Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑ Do 27. Nov 2025, 08:55
Consul hat geschrieben : ↑ Do 27. Nov 2025, 05:30
Ohne Meere gibt es keine Meereswellen. Wellen gibt es nur dort, wo sich ein Ding oder Stoff wellt.
Dazu drei zusammenhängende Anmerkungen:
- Das Beispiel von Rovelli mit den Meereswellen hatte allerdings einen anderen Fokus als es deine Antwort nahelegt: Es sollte zeigen, dass auch stabile Objekte wie Steine zugleich als Prozesse zu sehen sind – ein zeitweise stabiles Muster, das für eine Weile besteht und wieder zerfällt. Wie eine Welle, die ihre Form behält und vergeht, aber nicht als isoliertes 'Ding' existiert.
- Im Sinne des Beispiels sind übrigens auch Meere Wellen – nur auf einer anderen Zeitskala. Auch Meere entstehen, bestehen, vergehen - und: sie existieren in komplexen, systemischen Zusammenhängen.
- Mit dem (sinnvollen) Fokus auf Prozesse sollte aber mein zentraler Punkt nicht aus dem Blick geraten: Was es gibt, existiert immer in Zusammenhängen, die nicht irgendwie logisch oder kausal "nachträglich" sind. Relationen sind konstitutiv, nicht akzidentell. Was es gibt, gibt es in Bereichen/Feldern/Ordnungen. Und dabei handelt es sich um eine unaufhebbare Relation: Die Bereiche sind nicht ohne die Gegenstände "in" ihnen möglich und umgekehrt. Und genau in diesem Sinne gibt es meiner Ansicht nach keine Substanzen. Der Fokus auf Substanzen unterschlägt die konstitutive Einbettung in Bereiche.
Zum dritten Punkt: Wenn Substanzialität absolute Seinsselbstständigkeit in Ingardens Sinn erfordert, d.h. wenn eine Substanz absolut unabhängig davon sein muss, Teil irgendeines Ganzen (irgendeines Bereichs als einer Ganzheit) zu sein (das keine bloße Summe, sondern ein strukturierter Komplex von Dingen ist), dann besitzt nur
die Welt als Ganzes, das Weltganze Substanzialität.
(Ich weiß, dass Gabriel das Dasein eines allumfassenden Weltganzen oder "Allbereichs" leugnet.)
Zum zweiten Punkt: Meere oder Seen sind keine ewigen, unveränderlichen, "seinsursprünglichen" Dinge; aber als Wassermassen ist ihre Seinsweise doch eine wesentlich andere als diejenige von Wasserwellen.
Zum ersten Punkt: Deine Aussage, "dass auch stabile Objekte wie Steine zugleich als Prozesse zu sehen sind", klingt wie eine Bejahung des
reduktiven Prozessualismus in Bezug auf dingliche/körperliche Objekte oder materielle Substanzen.
Aus meiner substanzialistischen Sicht mag es durchaus sein, dass alle materiellen Substanzen immer an bestimmten Prozessen teilnehmen, oder dass sich an oder in ihnen stets bestimmte Prozesse "vollziehen"; aber ich teile Ingardens Meinung:
"[Vorgänge] müssen sich an irgendeinem in der Zeit verharrenden Gegenstande vollziehen oder von einem solchen getragen werden." (Siehe unteres Zitat!)
Ein substanzieller Gegenstand als Vorgangsträger (Substrat/Subjekt von Vorgängen [oder Ereignissen]) kann ein Ding oder ein Stoff (eine Stoffmasse/-menge) sein (z.B. ein Meer oder See als riesige Wassermasse).
Ingarden schreibt Folgendes:
"Ohne die in der Zeit verharrenden Gegenstände gäbe es ihrem Wesen nach überhaupt keine Vorgänge, wohingegen die Vorgänge, wenn sie sich überhaupt vollziehen, die in der Zeit verharrenden Gegenstände lediglich in ihrem Beschaffensein modifizieren, manchmal freilich sie auch vernichten oder auch zum Hervorbringen neuer in der Zeit verharrender Gegenstände beitragen, aber selbst keine notwendigen Bedingungen der in der Welt verharrenden Gegenstände sind.
