Wie philosophieren?

Hier geht es um die Philosophie selbst, denn sie kann sich selbst zum Gegenstand des Nachdenkens machen - zum Beispiel: Was ist Philosophie? Was sind die Themen der Philosophie? Wie grenzt sie sich von anderen Disziplinen ab? ...
Jörn Budesheim

Fr 20. Jun 2025, 17:26

Natürlich gibt es keine einheitliche Art zu philosophieren – das wäre ja noch schöner. Zum Glück herrscht hier im Forum eine gewisse Bandbreite: Einige setzen auf Recherche und zitieren einschlägige Quellen, andere philosophieren lieber frei, das heißt auf eigene Kappe. Und natürlich gibt es auch Mischformen.

Wie würdet ihr eure eigene Methode (oder wie auch immer ihr es nennen wollt) beschreiben? Warum habt ihr euch für diesen Zugang entschieden – und welche Vorteile seht ihr darin?

Und zum Schluss vielleicht eine kleine provokante Frage: Was treibt euch mehr an – die Suche nach der Wahrheit, der Spaß am Denken und Schreiben oder doch eher der Dialog, der Streit, der Austausch?




Pragmatix
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Fr 20. Jun 2025, 19:21

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Fr 20. Jun 2025, 17:26
Natürlich gibt es keine einheitliche Art zu philosophieren – das wäre ja noch schöner. Zum Glück herrscht hier im Forum eine gewisse Bandbreite: Einige setzen auf Recherche und zitieren einschlägige Quellen, andere philosophieren lieber frei, das heißt auf eigene Kappe. Und natürlich gibt es auch Mischformen.

Wie würdet ihr eure eigene Methode (oder wie auch immer ihr es nennen wollt) beschreiben? Warum habt ihr euch für diesen Zugang entschieden – und welche Vorteile seht ihr darin?

Und zum Schluss vielleicht eine kleine provokante Frage: Was treibt euch mehr an – die Suche nach der Wahrheit, der Spaß am Denken und Schreiben oder doch eher der Dialog, der Streit, der Austausch?
Klärung meiner Weltsicht und eine gewisse Lust an Zuspitzungen und die Verteidigung des Common Sense.




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Fr 20. Jun 2025, 21:11

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Fr 20. Jun 2025, 17:26
Natürlich gibt es keine einheitliche Art zu philosophieren – das wäre ja noch schöner. Zum Glück herrscht hier im Forum eine gewisse Bandbreite: Einige setzen auf Recherche und zitieren einschlägige Quellen, andere philosophieren lieber frei, das heißt auf eigene Kappe. Und natürlich gibt es auch Mischformen.

Wie würdet ihr eure eigene Methode (oder wie auch immer ihr es nennen wollt) beschreiben? Warum habt ihr euch für diesen Zugang entschieden – und welche Vorteile seht ihr darin?

Und zum Schluss vielleicht eine kleine provokante Frage: Was treibt euch mehr an – die Suche nach der Wahrheit, der Spaß am Denken und Schreiben oder doch eher der Dialog, der Streit, der Austausch?
Philosophieren
ist eine literarische Tätigkeit.

Und wie beim Musizieren
ist Übung alles.

Der Dialog, der Streit darf mich nicht antreiben, auch wenn er es nicht minder tun würde, als bei jedem x-beliebigen auch.... ...

Aber die Wahrheit?
Naja... was soll sie schon sein? Entweder etwas, worüber wir nicht reden können, weil unsere Lebensgeschichte eine Lüge ist...
und mehr als dieses Paradoxon bekomme ich nicht hin.

Nein, was mich antreibt
und ich meine das ernst,
ist: bessere (Song)Texte schreiben können.



Gelegentlich mit KI bearbeitet

Jörn Budesheim

Fr 20. Jun 2025, 21:48

Forbitten hat geschrieben :
Fr 20. Jun 2025, 21:11
... was mich antreibt
und ich meine das ernst,
ist: bessere (Song)Texte schreiben können.
Der Plan könnte aufgehen.




