Philosophie als erste Wissenschaft?
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Wolfgang Endemann
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Es ist eine syntaktisch falsche Aussage. Daß etwas richtiges gemeint war, habe ich ja erläutert. Daß die syntaktische Unkorrektheit in alter Zeit offensichtlich trotz des Wissens um die Paradoxien noch nicht erkennbar war, ist leicht nachvollziehbar, aber man muß uralte Fehler ja nicht unendlich wiederholen. Wenn ich weiß, daß ich nichts weiß, dann weiß ich etwas. Die Gleichsetzung von etwas und nichts ist inkonsistent. Und nach der Aufklärung über die Russellsche Paradoxie verbietet sich diese Schlamperei.
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Jörn Budesheim
Platon hat nie gesagt: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ Ich habe gerade nicht nur das Originalzitat, sondern auch den Zusammenhang mit dem Orakel gepostet. Meines Erachtens lässt sich die bekannte Formel aber auch ohne diesen Kontext gut verstehen. Schließlich ist es ein bewährter rhetorischer Kniff, eine scheinbare Widersprüchlichkeit in eine Sentenz einzubauen. Diese kleine Irritation macht sie besonders prägnant.
"[P]hilosophers don’t agree about anything."
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"[P]hilosophen sind sich über nichts einig." [Google Translate]
(Van Inwagen, Peter. Metaphysics. 5th ed. New York: Routledge, 2024. p. 15)
"Before we begin to do some metaphysics, however, we should be aware of an important way in which a textbook of metaphysics differs from a textbook of geology or tax law or music theory. Textbooks in these three subjects—and in hundreds of other subjects—contain information. There are things you can learn from them: that the continents are in motion, or that corporations can be taxed, or that a diminished-seventh chord consists of a diminished triad plus the interval of a diminished seventh above the root. You can be required to take examinations on the content of these textbooks, and, unfortunately, your answers may well be wrong. If you write on your tax law examination that only individuals can be taxed, no one is going to praise your originality or independence of mind. You will just be marked wrong. Metaphysics is not like that. In metaphysics, there is no information and there are no established facts to be learned.[4] More exactly, there is no information and there are no facts to be learned besides information and facts about what certain people think, or once thought, concerning various metaphysical questions. A history of metaphysics will contain much information about what Plato and Descartes and the other great metaphysicians of the past believed. The present book contains no information, other than a little incidental information about what famous and respected people—famous among philosophers and respected by the author of this book, at any rate—have said about certain topics in metaphysics."
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"Bevor wir uns jedoch mit der Metaphysik beschäftigen, sollten wir uns eines wichtigen Punktes bewusst sein, in dem sich ein Lehrbuch der Metaphysik von einem Lehrbuch der Geologie, des Steuerrechts oder der Musiktheorie unterscheidet. Lehrbücher zu diesen drei Fächern – und zu Hunderten anderer Fächer – enthalten Informationen. Man kann Dinge daraus lernen: dass die Kontinente in Bewegung sind, dass Unternehmen besteuert werden können oder dass ein verminderter Septakkord aus einem verminderten Dreiklang plus dem Intervall eines verminderten Septakkords über dem Grundton besteht. Man kann Prüfungen über den Inhalt dieser Lehrbücher ablegen müssen, und leider können die Antworten durchaus falsch sein. Wenn Sie in Ihrer Steuerrechtsprüfung schreiben, dass nur Einzelpersonen besteuert werden können, wird niemand Ihre Originalität oder geistige Unabhängigkeit loben. Sie werden einfach als falsch abgestempelt. So ist die Metaphysik nicht. In der Metaphysik gibt es keine Informationen und keine feststehenden Fakten, die man lernen kann.[4] Genauer gesagt, es gibt keine Informationen und keine Fakten, die man lernen kann, außer Informationen und Fakten darüber, was bestimmte Leute über verschiedene metaphysische Fragen denken oder einmal gedacht haben. Eine Geschichte der Metaphysik wird viele Informationen darüber enthalten, was Platon und Descartes und die anderen großen Metaphysiker der Vergangenheit glaubten. Das vorliegende Buch enthält keine Informationen, außer ein paar beiläufigen Informationen darüber, was berühmte und angesehene Leute – berühmt unter Philosophen und jedenfalls vom Autor dieses Buches respektiert – über bestimmte Themen der Metaphysik gesagt haben." [Google Translate]
(Van Inwagen, Peter. Metaphysics. 5th ed. New York: Routledge, 2024. p. 10)
Hier drückt er sich meines Erachtens missverständlich aus; denn wie kann es metaphysisches Wissen ohne objektiv feststehende metaphysische Tatsachen geben—d.h. ohne wahre metaphysische Aussagen, deren Wahrheit epistemisch sicher, gewiss, unumstößlich, unanfechtbar ist?[4] "To say there are no established facts in metaphysics is not to say there are no metaphysical facts, and to say there is no metaphysical information is not to say there is no metaphysical knowledge. Consider, for example, the proposition, briefly argued for in the text, that there is an ultimate reality (even if we can know nothing about it except that it exists). In my view, the argument I presented shows that the existence of an ultimate reality is a fact (and if it is a fact, it is a metaphysical fact), and I believe that, because I am aware of and understand this argument, I know this fact. Nevertheless, this fact—assuming it is a fact—cannot be said to be an established fact, and the statement that there is an ultimate reality cannot be said to be a piece of information. It is an established fact, a piece of information, that the continents are in motion. We call the latter fact “established” because anyone who does not agree that the continents are in motion either does not fully appreciate the data and arguments a geologist could put forward in support of the thesis that the continents are in motion, or else is intellectually perverse. (There exists an organization called the Flat Earth Society, which is, as one might have guessed, devoted to defending the thesis that the earth is flat. At least some of the members of this society are very clever and are fully aware of the data and arguments—including photographs of the earth taken from space—that establish that the earth is spherical. These people take great delight in constructing elaborate “refutations” of the thesis that the earth is spherical. Apparently this is not a joke; they seem to be quite sincere. What can we say about them except that they are intellectually perverse?) It cannot be said that the existence of an ultimate reality is an established fact, however, because there are people who are aware of, and understand perfectly, the argument given earlier in this chapter for the conclusion that there is an ultimate reality and who, nevertheless, do not accept this conclusion. And these people cannot be called intellectually perverse. I think the argument I have given is good enough to support my claim to know that there is an ultimate reality; I do not believe it thrusts its conclusion upon the mind with such force and clarity that anyone who disputes it simply cannot be taken seriously—as people who say the earth is flat cannot be taken seriously."
