Mereologie

Aspekte metaphysischer Systementwürfe und der Ontologie als einer Grunddisziplin der theoretischen Philosophie können hier diskutiert werden.
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Jörn P Budesheim
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Btw.: Meines Erachtens ist es ohnehin keine gute Idee, die Scheibe zu zerschlagen und dann zu behaupten, alle Scheiben bestünden aus Scherben.



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Jörn P Budesheim
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Sa 24. Jan 2026, 13:12

Timberlake hat geschrieben :
Fr 23. Jan 2026, 22:35
Unterschied
Bild

Den Unterschied sehe ich im Wesentlichen darin, dass die Mereologie keine "ontologischen Kosten" hat. Für Materialisten ist das ein wichtiger Punkt, weil sie die Existenz abstrakter Entitäten abstreiten.

Gäbe es im Universum nichts weiter als einen schwarzen und einen weißen Lego-Stein, gäbe es für den Mereologen damit zugleich drei Objekte: den schwarzen Stein, den weißen Stein und deren Fusion. Es gibt in dieser Sichtweise nichts, was zu den beiden Lego-Steinen noch hinzukommt.

Die Mengenlehre hingegen postuliert "zusätzlich" zu den beiden Lego-Steinen abstrakte Gegenstände, nämlich die entsprechenden Mengen. (Manche oder alle?) Materialisten halten das für mysteriös.



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Jörn P Budesheim
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Sa 24. Jan 2026, 13:35

Wenn die mereologische Sicht so etwas wie Forellentruthähne zur Folge hat, dann würde ich das jedoch als eine Art von reductio ad absurdum sehen. Wenn es keinen substanziellen Unterschied zwischen einem Forellentruthahn und einem gedeckten Tisch mehr gibt, dann ist etwas ziemlich schief gelaufen. Die Theorie müsste eigentlich genau das Gegenteil leisten, sie müsste erklären können, warum es gedeckte Tische gibt, Forellentruthähne aber nicht. Wobei ich den Forellentruthahn hier als Sinnbild dafür verstehe, dass jede Fusion real ist.



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Jörn P Budesheim
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Sa 24. Jan 2026, 15:00

Consul hat geschrieben :
Sa 24. Jan 2026, 01:53
Wenn die mathematische Schwanenmenge {S1, S2} existiert, dann kannst du sie im Gegensatz zum Schwanenpaar S1 & S2 nicht sehen, weil Mengen als abstrakte Objekte allgemein unsichtbar sind.
Da wir keine Lichtflecken sehen, sondern Tatsachen, würde ich hier widersprechen. Wir sehen nämlich durchaus abstrakte Objekte, denn wir sehen ja, dass beide zur Klasse der Schwäne gehören. Sehen ist schließlich kein rein kausaler Vorgang; dazu gehört vor allem, etwas als etwas zu sehen. Wir sehen im Erfolgsfall ja immer Tatsachen, und Tatsachen sind abstrakte Gegenstände. Ich möchte fast sagen, wir sind Weltmeister im Sehen von abstrakten Gegenständen; wir sehen schließlich auch, dass es zwei Schwäne sind. Wir sehen sogar Dinge, die auf dem Foto gar nicht abgebildet sind – nämlich, dass die Schwäne dreidimensional sind und eine Rückseite haben, die uns abgewandt ist und die wir nicht sehen können.

Wir sehen auch (und das ist für das Thema wichtig), dass die Schwäne keinen gemeinsamen Gegenstand bilden und – wenn man so will, fast schon gegen den Anschein –, dass die Schwäne und das Wasser verschiedene Gegenstände sind. Ebenfalls sehen wir keinen „Schwanenschattengegenstand“, obwohl das Bild ihn optisch womöglich hergeben würde. Die beste Erklärung dafür, dass wir auch keinen Schilf-Himmel-Gegenstand sehen, ist wahrscheinlich, dass es diesen einfach nicht gibt. Was es hingegen gibt, sind Schwäne in wechselnden natürlichen Kontexten, zu denen in der Regel Seen und andere Gewässer gehören, aber meistens keine kahlen Mondkrater-Landschaften.



