomen machen.
Die Naturwissenschaften stellen diese Wesensfragen in der Regel nicht. Sie interessieren sich weniger für den Begriff oder die Struktur eines Phänomens, sondern für seine empirischen Umstände: Wie entsteht Schmerz? Wie wird er im Nervensystem verarbeitet? Wie reagieren Menschen auf schmerzhafte Reize und welche physiologischen Mechanismen sind beteiligt?
Wie gesagt: Das ist holzschnittartig dargestellt. Zwischen beiden Bereichen gibt es keine trennscharfe Grenze. Im Gegenteil: Sie greifen auf verschiedenste Weise ineinander. Eine empirische Untersuchung des Schmerzes setzt immer voraus, dass man überhaupt weiß, worüber man spricht – also einen Begriff von Schmerz hat. Und umgekehrt kann fast jede begriffliche oder wesensbezogene Analyse von den Ergebnissen empirischer Forschung profitieren.
"Wie können wir Wissen rechtfertigen?" Wie sieht es in diesem Fall aus?
Was und Wie
- Jörn P Budesheim
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