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"Zu sagen, dass es in der Metaphysik keine feststehenden Fakten gibt, heißt nicht, dass es keine metaphysischen Fakten gibt, und zu sagen, dass es keine metaphysischen Informationen gibt, heißt nicht, dass es kein metaphysisches Wissen gibt. Betrachten wir zum Beispiel den im Text kurz dargelegten Vorschlag, dass es eine ultimative Realität gibt (selbst wenn wir nichts darüber wissen können, außer dass sie existiert). Meiner Ansicht nach zeigt das von mir vorgebrachte Argument, dass die Existenz einer ultimativen Realität eine Tatsache ist (und wenn es eine Tatsache ist, ist es eine metaphysische Tatsache), und ich glaube, dass ich diese Tatsache kenne, weil ich dieses Argument kenne und verstehe. Dennoch kann diese Tatsache – vorausgesetzt, es ist eine Tatsache – nicht als feststehende Tatsache bezeichnet werden, und die Aussage, dass es eine ultimative Realität gibt, kann nicht als eine Information bezeichnet werden. Es ist eine feststehende Tatsache, eine Information, dass die Kontinente in Bewegung sind. Wir nennen die letztere Tatsache „festgestellt“, weil jeder, der nicht zustimmt, dass die Kontinente in Bewegung sind, entweder die Daten und Argumente, die ein Geologe zur Unterstützung der These vorbringen könnte, dass die Kontinente in Bewegung sind, nicht vollständig versteht, oder intellektuell pervers ist. (Es gibt eine Organisation namens Flat Earth Society, die sich, wie man sich denken kann, der Verteidigung der These verschrieben hat, die Erde sei flach. Zumindest einige Mitglieder dieser Gesellschaft sind sehr klug und kennen die Daten und Argumente – darunter auch aus dem Weltraum aufgenommene Fotos der Erde –, die belegen, dass die Erde kugelförmig ist. Diese Leute haben ein großes Vergnügen daran, ausgeklügelte „Widerlegungen“ der These zu konstruieren, dass die Erde kugelförmig ist. Das ist anscheinend kein Scherz; sie scheinen es ganz aufrichtig zu meinen. Was können wir über sie sagen, außer dass sie intellektuell pervers sind?) Man kann jedoch nicht sagen, die Existenz einer ultimativen Realität sei eine feststehende Tatsache, denn es gibt Leute, die das weiter oben in diesem Kapitel angeführte Argument für die Schlussfolgerung, dass es eine ultimative Realität gibt, kennen und vollkommen verstehen, diese Schlussfolgerung aber trotzdem nicht akzeptieren. Und diese Leute kann man nicht als intellektuell pervers bezeichnen. Ich denke, das von mir angeführte Argument ist gut genug, um meine Behauptung zu stützen, ich wüsste, dass es eine ultimative Realität gibt; Ich glaube nicht, dass diese Schlussfolgerung einem mit solcher Kraft und Klarheit ins Bewusstsein drängt, dass jeder, der sie bestreitet, einfach nicht ernst genommen werden kann – so wie man Menschen, die behaupten, die Erde sei flach, nicht ernst nehmen kann." [Google Translate]
(Van Inwagen, Peter. Metaphysics. 5th ed. New York: Routledge, 2024. p. 20n4)
Wenn Van Inwagen schreibt "Ich denke, das von mir angeführte Argument ist gut genug, um meine Behauptung zu stützen, ich wüsste, dass es eine ultimative Realität gibt", dann setzt er voraus, dass es argumentativ gerechtfertigte metaphysische Wissensbehauptungen gibt. Es fragt sich allerdings, ob ein gerechtfertigter metaphysischer Glaube jemals in derart hohem Maße gerechtfertigt ist, dass er den Glaubenden berechtigt, einen metaphysischen Wissensanspruch zu erheben.
"There is no certainty in philosophy. No philosopher can know that his or her arguments are true."
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"Es gibt keine [objektive] Gewissheit in der Philosophie. Kein/e Philosoph/in kann wissen, dass seine/ihre Argumente wahr sind." [meine Übers.]
(Armstrong, D. M. A World of States of Affairs. Cambridge: Cambridge University Press, 1997. pp. xi-xii)
"– Denn "Ich weiß…" scheint einen Tatbestand zu beschreiben, der das Gewusste als Tatsache verbürgt. Man vergisst eben immer den Ausdruck "Ich glaubte, ich wüsste es"."
(Wittgenstein, Ludwig. Über Gewissheit. [1950/51.] Werkausg. Bd. 8. 6. Aufl. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1994. S. 121 [§12])
"In the end, we must confess that we have no idea why there is no established body of metaphysical results. It cannot be denied that this is a fact, however, and the beginning student of metaphysics should keep this fact and its implications in mind. One of its implications is that neither the author of this book nor your instructor (if you are reading this book because it is an assigned text) is in a position in relation to you that is like the position of the author of your text (or your instructor) in geology or tax law or music theory. All these people will be the masters of a certain body of knowledge, and, on many matters, if you disagree with them you will simply be wrong. In metaphysics, however, you are perfectly free to disagree with anything the acknowledged experts say—other than their assertions about what philosophers have said in the past or are saying at present."
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"Letztendlich müssen wir gestehen, dass wir keine Ahnung haben, warum es keine etablierten metaphysischen Ergebnisse gibt. Es lässt sich jedoch nicht leugnen, dass dies eine Tatsache ist, und der beginnende Student der Metaphysik sollte diese Tatsache und ihre Implikationen im Hinterkopf behalten. Eine ihrer Implikationen ist, dass weder der Autor dieses Buches noch Ihr Dozent (wenn Sie dieses Buch lesen, weil es ein Pflichttext ist) Ihnen gegenüber in einer Position sind, die der Position des Autors Ihres Textes (oder Ihres Dozenten) in Geologie, Steuerrecht oder Musiktheorie gleicht. Alle diese Leute werden die Meister eines bestimmten Wissensgebiets sein, und wenn Sie ihnen in vielen Angelegenheiten widersprechen, liegen Sie einfach falsch. In der Metaphysik steht es Ihnen jedoch völlig frei, mit allem, was die anerkannten Experten sagen, nicht einverstanden zu sein – abgesehen von ihren Behauptungen darüber, was Philosophen in der Vergangenheit gesagt haben oder gegenwärtig sagen." [Google Translate]
(Van Inwagen, Peter. Metaphysics. 5th ed. New York: Routledge, 2024. p. 14)
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
Es gibt philosophiehistorisches Wissen, und es kann auch metaphilosophisches Wissen darüber geben, was die Philosophie zu leisten imstande ist und was nicht. Aber ein philosophisches Lehrbuch voller feststehender, allgemein anerkannter philosophischer Tatsachen gibt es nicht, oder?Jörn Budesheim hat geschrieben : ↑Sa 1. Mär 2025, 09:53Obwohl Logik und Mathematik nicht über die „wunderbaren Entscheidungsverfahren“ der Naturwissenschaften verfügen, gelten sie unbestritten als Wissenschaften. Ebenso wenig können die Naturwissenschaften ihre Ergebnisse auf die Weise gewinnen, wie es Logik und Mathematik tun. Wissenschaftliche Methodik ist also keineswegs auf ein einziges Verfahren festgelegt.
Die Soziologie ist ein weiteres Beispiel: Die verstehende oder phänomenologische Soziologie arbeitet mit anderen Methoden als Naturwissenschaft, Mathematik oder Logik – und dennoch ist sie eine Wissenschaft. Dass unterschiedliche Forschungsbereiche unterschiedliche „Entscheidungsverfahren“ brauchen, spricht daher nicht gegen ihre Wissenschaftlichkeit, sondern gerade für ihre methodische Angemessenheit. Wissenschaftler sollten sich nicht starr auf eine einzige Methode kaprizieren, sondern sich ihrem Gegenstand „anschmiegen“.
Armstrong fordert epistemische Bescheidenheit. Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber dass eine Wissenschaft wie die Philosophie sich der Grenzen ihres Erkenntnisvermögens bewusst ist, spricht nicht gegen ihre Wissenschaftlichkeit – eher im Gegenteil. Auch die Philosophie hat sich in dieser Hinsicht weiterentwickelt, Armstrong gibt schließlich selbst ein Beispiel dafür. Der logische Positivismus glaubte einst, es gäbe ein Heilmittel und ist damit gescheitert. Doch gerade aus solchen Irrtümern hat die Philosophie gelernt – und auch das ist eine Form von Wissen.