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Sa 24. Jan 2026, 21:43

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Sa 24. Jan 2026, 13:12
Den Unterschied sehe ich im Wesentlichen darin, dass die Mereologie keine "ontologischen Kosten" hat. Für Materialisten ist das ein wichtiger Punkt, weil sie die Existenz abstrakter Entitäten abstreiten.
Gäbe es im Universum nichts weiter als einen schwarzen und einen weißen Lego-Stein, gäbe es für den Mereologen damit zugleich drei Objekte: den schwarzen Stein, den weißen Stein und deren Fusion. Es gibt in dieser Sichtweise nichts, was zu den beiden Lego-Steinen noch hinzukommt.
Die Mengenlehre hingegen postuliert "zusätzlich" zu den beiden Lego-Steinen abstrakte Gegenstände, nämlich die entsprechenden Mengen. (Manche oder alle?) Materialisten halten das für mysteriös.
Die moderne Mereologie ist als Alternative zur mathematischen Mengentheorie entwickelt worden, aber ihr Anwendungsbereich ist nicht auf konkrete oder materielle Objekte beschränkt. Sie ist nicht auf den ontologischen Konkretismus festgelegt, wohingegen die Mengentheorie auf den ontologischen Abstraktismus festgelegt ist, da ihre zentralen Objekte—Mengen—allesamt abstrakte Objekte sind.

Die Fusion/Summe zweier Legosteine ist schon etwas, das zu den beiden Legosteinen "hinzukommt" – aber nicht als etwas Drittes, das von den beiden Legosteinen gänzlich verschieden ist. Denn die Legosteinsumme L1+L2 ist jeweils mit L1 und L2 partiell identisch.



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So 25. Jan 2026, 00:40

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Sa 24. Jan 2026, 07:09
Du argumentierst, dass die Mereologie als allgemeine Theorie sich nicht jedem Einzelfall widmen kann, da dies zu einer unsystematischen und inkohärenten Theorie führen würde. Das finde ich nicht überzeugend. Die Theorie kann sehr wohl allgemein sein und gleichzeitig feststellen, dass es eben keine allgemeine Regel gibt, nach der Zusammensetzung funktioniert. Das ist schließlich eine allgemeine Aussage. Das würde die Theorie also keineswegs inkohärent machen.

Um zu sehen, dass eine einfache Regel überhaupt nicht das ist, was zu erwarten ist, muss man sich einfach nur mal an dem Ort, wo man sich gerade befindet, umschauen: Ein Buch ist offensichtlich ein ganz anderes mereologisches Ganzes als zum Beispiel eine Stehlampe, ein Bild in einem Rahmen, ein Regal, ein Baum, ein Auto, eine Krähe, die kräht, oder ein Text wie dieser in einem philosophischen Forum.

Dass aus einzelnen Teilen ein neues Ganzes wird, lässt sich – wie man hier sehr schön sieht – eben nicht einfach wie eine Rechenaufgabe aus den Eigenschaften der Teile ableiten. Es ist eher jeweils eine „Entdeckung“, die man in der Vielfalt der Wirklichkeit macht. Eine Entdeckung, über die wir uns natürlich auch jeweils täuschen können! Wer stattdessen eine allgemeine Regel verlangt, müsste erst einmal zeigen, warum das Universum in dieser Hinsicht überhaupt so simpel gestrickt sein sollte. Ich sehe dafür keine Anzeichen.
Es gibt freilich viele unterschiedliche Arten komplexer Objekte mit unterschiedlichen Arten von Strukturen; aber die Mereologie gilt als Teil der formalen oder generellen Ontologie. Wenn die generelle Mereologie aufgegeben und in eine Reihe spezieller Mereologien aufgeteilt werden würde, die zu verschiedenen materialen/regionalen oder speziellen Ontologien gehören, dann empfände ich den Verlust der übergeordneten theoretischen Allgemeinheit, Allgemeingültigkeit und Einheitlichkeit als sehr schwerwiegend.

Es gehört ja gar nicht zur Aufgabe der auf einer sehr hohen Abstraktionsebene operierenden formalen/generellen Mereologie, einzelwissenschaftliche Morphologie zu betreiben—d.h. beispielsweise die besondere biologische Zusammensetzung von Lebewesen oder die besondere chemische Zusammensetzung von Molekülen empirisch zu erforschen und theoretisch zu erklären.
"Allgemein gesagt besteht die Sorge bei diesen [mereologisch weder universalistischen noch nihilistischen—hinzugef.] reduktiven Erklärungen darin, dass die verschiedenen Analyseansätze tendenziell an Problemen der Allgemeingültigkeit scheitern. Für jede behauptete Bedingung C(x) lassen sich oft Gegenbeispiele finden, bei denen die xe, die C(x) erfüllen, intuitiv nichts bilden, oder bei denen einige xe etwas bilden, ohne C(x) zu erfüllen. Dies hat einige Philosophen dazu veranlasst, disjunktive oder serienartige Antworten zu postulieren, die darauf hindeuten, dass verschiedene Arten von Objekten unterschiedlichen Bedingungen gehorchen können. Wie Sanford (1993, S. 224) es ausdrückte, fühlen wir uns vielleicht „weniger unter Druck gesetzt, eine große, unmögliche Frage anzugehen”, wenn wir uns vertraulich mit konkreten Fällen befassen können: Bilden der Baumstamm und die Planke einen Tisch? Bilden die Felsen eine Festung? Und so weiter. Diese Strategie des „Teile und herrsche” wird beispielsweise von Lowe (2005a), Thomasson (2007, Kap. 7) und Koslicki (2008, Kap. 7) befürwortet und kann als eine Verlagerung von der speziellen Kompositionsfrage zu dem angesehen werden, was Bennett (2017b, S. 11) als „spezielle spezielle Kompositionsfrage” bezeichnet: Unter welchen Bedingungen bilden bestimmte Dinge eine Einheit der Art A?" [DeepL + Consul Translate]