Es ist ein altes, bis in die ersten Anfänge der griechischen Philosophie reichendes, aber heute noch aktuelles Problem, was das letzte Selbständige bzw. Seinsunabhängige sei: die in der Zeit verharrenden Gegenstände, insbesondere die Dinge, oder die Vorgänge. Und es wurde mehrmals versucht, die Vorgänge für das Ursprüngliche und Fundierende jeglichen dinglichen Seins zu fassen. So ist es bereits bei Heraklit der Fall gewesen, in unseren Tagen geschieht es z.B. bei H. Bergson, andererseits in der modernen Physik, wenn das gesamte physikalisch Seiende auf Wellenprozesse zurückgeführt wird. Zugleich fehlt es aber auch nicht an Versuchen, die in der Zeit verharrenden Gegenstände (die "Substanzen" – wie man sie oft genug genannt hat) für das Grundlegende im Sein zu halten: so verhält es sich nicht nur bei den alten, sondern auch bei den modernen Atomisten, sowohl in der Philosophie als auch in der Physik, bis auf die korpuskulare Theorie des Lichts. Freilich tritt dabei immer wieder die Tendenz auf, die eine Gegenstandsart auf die andere zurückzuführen, also die eine zugunsten der anderen existential irgendwie herabzusetzen und in vielen Fällen ihre Existenz überhaupt zu leugnen. Dies letztere scheint eine Übereilung zu sein. Aber daß es sich dabei jedenfalls um ein Fundierungsproblem und im Zusammenhang damit um die Frage nach der Seinsunselbständigkeit oder Seinsabhängigkeit der einen von den erwogenen Gegenstandsarten in bezug auf die andere handelt, steht außer Zweifel. Gewöhnlich bringt man sich aber dabei nicht klar zum Bewußtsein, daß da verschiedenartige Probleme vorliegen, die trotz ihrer Verwandtschaft doch voneinander abgegrenzt werden müssen. Wir sehen hier vorläufig davon ab, daß ontologische Probleme von den metaphysischen klar geschieden werden müssen. Wichtiger ist es jetzt zu betonen, daß bei der Verschiedenheit der Vorgänge und der in der Zeit verharrenden Gegenstände einerseits existential-ontologische, andererseits aber formal-ontologische Unterschiede in Betracht gezogen werden müssen. Augenblicklich handelt es sich lediglich um die ersteren. Und es ist im existential-ontologischen Sinne zu verstehen, wenn wir soeben eine gewisse Priorität der in der Zeit verharrenden Gegenstände den Vorgängen gegenüber festgestellt haben. Vorgänge zeichnen sich als solche durch eine für sie wesentliche Seinsabhängigkeit oder vielleicht sogar Seinsunselbständigkeit aus, die auf entsprechende, in der Zeit verharrende Gegenstände relativ ist. Sie müssen sich an irgendeinem in der Zeit verharrenden Gegenstande vollziehen oder von einem solchen getragen werden. Dies ergibt sich, wie bemerkt, aus ihrer formalen Struktur, aber es ist ein Moment ihrer Seinsweise selbst. Eben weil sie, als Gegenstände eines besonderen Typus, in den sich vollziehenden Phasen fundiert sind, die ein reines Geschehen sind und als solche vorübergehen und in immer neue Phasen übergehen, müssen sie einen Träger haben, der trotz des Zeitablaufs identisch bleibt, der also die Verschiedenheit der immer neuen Zeitaugenblicke überwindet und eben dadurch "verharrt". So zeugt es für einen richtigen wissenschaftlichen Instinkt, wenn man in Betrachtungen, die mit der Existential-Ontologie unmittelbar nichts zu tun haben, immer wieder betont, jede Bewegung fordere das, was sich gerade bewegt, jede Veränderung das, was sich verändert usw. Und wenn sich bei einer Veränderung auch "alles" ändern sollte, so bleibt noch immer das, was der Veränderung unterliegt, woran sie sich vollzieht, bestehen. Sonst hätten wir es mit keiner Veränderung, sondern nur mit einer Abfolge verschiedener, voneinander losgelöster Zustände zu tun. Die bloße Kontinuität der ineinander übergehenden Phasen reicht von selbst noch nicht aus, um eine Veränderung zu konstituieren. Es muß noch die Identität des Trägers, an dem der Vorgang sich vollzieht, dessen einheitlichen Vollzug ermöglichen. Die in der Zeit verharrenden Gegenstände brauchen dagegen für ihr Sein keinen Träger in diesem Sinne. Auch keine Vorgänge. Sie könnten im Prinzip in vollkommener Wandellosigkeit einfach dauern und den Ablauf der Zeit überdauern. Wenn sie sich verändern und eben damit mit Vorgängen im Zusammenhang stehen, so liegt das nicht an ihrer Seinsweise oder an ihrer Form, sondern an irgendeinem anderen Faktor, vorzugsweise an ihrer materialen Ausstattung. Das Dauern in der Zeit und das Überdauern des Zeitablaufs ist an sich noch keine Veränderung, aber auch kein Vorgang als solcher. Es ist das schlichte Sein des Gegenstandes einer besonderen Art."