Pragmatix
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Fr 20. Jun 2025, 22:13

Forbitten hat geschrieben :
Fr 20. Jun 2025, 21:11
[

Philosophieren
ist eine literarische Tätigkeit.
Dann könnte man Philosophie, wie das Richard Rorty vorgeschlagen hat, den Literaturwissenschaften angliedern.




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Fr 20. Jun 2025, 22:26

Pragmatix hat geschrieben :
Fr 20. Jun 2025, 22:13
Forbitten hat geschrieben :
Fr 20. Jun 2025, 21:11
[

Philosophieren
ist eine literarische Tätigkeit.
Dann könnte man Philosophie, wie das Richard Rorty vorgeschlagen hat, den Literaturwissenschaften angliedern.
Ich beziehe mich auf ein Interview mit Sloterdijk.

Die Philosophie an der Universität steckt seit Hegels Zeiten in der Krise, sie ist nämlich seitdem überlaufen und damit dekadent.

Schopenhauer muss als Zeitzeuge richtig gelegen haben, als er diese Dekadenz bemerkte.

Er zog sich in sein Schreibzimmer zurück.

Nietzsche auch.

Und gerade die beiden werden die Philosophie, immer wieder mit einer Weile der Umstrittenheit, ausmachen.

Ich weiß ja nicht, ob ihr Leute kennt, die Philosophie studiert haben...
und sicher will ich nicht jeden über einen Kamm scheren...
aber die Gründe, weshalb sie das studiert haben, sind eher so
"Meine Familie hatte Geld und es hieß, Philosophie stehe über allem"
und ich finde, das ist nicht das, was Philosophie ausmacht.
Was Philosophie ausmacht ist dieser Drang, wissen zu wollen, was "das Ganze" ist.
Und diesen Drang finden wir so in den Universitäten selten und wenn dann nur als Lippenbekenntnisse.
Ja. Jeder kann froh sein, wenn er Philosophie in seinem eigenen Studierzimmer gelernt hat. Dort gehört sie hin.



Gelegentlich mit KI bearbeitet

Pragmatix
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Fr 20. Jun 2025, 22:38

Forbitten hat geschrieben :
Fr 20. Jun 2025, 22:26
Pragmatix hat geschrieben :
Fr 20. Jun 2025, 22:13
Forbitten hat geschrieben :
Fr 20. Jun 2025, 21:11
[

Philosophieren
ist eine literarische Tätigkeit.
Dann könnte man Philosophie, wie das Richard Rorty vorgeschlagen hat, den Literaturwissenschaften angliedern.
Ich beziehe mich auf ein Interview mit Sloterdijk.

Die Philosophie an der Universität steckt seit Hegels Zeiten in der Krise, sie ist nämlich seitdem überlaufen und damit dekadent.

Schopenhauer muss als Zeitzeuge richtig gelegen haben, als er diese Dekadenz bemerkte.

Er zog sich in sein Schreibzimmer zurück.

Nietzsche auch.

Und gerade die beiden werden die Philosophie, immer wieder mit einer Weile der Umstrittenheit, ausmachen.

Ich weiß ja nicht, ob ihr Leute kennt, die Philosophie studiert haben...
und sicher will ich nicht jeden über einen Kamm scheren...
aber die Gründe, weshalb sie das studiert haben, sind eher so
"Meine Familie hatte Geld und es hieß, Philosophie stehe über allem"
und ich finde, das ist nicht das, was Philosophie ausmacht.
Was Philosophie ausmacht ist dieser Drang, wissen zu wollen, was "das Ganze" ist.
Und diesen Drang finden wir so in den Universitäten selten und wenn dann nur als Lippenbekenntnisse.
Ja. Jeder kann froh sein, wenn er Philosophie in seinem eigenen Studierzimmer gelernt hat. Dort gehört sie hin.
Das verhält sich nun zur Philosophie, was immer man an Einwänden gegen manche ihrer Blüten vorbringen kann, eher wie Küchenpsychologie zur Psychologie, ein Vorurteil zum Urteil, eine unbegründete Meinung zu einem wohl begründeten Argument.