(Cotnoir, A. J., & Achille C. Varzi. Mereology. Oxford: Oxford University Press, 2021. p. 188)
Der kompositorische Universalismus der generellen Mereologie—welcher die spezielle Kompositionsfrage "Unter welchen Bedingungen bilden bestimmte Dinge eine Einheit?" mit "Die einzige Bedingung ist die Existenz einer Vielheit von Dingen" beantwortet—lässt sich durchaus mit unterschiedlichen Antworten auf die "spezielle spezielle" Kompositionsfrage verbinden und vereinbaren: "Unter welchen Bedingungen bilden bestimmte Dinge eine Einheit der Art A?"
Eine vorhandene Vielheit von Atomen bildet zwar immer ohne weitere Bedingung ein einheitliches Objekt, aber natürlich nur unter besonderen Bedingungen (Stichwort: chemische Bindung) ein bestimmtes Molekül.



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So 25. Jan 2026, 00:56

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Sa 24. Jan 2026, 13:35
Wenn die mereologische Sicht so etwas wie Forellentruthähne zur Folge hat, dann würde ich das jedoch als eine Art von reductio ad absurdum sehen. Wenn es keinen substanziellen Unterschied zwischen einem Forellentruthahn und einem gedeckten Tisch mehr gibt, dann ist etwas ziemlich schief gelaufen. Die Theorie müsste eigentlich genau das Gegenteil leisten, sie müsste erklären können, warum es gedeckte Tische gibt, Forellentruthähne aber nicht. Wobei ich den Forellentruthahn hier als Sinnbild dafür verstehe, dass jede Fusion real ist.
Der mereologische Universalismus behauptet doch keineswegs, dass alle mereologischen Fusionen/Summen gleichartig sind. Manche sind Tische, manche sind Forellen, manche sind Truthähne, und manche sind Forellentruthähne.



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So 25. Jan 2026, 01:03

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Sa 24. Jan 2026, 15:00
Consul hat geschrieben :
Sa 24. Jan 2026, 01:53
Wenn die mathematische Schwanenmenge {S1, S2} existiert, dann kannst du sie im Gegensatz zum Schwanenpaar S1 & S2 nicht sehen, weil Mengen als abstrakte Objekte allgemein unsichtbar sind.
Da wir keine Lichtflecken sehen, sondern Tatsachen, würde ich hier widersprechen. Wir sehen nämlich durchaus abstrakte Objekte, denn wir sehen ja, dass beide zur Klasse der Schwäne gehören. Sehen ist schließlich kein rein kausaler Vorgang; dazu gehört vor allem, etwas als etwas zu sehen. Wir sehen im Erfolgsfall ja immer Tatsachen, und Tatsachen sind abstrakte Gegenstände. Ich möchte fast sagen, wir sind Weltmeister im Sehen von abstrakten Gegenständen; wir sehen schließlich auch, dass es zwei Schwäne sind. Wir sehen sogar Dinge, die auf dem Foto gar nicht abgebildet sind – nämlich, dass die Schwäne dreidimensional sind und eine Rückseite haben, die uns abgewandt ist und die wir nicht sehen können.
Wenn du einen Schwan oder einen Gegenstand als Schwan siehst, oder anhand deiner Seheindrücke erkennst, dass der von dir gesehene Gegenstand ein Schwan ist bzw. zur Klasse/Menge der Schwäne gehört, dann bedeutet dies nicht, dass du einen abstrakten Gegenstand siehst. Das Sehen zweier Schwäne besteht nicht im Sehen einer abstrakten Menge zweier Schwäne; und wenn Tatsachen abstrakte Propositionen sind, dann sind sie ebenfalls unsichtbar. (Unsichtbar sind auch der Begriff <Schwan> als Abstraktum und das Substantiv "Schwan" als abstrakter Worttyp.)
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Sa 24. Jan 2026, 15:00
Wir sehen auch (und das ist für das Thema wichtig), dass die Schwäne keinen gemeinsamen Gegenstand bilden und – wenn man so will, fast schon gegen den Anschein –, dass die Schwäne und das Wasser verschiedene Gegenstände sind. Ebenfalls sehen wir keinen „Schwanenschattengegenstand“, obwohl das Bild ihn optisch womöglich hergeben würde. Die beste Erklärung dafür, dass wir auch keinen Schilf-Himmel-Gegenstand sehen, ist wahrscheinlich, dass es diesen einfach nicht gibt. Was es hingegen gibt, sind Schwäne in wechselnden natürlichen Kontexten, zu denen in der Regel Seen und andere Gewässer gehören, aber meistens keine kahlen Mondkrater-Landschaften.
Wie gesagt, eine Welt, worin der mereologische Universalismus wahr ist, ist von einer Welt, worin er falsch ist, empirisch ununterscheidbar. Das Sehen zweier Schwäne ist phänomenal identisch mit dem Sehen eines Doppelschwans als Fusion zweier Schwäne.
Der Antiuniversalist wird sagen, "Ich sehe nur zwei Dinge: einen Schwan & einen Schwan"; und der Universalist wird sagen, "Ich sehe drei Dinge: einen Schwan & einen Schwan & einen Doppelschwan". Wer recht hat, lässt sich nicht auf der Grundlage der visuellen Wahrnehmung entscheiden.