Es stellt sich in jedem Fachbereich die wissenschaftstheoretische Frage der epistemologisch-methodologischen Objektivität und Zuverlässigkeit. In der Philosophie herrscht praktisch eine "anything goes"-Methodik, und der epistemische Status von "Intuitionen" als apriorischer philosophischer Erkenntnisquelle ist höchst zweifelhaft.
"Philosophers who give great weight to intuitions need to offer some account of why such intuitions are reliable and are to be trusted; at least, they need to sketch how we would have acquired a reliable capacity of this sort. Descartes based his confidence in thought processes that involve 'clear and distinct ideas' upon the existence of a good God who would not deceive him. Upon what do contemporary philosophers of intuition base their claims? Of course, if the purpose of such philosophy is merely to codify and systematize the intuitions that (for whatever reason) are held, then a philosophy built upon intuitions will need no further basis. And it will have no further validity."
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"Philosophen, die Intuitionen großes Gewicht beimessen, müssen eine Erklärung dafür liefern, warum solche Intuitionen zuverlässig sind und man ihnen vertrauen kann; zumindest müssen sie darlegen, wie wir eine zuverlässige Fähigkeit dieser Art erworben haben. Descartes begründete sein Vertrauen in Denkprozesse, die ‚klare und deutliche Ideen‘ beinhalten, mit der Existenz eines guten Gottes, der ihn nicht täuschen würde. Worauf stützen zeitgenössische Intuitionsphilosophen ihre Behauptungen? Wenn der Zweck einer solchen Philosophie lediglich darin besteht, die Intuitionen, die (aus welchen Gründen auch immer) vertreten werden, zu kodifizieren und zu systematisieren, dann braucht eine auf Intuitionen aufgebaute Philosophie natürlich keine weitere Grundlage. Und sie wird keine weitere Gültigkeit haben." [Google Translate]
(Nozick, Robert. Invariances: The Structure of the Objective World. Cambridge, MA: Harvard University Press, 2001. p. 125)
"We come now to a very important point, one that I have learnt from Peter van Inwagen. We all hold beliefs, he points out, on matters that go beyond what we might call the rational consensus that is to be found in Moorean knowledge, in matters proved in logic and mathematics, and in the securer parts of the natural sciences. His particular interest in making this point springs from his religious beliefs, but he points out quite rightly that secularists such as myself hold beliefs about political, social and moral matters that go well beyond what I am here claiming to be the proper epistemic base for claims of knowledge. And these are beliefs that we are not going to give up, even although we know perfectly well that they are disputed, disputed among those who are in the best position to know and judge the state of the argument. ‘Nature’, says Hume, ‘by an absolute and uncontrollable necessity has determined us to judge as well as to breathe and feel’ (Treatise, bk. I, pt. iv, sec. 1). And among those things that we judge about, judging in a pretty peremptory and unembarrassed manner, are matters that we recognize with part of our mind to be thoroughly controversial, and not part of the rational consensus.
Van Inwagen might have gone on to point out that one place where this is much in evidence is within the discipline of philosophy itself. We, the practitioners of philosophy, think of it as a rational activity, but it does not issue in a consensus. Yet that does not stop us from upholding our own opinions in the most vigorous and obstinate way.
Such behaviour, however, even though we may rightly deplore certain particular manifestations of it, is not irrational.We have here, indeed, a case of what Hegel called ‘the cunning of reason’, by which he meant reason setting the passions to work for its own ends (Hegel, 1956 [1840], p. 33). Belief not only can and does, but in very many cases should, run ahead of knowledge, ahead of the rational consensus. In particular, competing beliefs are regularly necessary if knowledge on controversial matters is to be attained. Without believers in a theory, the theory is very unlikely to have its best face put forward, to have ‘protective belts’ of auxiliary hypotheses articulated and defended, and so to have its full power revealed to all. (Compare government by discussion, and also the free market.)
All the same, it seems desirable in philosophy and elsewhere that we should retain a feeling for where there really is knowledge and where there is only more or less rational belief. All that can be demanded is that we try to be as aware as we can be of when we are assuming something that is properly, rationally, to be regarded as controversial. I suggest, further, that we should be very chary of making claims to knowledge outside the rational consensus. I deliberately speak of claims. Many claim to know that God, the Christian God let us say, exists. Many would also claim to know that such a God does not exist. (Though I myself, fairly strongly inclining to the atheist position as I do, nevertheless do not claim knowledge that there is no God. To that extent I am an agnostic.) It is possible, I would concede (epistemically possible), that some persons in one or the other of these two camps do know what they claim to know. In just the same way, it is epistemically possible among the competing doctrines of the philosophers that some of us not merely hold a true belief on certain philosophical matters but actually know that truth. Let this be conceded. Nevertheless, I do not think that it is rational for any of the contending persons, in religion or in philosophy, publicly to claim knowledge. For though they may know (I am prepared to concede), it is hard to see how they can know that they know. A quiet hope that they really do have knowledge will be best."
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"Wir kommen jetzt zu einem sehr wichtigen Punkt, den ich von Peter van Inwagen gelernt habe. Er weist darauf hin, dass wir alle Überzeugungen über Angelegenheiten haben, die über das hinausgehen, was wir als rationalen Konsens bezeichnen könnten, der im Mooreschen Wissen [Basiswissen des Common Sense—hinzugefügt] zu finden ist, in Dingen, die in Logik und Mathematik bewiesen sind, und in den sichereren Teilen der Naturwissenschaften. Sein besonderes Interesse, diesen Punkt zu verdeutlichen, entspringt seinen religiösen Überzeugungen, aber er weist ganz richtig darauf hin, dass Säkularisten wie ich Überzeugungen zu politischen, sozialen und moralischen Angelegenheiten haben, die weit über das hinausgehen, was ich hier als die angemessene epistemische Grundlage für Wissensansprüche behaupte. Und das sind Überzeugungen, die wir nicht aufgeben werden, obwohl wir ganz genau wissen, dass sie umstritten sind, umstritten unter denen, die am besten in der Lage sind, den Stand der Argumentation zu kennen und zu beurteilen. „Die Natur“, sagt Hume, „hat uns durch eine absolute und unkontrollierbare Notwendigkeit dazu bestimmt, ebenso zu urteilen wie zu atmen und zu fühlen“ (Treatise, Buch I, Teil IV, Abschnitt 1). Und zu den Dingen, über die wir ziemlich entschieden und ohne Scham urteilen, gehören Dinge, von denen wir mit einem Teil unseres Verstandes erkennen, dass sie durch und durch umstritten sind und nicht Teil des rationalen Konsenses.
Van Inwagen hätte noch darauf hinweisen können, dass dies in der Disziplin der Philosophie selbst deutlich wird. Wir, die Philosophen, betrachten sie als eine rationale Tätigkeit, die jedoch nicht zu einem Konsens führt. Das hält uns jedoch nicht davon ab, unsere eigenen Meinungen auf die energischste und hartnäckigste Weise zu verteidigen.
