Wofür brauche ich dann den irreführenden Begriff "Substanz", ich kann dann ebenso von einem individuellen konkreten Objekt sprechen, oder? Interessiert dich diese Kategorie (Substanz) historisch oder siehst du eine systematische Relevanz darin? Wenn zweiteres, wo siehst du die Erklärungskraft, den Witz?
Ontologie der Substanzen
- Jörn P Budesheim
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Timberlake
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Sicherlich läuft man bei jeder Transformation (und als solches würde ich eine Vereinfachung des Komplizierten, aber auch umgekehrt, eine Verkomplizierung des Einfachen bezeichnen) Gefahr das Vorangegangene zu verfälschen und zu vereinfältigen. Nur kann eine solche Transformation aber auch durch eine Richtigstellung das ganze Gegenteil bewirken.Consul hat geschrieben : ↑Mo 24. Nov 2025, 07:49"Man soll die Dinge so einfach wie möglich machen, aber nicht einfacher." – Albert Einstein (zugeschrieben, aber nicht belegt)Timberlake hat geschrieben : ↑So 23. Nov 2025, 15:25…Was ich mich im Umkehrschluss dessen allerdings schon frage, ob du zu schlau für das Einfache in meinen Beiträgen bist und du deshalb dich bei der Reaktion auf meine Beiträge in etwa so rar machst, wie ich bei deinen Beiträgen aufgrund meiner Dummheit. Du somit also (Un-)glücklicherweise immun gegen das Einfache bist. Wie ich mittlerweile überhaupt der Meinung bin, dass sich auch andere deshalb rarmachen. Schließlich liegt es in der Natur des Einfachen, dass es als solches kaum Punkte gibt, an denen man durch eine Widerrede ansetzen könnte.
Das heißt, die löbliche Absicht zur theoretischen Vereinfachung sollte nicht zu einer verfälschenden Vereinfältigung dessen führen, was in Wahrheit schwierig, verwickelt, vielfältig ist.
Wenn es hier heißt "Substanzen sind das, was unabhängig von allem anderen für sich allein existieren könnte" und man auf eine solche Transformation nicht reagiert, so würde ich zunächst einmal meinen, dass diese Transformation unabhängig von allem anderen für sich allein existieren kann.Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Di 18. Nov 2025, 21:15
- Substanzen sind das, was unabhängig von allem anderen für sich allein existieren könnte.
- Nichts kann unabhängig von allem anderen für sich allein existieren.
- Also gibt es keine Substanzen.
Um sich einmal dazu Jörns These in Form einer Metapher (Blumenberg)zu bedienen!
Wenn sie für sich ganz allein stehen kann, dann doch wohl sicherlich, dass an ihr "substanziell" nichts aus zusetzen gibt. Für den Fall das man sie nicht verstanden hat, gibt es übrigens Fragen. Fragen, mit dessen Hilfe man sich in einem Dialog verständlich machen kann. So das es am Ende des Dialogs zu einer Transformation kommt, wo sie nach Ansicht beider substanziell für sich allein existieren kann. Oder auch den Dialog abbricht, weil die Postionen zu unterschiedlich sind . In diesem Fall kann die Transformation tatsächlich nicht unabhängig von allem anderen für sich allein existieren. Sie hätte keine Substanz.
Timberlake hat geschrieben : ↑So 23. Nov 2025, 15:25
Somit ich mir also durchaus wünschen würde, mich in die Irrungen und Wirrungen deiner Beiträge verstricken zu lassen. Wozu ich zu meinem großen Bedauern, aufgrund eben dieser Immunität nicht in der Lage bin. Für mich ist das als solches keine Frage der Zeit und der Mühe, ich bin einfach zu dumm dafür.
Oder sie hat eine Substanz, nur war man leider zum dumm, als das man sie mit seinem Verstand erfassen könnte.
Insofern in "meinen Augen" die Metaphysik tatsächlich ein schwieriges Fachgebiet ist."Metaphysics is, by my lights, a difficult, but indispensable subject."
———
"Die Metaphysik ist, in meinen Augen, ein schwieriges, aber unentbehrliches Fachgebiet." [meine Übers.]
(Heil, John. What is Metaphysics? Cambridge: Polity Press, 2021. p. viii)
- Metaphysik
"Das 19. Jahrhundert markiert mit dem Aufstieg des Atheismus (Marx, Nietzsche) und des Positivismus den Niedergang der Metaphysik, Auguste Comte zufolge war das metaphysische Zeitalter damit überholt"
Philosophie Magazin .. Philosophischer Grundbegriff
Inwiefern findest du ihn irreführend? Weil das Wort "Substanz" nicht nur eine Bedeutung hat? (Das Wort "Objekt" hat auch nicht nur eine Bedeutung.)Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Mo 24. Nov 2025, 09:11Wofür brauche ich dann den irreführenden Begriff "Substanz",…
Bei jeder Definition sind das Definierte und das Definierende austauschbar. Du könntest z.B. statt "Schimmel" immer "Pferd mit weißem oder weißlichem Fell" verwenden, und statt "Substanz" immer (im weiteren Sinn) "individuelles konkretes Objekt" oder (im engeren Sinn) "simples fundamentales individuelles konkretes Objekt"; aber das wäre ziemlich unpraktisch.Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Mo 24. Nov 2025, 09:11…ich kann dann ebenso von einem individuellen konkreten Objekt sprechen, oder?
Ja, sowohl als auch. Ich halte Substanz für eine grundlegende und unentbehrliche ontologische Kategorie.Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Mo 24. Nov 2025, 09:11Interessiert dich diese Kategorie (Substanz) historisch oder siehst du eine systematische Relevanz darin?
Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Mo 24. Nov 2025, 09:11…Wenn zweiteres, wo siehst du die Erklärungskraft, den Witz?
Betreffs der zentralen Aspekte der Grundidee einer Substanz, siehe das erste Zitat in diesem vorherigen Beitrag von mir!
Was den sechsten Punkt betrifft ("[Substanzen] werden durch Stoffarten typisiert"), so ist zu betonen, dass Metaphysiker (insbesondere Aristoteles) "Substanz" und "Materie" in der Regel nicht als Synonyme gebrauchen (im Gegensatz zu Chemikern), obwohl dies möglich ist. (Die Rede von Seelen als immateriellen Substanzen wäre dann allerdings selbstwidersprüchlich, da sie immaterielle Materien wären.)
Besonders hervorzuheben ist der dritte Aspekt: "iii. [Substanzen] sind paradigmatische Subjekte der Prädikation und Träger von Eigenschaften."
Genauer gesagt: Substanzen sind grundlegende, letzte Prädikationssubjekte und Eigenschaftsträger. Denn wenn es Eigenschaften höherer Ordnung gibt, dann können auch Eigenschaften als Eigenschaftsträger fungieren – aber nicht als grundlegende, letzte Eigenschaftsträger. Eine eigenschaftstragende Eigenschaft muss letztlich von einem Ding oder Wesen als einer Nichteigenschaft getragen werden. (Das Verb "tragen" ist hier freilich in einem übertragenen Sinn zu verstehen. Dinge tragen Eigenschaften nicht so, wie Personen Hüte oder Koffer tragen.)
Das Gleiche gilt für die ontologischen Kategorien Beziehung, Zustand, Ereignis, Vorgang, die ebenfalls allesamt von (mindestens) einem dinglichen "Kern" abhängen, der sie "trägt" oder "stützt". Ohne substanzielle Objekte/Subjekte, ohne Substanzen kann es weder "Adhärenzen" (Attribute: Eigenschaften, Beziehungen) noch "Okkurrenzen" (Zustände, Ereignisse, Vorgänge) geben, weil diese nicht als "freischwebende" Entitäten existieren können.
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
Wenn "Ding" einfach "Seiendes"/"Entität" bedeutet, und der Substanzbegriff im obigen Sinn als reiner Rollenbegriff aufgefasst wird, dann müssen Substanzen als fundamentale Entitäten (Elemente oder Prinzipien) des Seins nicht zur Kategorie Ding oder (konkretes) Objekt im engen ontologischen Sinn gehören; denn dann können z.B. auch (reine, substratlose) elementare Ereignisse oder Vorgänge (Prozesse) die Substanzrolle übernehmen, d.h. als Substanzen = Fundamentalentitäten fungieren.Consul hat geschrieben : ↑Sa 22. Nov 2025, 23:45"Zusammenfassend lässt sich sagen, dass mindestens sechs sich überschneidende Ideen zum philosophischen Substanzbegriff beitragen. Substanzen werden wie folgt typisiert:
i. Sie sind ontologisch grundlegend – Substanzen sind die Dinge, aus denen alles andere besteht oder durch die es metaphysisch aufrechterhalten wird;
…" [Google Translate]
Substance: https://plato.stanford.edu/archives/spr ... substance/
Der Begriff Substanz kann also sowohl als reiner Rollenbegriff als auch als Artbegriff verwendet werden. Wenn von Substanzen als einer bestimmten ontologischen Kategorie die Rede ist, welche u.a. von der ontologischen Kategorie Prozess verschieden ist, dann wird "Substanz" als Artbegriff gebraucht.
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
"Es gibt zwei grundverschiedene Arten, den philosophischen Substanzbegriff zu charakterisieren. Die erste ist generischer/genereller. Der philosophische Begriff „Substanz“ stammt aus einer frühen lateinischen Übersetzung des griechischen Wortes „ousia“. „Ousia“ ist ein Substantiv, abgeleitet vom Verb „einai“ (sein) und wird üblicherweise mit „Sein“ übersetzt. Im allgemeinen Sinne sind Substanzen jene Dinge, die den Titel „Seiende“ [„Wesen“] am ehesten verdienen. Dies wird üblicherweise so interpretiert, dass sie die grundlegenden oder fundamentalen Entitäten eines gegebenen philosophischen Systems darstellen. So sind für einen Atomisten Atome die Substanzen, da sie die Grundbausteine sind, aus denen alles besteht. In David Humes System sind Impressionen und Ideen aus demselben Grund die Substanzen. Etwas anders formuliert sind Platons Ideen die Substanzen, da alles seine Existenz von den Ideen ableitet.
Die zweite Verwendung des Begriffs ist spezifischer/spezieller. Nach dieser Verwendung sind Substanzen eine besondere Art von Entität, die von einigen philosophischen Theorien anerkannt wird, von anderen jedoch nicht. Diese Substanzauffassung leitet sich von der intuitiven Vorstellung eines individuellen Dings oder Objekts ab, die sich hauptsächlich von Eigenschaften und Ereignissen abgrenzt. Gemäß diesem Verständnis ist es umstritten, ob die fundamentalen Entitäten Substanzen oder etwas anderes sind, wie etwa Ereignisse oder Eigenschaften, die in Raum und Zeit verortet sind. Es geht darum, wie wir den Begriff eines Objekts verstehen sollen und ob er im Lichte dieses korrekten Verständnisses ein Grundbegriff bleibt oder durch grundlegendere Begriffe charakterisiert werden muss. Kann man sich ein Objekt beispielsweise als bloße Ansammlung von Eigenschaften oder als Abfolge von Ereignissen vorstellen?