(Ingarden, Roman. Der Streit um die Existenz der Welt, Bd. 1: Existentialontologie. Tübingen: Niemeyer, 1964. S. 217-9)
Ingarden spricht von
"in der Zeit verharrenden Gegenständen".
Der englische Philosoph und Logiker William Ernest Johnson (1858–1931) hat 1924 eine nützliche begriffliche Unterscheidung eingeführt, die von mehreren lebenden Philosophen aufgegriffen worden ist und sich in der zeitgenössischen Ontologie größerer Beliebtheit zu erfreuen scheint – nämlich, die kategoriale Unterscheidung von
Kontinuanten (continuants) und
Okkurrenten (occurrents).
(Zur Erinnerung: Ich habe bereits von
Substanzen und
Okkurrenzen gesprochen!)
Hier ist das Originalzitat:
"A continuant is defined to be that which continues to exist throughout some limited or unlimited period of time, during which its inner states or its outer connections with other continuants may be altering or may be continuing unaltered. In the first place, then, the continuant must be contrasted with its states—the possessive pronoun here pointing to a unique species of 'tie' indicated by the preposition of to be understood in a specific sense differing from all other senses. There is no relational word (as far as I know) that can be used to express this specific meaning of 'of,' parallel to the relational word characterising which expresses the specific meaning of 'of ' in such a phrase as 'the quality of this or that." In fact, the two meanings of the word are continually combined in constructions such as those expressed by the phrase 'the quality of this or that state of this or that continuant." Just as a quality must be attached or referred to this or that state, so a state must be attached or referred to this or that continuant. We may also speak of a property of this or that continuant to mean a property characterising this or that continuant, so that property (in this application) is a species of the genus adjective.
Now while we cannot say that a continuant occurs, we can say that a state occurs; and anything that may be said to occur will be called an 'occurrent.' And I lay it down that any occurrent must be referred to a continuant or to two or more connected continuants."
(Johnson, W. E. Logic, Part III: The Logical Foundations of Science. Cambridge: Cambridge University Press, 1924. pp. xx-xxi)
Anmerkung: Der letzte Satz auf Deutsch:
"Ich lege fest, dass jeder Okkurrent auf einen Kontinuanten, oder auf zwei oder mehr verbundene Kontinuanten bezogen werden muss." – Laut Johnson sind Okkurrenten seins-/vorkommensabhängig von Kontinuanten, welche als ihre Substrate/Subjekte fungieren. Er ist also
kein reduktiver Prozessualist in Bezug auf substanzartige Kontinuanten. Dieser Punkt ist wichtig hinsichtlich der weiter unten thematisierten ontologischen Prioritätsfrage.
Worin genau besteht nun der besagte Unterschied?
"Ein Kontinuant ist jedes Objekt, das in der Zeit existiert und keine zeitlichen Teile hat, also keine Teile, die allein aufgrund seiner Existenz zu einem bestimmten Zeitpunkt existieren. Kontinuanten bestehen fort, indem sie andauern (endure). Dazu gehören wir selbst und andere Organismen wie Katzen, Wachtelkönige [eine Vogelart], Schlüsselblumen und Kokken [Kugelbakterien]; geophysikalische und astrophysikalische Objekte wie Klippen, Pässe, Gebirgsketten, Kontinente, Kometen und Galaxienhaufen; Artefakte wie Manschettenknöpfe, Tassen, Autos, Computer und Kreuzfahrtschiffe; sowie soziale Entitäten wie Komitees, Vereine, Unternehmen, Hochschulen und Länder wie Kroatien. Was Johnson als Okkurrenten bezeichnet, sind Objekte in der Zeit, die jedoch zeitliche Teile besitzen, insbesondere Ereignisse, ob natürlichen oder künstlichen Ursprungs, wie beispielsweise Kollisionen von Teilchen, Tassen, Konferenzen und Planetenkonjunktionen; sowie Prozesse wie Abkühlung, Kristallisation und Kontinentaldrift. Ereignisse haben Phasen und zeitliche Abschnitte, die den Intervallen und Momenten entsprechen, die sie durchdauern (perdure)." [Google Translate mit Verbesserungen meinerseits]
(Peter Simons, in: Simons, Peter, & Joseph Melia. "Continuants and Occurrents." Proceedings of the Aristotelian Society, Supplementary Volumes 74 (2000): 59–75+77–92. p. 59-60)
Anmerkung: Substanzen sind Kontinuanten, aber "soziale Entitäten wie Komitees, Vereine, Unternehmen, Hochschulen und Länder" sind
als Kontinuanten keine Substanzen. Simons verwendet "Kontinuant" und "Substanz" also nicht synonym.