Ein solches Verhalten ist jedoch nicht irrational, auch wenn wir bestimmte besondere Erscheinungsformen davon zu Recht beklagen. Wir haben hier tatsächlich einen Fall dessen, was Hegel „die List der Vernunft“ nannte, womit er meinte, dass die Vernunft die Leidenschaften für ihre eigenen Zwecke einsetzt (Hegel, 1956 [1840], S. 33). Der Glaube kann und tut es nicht nur, sondern sollte in sehr vielen Fällen dem Wissen, dem rationalen Konsens voraus sein. Insbesondere sind konkurrierende Überzeugungen regelmäßig notwendig, wenn Wissen über kontroverse Themen erreicht werden soll. Ohne Anhänger einer Theorie ist es sehr unwahrscheinlich, dass sich die Theorie von ihrer besten Seite zeigt, dass sie „Schutzgürtel“ aus Hilfshypothesen hat, die artikuliert und verteidigt werden, und dass so ihre volle Macht allen offenbart wird. (Vergleichen Sie Regierung durch Diskussion und auch den freien Markt.)
Trotzdem scheint es in der Philosophie und anderswo wünschenswert, dass wir ein Gespür dafür behalten, wo es wirklich Wissen gibt und wo es nur mehr oder weniger rationalen Glauben gibt. Alles, was verlangt werden kann, ist, dass wir versuchen, uns so bewusst wie möglich darüber zu sein, wann wir etwas annehmen, das vernünftigerweise als kontrovers angesehen werden kann. Ich schlage außerdem vor, dass wir sehr vorsichtig sein sollten, wenn wir Ansprüche auf Wissen außerhalb des rationalen Konsenses erheben. Ich spreche absichtlich von Ansprüchen. Viele behaupten zu wissen, dass Gott, sagen wir, der christliche Gott, existiert. Viele würden auch behaupten zu wissen, dass ein solcher Gott nicht existiert. (Obwohl ich selbst ziemlich stark zum Atheismus neige, behaupte ich dennoch nicht zu wissen, dass es keinen Gott gibt. Insofern bin ich Agnostiker.) Ich würde zugeben, dass es möglich ist (epistemisch möglich), dass einige Personen in dem einen oder anderen dieser beiden Lager wissen, was sie zu wissen behaupten. In genau derselben Weise ist es epistemisch möglich, dass einige von uns unter den konkurrierenden Lehren der Philosophen nicht nur eine wahre Überzeugung in bestimmten philosophischen Fragen haben, sondern diese Wahrheit tatsächlich kennen. Dies sei zugestanden. Dennoch halte ich es nicht für vernünftig, wenn eine der konkurrierenden Personen in Religion oder Philosophie öffentlich Wissen beansprucht. Denn obwohl sie es möglicherweise wissen (das gebe ich zu), ist es schwer zu verstehen, wie sie wissen können, dass sie es wissen. Die stille Hoffnung, dass sie tatsächlich über Wissen verfügen, ist das Beste." [Google Translate]
(Armstrong, D. M. Truth and Truthmakers. Cambridge: Cambridge University Press, 2004. pp. 34-5)
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
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Wolfgang Endemann
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Grob würde ich Armstrong zustimmen. Wenn man es genauer nimmt, löst sich der kategoriale Unterschied zwischen Materialwissenschaft und Philosophie (Ideenwissenschaft) auf, denn, wie ich in # 88558 beschrieben habe, ist die kategoriale Differenz die zwischen Objektivität und Subjektivität. Da aber alles reflektierte Denken Denken von Menschen, also Subjekten ist, ist es nicht rein objektiv zu haben. Auch jedes Wissen, das über die Menge von Protokollsätzen hinausgeht, enthält Subjektives, wenn man ganz streng ist, gilt das sogar für komplexes Protokollwissen. Andrerseits gibt es auch so gut wie kein nichtsachhaltiges Wissen/Vorstellen. Solch eine Gemengelage kann immer zu einem gewissen Grad objektiviert werden. Und so kann man auch hochspekulative Sätze der Philosophie objektivieren, indem man sie in hypothetische Aussagen kleidet, die angeben, unter welchen Bedingungen sie wahr wären. Diese Wahrheit ist in den Subjektwissenschaften möglich, sie reicht bis zu einer unangreifbaren logischen Axiomatik, mit der nicht mehr gesagt wird, als daß der in der Axiomatik formulierte Sachverhalt rein formal möglich ist, zum Möglichkeitsraum des Denkens gehört; und wenn die Voraussetzungen gegeben sind, ist er wahr. Freilich kann man über die dabei auftretenden Voraussetzungen viel weniger Sicherheit erlangen als über die vergleichsweise objektiv beschreibbaren Dinge der Natur.
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Jörn Budesheim
Ich überlege gerade, ob ich meine digitale Bibliothek gegebenenfalls zum Thema Wissenschaftstheorie update und bin dementsprechend dabei, mir diverse Leseproben herunterzuladen. Holm Tetens schreibt in der Einleitung seiner Einführung in die Wissenschaftstheorie: „Immer noch lassen zu viele Wissenschaftstheoretiker die Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften links liegen. Im Zeitalter der Wissenschaften, in dem wir zweifellos leben, sollten sich solche Einseitigkeiten verbieten.“
Im Klappentext heißt es: „Was ist Wissenschaft? Was dürfen und sollen wir von ihr erwarten, was nicht? Diese Frage ist die Leitfrage der Wissenschaftstheorie. Holm Tetens versucht eine systematische Antwort. Dabei geht er auf die gegenwärtige Stellung der Wissenschaften innerhalb unserer Kultur ein und thematisiert Fragen wie die nach der Zuverlässigkeit des wissenschaftlichen Prognosewissens, nach dem auffälligen Streit der Experten in fast allen wichtigen Fragen und nach dem Unterschied zwischen dem wissenschaftlichen und anderen, zum Beispiel religiösen Weltbildern.“
Der „auffällige Streit der Experten in fast allen wichtigen Fragen“ ist also keine Spezialität der Philosophie, wenn man Tetens glauben will, auch wenn er in der Philosophie vielleicht naturgemäß noch prinzipieller ausfällt. Wissenschaft lebt von dieser ständigen Auseinandersetzung, Kritik und dem Dialog. Weiter oben habe ich dazu schon etwas geschrieben.
Die Wissenschaften sind nicht vom Himmel gefallen. Was Wissenschaft ist, was sie sein sollte, welche ihre Gegenstände sind, welche ihre Methoden und ihre gewünschten Resultate sind, untersteht einem ständigen historischen Wandel. Daher stellt sich meines Erachtens die Frage, wie wir unter den Bedingungen des 21. Jahrhunderts Wissenschaft definieren sollten. Ist eine enge Fokussierung z.B. auf MINT-Fächer wirklich gerechtfertigt? Warum sollten wir normativen, ästhetischen oder existenziellen Forschungen den Status der Wissenschaft verweigern? Wissenschaft ist etwas, was wir tun, warum sollten wir also gerade die Fragen, die uns als Menschen am nächsten sind – etwa die nach Sinn, Werten und Ästhetik – aus dem wissenschaftlichen Kanon ausschließen? Ich denke, wir sollten genau das Gegenteil tun, insbesondere angesichts der ökologischen und vielen anderen Krisen.