Wenn der Doppelschwan beim Sehen zweier Schwäne übersehen wird, dann bedeutet dies jedenfalls nicht, dass es ihn nicht gibt.



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Timberlake
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So 25. Jan 2026, 13:59

Consul hat geschrieben :
Sa 24. Jan 2026, 01:53

* Wenn die mathematische Schwanenmenge {S1, S2} existiert, dann kannst du sie im Gegensatz zum Schwanenpaar S1 & S2 nicht sehen, weil Mengen als abstrakte Objekte allgemein unsichtbar sind.

... als abstrakte Objekte allgemein unsichtbar sind?
spektrum.de hat geschrieben :
Lexikon der Neurowissenschaft:

Qualia

Qualia [Einzahl Quale; von latein. qualis = wie beschaffen], subjektiv und unabhängig von dem zugehörigen Objekt wahrgenommene Eigenschaften; phänomenale Eigenschaften erster Ordnung (s.u.). In der Philosophie des Geistes bilden Qualia die klassischen Beispiele für die aus der Innenperspektive zugänglichen (phänomenologischen) Merkmale des bewußten Erlebens. Einfache sensorische Empfindungen wie die visuelle Qualität von "Scharlachrot" in einem bewußten Farberlebnis (Farbwahrnehmung) oder die olfaktorische Qualität von "Moschus" in einem Geruchserlebnis (Geruchssinn), aber auch Körperempfindungen und Emotionen sind Beispiele für solche phänomenalen Eigenschaften. Weil solche Eigenschaften dem Erleben nach keine innere Struktur besitzen und nicht das Ergebnis eines Abstraktionsvorgangs sind, bilden sie die gewissermaßen maximal konkreten, basalen Grundbausteine des Bewußtseins und sind daher Eigenschaften erster Stufe (Ordnung).
Etwa so , wie auch die visuelle Qualität von "Scharlachrot" in einem bewußten Farberlebnis (Farbwahrnehmung) oder die olfaktorische Qualität von "Moschus" in einem Geruchserlebnis (Geruchssinn), als abstrakte Objekte allgemein unsichtbar sind? Wenn dem so ist, wovon ich ausgehe, dann würden Mengen in der gleichen Liga spielen wie "Scharlachrot" und "Moschus" und zwar in der Liga einer Innenperspektive des bewußten Erlebens, subjektiv und unabhängig von dem zugehörigen Objekt wahrgenommene Eigenschaften. Einer Innenperspektive, die uns, als eine phänomenale Eigenschaften erster Ordnung, wie es im o.g. Zitat heißt, meiner Meinung nach überhaupt erst ermöglicht über Mengen, wie auch "Scharlachrot"und "Moschus" nachzudenken. Indem wir darüber nachzudenken vermögen, eine subjektive Innenperspektive, die uns zu dem darüber hinaus überhaupt erst ermöglicht über Mengen, "Scharlachrot"und "Moschus", mit anderen zu kommunizieren. Bei abstrakten Mengen über eine abstrakte Mathematik, bei abstraktem "Scharlachrot" über eine abstrakte Farbenlehre und beim abstraktem "Moschus" über eine abstrakte Parfümerie. Weil als abstrakte Objekte allgemein unsichtbar, einer Mathematik, einer Farbenlehre und einer Parfümerie, die sich jeweils mit Unsichtbarem befasst. Unsichtbar, im Sinne phänomenale Eigenschaften erster Ordnung, die in der Philosophie des Geistes die Qualia bilden.