"Ein Kontinuant ist ein Objekt, das in der Zeit existiert, bei dem es aber keinen Sinn ergibt, von zeitlichen Teilen oder Phasen zu sprechen. Zu jedem Zeitpunkt, an dem es existiert, ist ein Kontinuant vollständig präsent. Typische Kontinuanten entstehen in einem bestimmten Moment, bestehen für eine gewisse Zeit (period) fort, und hören dann auf zu existieren. Physische Körper, einschließlich des Menschen, sind Paradebeispiele für Kontinuanten." [Google Translate mit Verbesserungen meinerseits]
(Simons, Peter. Parts: A Study in Ontology. Oxford: Oxford University Press, 1987. p. 175)
"Okkurrenten umfassen das, was unterschiedlich als Ereignisse, Vorgänge, Geschehnisse, Vorkommnisse und Zustände bezeichnet wird. Sie sind, wie Kontinuanten, in der Zeit, aber im Gegensatz zu Kontinuanten haben sie zeitliche Teile." [Google Translate mit Verbesserungen meinerseits]
(Simons, Peter. Parts: A Study in Ontology. Oxford: Oxford University Press, 1987. p. 129)
Anmerkung: Was die obige Unterscheidung anhand
des Vorhandenseins oder Fehlens zeitlicher Teile (Phasen, Stadien) betrifft, so gibt es leider eine Komplikation; denn es gibt Ontologen, die den sogenannten
Vierdimensionalismus oder
Perdurantismus vertreten, dem zufolge auch konkrete, materielle Objekte/Substanzen
zeitliche Teile/Zeitteile haben, was Simons' Definition zuwiderläuft. Siehe das folgenden Zitat:
"Die Prioritätsfrage:
In der Geschichte der Philosophie gab es Philosophen, die Kontinuanten als metaphysisch grundlegender als Okkurrenten betrachteten, beispielsweise Demokrit, Platon, Aristoteles, Thomas von Aquin, Descartes, Kant, Brentano, Geach, Strawson und moderne Neoaristoteliker wie Jonathan Lowe. Sie sind im Allgemeinen davon ausgegangen, dass Substanzen die grundlegenden Dinge seien, und in der westlichen Philosophie bildeten sie die Mehrheit. Sie verstanden Prozesse und Ereignisse als Veränderungen in oder zwischen Substanzen oder anderen Kontinuanten. Auf der anderen Seite standen jene, eine Minderheit, die Prozesse als grundlegender als Substanzen ansahen, beispielsweise Heraklit, Bergson, Whitehead, Rescher und Dupré. Gelegentlich behandelten Philosophen beide Seiten der Dualität als gleichwertig grundlegend, so wie David Wiggins. Nach vielen Jahren als Anhänger des Wiggins’schen Dualismus schließe ich mich nun jenen an, die an den Primat der Prozesse glauben.