Schopenhauer ist übrigens u.a. an der Uni gescheitert, weil er so arrogant war, seine Vorlesungen parallel zu denen Hegels anzusetzen. Er hat den Kürzeren gezogen und das dann als moralischen Sieg verkauft. So sieht es aus.




Timberlake
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Fr 20. Jun 2025, 23:14

Forbitten hat geschrieben :
Fr 20. Jun 2025, 22:26

Ich beziehe mich auf ein Interview mit Sloterdijk.

Die Philosophie an der Universität steckt seit Hegels Zeiten in der Krise, sie ist nämlich seitdem überlaufen und damit dekadent.

Schopenhauer muss als Zeitzeuge richtig gelegen haben, als er diese Dekadenz bemerkte.

Er zog sich in sein Schreibzimmer zurück.

Nietzsche auch.

Und gerade die beiden werden die Philosophie, immer wieder mit einer Weile der Umstrittenheit, ausmachen.
So wie Hegel, Schopenhauer, Nietzsche und schlussendlich wie Sloterdijk zu philosophieren, wäre meiner Meinung nach sicherlich nicht die schlechteste Idee, mit dieser Dekadenz an den Universitäten aufzuräumen. Wenngleich sich Schopenhauer möglicherweise auch wegen Hegel in sein Schreibzimmer zurückzog. Hegel, dessen Vorlesungen bei den Studenten bekanntermaßen sehr beliebt waren. Während dessen bei Schopenhauer zur gleichen Zeit, an der gleichen Universität, die Studenten mit Abwesenheit glänzten. Mit der Folge ..

"Die Deutschen sind gewohnt, Worte statt der Begriffe hinzunehmen: dazu werden sie, von Jugend auf, durch uns dressirt, – sieh nur die Hegelei, was ist sie Anderes, als leerer, hohler, dazu ekelhafter Wortkram? Und doch, wie glänzend war die Carriere dieser philosophischen Ministerkreatur! Dazu bedurfte es nichts weiter, als einiger feilen Gesellen, den Ruhm des Schlechten zu intoniren, und ihre Stimme fand an der leeren Höhlung von tausend Dummköpfen ein noch jetzt nachhallendes und sich fortpflanzendes Echo: sieh, so war bald aus einem gemeinen Kopf, ja einem gemeinen Scharlatan, ein großer Philosoph gemacht."
Arthur Schopenhauer ... Über die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde
Zuletzt geändert von Timberlake am Fr 20. Jun 2025, 23:57, insgesamt 4-mal geändert.




Burkart
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Fr 20. Jun 2025, 23:50

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Fr 20. Jun 2025, 17:26
Natürlich gibt es keine einheitliche Art zu philosophieren – das wäre ja noch schöner. Zum Glück herrscht hier im Forum eine gewisse Bandbreite: Einige setzen auf Recherche und zitieren einschlägige Quellen, andere philosophieren lieber frei, das heißt auf eigene Kappe. Und natürlich gibt es auch Mischformen.

Wie würdet ihr eure eigene Methode (oder wie auch immer ihr es nennen wollt) beschreiben? Warum habt ihr euch für diesen Zugang entschieden – und welche Vorteile seht ihr darin?

Und zum Schluss vielleicht eine kleine provokante Frage: Was treibt euch mehr an – die Suche nach der Wahrheit, der Spaß am Denken und Schreiben oder doch eher der Dialog, der Streit, der Austausch?
Ich philosophiere eher frei im Rahmen meiner Ideen und meines Weltbildes, das ich gerne mal hinterfrage und ggf. ergänze, aber auch gerne verteidige (insbesondere hinsichtlich KI oder auch mal zur Erläuterung möglicher Auflösung des Körper-Geist-Dualismus), soweit es nicht zu sehr von dem hier im Forum abweicht (politisch, moralisch...).
Antriebe: Suche nach Wahrheit, wobei es nicht immer eine klare gibt; Denken und Schreiben im Dialog zum Austausch gerne beizeiten; Streit möglichst nur in Ausnahmefällen.



Der Mensch als Philosophierender ist Ausgangspunkt aller Philosophie.
Die Philosophie eines Menschen kann durch Andere fahrlässig missverstanden oder gezielt diskreditiert oder gar ganz ignoriert werden, u.a. um eine eigene Meinung durchsetzen zu wollen.