Timberlake
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So 25. Jan 2026, 15:16

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Sa 24. Jan 2026, 13:12
Timberlake hat geschrieben :
Fr 23. Jan 2026, 22:35
Unterschied
Bild

Den Unterschied sehe ich im Wesentlichen darin, dass die Mereologie keine "ontologischen Kosten" hat. Für Materialisten ist das ein wichtiger Punkt, weil sie die Existenz abstrakter Entitäten abstreiten.

Gäbe es im Universum nichts weiter als einen schwarzen und einen weißen Lego-Stein, gäbe es für den Mereologen damit zugleich drei Objekte: den schwarzen Stein, den weißen Stein und deren Fusion. Es gibt in dieser Sichtweise nichts, was zu den beiden Lego-Steinen noch hinzukommt.

Die Mengenlehre hingegen postuliert "zusätzlich" zu den beiden Lego-Steinen abstrakte Gegenstände, nämlich die entsprechenden Mengen. (Manche oder alle?) Materialisten halten das für mysteriös.
Gemäß meinem letzten Beitrag würden allerdings auch Mereologen nicht umhinkommen, "zusätzlich", zu den beiden Lego-Steinen, abstrakte Gegenstände zu postulieren. Finde ich. Insofern ich diesen "Unterschied", den ich übrigens, so wie von dir hier beschrieben, ebenfalls sehe, vielmehr darin sehe, dass die Mereololgie weniger "ontologischen Kosten" hat. Gar keine ontolgische Kosten wären für mich übrigens nur für etwas vorstellbar, was die Religion postuliert ... Gott!


Weil Gott und mit "Man teile sie in so viel kleine Teile, als man will, gleichsam um sie zu spiritualisieren, .. " die Mereologie betreffend, dazu vielleicht passend ...

"Es wird vielleicht angemessen sein, ein wenig bei der Frage stehen zu bleiben, ob ein denkendes Wesen von einem nicht denkenden und aller Empfindung und Erkenntnis baren Wesen, einem solchen, wie die Materie sein könnte, herstammen kann. § 10. Nun ist selbst das klar, daß ein Teil der Materie unfähig ist, aus sich etwas hervorzubringen und sich Bewegung zu verleihen. Also muß seine Bewegung entweder ewig oder ihm durch ein mächtigeres Wesen eingeprägt sein. Wenn nun diese Bewegung ewig wäre, so würde sie doch immer unfähig sein, Erkenntnis hervorzubringen. Man teile sie in so viel kleine Teile, als man will, gleichsam um sie zu spiritualisieren, man gebe ihr alle Gestalten und alle Bewegungen, die man ihr geben kann, man mache daraus eine Kugel, einen Würfel, ein Prisma, einen Zylinder usw., deren Durchmesser nur den millionsten Teil eines Gry beträgt, welches der zehnte Teil einer Linie, des zehnten Teiles eines Zolls, des Zehntels eines Fußes ist, der das Drittel eines Pendels ausmacht, von dem jede Schwingung unter dem 45. Breitengrade eine Sekunde dauert. Mag dieses Stoffteilchen noch so klein sein, so wird es auf Körper von einer ihm proportionalen Größe nicht anders wirken, als die Körper von einem Zoll oder Fuß Durchmesser aufeinander wirken. Und man darf mit ebensoviel Grund hoffen, Empfindung, Gedanken und Erkenntnis dadurch hervorzubringen, daß man die groben Stoffteile von gewisser Gestalt und Bewegung zusammenfügt, als mittels der kleinsten Stoffteilchen, die es auf der Welt gibt. Diese letzteren hemmen, stoßen und widerstehen einander gerade wie die groben, und das ist alles, was sie vermögen. Wenn aber die Materie aus ihrem Innern die Empfindung, die Wahrnehmung und die Erkenntnis unmittelbar und ohne Hilfsmittel oder ohne Hilfe der Gestalten und der Bewegungen hervorrufen könnte, so müßte in diesem Falle, sie zu besitzen, eine von der Materie und allen ihren Teilen untrennbare Eigenschaft sein. Dem könnte man hinzufügen, daß auch die allgemeine und besondere Vorstellung, welche wir von der Materie haben, uns von ihr zu reden veranlaßt, als wenn sie ein der Zahl nach Einziges wäre, während die gesamte Materie eigentlich kein individuelles Ding ist, das wie ein materielles Wesen da ist, oder als ein besonderer Körper, den wir kennen oder uns denken können. Ware daher die Materie das erste, ewige denkende Wesen, so würde es nicht ein einziges ewiges, unendliches und denkendes Wesen geben, sondern eine unendliche Zahl ewiger, unendlicher denkender Wesen, die voneinander unabhängig wären, deren Kräfte beschränkt und deren Gedanken voneinander verschieden sein würden, und die folglich niemals diejenige Ordnung, Harmonie und Schönheit hervorrufen könnten, welche man in der Natur bemerkt. Daraus folgt notwendig, daß das erste ewige Wesen nicht die Materie sein kann. Hoffentlich werden[478] Sie von dieser, dem berühmten Urheber der vorhergehenden Beweisführung entnommenen Darstellung mehr befriedigt sein, als Sie von seiner Beweisführung gewesen zu sein schienen."
Leibnitz .. Von unserer Erkenntnis des Daseins Gottes