Im Klappentext heißt es: „Was ist Wissenschaft? Was dürfen und sollen wir von ihr erwarten, was nicht? Diese Frage ist die Leitfrage der Wissenschaftstheorie. Holm Tetens versucht eine systematische Antwort. Dabei geht er auf die gegenwärtige Stellung der Wissenschaften innerhalb unserer Kultur ein und thematisiert Fragen wie die nach der Zuverlässigkeit des wissenschaftlichen Prognosewissens, nach dem auffälligen Streit der Experten in fast allen wichtigen Fragen und nach dem Unterschied zwischen dem wissenschaftlichen und anderen, zum Beispiel religiösen Weltbildern.“
Der „auffällige Streit der Experten in fast allen wichtigen Fragen“ ist also keine Spezialität der Philosophie, wenn man Tetens glauben will, auch wenn er in der Philosophie vielleicht naturgemäß noch prinzipieller ausfällt. Wissenschaft lebt von dieser ständigen Auseinandersetzung, Kritik und dem Dialog. Weiter oben habe ich dazu schon etwas geschrieben.
Die Wissenschaften sind nicht vom Himmel gefallen. Was Wissenschaft ist, was sie sein sollte, welche ihre Gegenstände sind, welche ihre Methoden und ihre gewünschten Resultate sind, untersteht einem ständigen historischen Wandel. Daher stellt sich meines Erachtens die Frage, wie wir unter den Bedingungen des 21. Jahrhunderts Wissenschaft definieren sollten. Ist eine enge Fokussierung z.B. auf MINT-Fächer wirklich gerechtfertigt? Warum sollten wir normativen, ästhetischen oder existenziellen Forschungen den Status der Wissenschaft verweigern? Wissenschaft ist etwas, was wir tun, warum sollten wir also gerade die Fragen, die uns als Menschen am nächsten sind – etwa die nach Sinn, Werten und Ästhetik – aus dem wissenschaftlichen Kanon ausschließen? Ich denke, wir sollten genau das Gegenteil tun, insbesondere angesichts der ökologischen und vielen anderen Krisen.
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Jörn Budesheim
Am Haupteingang der Humboldt-Universität in Berlin steht in goldenen Lettern: „Dem Wahren, Schönen, Guten“. Das ist meines Erachtens viel dichter am Geist der Universität und der Wissenschaft als der Gedanke, allein die Naturwissenschaften seien das Paradigma der Wissenschaft.
Im Kern handelt es sich hier um ein humanistisches Ideal: Es geht nicht nur um die Erforschung der Natur (das Wahre), sondern auch um die Auseinandersetzung mit Kunst und Ästhetik (das Schöne) sowie mit Ethik und Moral (das Gute). Diese Perspektive überschreitet die engen Grenzen der Naturwissenschaften und erinnert daran, dass Wissenschaft weit mehr ist als die Untersuchung messbarer Phänomene. Sie erforscht als ihr genuiner Teil auch die geistigen und kulturellen Dimensionen des menschlichen Daseins, die essentiell für das Verständnis unserer Welt sind.
Im Kern handelt es sich hier um ein humanistisches Ideal: Es geht nicht nur um die Erforschung der Natur (das Wahre), sondern auch um die Auseinandersetzung mit Kunst und Ästhetik (das Schöne) sowie mit Ethik und Moral (das Gute). Diese Perspektive überschreitet die engen Grenzen der Naturwissenschaften und erinnert daran, dass Wissenschaft weit mehr ist als die Untersuchung messbarer Phänomene. Sie erforscht als ihr genuiner Teil auch die geistigen und kulturellen Dimensionen des menschlichen Daseins, die essentiell für das Verständnis unserer Welt sind.
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Quk
Nach meiner Auffassung muss eine gute Wissenschaft Thesen aufstellen, die einigermaßen falsifizierbar sind. Das ist die einzige Bedingung, die mir gerade einfällt.
Zum Beispiel ist die These eines Historikers, König X habe Y getan, weil zuvor Z passierte, nicht falsifizierbar, da ein historisches Szenario komplex und einmalig ist; es lässt sich nicht experimentell wiederholen. Daher bleiben Aussagen von Historikern Spekulation. Dennoch ist Geschichte wichtig -- um informiert zu sein und darüber nachdenken zu können.
Zum Beispiel ist die These eines Historikers, König X habe Y getan, weil zuvor Z passierte, nicht falsifizierbar, da ein historisches Szenario komplex und einmalig ist; es lässt sich nicht experimentell wiederholen. Daher bleiben Aussagen von Historikern Spekulation. Dennoch ist Geschichte wichtig -- um informiert zu sein und darüber nachdenken zu können.
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Wolfgang Endemann
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- Registriert: Di 23. Apr 2024, 14:30
Ja, wenn wir das "einigermaßen" ernst nehmen, sonst greift es zu kurz. Gerade die Geschichtswissenschaft beschäftigt sich nicht nur mit Prognosen, die selbstverständlich immer nur ein bestimmtes Maß an Plausibilität haben können, sondern ebenso mit dem Versuch, Geschichtliches verstehen zu können, also nicht nur die Fakten zu wissen, sondern auch die relative Notwendigkeit der Faktenzusammenhänge. Also etwa die Motivationen verstehen, die zu Handlungen geführt haben, wobei wir nie über eine mow große Plausibilität hinausgelangen, aber dennoch auf solche indeterministischen, strikt unbeweisbaren Zusammenhänge nicht verzichten können. Ohne sie bleibt Geschichte unerklärlich, scheinkausal feststellbar. Dabei ist das Handeln der Akteure gerade nicht unwesentlich durch die interpretierenden (nicht zu vergessen: die mißlingenden) Verständnisprozesse der historischen Gegebenheiten bestimmt.
Ich sagte schon, wenn wir auf die verallgemeinerten Gesetzmäßigkeiten verzichteten, könnten wir auch in der Naturwissenschaft nur zusammenhanglose Singularitäten wissen, es gäbe kein Verstehen. Der große Unterschied ist, daß das (unterstellte) subjektlose, naturwissenschaftliche Verstehen an der fehlenden Nachweisbarkeit einer singulären Falsifikation zu hängen scheint, im Bereich der Subjekt-/Geisteswissenschaften dagegen strikte Falsifikation genau so ausgeschlossen ist wie strikte Verifikation. Ein singuläres Gegenbeispiel widerlegt wie in wahrscheinlichkeitstheoretischen Zusammenhängen keine stringente Argumentation. Argumente sind keine Beweise, weder sichere Belegungen noch sichere Widerlegungen. Aber wenn wir absolut sicher sein wollen, müssen wir Argumente durch Beweise ersetzen. Und das geht aus logischen Gründen strenggenommen nicht einmal in der reinen Materialwissenschaft. Kein Grund also, die kategorial größere Uneindeutigkeit gegenüber den Naturwissenschaften zur Verwerfung der Geisteswissenschaften heranzuziehen.