Jörn Budesheim

Sa 21. Jun 2025, 06:19

Forbitten hat geschrieben :
Fr 20. Jun 2025, 22:26
Ich weiß ja nicht, ob ihr Leute kennt, die Philosophie studiert haben...
und sicher will ich nicht jeden über einen Kamm scheren...
aber die Gründe, weshalb sie das studiert haben, sind eher so
"Meine Familie hatte Geld und es hieß, Philosophie stehe über allem"
Ich habe Kunst studiert, aber während des Studiums immer auch philosophische Vorlesungen, Seminare und Vorträge besucht – auch über das Ende des Studiums hinaus. Ein Künstlerkollege von mir hat vor ein paar Jahren ein philosophisches Studium absolviert, seine Motivation war sicherlich komplett anders geartet als du es beschreibst. Auch wenn ich mit diesen beiden Erfahrungen natürlich keinen Überblick über die akademische Philosophie insgesamt habe, glaube ich nicht, dass deine Einschätzung über den Zustand der Philosophie und die Motivation von Philosophiestudierenden besonders viel mit der Wirklichkeit zu tun hat.
Forbitten hat geschrieben :
Fr 20. Jun 2025, 22:26
Was Philosophie ausmacht ist dieser Drang, wissen zu wollen, was "das Ganze" ist.
Und diesen Drang finden wir so in den Universitäten selten
Der Zweig der Philosophie, der sich mit dem "Ganzen" beschäftigt, heißt Metaphysik. Auf meiner Wunschleseliste steht ein Titel, der gut dazu passt: "Das neue Bedürfnis nach Metaphysik". Dass der Mensch „metaphysische Untersuchungen einmal gänzlich aufgeben werde, ist eben so wenig zu erwarten, als dass wir (…) das Atemholen einmal lieber ganz und gar einstellen würden.“ (Kant)

Die Metaphysik hatte laut den Herausgebern dieses 2015 erschienenen Buches einige wirkmächtige Angriffe zu überstehen – aber: „Trotzdem kann man sagen, dass sich in der Philosophie im internationalen Diskurs inzwischen ein neues, genuines Bedürfnis nach Metaphysik gemeldet hat.“

Ein Ressentiment gegenüber der (akademischen) Philosophie mag sich gut anfühlen – nötig ist es für die Beschäftigung mit Philosophie jedoch keineswegs, schätze ich.
Forbitten hat geschrieben :
Fr 20. Jun 2025, 21:11
Aber die Wahrheit?
Naja... was soll sie schon sein? Entweder etwas, worüber wir nicht reden können, weil unsere Lebensgeschichte eine Lüge ist...
Philipp Hübl hat geschrieben : Eine der grundlegenden, absoluten und unbezweifelbaren Wahrheiten aus dem Leben jedes Philosophiedozenten lautet: Im Einführungsseminar sitzt immer einer, der sagt: »Es gibt keine Wahrheit.« Zum Glück lernen die Studenten dort auch eine philosophische Methode, um diese Behauptung als Unfug zu entlarven, denn die Selbstanwendung führt zu einem Paradox. Der Satz »Es gibt keine Wahrheit« soll wahr sein, sagt aber, es gäbe keine wahren Sätze. Dann kann dieser Satz selbst auch nicht wahr sein. Wenn es aber falsch ist, dass es keine Wahrheit gibt, heißt das: Es gibt Wahrheit. Ein Widerspruch zur Anfangsthese. Tatsächlich ist der Satz nicht nur selbstwidersprüchlich, sondern schlicht falsch.
Forbitten hat geschrieben :
Fr 20. Jun 2025, 22:26
Was Philosophie ausmacht ist dieser Drang, wissen zu wollen, was "das Ganze" ist.
Und diesen Drang finden wir so in den Universitäten selten
Du äußerst dich skeptisch, was die Wahrheit angeht – "Wahrheit? Naja... was soll sie schon sein?" – aber gleichzeitig sprichst du von dem Drang, etwas wissen zu wollen ... das passt nicht recht zusammen, denn in der Regel weiß ich etwas, wenn das, was ich denke, wahr ist.
Forbitten hat geschrieben :
Fr 20. Jun 2025, 21:11
... was mich antreibt
und ich meine das ernst,
ist: bessere (Song)Texte schreiben können.
Gute philosophische Texte können tatsächlich eine wunderbare Inspirationsquelle sein für die künstlerische Arbeit.