Zuletzt geändert von Timberlake am So 25. Jan 2026, 16:10, insgesamt 11-mal geändert.




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Mo 26. Jan 2026, 00:38

Timberlake hat geschrieben :
So 25. Jan 2026, 13:59
spektrum.de hat geschrieben : Lexikon der Neurowissenschaft: Qualia

Qualia [Einzahl Quale; von latein. qualis = wie beschaffen], subjektiv und unabhängig von dem zugehörigen Objekt wahrgenommene Eigenschaften; phänomenale Eigenschaften erster Ordnung (s.u.).…
Etwa so , wie auch die visuelle Qualität von "Scharlachrot" in einem bewußten Farberlebnis (Farbwahrnehmung) oder die olfaktorische Qualität von "Moschus" in einem Geruchserlebnis (Geruchssinn), als abstrakte Objekte allgemein unsichtbar sind?…
Qualia sind keine abstrakten Entitäten; und daraus, dass alle abstrakten Entitäten unsichtbar sind, folgt nicht, dass alle unsichtbaren Entitäten abstrakte Entitäten sind. Einzelne Quarks sind beispielsweise unsichtbare konkrete Objekte.
Auch Qualia sind unsichtbare konkrete Entitäten, wobei mit "Sichtbarkeit" die äußere Wahrnehmbarkeit durch den Gesichtssinn gemeint ist – im Gegensatz zur inneren Wahrnehmbarkeit (von Qualia) durch den "inneren Sinn", die Introspektion (welche nur im übertragenen Sinn ein "Hineinsehen/-schauen/-blicken" in das eigene Bewusstsein ist).



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Mo 26. Jan 2026, 01:13

Timberlake hat geschrieben :
So 25. Jan 2026, 15:16
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Sa 24. Jan 2026, 13:12
…Die Mengenlehre hingegen postuliert "zusätzlich" zu den beiden Lego-Steinen abstrakte Gegenstände, nämlich die entsprechenden Mengen. (Manche oder alle?) Materialisten halten das für mysteriös.
Gemäß meinem letzten Beitrag würden allerdings auch Mereologen nicht umhinkommen, "zusätzlich", zu den beiden Lego-Steinen, abstrakte Gegenstände zu postulieren. Finde ich. Insofern ich diesen "Unterschied", den ich übrigens, so wie von dir hier beschrieben, ebenfalls sehe, vielmehr darin sehe, dass die Mereololgie weniger "ontologischen Kosten" hat. Gar keine ontolgische Kosten wären für mich übrigens nur für etwas vorstellbar, was die Religion postuliert ... Gott!…
Wie gesagt, Qualia sind keine Abstrakta.
Eine mereologische Summe abstrakter Objekte ist allerdings selbst ein Abstraktum.