Man kann einen Fach- oder Forschungsbereich nur dann als echte Wissenschaft betrachten, wenn er imstande ist, einen Bestand an gesichertem Wissen (gesicherten Daten, Erkenntnissen, Fakten, Informationen) hervorzubringen, der von (fast) allen jeweiligen Fachleuten anerkannt wird.Jörn Budesheim hat geschrieben : ↑So 2. Mär 2025, 10:19Ich überlege gerade, ob ich meine digitale Bibliothek gegebenenfalls zum Thema Wissenschaftstheorie update und bin dementsprechend dabei, mir diverse Leseproben herunterzuladen. Holm Tetens schreibt in der Einleitung seiner Einführung in die Wissenschaftstheorie: „Immer noch lassen zu viele Wissenschaftstheoretiker die Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften links liegen. Im Zeitalter der Wissenschaften, in dem wir zweifellos leben, sollten sich solche Einseitigkeiten verbieten.“
Im Klappentext heißt es: „Was ist Wissenschaft? Was dürfen und sollen wir von ihr erwarten, was nicht? Diese Frage ist die Leitfrage der Wissenschaftstheorie. Holm Tetens versucht eine systematische Antwort. Dabei geht er auf die gegenwärtige Stellung der Wissenschaften innerhalb unserer Kultur ein und thematisiert Fragen wie die nach der Zuverlässigkeit des wissenschaftlichen Prognosewissens, nach dem auffälligen Streit der Experten in fast allen wichtigen Fragen und nach dem Unterschied zwischen dem wissenschaftlichen und anderen, zum Beispiel religiösen Weltbildern.“
Der „auffällige Streit der Experten in fast allen wichtigen Fragen“ ist also keine Spezialität der Philosophie, wenn man Tetens glauben will, auch wenn er in der Philosophie vielleicht naturgemäß noch prinzipieller ausfällt. Wissenschaft lebt von dieser ständigen Auseinandersetzung, Kritik und dem Dialog. Weiter oben habe ich dazu schon etwas geschrieben.
Abseits des feststehenden Wissenskorpus gibt es natürlich auch unter Wissenschaftlern Streit und Uneinigkeit; aber wenn eine objektive Feststellung von Tatsachen, die Erstellung eines entsprechenden Tatsachenkatalogs und die Herstellung eines entsprechenden Tatsachenkonsenses unter den Fachleuten nicht machbar sind, dann bewegen wir uns nicht im Bereich der Wissenschaft.
Zuletzt geändert von Consul am So 2. Mär 2025, 16:13, insgesamt 1-mal geändert.
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
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Jörn Budesheim
Das behauptest du wiederholt, mir ist das zu mager, die Frage ist meines Erachtens deutlich vielschichtiger.
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Jörn Budesheim
Die Philosophie ist nicht nur eine Wissenschaft, sie ist zugleich die Mutter aller Wissenschaften: Physik, Biologie, Psychologie und Soziologie haben ihre Wurzeln in philosophischer Reflexion. Die Philosophie hat zudem die Grundlagen wissenschaftlicher Methodik geformt, indem sie Logik, kritisches Denken und die Reflexion über Wissen entwickelte. Das Prinzip der Falsifikation, was oben gegen die Philosophie vorgebracht wurde, ist ein zentrales Element der modernen Wissenschaftstheorie, es stammt von einem ... Philosophen, wie hieß er gleich? Ach, ja: Karl Popper.
Die Philosophie hat schließlich auch das Bildungssystem und die Universität als den Ort der Wissenschaft maßgeblich geprägt. Das humboldtsche Bildungsideal, das auf philosophischen Grundlagen basiert, betont akademische Freiheit und die Unabhängigkeit der Universität von staatlichen und wirtschaftlichen Einflüssen.
Die Philosophie hat die Ästhetik nicht nur maßgeblich beeinflusst, sondern sie überhaupt begründet. Schon Platon dachte über die Natur der Schönheit nach. Baumgarten machte die Ästhetik zur eigenständigen Disziplin, indem er sie als „Wissenschaft der sinnlichen Erkenntnis“ begriff. Viele dieser philosophischen Grundlagen begleiten unser ästhetisches Denken und Urteilen noch heute.
Neben der Wissenschaft hat die Philosophie auch unser Rechtssystem maßgeblich beeinflusst. Konzepte wie Rechtsstaatlichkeit und Gerechtigkeit, entwickelt von Denkern wie Hobbes und Locke prägen bis heute unsere rechtlichen Strukturen und das Verhältnis zwischen Individuum und Staat. Die Idee der Menschenrechte geht auf philosophische Überlegungen zurück. Konzepte wie Menschenwürde und Freiheit wurden von Denkern der Aufklärung ausgearbeitet und prägen bis heute Verfassungen weltweit. Kants Ethik hat direkte Spuren in unserem Grundgesetz hinterlassen, nämlich Artikel 1.
Die Philosophie hat schließlich auch das Bildungssystem und die Universität als den Ort der Wissenschaft maßgeblich geprägt. Das humboldtsche Bildungsideal, das auf philosophischen Grundlagen basiert, betont akademische Freiheit und die Unabhängigkeit der Universität von staatlichen und wirtschaftlichen Einflüssen.
Die Philosophie hat die Ästhetik nicht nur maßgeblich beeinflusst, sondern sie überhaupt begründet. Schon Platon dachte über die Natur der Schönheit nach. Baumgarten machte die Ästhetik zur eigenständigen Disziplin, indem er sie als „Wissenschaft der sinnlichen Erkenntnis“ begriff. Viele dieser philosophischen Grundlagen begleiten unser ästhetisches Denken und Urteilen noch heute.
Neben der Wissenschaft hat die Philosophie auch unser Rechtssystem maßgeblich beeinflusst. Konzepte wie Rechtsstaatlichkeit und Gerechtigkeit, entwickelt von Denkern wie Hobbes und Locke prägen bis heute unsere rechtlichen Strukturen und das Verhältnis zwischen Individuum und Staat. Die Idee der Menschenrechte geht auf philosophische Überlegungen zurück. Konzepte wie Menschenwürde und Freiheit wurden von Denkern der Aufklärung ausgearbeitet und prägen bis heute Verfassungen weltweit. Kants Ethik hat direkte Spuren in unserem Grundgesetz hinterlassen, nämlich Artikel 1.
Nach Jonathan Lowe kann uns die (reine) Metaphysik nicht sagen, was es gibt, was der Fall ist, welche der möglichen Welten die wirkliche Welt ist, sondern nur, was es geben kann/könnte, was der Fall sein kann/könnte, welche Welten möglich sind.Wolfgang Endemann hat geschrieben : ↑Sa 1. Mär 2025, 18:11…Und so kann man auch hochspekulative Sätze der Philosophie objektivieren, indem man sie in hypothetische Aussagen kleidet, die angeben, unter welchen Bedingungen sie wahr wären. Diese Wahrheit ist in den Subjektwissenschaften möglich, sie reicht bis zu einer unangreifbaren logischen Axiomatik, mit der nicht mehr gesagt wird, als daß der in der Axiomatik formulierte Sachverhalt rein formal möglich ist, zum Möglichkeitsraum des Denkens gehört; und wenn die Voraussetzungen gegeben sind, ist er wahr. Freilich kann man über die dabei auftretenden Voraussetzungen viel weniger Sicherheit erlangen als über die vergleichsweise objektiv beschreibbaren Dinge der Natur.
Er betrachtet die (reine) Metaphysik als apriorische (nichtempirische) Disziplin, die "sich der Erforschung des Reichs der metaphysischen Möglichkeit widmet und bestrebt ist herauszufinden, welche Arten von Dingen existieren könnten und, noch wichtiger, koexistieren könnten, um eine einzige mögliche Welt zu bilden." (E. J. Lowe, The Four-Category Ontology: A Metaphysical Foundation for Natural Science, p. 4)
Lowe betrachtet die reine, apriorisch verfahrende Metaphysik also als Möglichkeitswissenschaft und nicht als Wirklichkeitswissenschaft. Dabei stellt sich allerdings die epistemologische Frage, wie modales Wissen über metaphysische/ontologische Möglichkeiten auf apriorische Weise erworben werden kann.