Jörn Budesheim

Sa 21. Jun 2025, 09:07

Pragmatix hat geschrieben :
Fr 20. Jun 2025, 19:21
die Verteidigung des Common Sense.
Als "Abwehr" gegen übertriebene Formen von Skeptizismus?




Pragmatix
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Sa 21. Jun 2025, 09:28

Forbitten hat geschrieben :
Fr 20. Jun 2025, 22:26


Die Philosophie an der Universität steckt seit Hegels Zeiten in der Krise, sie ist nämlich seitdem überlaufen und damit dekadent.

Was ist denn dekadent an Philosohen wie Thomas Nagel, John Searle, Robert Brandom, Galen Strawson, Richard Rorty, David Chalmers, Charles Taylor usw.? Hast du überhaupt jemals irgendwen gelesen? Oder ist Philosophieren nur, dass man ein bisschen über Gott und die Welt schwadroniert?




Pragmatix
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Sa 21. Jun 2025, 09:30

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 21. Jun 2025, 09:07
Pragmatix hat geschrieben :
Fr 20. Jun 2025, 19:21
die Verteidigung des Common Sense.
Als "Abwehr" gegen übertriebene Formen von Skeptizismus?
Ja, sowohl das als auch gegen bestimmte Spielarten von entweder Konstruktivismus oder reduktionistischen Ansätzen wie dem Eliminativen Materialismus und Neurophilosophie.




Burkart
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Sa 21. Jun 2025, 10:01

Forbitten hat geschrieben :
Fr 20. Jun 2025, 22:26
Was Philosophie ausmacht ist dieser Drang, wissen zu wollen, was "das Ganze" ist.
Dem stimme ich zu; mein Ganzes ist ein für mich konsistentes Weltbild, auch wenn ich dabei ein wenig das Gefühl habe, Matrix-mäßig etwas die falsche(?!) Pille gewählt zu haben, um vor allem die Wahrheit zu sehen, diese aber z.T. recht bitter ist.
Und diesen Drang finden wir so in den Universitäten selten und wenn dann nur als Lippenbekenntnisse.
Was Philosophie betrifft, kann ich das nicht beurteilen, würde mich aber nicht wundern.
Meine Basis ist ein langes Informatik-Studium mit Schwerpunkt KI (so bis 1990). Dort habe ich festgestellt, dass es auch(?) mehr darum ging, seine eingeschlagenen Forschungsrichtungen zu vertiefen anstatt grundlegende (vielleicht zu philosophischen?) KI-Ideen zu verfolgen; also mein Prof. verfolgte z.B. speziell seine sprachorientierte KI, andere Leute nur neuronale Netze u.ä. Aus Uni-wissenschaftlicher Sicht mag das so ja sinnvoll sein (zum Schreiben von anerkannten Papers, Bekommen von Drittmittel-Geldern u.ä.), aber mir hat die Fragestellung gefehlt, wie KI wirklich allgemein und stark werden kann, was dann eher mal durch etwas wie das Chinesische Zimmer hinterfragt wurde denn konstruktiv zu verfolgen.
Ja. Jeder kann froh sein, wenn er Philosophie in seinem eigenen Studierzimmer gelernt hat. Dort gehört sie hin.
Tja, ist das so? Bei mir war es so (durch die KI kam ich zur Philosophie), aber ich fände allgemeinere Philosophie-Verbreitung z.B. in Schulen schon sinnvoll, hatte es als Schüler aber noch nicht verstanden und leider als Fach nicht gewählt.