Diejenigen, die behaupten, mereologische Summen seien aus ontologischer Sicht "kostenlos" zu haben, argumentieren, dass sie mit ihren Summanden zusammengenommen (total) identisch seien, sodass die Setzung der Summe keine weitere, zusätzliche ontologische Festlegung (ontological commitment) bedeutet, wenn man die Existenz der Summanden anerkennt.
"Die Mereologie ist ontologisch unschuldig. Wenn wir die Mereologie akzeptieren, verpflichten wir uns natürlich zur Existenz aller Arten mereologischer Fusionen. Aber wenn wir uns beispielsweise bereits auf Katzen festgelegt haben, ist die Festlegung auf Katzenfusionen keine weitere Festlegung. Die Fusion ist nichts anderes als die Katzen, aus denen sie besteht. Die Katzenfusion ist die Katzen, und sie sind einfach die Katzenfusion. [It just is them. They just are it.] Ob man sie zusammen oder getrennt betrachtet, die Katzen sind in jedem Fall dieselbe Portion der Realität [the same portion of reality]. Egal ob man sich nun auf ihre Existenz im Ganzen oder nacheinander im Einzelnen festlegt, die Festlegung bleibt dieselbe. Wenn man seinem ontologischen Schema gemäß ein Inventar der Realität erstellt, wäre es eine doppelte Zählung, die Katzen und dann auch noch ihre Fusion aufzulisten. Im Allgemeinen gilt: Wenn man sich bereits auf einige Dinge festgelegt hat, geht man keine weitere (ontologische) Verpflichtung ein, wenn man die Existenz ihrer Fusion bejaht. Die neue Verpflichtung ist angesichts der alten überflüssig" [Google + Consul Translate]

(Lewis, David. Parts of Classes. Oxford: Blackwell, 1991. pp. 81-2)



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Bild

Ist das ein Stein des Mühlespiels? Oder des Damespiels? Je nachdem, zu welchem Spiel er zählt, ändern sich seine Eigenschaften. Das heißt: Das Ganze (die Spiele Dame oder Mühle) bestimmt über die Eigenschaft des Teils.

Ein weiteres Beispiel: „Schloss“. Das Wort „Schloss“ hat je nach dem Ganzen, dessen Teil es ist, verschiedene Eigenschaften. In dem Satz „Die Königin lebte in einem prunkvollen Schloss“ hat es eine andere Bedeutung als in dem Satz „Und das Schloss, von dem er sprach, war ein Vorhängeschloss an dem Keller, in dem er sich erschoss.“ (Hildegard Knef). Das Ganze (der Satz) bestimmt über die Eigenschaft des Teils.

Ähnlich ist es bei Bildern. Stellen wir uns eine Zeichnung von Käthe Kollwitz vor. Wir sehen hungernde Kinder, die Schalen hochhalten, in der Hoffnung, etwas zu essen zu bekommen. Ein Teil dieses Ganzen, sagen wir eine Schale, hat für sich einen ganz anderen Ausdruck. Auch hier ist es so, dass sich das Teil (die gezeichnete Schale) ohne das Ganze (die komplette Zeichnung) ändern würde.

Wie steht es mit dem Gehirn? Ist ein Gehirn der Petrischale das Gleiche wie ein Gehirn in einem lebendigen Körper?

Wir haben es hier mit einer bestimmten Form von Ganzheit zu tun. Denn die Teile dieser Ganzheiten haben in dem jeweiligen Ganzen andere Eigenschaften als ohne es.



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Fr 30. Jan 2026, 08:57

Wie steht es um dieses Teil/Ganzes/Verhältnis: Individuum und Gesellschaft?



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Sa 31. Jan 2026, 22:39

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Fr 30. Jan 2026, 07:41
Ist das ein Stein des Mühlespiels? Oder des Damespiels? Je nachdem, zu welchem Spiel er zählt, ändern sich seine Eigenschaften. Das heißt: Das Ganze (die Spiele Dame oder Mühle) bestimmt über die Eigenschaft des Teils.
Die materiellen Eigenschaften des Spielsteins bleiben kontextunabhängig gleich. Seine ihm von uns zugewiesene Rolle innerhalb eines Spiels kann sich freilich ändern.
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Fr 30. Jan 2026, 07:41
Ein weiteres Beispiel: „Schloss“. Das Wort „Schloss“ hat je nach dem Ganzen, dessen Teil es ist, verschiedene Eigenschaften. In dem Satz „Die Königin lebte in einem prunkvollen Schloss“ hat es eine andere Bedeutung als in dem Satz „Und das Schloss, von dem er sprach, war ein Vorhängeschloss an dem Keller, in dem er sich erschoss.“ (Hildegard Knef). Das Ganze (der Satz) bestimmt über die Eigenschaft des Teils.