Der Grund für die beiden Bedeutungen des Begriffs „Substanz“ liegt darin, dass Aristoteles’ Kategorienlehre, das Werk, das den Begriff in die Philosophie einführte, behauptet, dass die Dinge, die den Titel „Seiende“ [„Wesen“] (Substanzen im generellen Sinn) am ehesten verdienen, individuelle Objekte (Substanzen im speziellen Sinn) sind und nicht Eigenschaften oder Ereignisse." [Google Translate]
SEP: Substance: https://plato.stanford.edu/entries/substance/
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- Jörn P Budesheim
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@Consul Ich hab (mehrere) KI gebeten, deine Beiträge in diesem Faden zusammenzufassen, weil ich einfach den Witz nicht verstehe. Ich bin in meinem philosophischen Leben bis hierhin sehr gut ohne diesen Begriff ausgekommen. Ich sehe da auch keine Leerstelle. Je nach Kontext sage ich halt Ding dazu oder Tier oder was gerade in den Kontext passt. Auch die Rede vom Träger von Eigenschaften widerstrebt mir, obwohl es eine etablierte Ausdrucksweise ist. Statt zu sagen, ein Pferd sei der Träger der Eigenschaft "Schnelligkeit" kann man viel passender sagen, dass es schnell ist. Zu sagen, ein Pferd sei eine Substanz widerstrebt mir massiv - das passt weder zu meinem alltäglichen noch philosophischen Sprachgefühl, das liegt mir komplett fern.
Hier der Prompt, den ich bei den diversen KI eingeben habe: Fasse die Beiträge des Users Consul zusammen in einem gut verständlichen Bericht. Beschränke dich auf Consul und lasse die andere Beiträge außen vor. Welche unterschiedlichen Bedeutungen des Begriffes sieht er? Worin besteht seiner Ansicht nach seine Erklärkraft, warum ist der Begriff Substanz wichtig? Ziel ist zu erfassen, warum er diesen Begriff für bedeutsam hält und welche Begriffs-Nuancen er sieht. Warum ist der Begriff wichtig, was will er erreichen, wo ist der Witz, wo das Problem, das gelöst werden soll. (Ausgewählt habe ich die Antwort von noteboolLM)
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Die Ontologie der Substanz: Eine Analyse der Position von „Consul“
Einleitung
Dieses Dokument fasst die Beiträge des Forum-Users „Consul“ zu einer Debatte über den philosophischen Begriff der Substanz zusammen und strukturiert sie. In der Auseinandersetzung mit der These, dass es keine Substanzen gebe, entwickelt Consul eine differenzierte Verteidigung dieser ontologischen Kategorie. Obwohl der Substanzbegriff in der Philosophiegeschichte oft als umstritten oder veraltet gilt, argumentiert Consul für dessen fundamentale Bedeutung.
Consuls zentrale Position lässt sich wie folgt zusammenfassen: Der Substanzbegriff ist trotz seiner Vieldeutigkeit eine unentbehrliche ontologische Kategorie, da er das notwendige Fundament für die Existenz von Eigenschaften, Relationen und Prozessen darstellt. Eine Welt ohne Substanzen ist für ihn unmöglich.
Der vorliegende Bericht zeichnet Consuls Argumentation nach. Zunächst wird die von ihm vorgenommene Differenzierung der verschiedenen Bedeutungen des Substanzbegriffs untersucht. Anschließend wird die Erklärungskraft der Kategorie analysiert, um ihre systematische Notwendigkeit zu verdeutlichen. Abschließend wird auf die von Consul diskutierte innere Struktur von Substanzen eingegangen.
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1. Die Vielschichtigkeit des Substanzbegriffs: Eine kritische Differenzierung
Ein zentraler Bestandteil von Consuls Argumentation ist die begriffliche Klärung des Substanzbegriffs. Viele Missverständnisse resultieren aus einer zu engen oder undifferenzierten Definition. Insbesondere die Fokussierung auf das Kriterium der absoluten Unabhängigkeit führt häufig zu einer verkürzten Sicht, die weder der Tradition noch der systematischen Funktion des Begriffs gerecht wird.
Consul entfaltet ein Spektrum verschiedener Bedeutungen, um die Nuanciertheit der Kategorie aufzuzeigen:
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2. Die Erklärungskraft der Substanz: Warum die Kategorie unverzichtbar ist
Nach der Klärung der Begrifflichkeiten untersucht Consul die systematische Relevanz des Substanzbegriffs. Er argumentiert, dass die Kategorie nicht nur historisch bedeutsam ist, sondern eine fundamentale Funktion erfüllt.
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3. Vertiefende Analyse: Die innere ontologische Struktur von Substanzen
Consul geht über die funktionale Rechtfertigung hinaus und analysiert die metaphysische Struktur von Substanzen selbst.
3.1 Terminologische Grundlagen
Er verweist auf die etymologischen Wurzeln des Begriffs:
Consul führt zwei Schlüsselunterscheidungen ein:
Die tiefgehendste Analyse betrifft die Debatte über metaphysische Bestandteile von Substanzen. Die Hauptpositionen:

Diese Debatten zeigen, wie zentral der Substanzbegriff in der aktuellen Metaphysik ist.
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4. Fazit: Die Substanz als unverzichtbares Fachgebiet
Die Analyse zeigt eine vielschichtige und robuste Verteidigung des Substanzbegriffs. Durch differenzierte Argumentation widerlegt Consul vereinfachende Kritik und zeigt, dass Substanzen als grundlegende Eigenschaftsträger unverzichtbar sind. Eine Welt ohne Substanzen würde zu einer Verdinglichung abstrakter Entitäten führen und wäre ontologisch inkohärent.
