Ich habe das hierher verschoben.
Sind Blätter grün?
- Jörn P Budesheim
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Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“
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Du sitzt gerade am Balkon. Das Haus gegenüber ist nicht mehr zu sehen. Es ist dunkel. Existiert das Haus nicht mehr?
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Ja, sicher. Mein Beispiel zeigt aber, dass deine Argumentation eine Lücke hat. Denn daraus, dass du etwas (das Haus gegenüber/die Farbe der Blume) nicht wahrnimmst, folgt nicht, dass es nicht (mehr) existiert.
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Lesenswert zu diesem Thema: "The Refutation of Idealism" von G.E. Moore.
Meine Antwort basierend auf diesem Aufsatz: Blätter sind grün. Unsere Farbwahrnehmung funktioniert nun einmal so. Wir nehmen keine farbigen Farbwahrnehmungen wahr, wir nehmen Gegenstände mit farbigen Eigenschaften wahr.
Meine Antwort basierend auf diesem Aufsatz: Blätter sind grün. Unsere Farbwahrnehmung funktioniert nun einmal so. Wir nehmen keine farbigen Farbwahrnehmungen wahr, wir nehmen Gegenstände mit farbigen Eigenschaften wahr.
Farbwahrnehmungen werden durch das Lichtspektrum hervorgerufen. Farben entstehen jedoch nicht im Licht selbst, sondern als Ergebnis der Wechselwirkung zwischen Licht, Materie und dem menschlichen Auge-Gehirn-System. Daher: Ja, Blätter sind im Frühling und Sommer tatsächlich grün, da sie den Farbstoff Chlorophyll enthalten. Dieser ist für die Photosynthese essenziell, wandelt Lichtenergie in Zucker um und reflektiert grünes Licht, während er rote und blaue Anteile absorbiert.
Nein, das ist genau der idealistische Fehlschluss, den Moore in "The Refutation of Idealism" kritisiert. Bloß, weil ich etwas wahrnehme, heißt das nicht, dass diese Wahrnehmung eine Eigenschaft von mir oder von meinem Bewusstsein ist. Das ergäbe sonst absurde Konsequenzen. Wenn ich ein Klavier wahrnehme, dann ist dieses Klavier in meinem Kopf oder was?
- Jörn P Budesheim
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"Das Grün ist in uns und nicht am Blatt." Gregor
Es gibt ja extrem viele Positionen in der Philosophie der Farben. Die Idee, dass Farben "in uns" sind, halte ich für eine der schwächsten, falls das außer in Foren überhaupt jemand philosophisch vertritt. Das Problem ist, dass sie ganz offenbar empirisch falsch ist. Im Gehirn, der Leber, in den Knochen oder wo auch sonst, wurde noch nie ein "Grün" entdeckt. Außerdem ist es ungereimt, sich die Wirklichkeit als "farblos" auszumalen, was ja die Idee, Blätter seien nicht grün, vermutlich motiviert … um dann mit der großen Ausnahme zu kommen: "in uns". Aber in uns ist kein "Grün".
Es gibt ja extrem viele Positionen in der Philosophie der Farben. Die Idee, dass Farben "in uns" sind, halte ich für eine der schwächsten, falls das außer in Foren überhaupt jemand philosophisch vertritt. Das Problem ist, dass sie ganz offenbar empirisch falsch ist. Im Gehirn, der Leber, in den Knochen oder wo auch sonst, wurde noch nie ein "Grün" entdeckt. Außerdem ist es ungereimt, sich die Wirklichkeit als "farblos" auszumalen, was ja die Idee, Blätter seien nicht grün, vermutlich motiviert … um dann mit der großen Ausnahme zu kommen: "in uns". Aber in uns ist kein "Grün".
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Eben, wenn nicht alles in uns ist, was wir wahrnehmen, dann bräuchte es ein Argument deinerseits, warum das ausgerechnet bei Farben anders sein soll als bei einem Klavier. Sonst kann ich den Vorwurf, dass ich nicht exakt argumentieren würde, nur zurückgeben.
Zuletzt geändert von Dynamis am Mi 1. Apr 2026, 16:39, insgesamt 1-mal geändert.
Das Blatt erscheint Lebewesen grün, wenn bestimmte Lichtverhältnisse vorherrschen, man in einem bestimmten Abstand vor dem Blatt ist und man einen bestimmten Typus Augenlinse hat. Vielleicht habe ich was vergessen und was falsch ausgedrückt.
- Jörn P Budesheim
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Ja. genau, du hast nämlich vergessen, ein Argument daraus zu machen! Das Blatt erscheint Lebewesen auch nur dann blattförmig, wenn bestimmte Lichtverhältnisse vorherrschen, man in einem bestimmten Abstand vor dem Blatt ist und man einen bestimmten Typus Augenlinse hat.
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Aus dem "Typus Augenlinse" könnte man ein Argument machen, wenn man berücksichtigt, dass Lebewesen unterschiedliche Farbwahrnehmungen haben. Manche Tiere sehen Farben, die ich nicht sehe. Das wäre zumindest ein Argument dafür, dass Farben immer relativ zu einer Spezies sind. Ich wäre allerdings bereits die Kröte zu schlucken und zu sagen, dass ein Gegenstand viele Spezies-relative Farbeigenschaften zugleich hat. Also ein ganzes Spektrum an Farbeigenschaften, von dem wir immer nur einen Ausschnitt sehen.
Nicht zu jeder Jahreszeit!
Ernsthafte Antwort(en):
JA, unphilosophisch gesprochen.
NEIN, philosophisch gesprochen.
Philosophisch gesprochen, denke ich, dass nichts grün ist—weder Blätter noch andere Dinge. Es gibt nur "grünlich beeindruckte" oder "sinnlich angegrünte" Wahrnehmer—was nicht bedeutet, dass diese selbst grün sind. Farben wie Grün hat ein Seher nicht, denn er erfährt, erlebt oder "erleidet" sie als visuelle Affektionen oder Passionen.
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
Ich würde einwenden, dass insbesondere die letzte Aussage die Phänomenologie der Farbwahrnehmung nicht adäquat beschreibt. Wenn ich eine Farbe "erlebe", dann "erlebe" ich sie nicht als "Affektion" oder als "Passion", also etwas, was mir widerfährt. Ich "erlebe" ihn dann als eine Eigenschaft, die einem konkreten Gegenstand anhaftet. Das unterscheidet Farben beispielsweise von Emotionen, die ich tatsächlich als Affektionen erlebe, etwa wenn ich mir einen Film angucke und die Handlung so berührend finde, dass ich heulen muss.Consul hat geschrieben : ↑Do 2. Apr 2026, 00:00Nicht zu jeder Jahreszeit!
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JA, unphilosophisch gesprochen.
NEIN, philosophisch gesprochen.
Philosophisch gesprochen, denke ich, dass nichts grün ist—weder Blätter noch andere Dinge. Es gibt nur "grünlich beeindruckte" oder "sinnlich angegrünte" Wahrnehmer—was nicht bedeutet, dass diese selbst grün sind. Farben wie Grün hat ein Seher nicht, denn er erfährt, erlebt oder "erleidet" sie als visuelle Affektionen oder Passionen.