The Epistemology of Modality
Die Epistemologie der Modalität [Google Translate]
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
Wenn sich Universitäten nicht nur der Wissenschaft, sondern auch der Kunst und der (Moral-)Philosophie widmen, dann mag das seine Berechtigung haben; aber es macht die Kunst und die Philosophie nicht zu Wissenschaften.Jörn Budesheim hat geschrieben : ↑So 2. Mär 2025, 10:35Am Haupteingang der Humboldt-Universität in Berlin steht in goldenen Lettern: „Dem Wahren, Schönen, Guten“. Das ist meines Erachtens viel dichter am Geist der Universität und der Wissenschaft als der Gedanke, allein die Naturwissenschaften seien das Paradigma der Wissenschaft.
Im Kern handelt es sich hier um ein humanistisches Ideal: Es geht nicht nur um die Erforschung der Natur (das Wahre), sondern auch um die Auseinandersetzung mit Kunst und Ästhetik (das Schöne) sowie mit Ethik und Moral (das Gute). Diese Perspektive überschreitet die engen Grenzen der Naturwissenschaften und erinnert daran, dass Wissenschaft weit mehr ist als die Untersuchung messbarer Phänomene. Sie erforscht als ihr genuiner Teil auch die geistigen und kulturellen Dimensionen des menschlichen Daseins, die essentiell für das Verständnis unserer Welt sind.
Die Sozial- und Kulturwissenschaften mögen ihre eigenen Methoden haben; aber wenn diese zu keinem gesicherten, von den Fachleuten mehrheitlich anerkannten Wissensbestand führen, dann werden sie ihrem Anspruch auf Wissenschaftlichkeit nicht gerecht.
In der wissenschaftstheoretischen Debatte gibt es einen berühmt-berüchtigten Gegensatz von Erklären und Verstehen, und einen entsprechenden Gegensatz von positivistischer (strikt empirischer/nomologischer/explanativer/quantitativer) Sozial-/Kulturwissenschaft und antipositivistischer (hermeneutischer/interpretativer/qualitativer) Sozial-/Kulturwissenschaft. Um mit Recht als Wissenschaft gelten zu können, muss Letztere mehr zu bieten haben als die Sozial-/Kulturphilosophie – nämlich gesicherte und allgemein anerkannte Erkenntnisse (Fakten, Informationen).
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
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Jörn Budesheim
Consul, alle deine Beiträge setzen genau das voraus, was hier strittig ist. Du setzt voraus, was zu zeigen wäre, nämlich dass die Naturwissenschaften das Paradigma der Wissenschaft bilden. Aber das ergibt keinen Sinn in einer Diskussion, in der genau das strittig ist. Das kann man auch als zirkulären Schluss bezeichnen. Es ist übrigens ein Ergebnis der Wissenschaft Philosophie, dass eine solche Form der Argumentation unzureichend ist.
Es geht mir überhaupt nicht darum, den Wert der Philosophie (insbesondere der Metaphysik) zu schmälern, sondern lediglich darum zu betonen, dass sie selbst aufgrund ihres spekulativen Charakters und ihres Mangels an objektiven Entscheidungsverfahren keine Wissenschaft ist. Es gibt keine philosophischen Lehrbücher, in denen gesicherte, feststehende und in Fachkreisen allgemein anerkannte philosophische (metaphysische) Tatsachen vermittelt werden.Jörn Budesheim hat geschrieben : ↑So 2. Mär 2025, 17:09Die Philosophie ist nicht nur eine Wissenschaft, sie ist zugleich die Mutter aller Wissenschaften: Physik, Biologie, Psychologie und Soziologie haben ihre Wurzeln in philosophischer Reflexion. …
Die moderne Wissenschaft ist eine Tochter der Philosophie, die sich von ihrer Mutter emanzipiert hat. Die historisch erfolgte Abtrennung mag nur partiell sein; aber sie ist nichtsdestoweniger signifikant genug, um der Philosophie den Status einer Wissenschaft absprechen zu können.
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
Dein Vorwurf ist unzutreffend; denn ich habe nicht argumentiert, dass alle Disziplinen, die nicht die Methoden der Naturwissenschaften übernehmen und anwenden, grundsätzlich keine Wissenschaften sind. Die reine Mathematik ist beispielsweise keine empirische Wissenschaft wie die Naturwissenschaft, aber sie ist zweifellos eine Wissenschaft.Jörn Budesheim hat geschrieben : ↑So 2. Mär 2025, 18:28Consul, alle deine Beiträge setzen genau das voraus, was hier strittig ist. Du setzt voraus, was zu zeigen wäre, nämlich dass die Naturwissenschaften das Paradigma der Wissenschaft bilden. Aber das ergibt keinen Sinn in einer Diskussion, in der genau das strittig ist. Das kann man auch als zirkulären Schluss bezeichnen. Es ist übrigens ein Ergebnis der Wissenschaft Philosophie, dass eine solche Form der Argumentation unzureichend ist.
Wenn die Naturwissenschaften mit ihren empirisch-quantitativen Methoden nicht "das Paradigma der Wissenschaft bilden", bleibt nichtsdestoweniger der entscheidende Punkt: "Eine Wissenschaft, die kein Wissen schafft, ist keine Wissenschaft." (Dieter Grottker).
Wo finde ich einen gesicherten und in Fachkreisen allgemein anerkannten Korpus philosophischen Wissens?
Ich rede wohlgemerkt nicht von irgendwelchen "Weisheitslehren", sondern von wissensvermittelndem Informationsmaterial.
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
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Wolfgang Endemann
- Beiträge: 1271
- Registriert: Di 23. Apr 2024, 14:30
"Man kann einen Fach- oder Forschungsbereich nur dann als echte Wissenschaft betrachten, wenn er imstande ist, einen Bestand an gesichertem Wissen (gesicherten Daten, Erkenntnissen, Fakten, Informationen) hervorzubringen, der von (fast) allen jeweiligen Fachleuten anerkannt wird." (Consul)
Diese Definition ist problematisch, denn sie würde die Erforschung des noch weitgehend Unbekannten ausschließen oder zu sehr einengen. Denn für letzteres liegen noch keine allgemein anerkannten Faktenmengen, Methoden, Erkenntnisse vor.
Nehmen wir bspw die kopernikanische Wende. Das ptolemäische Weltbild entsprach sehr viel besser der Alltagserfahrung. Es gab ein Oben und ein Unten, die Dinge fielen, je nachdem wie schwer sie waren, immer senkrecht nach unten. Befand man sich auf dem Meer, hat man die Weltscheibe gesehen, der waagrechte Blick, nicht nach oben und nicht nach unten, erfaßte den Horizont, soweit das Auge sehen konnte. Allerdings hätte einem wissenschaftlichen Blick auf dem höchsten Mast des Schiffes auffallen müssen, daß man von einem anderen Boot erst die Mastspitze sieht, nicht den ganzen Rumpf; daß es also nicht die Kleinheit ist, die das andere Schiff nicht sehen läßt, sondern etwas davorgeschobenes. So käme man auf die Idee der Krümmung, das wäre ein gravierendes Problem der kognitiven Dissonanz, das man nur lösen kann, wenn man die Erde als selbst frei fallenden Körper und die Anziehung als die zwischen zwei Körpern begreift. Das widerspricht aber fast aller sinnlichen Erfahrung. Erforschende Wissenschaft ist mehr noch als die welterklärende in emphatischem Sinn Wissenschaft, ihr gelingt es, für Datenmengen, Methoden und Einsichten, manchmal nur sehr langwierig die Anerkennung der Fachleute zu erlangen.