Consuls Verweis auf John Heil bringt seine Position prägnant auf den Punkt:
„Die Metaphysik ist ein schwieriges, aber unentbehrliches Fachgebiet.“
Die Auseinandersetzung mit dem Substanzbegriff zeigt exemplarisch, dass metaphysische Analyse anspruchsvoll, aber notwendig ist, um die tiefere Struktur der Wirklichkeit zu verstehen.
Hier der Prompt, den ich bei den diversen KI eingeben habe: Fasse die Beiträge des Users Consul zusammen in einem gut verständlichen Bericht. Beschränke dich auf Consul und lasse die andere Beiträge außen vor. Welche unterschiedlichen Bedeutungen des Begriffes sieht er? Worin besteht seiner Ansicht nach seine Erklärkraft, warum ist der Begriff Substanz wichtig? Ziel ist zu erfassen, warum er diesen Begriff für bedeutsam hält und welche Begriffs-Nuancen er sieht. Warum ist der Begriff wichtig, was will er erreichen, wo ist der Witz, wo das Problem, das gelöst werden soll. (Ausgewählt habe ich die Antwort von noteboolLM)
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Die Ontologie der Substanz: Eine Analyse der Position von „Consul“
Einleitung
Dieses Dokument fasst die Beiträge des Forum-Users „Consul“ zu einer Debatte über den philosophischen Begriff der Substanz zusammen und strukturiert sie. In der Auseinandersetzung mit der These, dass es keine Substanzen gebe, entwickelt Consul eine differenzierte Verteidigung dieser ontologischen Kategorie. Obwohl der Substanzbegriff in der Philosophiegeschichte oft als umstritten oder veraltet gilt, argumentiert Consul für dessen fundamentale Bedeutung.
Consuls zentrale Position lässt sich wie folgt zusammenfassen: Der Substanzbegriff ist trotz seiner Vieldeutigkeit eine unentbehrliche ontologische Kategorie, da er das notwendige Fundament für die Existenz von Eigenschaften, Relationen und Prozessen darstellt. Eine Welt ohne Substanzen ist für ihn unmöglich.
Der vorliegende Bericht zeichnet Consuls Argumentation nach. Zunächst wird die von ihm vorgenommene Differenzierung der verschiedenen Bedeutungen des Substanzbegriffs untersucht. Anschließend wird die Erklärungskraft der Kategorie analysiert, um ihre systematische Notwendigkeit zu verdeutlichen. Abschließend wird auf die von Consul diskutierte innere Struktur von Substanzen eingegangen.
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1. Die Vielschichtigkeit des Substanzbegriffs: Eine kritische Differenzierung
Ein zentraler Bestandteil von Consuls Argumentation ist die begriffliche Klärung des Substanzbegriffs. Viele Missverständnisse resultieren aus einer zu engen oder undifferenzierten Definition. Insbesondere die Fokussierung auf das Kriterium der absoluten Unabhängigkeit führt häufig zu einer verkürzten Sicht, die weder der Tradition noch der systematischen Funktion des Begriffs gerecht wird.
Consul entfaltet ein Spektrum verschiedener Bedeutungen, um die Nuanciertheit der Kategorie aufzuzeigen:
- Absolute Unabhängigkeit
Consul betont, dass das prominente Kriterium der Unabhängigkeit auslegungsbedürftig ist. Historische Beispiele wie Descartes und Spinoza zeigen, dass selbst klassische Vertreter dieses Kriteriums differenziert damit umgehen. Bei Spinoza ist nur die eine Substanz (Gott/Natur) absolut unabhängig, während Descartes zwischen der unerschaffenen Substanz (Gott) und relativ unabhängigen Substanzen (Geist und Materie) unterscheidet. - Aristotelischer Sinn
Nach Aristoteles ist eine Substanz ein individuelles konkretes Objekt wie ein Pferd oder ein Stein. Solche Substanzen können komplex sein und selbst aus anderen Substanzen bestehen. - Leibniz’scher Sinn
Für Leibniz hingegen sind nur mereologisch einfache Objekte Substanzen: die Monaden. Komplexe Dinge wie Tiere oder Steine gelten als Aggregate („substantiata“). - Consuls engeres Verständnis
Consul bevorzugt eine eigene engere Definition: Substanzen sind „simple fundamentale konkrete Objekte“, auch „Elementarobjekte“ genannt. „Simpel“ bedeutet hier: ohne diskrete oder substanzielle Teile. - Alltags- vs. fachsprachlicher Gebrauch
Während die Philosophie unter Substanz ein Ding als Eigenschaftsträger versteht, bezeichnet der Alltagsgebrauch häufig Stoffe wie Wasser oder Gold. Consul verweist auf die linguistische Unterscheidung zwischen count nouns (Hund) und noncount nouns (Gold). - Rollenbegriff vs. Artbegriff
Consul unterscheidet zudem zwischen:- einem generischen Rollenbegriff (fundamentalste Entität eines Systems) und
- einem spezifischen Artbegriff (ein individuelles Ding im Gegensatz zu Eigenschaften oder Relationen).
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2. Die Erklärungskraft der Substanz: Warum die Kategorie unverzichtbar ist
Nach der Klärung der Begrifflichkeiten untersucht Consul die systematische Relevanz des Substanzbegriffs. Er argumentiert, dass die Kategorie nicht nur historisch bedeutsam ist, sondern eine fundamentale Funktion erfüllt.