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Sa 21. Jun 2025, 10:16

Pragmatix hat geschrieben :
Fr 20. Jun 2025, 22:13


Das verhält sich nun zur Philosophie, was immer man an Einwänden gegen manche ihrer Blüten vorbringen kann, eher wie Küchenpsychologie zur Psychologie, ein Vorurteil zum Urteil, eine unbegründete Meinung zu einem wohl begründeten Argument.

Schopenhauer ist übrigens u.a. an der Uni gescheitert, weil er so arrogant war, seine Vorlesungen parallel zu denen Hegels anzusetzen. Er hat den Kürzeren gezogen und das dann als moralischen Sieg verkauft. So sieht es aus.
Naja...
man stelle sich mal vor, die Philosophie hätte größeres schaffen können
nun ist sie ja eher in Verruf geraten.

Wer sowas studiert macht dann nur Taxifahrer, sagen sie.



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Sa 21. Jun 2025, 10:17

Burkart hat geschrieben :
Sa 21. Jun 2025, 10:01
Tja, ist das so? Bei mir war es so (durch die KI kam ich zur Philosophie), aber ich fände allgemeinere Philosophie-Verbreitung z.B. in Schulen schon sinnvoll, hatte es als Schüler aber noch nicht verstanden und leider als Fach nicht gewählt.
Ideologisch stimme ich dir da voll zu,

aber wie beim Kommunismus darf man nicht vergessen: die Ideologie scheitert an den Menschen, die sie ausführen sollen :D



Gelegentlich mit KI bearbeitet

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Sa 21. Jun 2025, 10:29

Forbitten hat geschrieben :
Sa 21. Jun 2025, 10:17
Burkart hat geschrieben :
Sa 21. Jun 2025, 10:01
Tja, ist das so? Bei mir war es so (durch die KI kam ich zur Philosophie), aber ich fände allgemeinere Philosophie-Verbreitung z.B. in Schulen schon sinnvoll, hatte es als Schüler aber noch nicht verstanden und leider als Fach nicht gewählt.
Ideologisch stimme ich dir da voll zu,

aber wie beim Kommunismus darf man nicht vergessen: die Ideologie scheitert an den Menschen, die sie ausführen sollen :D
Meinst du die Lehrer selbst oder eher unser Schul- bzw. Lehrsystem?
Es dürfte schon hinreichend Lehrer geben, die philosophisch unterrichten könnten; es muss ja nicht klassisch sein, sich z.B. mit Kant oder den alten Griechen zu beschäftigen, es könnte z.B. in andere Fächer wie Deutsch (und Sprachen) oder auch Mathematik (z.B. Logik) mit einfließen lassen.
Was das Lehrsystem betrifft, ist es wohl relativ auf ihre Lehrpläne festgelegt, und es gibt halt klare Schwerpunktfächer, während andere wie Philosophie eher am Rande "dahinvegetieren" ;)



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Sa 21. Jun 2025, 11:22

Forbitten hat geschrieben :
Sa 21. Jun 2025, 10:16
Pragmatix hat geschrieben :
Fr 20. Jun 2025, 22:13


Das verhält sich nun zur Philosophie, was immer man an Einwänden gegen manche ihrer Blüten vorbringen kann, eher wie Küchenpsychologie zur Psychologie, ein Vorurteil zum Urteil, eine unbegründete Meinung zu einem wohl begründeten Argument.

Schopenhauer ist übrigens u.a. an der Uni gescheitert, weil er so arrogant war, seine Vorlesungen parallel zu denen Hegels anzusetzen. Er hat den Kürzeren gezogen und das dann als moralischen Sieg verkauft. So sieht es aus.
Naja...
man stelle sich mal vor, die Philosophie hätte größeres schaffen können
nun ist sie ja eher in Verruf geraten.

Wer sowas studiert macht dann nur Taxifahrer, sagen sie.
Aus meiner Sicht ist das so: um das beurteilen zu können, müsste man erstens wissen, was sie geschaffen hat, und zweitens angeben können, was sie hätte schaffen müssen. Vielleicht hast du ja immer die falschen gelesen, falls du überhaupt jemals welche gelesen hast.