"Lowe betrachtet die reine, apriorisch verfahrende Metaphysik also als Möglichkeitswissenschaft und nicht als Wirklichkeitswissenschaft."
Und das Idealbild der Wissenschaft ist die Mathematik/Logik, die universalste Wissenschaft. Die moderne Mathematik ist nicht im Auge aller, aber doch des größten Teils der Mathematiker eine reine Strukturwissenschaft, unabhängig vom Diktat der Wirklichkeit, auch weil sie sich selbst zur Beschreibung der Wirklichkeit nicht hinreichend entfalten könnte, wenn sie nicht frei vom Zwang zu Realitätsgehalt wäre. Und mit dem Subjekt als Objekt der Wissenschaft muß sich das Paradigma der Wissenschaftlichkeit noch einmal ein wenig verschieben, wird die Naturwissenschaft überlagert von Eigenschaften des Subjektseins, die in der reinen Objektbetrachtung nicht enthalten sind.
"Wenn sich Universitäten nicht nur der Wissenschaft, sondern auch der Kunst und der (Moral-)Philosophie widmen, dann mag das seine Berechtigung haben; aber es macht die Kunst und die Philosophie nicht zu Wissenschaften."
Das bedarf der Präzisierung. Kunst ist keine Wissenschaft, aber Kunst kann (und sollte) zum Objekt von Wissenschaft gemacht werden. Und Philosophie ist im Sinne der Möglichkeitswissenschaft vom Objektiven und Subjektiven Wissenschaft, fächerübergreifende und methodenreflektierende Metawissenschaft, soweit man sie nicht spezifisch innerhalb der spezifischen Wissenschaften betreiben will. Und das ist iA auch sinnvoll, die Philosophie muß fundamentaler die allgemeinen Bedingungen der Wissenschaftlichkeit thematisieren.
Diese Definition ist problematisch, denn sie würde die Erforschung des noch weitgehend Unbekannten ausschließen oder zu sehr einengen. Denn für letzteres liegen noch keine allgemein anerkannten Faktenmengen, Methoden, Erkenntnisse vor.
Nehmen wir bspw die kopernikanische Wende. Das ptolemäische Weltbild entsprach sehr viel besser der Alltagserfahrung. Es gab ein Oben und ein Unten, die Dinge fielen, je nachdem wie schwer sie waren, immer senkrecht nach unten. Befand man sich auf dem Meer, hat man die Weltscheibe gesehen, der waagrechte Blick, nicht nach oben und nicht nach unten, erfaßte den Horizont, soweit das Auge sehen konnte. Allerdings hätte einem wissenschaftlichen Blick auf dem höchsten Mast des Schiffes auffallen müssen, daß man von einem anderen Boot erst die Mastspitze sieht, nicht den ganzen Rumpf; daß es also nicht die Kleinheit ist, die das andere Schiff nicht sehen läßt, sondern etwas davorgeschobenes. So käme man auf die Idee der Krümmung, das wäre ein gravierendes Problem der kognitiven Dissonanz, das man nur lösen kann, wenn man die Erde als selbst frei fallenden Körper und die Anziehung als die zwischen zwei Körpern begreift. Das widerspricht aber fast aller sinnlichen Erfahrung. Erforschende Wissenschaft ist mehr noch als die welterklärende in emphatischem Sinn Wissenschaft, ihr gelingt es, für Datenmengen, Methoden und Einsichten, manchmal nur sehr langwierig die Anerkennung der Fachleute zu erlangen.
"Lowe betrachtet die reine, apriorisch verfahrende Metaphysik also als Möglichkeitswissenschaft und nicht als Wirklichkeitswissenschaft."
Und das Idealbild der Wissenschaft ist die Mathematik/Logik, die universalste Wissenschaft. Die moderne Mathematik ist nicht im Auge aller, aber doch des größten Teils der Mathematiker eine reine Strukturwissenschaft, unabhängig vom Diktat der Wirklichkeit, auch weil sie sich selbst zur Beschreibung der Wirklichkeit nicht hinreichend entfalten könnte, wenn sie nicht frei vom Zwang zu Realitätsgehalt wäre. Und mit dem Subjekt als Objekt der Wissenschaft muß sich das Paradigma der Wissenschaftlichkeit noch einmal ein wenig verschieben, wird die Naturwissenschaft überlagert von Eigenschaften des Subjektseins, die in der reinen Objektbetrachtung nicht enthalten sind.
"Wenn sich Universitäten nicht nur der Wissenschaft, sondern auch der Kunst und der (Moral-)Philosophie widmen, dann mag das seine Berechtigung haben; aber es macht die Kunst und die Philosophie nicht zu Wissenschaften."
Das bedarf der Präzisierung. Kunst ist keine Wissenschaft, aber Kunst kann (und sollte) zum Objekt von Wissenschaft gemacht werden. Und Philosophie ist im Sinne der Möglichkeitswissenschaft vom Objektiven und Subjektiven Wissenschaft, fächerübergreifende und methodenreflektierende Metawissenschaft, soweit man sie nicht spezifisch innerhalb der spezifischen Wissenschaften betreiben will. Und das ist iA auch sinnvoll, die Philosophie muß fundamentaler die allgemeinen Bedingungen der Wissenschaftlichkeit thematisieren.
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Jörn Budesheim
@consul: Alle Wissenschaften sind aus der Philosophie hervorgegangen und haben sich teilweise von ihr emanzipiert, daraus folgt aber keineswegs, dass die Philosophie keine Wissenschaft mehr ist. Ich sehe nicht, warum das irgendwie folgen könnte. Ich meine, es folgt doch eher das Gegenteil.
Und das Argument, was du immer und immer wieder bringst, akzeptiere ich weiterhin nicht, weil es genau das voraussetzt, was hier strittig ist.
Und das Argument, was du immer und immer wieder bringst, akzeptiere ich weiterhin nicht, weil es genau das voraussetzt, was hier strittig ist.
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Jörn Budesheim
Consul, du hast genau genommen ein einziges Argument: "Eine Disziplin ist nur dann eine echte Wissenschaft, wenn sie anerkanntes Wissen schafft."
Das akzeptiere ich nicht und ich wüsste nicht mal, warum ich es akzeptieren sollte. Du gibst dafür keine plausible Begründung und alle Argumente und die vielfältigen anderen Vorstellungen, die hier vorgelegt werden, umfährst du weiträumig. Und nebenbei: Die Philosophie hat anerkanntes Wissen geschafft, indem sie all die Wissenschaften geschafft hat, die deiner Ansicht nach anerkanntes Wissen schaffen.
Das akzeptiere ich nicht und ich wüsste nicht mal, warum ich es akzeptieren sollte. Du gibst dafür keine plausible Begründung und alle Argumente und die vielfältigen anderen Vorstellungen, die hier vorgelegt werden, umfährst du weiträumig. Und nebenbei: Die Philosophie hat anerkanntes Wissen geschafft, indem sie all die Wissenschaften geschafft hat, die deiner Ansicht nach anerkanntes Wissen schaffen.