- 1. Fundament für Attribute
Consuls Kernaussage: Attribute wie Qualitäten, Quantitäten und Relationen sind ontologisch abhängig von Substanzen. Sie können nicht unabhängig existieren. - 2. Träger von Eigenschaften und Subjekt der Prädikation
Substanzen fungieren als primäre Subjekte der Prädikation. Auch wenn es Eigenschaften höherer Ordnung gibt, müssen diese letztlich von einer Entität getragen werden, die selbst keine Eigenschaft ist. Ohne Substanzen käme es zu einem infiniten Regress. - 3. Vermeidung der Hypostasierung
Die Leugnung von Substanzen führe zu einer Verdinglichung abstrakter Entitäten wie Strukturen oder Prozesse. Eigenschaften verweisen immer auf ein Ding; dem Nichts kann keine Eigenschaft zukommen. - 4. Ontologischer Kern für Zustände und Ereignisse
Auch Zustände, Ereignisse und Vorgänge benötigen einen dinglichen Träger. Ohne substanzielle Objekte gäbe es weder Adhärenzen (Attribute) noch Okkurrenzen (Ereignisse).
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3. Vertiefende Analyse: Die innere ontologische Struktur von Substanzen
Consul geht über die funktionale Rechtfertigung hinaus und analysiert die metaphysische Struktur von Substanzen selbst.
3.1 Terminologische Grundlagen
Er verweist auf die etymologischen Wurzeln des Begriffs:
- Griechisch: hypokeimenon (das Zugrundeliegende), ousia (Seiendheit)
- Lateinisch: substantia, substratum, subiectum
Consul führt zwei Schlüsselunterscheidungen ein:
- Primäre vs. sekundäre Substanz
Primäre Substanz: individuelles Objekt (z. B. ein bestimmtes Pferd).
Sekundäre Substanz: substanzielle Universalie (z. B. Pferdheit). - „Dünner“ vs. „dicker“ Substanzbegriff
Dünn: Substanz = Träger von Eigenschaften, ohne dass diese Bestandteile sind.
Dick: Substanz = Komplex aus Substrat und Eigenschaften.
Die tiefgehendste Analyse betrifft die Debatte über metaphysische Bestandteile von Substanzen. Die Hauptpositionen:

Diese Debatten zeigen, wie zentral der Substanzbegriff in der aktuellen Metaphysik ist.
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4. Fazit: Die Substanz als unverzichtbares Fachgebiet
Die Analyse zeigt eine vielschichtige und robuste Verteidigung des Substanzbegriffs. Durch differenzierte Argumentation widerlegt Consul vereinfachende Kritik und zeigt, dass Substanzen als grundlegende Eigenschaftsträger unverzichtbar sind. Eine Welt ohne Substanzen würde zu einer Verdinglichung abstrakter Entitäten führen und wäre ontologisch inkohärent.
Consuls Verweis auf John Heil bringt seine Position prägnant auf den Punkt:
„Die Metaphysik ist ein schwieriges, aber unentbehrliches Fachgebiet.“
Die Auseinandersetzung mit dem Substanzbegriff zeigt exemplarisch, dass metaphysische Analyse anspruchsvoll, aber notwendig ist, um die tiefere Struktur der Wirklichkeit zu verstehen.
- Jörn P Budesheim
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Welchen Platz nimmt in dieser Ontologie die Idee ein, dass alles, was es gibt, in Kontexten, Zusammenhängen, Bereichen existiert, aus denen heraus es überhaupt nur möglich und verständlich ist. Pferde existieren zum Beispiel in bestimmten Bereichen der Natur. Wobei Pferde und der fragliche komplexe Naturbereich eine intrinsische, unauflösliche Relation bilden; der entsprechende Bereich der Natur existiert nicht, ohne die vielen Elemente, die ihn bilden (Pferde, Pflanzen, Wasser, Erde, Feuer, Luft ...) und umgekehrt: die Elemente existieren nicht ohne den Bereich. Die fraglichen Elemente sind keine Substanzen, die zusätzlich auch noch in Relationen vorkommen können, sondern das Existieren in Bereichen ist ein essenzieller Aspekt ihrer Existenz.
Mir scheint, dass dieser Aspekt in einer Substanz-Ontologie ziemlich unterbelichtet bleibt, oder?
Mir scheint, dass dieser Aspekt in einer Substanz-Ontologie ziemlich unterbelichtet bleibt, oder?
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Timberlake
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Dieser Aspekt einer Substanz-Ontologie scheint mir allerdings eines zu unterschlagen, und zwar, um dazu auf deine Beispiele zurückzukommen, dass man sich sehr wohl die Elemente ohne einen "Zusammenhang" mit Pferde, aber ganz sicher nicht Pferde ohne einen "Zusammenhang" mit Elementen vorstellen kann. Von daher ich also die Elemente für substanzieller halten würde, als Pferde.
Prämisse 1: Substanzen sind das, was unabhängig von allem anderen für sich allein existieren könnte.
Prämisse 2: Nichts kann unabhängig von allem anderen für sich allein existieren
Schlussfolgerung :Also gibt es keine Substanzen
Wie ich übrigens der Meinuung bin , damit diesen Syllogismus widerlegt zu haben .
Syllogismus ..studysmarter.de
"Ein Syllogismus ist eine Form des logischen Schlussfolgerns, bei der zwei Prämissen und eine Schlussfolgerung verwendet werden. Zum Beispiel: Wenn alle Menschen sterblich sind und Sokrates ein Mensch ist, dann muss Sokrates sterblich sein. Durch das Verständnis von Syllogismen kannst du die Grundlagen der Logik und des kritischen Denkens besser erfassen."
Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Di 18. Nov 2025, 21:15
- Substanzen sind das, was unabhängig von allem anderen für sich allein existieren könnte.
- Nichts kann unabhängig von allem anderen für sich allein existieren.
- Also gibt es keine Substanzen.
Prämisse 1: Substanzen sind das, was unabhängig von allem anderen für sich allein existieren könnte.
Prämisse 2: Nichts kann unabhängig von allem anderen für sich allein existieren
Schlussfolgerung :Also gibt es keine Substanzen
Wie ich übrigens der Meinuung bin , damit diesen Syllogismus widerlegt zu haben .
Syllogismus ..studysmarter.de
"Ein Syllogismus ist eine Form des logischen Schlussfolgerns, bei der zwei Prämissen und eine Schlussfolgerung verwendet werden. Zum Beispiel: Wenn alle Menschen sterblich sind und Sokrates ein Mensch ist, dann muss Sokrates sterblich sein. Durch das Verständnis von Syllogismen kannst du die Grundlagen der Logik und des kritischen Denkens besser erfassen."
Wie gesagt, Unabhängigkeit bedeutet nicht Beziehungslosigkeit; und das Unabhängigkeitskriterium für Substanzialität wirft Fragen auf: Um welche (Art von) Unabhängigkeit wovon, von welcher (Art von) Entität geht es?Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Di 25. Nov 2025, 09:47Welchen Platz nimmt in dieser Ontologie die Idee ein, dass alles, was es gibt, in Kontexten, Zusammenhängen, Bereichen existiert, aus denen heraus es überhaupt nur möglich und verständlich ist. Pferde existieren zum Beispiel in bestimmten Bereichen der Natur. Wobei Pferde und der fragliche komplexe Naturbereich eine intrinsische, unauflösliche Relation bilden; der entsprechende Bereich der Natur existiert nicht, ohne die vielen Elemente, die ihn bilden (Pferde, Pflanzen, Wasser, Erde, Feuer, Luft ...) und umgekehrt: die Elemente existieren nicht ohne den Bereich. Die fraglichen Elemente sind keine Substanzen, die zusätzlich auch noch in Relationen vorkommen können, sondern das Existieren in Bereichen ist ein essenzieller Aspekt ihrer Existenz.
Mir scheint, dass dieser Aspekt in einer Substanz-Ontologie ziemlich unterbelichtet bleibt, oder?
Ein Pferd ist beispielsweise genealogisch, aber nicht ontologisch von anderen Pferden abhängig. Das Werden eines Pferdes hängt vom Dasein zweier Pferde ab, die seine Eltern sind; aber wenn es auf der Welt ist, dann kann ein Pferd ohne seine Eltern fortbestehen, und es kann sogar als das letzte Exemplar seiner Art weiterleben. Natürlich ist kein Pferd absolut ontologisch unabhängig, denn ohne das Dasein von als Nahrung dienenden Pflanzen kann es nicht überleben.
Wenn man unter Substanzen einfach konkrete, insbesondere materielle individuelle Objekte/Individuen versteht, dann müssen sie keineswegs absolut unabhängig oder selbstständig sein.
"Ich werde den Begriff ‚Substanz‘ zur Bezugnahme auf gewöhnliche Individuen, kontingente Dinge wie Atome, Stühle, Galaxien, Menschen, Pflanzen, cartesianische Egos, vielleicht Götter, und so weiter verwenden." [Google Translate mit Verbesserungen meinerseits]
(Denby, David. "A Note on Analysing Substancehood." Australasian Journal of Philosophy 85/3 (2009): 473–484. p. 473)
"Alltägliche Substanzen sind das, was wir Dinge oder Objekte nennen, im Unterschied zu ihren Eigenschaften, ihren Beziehungen zu anderen, ihren Zuständen, den Ereignissen, an denen sie beteiligt sind, und den Vorgängen, in die sie verwickelt sind. Um zu verdeutlichen, was alltägliche Substanzen sind, verwenden wir stets Beispiele, genau wie Aristoteles." [Google Translate mit Verbesserungen meinerseits]
(Simons, Peter. "Farewell to Substance: Differentiated Leave-Taking." Ratio (new series) 11/3 (1998): 235–252. p. 239)
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
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Wir können uns einzelne oder letzte Exemplare denken oder vorstellen, aber diese „logisch/gedankliche Isolierbarkeit“ ist etwas anderes als die reale Existenzfähigkeit eines einzelnen Exemplars: Pferde sind eigentlich Herdentiere, und die Herde ist u. a. bedeutsam für den Schutz vor Raubtieren, die gemeinsame Nahrungssuche und die psychische Gesundheit. Pferde sind zudem – wie wir – abhängig von einem Ökosystem, in das sie eingebettet sind, also ihrem Lebensraum: Weideflächen, Wasserquellen, Bäume als Schutzmöglichkeiten vor Raubtieren, die passenden Klima- und Wetterbedingungen und vieles andere mehr.
Auch der spezifische Ort des Planeten Erde in unserem Sonnensystem gehört zu diesen Lebensbedingungen. Ohne die (maßvolle, wohldosierte) Energie der Sonne gibt es kein Leben. Dass wir in der habitablen Zone der Sonne leben, gehört für Pferde wie für uns zu den notwendigen Existenzbedingungen.
Ein „Pferd ohne diese Kontexte“ ist nicht einfach ein „einsames Pferd“ oder das letzte seiner Art, sondern überhaupt kein lebensfähiges Pferd.