Burkart
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Sa 21. Jun 2025, 11:41

Pragmatix hat geschrieben :
Sa 21. Jun 2025, 11:22
Forbitten hat geschrieben :
Sa 21. Jun 2025, 10:16
Naja...
man stelle sich mal vor, die Philosophie hätte größeres schaffen können
nun ist sie ja eher in Verruf geraten.

Wer sowas studiert macht dann nur Taxifahrer, sagen sie.
Aus meiner Sicht ist das so: um das beurteilen zu können, müsste man erstens wissen, was sie geschaffen hat, und zweitens angeben können, was sie hätte schaffen müssen. Vielleicht hast du ja immer die falschen gelesen, falls du überhaupt jemals welche gelesen hast.
Ich fürchte, die Philosophie könnte mehr erreichen, wenn ihre praktische Akzeptanz höher wäre und nicht von Pragmatikern (Politikern, Wirtschaftsbossen u.ä.) zur Seite gedrückt würde.
Z.B. ist es schön, sich über Gerechtigkeit Gedanken zu machen, aber wenn dann Trumps oder gar Putins die Elefanten im Porzellanladen sind, was nützen uns praktisch unsere schöne Ideen dann...



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Forbitten
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Sa 21. Jun 2025, 13:58

Pragmatix hat geschrieben :
Sa 21. Jun 2025, 11:22
Forbitten hat geschrieben :
Sa 21. Jun 2025, 10:16
Pragmatix hat geschrieben :
Fr 20. Jun 2025, 22:13


Das verhält sich nun zur Philosophie, was immer man an Einwänden gegen manche ihrer Blüten vorbringen kann, eher wie Küchenpsychologie zur Psychologie, ein Vorurteil zum Urteil, eine unbegründete Meinung zu einem wohl begründeten Argument.

Schopenhauer ist übrigens u.a. an der Uni gescheitert, weil er so arrogant war, seine Vorlesungen parallel zu denen Hegels anzusetzen. Er hat den Kürzeren gezogen und das dann als moralischen Sieg verkauft. So sieht es aus.
Naja...
man stelle sich mal vor, die Philosophie hätte größeres schaffen können
nun ist sie ja eher in Verruf geraten.

Wer sowas studiert macht dann nur Taxifahrer, sagen sie.
Aus meiner Sicht ist das so: um das beurteilen zu können, müsste man erstens wissen, was sie geschaffen hat, und zweitens angeben können, was sie hätte schaffen müssen. Vielleicht hast du ja immer die falschen gelesen, falls du überhaupt jemals welche gelesen hast.
Ich denke schon, dass die Philosophie uns schuldig geblieben ist, viele unserer Probleme unseres Alltags in ihrem Kern sprachlich offen zu legen.
Ihre größten Leistungen bisher entstammen vielleicht Nietzsche und Schopenhauer, die in ihren Essays zum Teil den Vorhang zu lüften vermögen.
Diese beiden bildeten wohl den größten Einfluss auf Heidegger und damit auf die neuere Philosophie. Heute hat sie ihre besten Seiten von Freud und Lacan geerbt, die durch die Psychoanalyse die Philosophie insofern zu transformieren vermochten, als sie einen inneren Widerspruch in unserem Geist zu einem externen Kern der Problematik, mit welcher sie sich beschäftigt, machten.

Ich habe mit 18 Schopenhauer entdeckt. Die Entdeckung verlief banal: ich googelte, wer an meinem Geburtstag Geburtstag hat. Den Namen kannte ich von einem Ärzte-Song, der Schopenhauer heißt.
Als ich dann auf Wikipedia las, was seine Philosophie ist, fühlte es sich für mich wie die Erklärung nach meiner Frage nach dem ganzen an, quasi die Antwort auf die Frage, was 42 bedeutet.
Ich habe alles von Schopenhauer gelesen, für das Hauptwerk habe ich 8 Jahre gebraucht, weil ich zu Beginn kaum einen Absatz verstehen konnte.
Mittlerweile sind 22 Jahre vergangen und ich habe schon sehr viele Bücher gelesen, wenn auch die meisten der dicken Wälzer nur zu 60% oder so.

Wie erklärst du, wie du wissen kannst, was die Philosophie geschaffen hat und was sie hätte schaffen müssen?



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