Ähnlich ist es bei Bildern. Stellen wir uns eine Zeichnung von Käthe Kollwitz vor. Wir sehen hungernde Kinder, die Schalen hochhalten, in der Hoffnung, etwas zu essen zu bekommen. Ein Teil dieses Ganzen, sagen wir eine Schale, hat für sich einen ganz anderen Ausdruck. Auch hier ist es so, dass sich das Teil (die gezeichnete Schale) ohne das Ganze (die komplette Zeichnung) ändern würde.
Wörter und Bilder können freilich je nach Kontext unterschiedliche Bedeutungen haben.
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Fr 30. Jan 2026, 07:41
Wie steht es mit dem Gehirn? Ist ein Gehirn der Petrischale das Gleiche wie ein Gehirn in einem lebendigen Körper?
Ein lebendes, aktives Gehirn unterscheidet sich freilich von einem toten, inaktiven Gehirn.
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Fr 30. Jan 2026, 07:41
Wir haben es hier mit einer bestimmten Form von Ganzheit zu tun. Denn die Teile dieser Ganzheiten haben in dem jeweiligen Ganzen andere Eigenschaften als ohne es.
Dinge mögen sich als Teile eines strukturierten, organisierten Ganzen anders verhalten als Nichtteile.



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So 1. Feb 2026, 06:50

Mit anderen Worten: All diese Teile haben in dem jeweiligen Ganzen andere Eigenschaften als ohne es bzw. in einem anderen Ganzen.



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Consul hat geschrieben :
Sa 31. Jan 2026, 22:39
... Bilder können freilich je nach Kontext unterschiedliche Bedeutungen haben.
Das entspricht allerdings nicht dem Beispiel.

Es ging nicht um Bilder, sondern um Elementen in Bildern, also Teile im Verhältnis zum Ganzen. Denn es geht ja hier um Mereologie. Ein Beispiel war die gezeichnete Schale (als Teil) in der Zeichnung (dem Ganzen). Sie ist als losgelöstes Teil etwas anderes als im Ganzen.



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Consul hat geschrieben :
Sa 31. Jan 2026, 22:39
Ein lebendes, aktives Gehirn unterscheidet sich freilich von einem toten, inaktiven Gehirn.
Genau, hier haben wir ein Teil, das nur als Teil eines Ganzen das sein kann, was es ist. Isoliert man es von diesem Ganzen, wird es zu etwas völlig anderem.



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Jörn P Budesheim
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So 1. Feb 2026, 08:17

Consul hat geschrieben :
Sa 31. Jan 2026, 22:39
Die materiellen Eigenschaften des Spielsteins bleiben kontextunabhängig gleich. Seine ihm von uns zugewiesene Rolle innerhalb eines Spiels kann sich freilich ändern.
Mit anderen Worten: seine Eigenschaften ändern sich je nachdem, welches das Ganze ist, zu dem er gehört. Im Mühlespiel hat er Eigenschaften, die er im Damespiel nicht hat.

Und zudem und am Rande: als Teil des Ganzen ist seine Materialität nicht bestimmt. Der Spielstein kann aus Holz sein, aus Stein, aus Plastik oder aus Pixeln.
Consul hat geschrieben :
Sa 31. Jan 2026, 22:39
Die materiellen Eigenschaften des Spielsteins bleiben kontextunabhängig gleich. Seine ihm von uns zugewiesene Rolle innerhalb eines Spiels kann sich freilich ändern.
Wir können das noch weiterdenken. Was passiert, wenn wir uns selbst Rollen in einem „Spiel” zuweisen? Sei es Mittelstürmer:in in einem Fußballverein oder Sänger:in in einem Gesangsverein. Auch in diesen Fällen werden wir als Teil dieses Ganzen wortwörtlich zu anderen. Ich vermute sogar, dass genau das für viele der Grund ist, sich solchen „Ganzheiten” wie einem Chor anzuschließen. In einer Gruppe Kunst zu machen, kann uns zu ganz anderen Menschen machen.



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Jörn P Budesheim
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So 1. Feb 2026, 09:23

Timberlake hat geschrieben : "Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile."
Aristoteles
Ich habe mal aus der Wikipedia das Originalzitat herausgesucht:

"Das was aus Bestandteilen so zusammengesetzt ist, dass es ein einheitliches Ganzes bildet, ist nicht nach Art eines Haufens, sondern wie eine Silbe, das ist offenbar mehr als bloß die Summe seiner Bestandteile. Eine Silbe ist nicht die Summe ihrer Laute: ba ist nicht dasselbe wie b plus a ...“ Aristoteles: Metaphysik. Buch 7.17 1041b

Das scheint mir ziemlich offensichtlich zu stimmen. In der Literatur wird auch diskutiert, ob es zwar wahr ist, aber nicht vielleicht trivial.



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