Das ist noch nicht alles, der Substanzbegriff ist gewissermaßen auch von "innen" bedroht: Im Körper der Pferde befinden sich – wie bei uns – eine Vielzahl von Mikroorganismen, die für ihre Gesundheit und ihr Überleben essenziell sind. Bakterien, Pilze und andere Kleinstlebewesen leben vor allem in der Haut, den Schleimhäuten und im Verdauungstrakt. (Ich bin kein Biologe, das musste ich recherchieren.) Das Gleichgewicht dieser mikrobiellen Gemeinschaft ist entscheidend für das körperlich/psychische Wohlbefinden der Tiere, ähnlich wie beim Menschen. Gehören diese Organismen zur „Substanz“ Pferd? Das Pferd ist ein sogenannter Holobiont, das heißt: Organismus plus Mikrobiom bilden eine funktionale Einheit.
Solche Relationen finden wir natürlich nicht erst in der Biologie, hier ist ein Beispiel aus der Physik: „Die wahre Botschaft der Quantenmechanik ist genau die, wie sehr das Denken in Beziehungen tatsächlich eine wirkungsvollere Denkweise ist als das Denken in Objekten“ (Carlos Rovelli).
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@Consul, eine kleine Anmerkung am Rande: Ich kann mir gut vorstellen, dass wir es hier – abgesehen von unseren sonstigen Differenzen bei diesem Begriff – mit einem sprachlichen Problem zu tun haben. Sowohl alltagssprachlich als auch philosophisch sind die deutschen und englischen Begriffe offenbar etwas unterschiedlich konnotiert. In der analytisch-angelsächsischen Tradition, mit der du arbeitest (Armstrong, Heil, Lowe …), scheint „substance” nach deinen Ausführungen weniger metaphysisch aufgeladen zu sein, sondern eher im Sinne von „object” oder „thing that bears properties” verwendet zu werden.
Im Deutschen hingegen trägt „Substanz” in meinen Ohren und nach meinem persönlichen Eindruck eine deutlich stärkere metaphysische Last oder wie immer man es nennen soll. (Bei Aristoteles mag das noch einmal anders klingen …) Für mich ist es ein Begriff, von dem ich dachte, dass er philosophisch längst passé sei. Ich habe noch gut die Verabschiedung von Substanzen aus einem Online-Mitschnitt einer Vorlesung von Sloterdijk im Ohr.
Wenn "Substanz" nicht im besonderen Sinn zur Bezeichnung einer bestimmten ontologischen Kategorie (wie individuelles konkretes Objekt) verwendet wird, sondern im allgemeinen Sinn zur Auszeichnung einer bestimmten Kategorie von Entitäten als Fundamentalentitäten (Fundamenten/Elementen/Prinzipien des Seins), dann sind Pferde gewiss keine Substanzen. Die einzelnen Atome und Elementarteilchen, aus denen Pferde bestehen, sind "substanzieller" = ontisch fundamentaler als Pferde. Wenn die räumlichen Abstände zwischen allen Atomen eines Pferdes plötzlich wundersamerweise auf mehrere Kilometer anwüchsen, dann wäre da immer noch dieselbe Menge von Atomen, aber nicht mehr ein Pferd.Timberlake hat geschrieben : ↑Di 25. Nov 2025, 19:44Dieser Aspekt einer Substanz-Ontologie scheint mir allerdings eines zu unterschlagen, und zwar, um dazu auf deine Beispiele zurückzukommen, dass man sich sehr wohl die Elemente ohne einen "Zusammenhang" mit Pferde, aber ganz sicher nicht Pferde ohne einen "Zusammenhang" mit Elementen vorstellen kann. Von daher ich also die Elemente für substanzieller halten würde, als Pferde.
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
Wenn absolute Unabhängigkeit oder Selbstständigkeit eine notwendige Bedingung des Substanzseins ist, dann sind Pferde und alle anderen Arten von Organismen gewiss keine Substanzen; und dann bleibt eigentlich nur Gott oder die Welt als Ganzes (die Natur, das Universum, der Kosmos) als mögliche Substanz übrig.Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Mi 26. Nov 2025, 07:19…Ein „Pferd ohne diese Kontexte“ ist nicht einfach ein „einsames Pferd“ oder das letzte seiner Art, sondern überhaupt kein lebensfähiges Pferd.
Das ist noch nicht alles, der Substanzbegriff ist gewissermaßen auch von "innen" bedroht: Im Körper der Pferde befinden sich – wie bei uns – eine Vielzahl von Mikroorganismen, die für ihre Gesundheit und ihr Überleben essenziell sind. Bakterien, Pilze und andere Kleinstlebewesen leben vor allem in der Haut, den Schleimhäuten und im Verdauungstrakt. (Ich bin kein Biologe, das musste ich recherchieren.) Das Gleichgewicht dieser mikrobiellen Gemeinschaft ist entscheidend für das körperlich/psychische Wohlbefinden der Tiere, ähnlich wie beim Menschen. Gehören diese Organismen zur „Substanz“ Pferd? Das Pferd ist ein sogenannter Holobiont, das heißt: Organismus plus Mikrobiom bilden eine funktionale Einheit.
Ich habe eine Definition von "Substanz" präsentiert, wonach Substanzen nicht einfach irgendwelche konkreten, insbesondere materiellen Objekte sind, sondern simple und fundamentale Konkreta. Pferde sind zwar konkrete, materielle Objekte, aber sie sind weder ontologisch fundamental noch mereologisch simpel, sodass sie nach dieser engeren Definition keine Substanzen sind, sondern bloß "Substantiate" (substantiata, Leibniz), d.i. Substanzaggregate (aggregata substantiarum, Leibniz).