Der metaphysische Streit zwischen dem Dreidimensionalismus (Endurantismus) und Vierdimensionalismus (Perdurantismus) ist teilweise auf die Frage der Priorität ausgerichtet. Endurantisten glauben, dass Kontinuanten (typischerweise) dreidimensional sind und keine zeitlichen Teile besitzen. Perdurantisten hingegen glauben entweder, dass sie zeitliche Teile haben und zeitlich ausgedehnt sind (Wurmtheorie), oder dass sie zeitlich unausgedehnt sind, sich aber nacheinander "stapeln" (Stadientheorie). Kontinuanten, wie wir sie verstehen, besitzen keine zeitlichen Teile, was sich in unserer Erläuterung im vorherigen Abschnitt widerspiegelt. Aus diesem Grund lassen sich die Aussagen von Perdurantisten, die Organismen, Artefakte usw. als Prozesse bezeichnen, am besten so interpretieren, dass sie meinen, dass das, was wir für Kontinuanten hielten, in Wirklichkeit Okkurrenten sind: dass Menschen, Katzen, Bäume und Berge entgegen unserer Annahme sehr wohl zeitliche Teile besitzen. Ob sie metaphysisch vor, nach oder gleichzeitig mit Perduranten existieren, ist eine andere Frage. Ich vertrete die Auffassung, dass sowohl Kontinuanten als auch Okkurrenten existieren und wie beschrieben unterschieden werden, aber dass Okurrenten, insbesondere Prozesse, metaphysische Priorität besitzen.
Abgesehen von totaler Skepsis scheint es fünf mögliche metaphysische Positionen hinsichtlich Kontinuanten und Okkurrenten sowie der Frage zu geben, welche der beiden Arten grundlegend ist. Hier sind sie, mit einigen neueren Vertretern:
(a) Es gibt nur Kontinuanten: Brentano (1981).
(b) Es gibt nur Okkurrenten und keine Kontinuanten: Lewis (1986), Seibt (2004), Baptiste und Dupré (2013).
(c) Es gibt beides, und Kontinuanten sind vorrangig: Strawson (1959), Lowe (1998).
(d) Es gibt beides, und sie sind gleichermaßen grundlegend: Wiggins (2001).
(e) Es gibt beides, und Okkurrenten sind vorrangig: Whitehead (1978), Rescher (2001), Simons." [Google Translate mit Verbesserungen meinerseits]
(Simons, Peter. "Processes and Precipitates." In Everything Flows: Towards a Processual Philosophy of Biology, edited by Daniel J. Nicholson and John Dupré, 49-60. Oxford: Oxford University Press, 2018. p. 52)
Anmerkung: Ich befürworte (c).
Fußnote: Die Termini
Enduranz (endurance) und
Perduranz (perdurance) als Formen von
Persistenz (Fortbestand, persistence) hat David Lewis eingeführt:
"Etwas persistiert (persists), wenn es auf die eine oder andere Weise zu verschiedenen Zeiten existiert; dies ist der neutrale Begriff. Etwas perduriert (perdures), wenn es persistiert [fortbesteht], indem es zu verschiedenen Zeiten verschiedene zeitliche Teile oder Stadien hat, wobei kein einziger Teil davon zu mehr als einem Zeitpunkt gänzlich präsent ist. Es enduriert (endures) hingegen, indem es zu mehr als einem Zeitpunkt gänzlich präsent ist. Perduranz (perdurance) entspricht der Art und Weise, wie eine Straße sich durch den Raum erstreckt; ein Teil von ihr ist hier und ein Teil von ihr ist dort, und kein Teil ist an zwei verschiedenen Orten gänzlich präsent." [Google Translate mit Verbesserungen meinerseits]
(Lewis, David. On the Plurality of Worlds. Oxford: Blackwell, 1986. p. 202)
[
persistence = Fortbestand, Fortdauer – endurance = Andauer – perdurance = Durchdauer]
Simons' Definition gemäß sind materielle Kontinuanten
Enduranten, die persistieren, indem sie zu verschiedenen Zeiten jeweils
gänzlich, vollständig präsent sind. Räumlich, aber nicht zeitlich ausgedehnte Kontinuanten sind
dreidimensionale Objekte – im Gegensatz zu den
vierdimensionalen, sowohl räumlich als auch zeitlich ausgedehnten Objekten ("Raumzeitwürmern") des Perdurantismus. Ein
Perdurant ist zu keinem Zeitpunkt seiner Existenz
gänzlich, vollständig präsent.
Wenn ich als Mensch ein Endurant bin, dann habe ich vor zehn Jahren
als Ganzes existiert; und wenn ich ein Perdurant bin, dann habe ich vor zehn Jahren
nicht als Ganzes existiert,
sondern nur ein Zeitteil von mir. Consul-2015 ist dann nicht der ganze Consul, sondern nur ein zeitlicher Teil von ihm.