In bestimmten Beziehungen zu anderem zu stehen ist eine Sache, und davon abhängig zu sein, in bestimmten Beziehungen zu anderem zu stehen, ist eine andere Sache.Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Mi 26. Nov 2025, 07:19Solche Relationen finden wir natürlich nicht erst in der Biologie, hier ist ein Beispiel aus der Physik: „Die wahre Botschaft der Quantenmechanik ist genau die, wie sehr das Denken in Beziehungen tatsächlich eine wirkungsvollere Denkweise ist als das Denken in Objekten“ (Carlos Rovelli).
Rovellis physikalische Ontologie ist eine antisubstanzialistische Ontologie mit substratlosen Relationen und Prozessen. Damit "hypostasiert" er Letztere insofern, als er sie zu Substanzen_1 im Sinne von fundamentalen, irreduziblen Entitäten macht. Relationen und Prozesse als Substanzen_1 sind natürlich keine Substanzen_2 im Sinne konkreter (materieller) Objekte, Dinge (Körper), Wesen.
Rovellis Quantenwelt ist eine Welt ohne (prozessualistisch-relationistisch irreduzible) materielle Substanzen_2.
Im Gegensatz zu Rovelli glaube ich nicht an die ontologische Möglichkeit einer prozessual-relationalen Welt ohne irgendwelche Substanzen_2 (die zugleich Substanzen_1 sind):
* Relationen sind von Relata abhängig; und auch wenn Relationen selbst Relata von Relationen höherer Ordnung sein können, muss es grundlegende, letzte Relata geben, die selbst keine Relationen, sondern Objekte oder Substanzen_2 sind.
* Prozesse (sowie Ereignisse und Zustände) sind von Substraten abhängig, die selbst keine Prozesse sind, sondern Objekte oder Substanzen_2.
Es kommt noch schlimmer, denn ich glaube allgemein nicht an die Existenz von Relationen als polyadischen (mehrstelligen) Attributen. (Siehe den Strang Was sind Relationen?!)
Zum Thema "Die wahre [ontologische] Botschaft der Quantenmechanik":"Die Welt ist eine Abfolge granularer Quantenereignisse. Diese sind diskret, granular und individuell; sie sind individuelle Wechselwirkungen eines physikalischen Systems mit einem anderen." (S. 112)
"Die Theorie [Quantenmechanik] beschreibt die Dinge nicht, wie sie sind: Sie beschreibt, wie Dinge geschehen und wie sie miteinander interagieren. Sie beschreibt nicht, wo sich ein Teilchen befindet, sondern wie es sich anderen zeigt. Die Welt der existierenden Dinge reduziert sich auf einen Bereich möglicher Wechselwirkungen. Die Realität reduziert sich auf Wechselwirkung. Die Realität reduziert sich auf Beziehung." (S. 115)
"In der von der Quantenmechanik beschriebenen Welt existiert keine Realität außer in den Beziehungen zwischen physikalischen Systemen. Nicht Dinge treten in Beziehungen, sondern vielmehr begründen Beziehungen den Begriff des ‚Dings‘. Die Welt der Quantenmechanik ist keine Welt der Objekte, sondern eine Welt der Ereignisse. Dinge entstehen durch das Eintreten elementarer Ereignisse: Wie der Philosoph Nelson Goodman in den 1950er Jahren treffend formulierte: ‚Ein Objekt ist ein monotoner Prozess.‘ Ein Stein ist eine Schwingung von Quanten, die ihre Struktur für eine gewisse Zeit beibehält, so wie eine Meereswelle ihre Form für eine gewisse Zeit bewahrt, bevor sie wieder im Meer versinkt.
…
Die Quantenmechanik lehrt uns, die Welt nicht in Begriffen von „Dingen“ zu betrachten, die sich in diesem oder jenem Zustand befinden, sondern in Begriffen von „Prozessen“. Ein Prozess ist der Übergang von einer Wechselwirkung zur nächsten. Die Eigenschaften von „Dingen“ manifestieren sich in einer granularen Weise erst im Moment der Wechselwirkung, also an den Rändern der Prozesse, und sie sind nur in Beziehung zu andere Dinge granular. Sie lassen sich nicht eindeutig, sondern nur probabilistisch vorhersagen." (S. 115–117) [Google Translate]
(Rovelli, Carlo. Reality Is Not What It Seems: The Journey to Quantum Gravity. London: Allen Lane, 2016.)
"Die von Rovelli entwickelte Interpretation der Quantenmechanik, die im Kontext der Quantengravitation Anwendung findet, betont den relationalen Aspekt der Quantenmechanik. Die Theorie liefert Wahrscheinlichkeitsamplituden für Prozesse, wobei ein Prozess das Geschehen zwischen Wechselwirkungen beschreibt. Die Quantentheorie beschreibt somit das Universum anhand der Wechselwirkungen zwischen Systemen. Zustände beschreiben, wie ein System ein anderes beeinflussen kann. Die Quantenmechanik basiert daher auf Relationen zwischen Systemen, die durch eine physikalische Wechselwirkung manifestiert werden." [Google Translate]
(Rovelli, Carlo, and Francesca Vidotto. Covariant Loop Quantum Gravity: An Elementary Introduction to Quantum Gravity and Spinfoam Theory. Cambridge: Cambridge University Press, 2015. p. 52)
"Was sagt uns die Quantenmechanik also über die fundamentale Natur der physikalischen Realität? Im Moment nicht viel. Es gibt verschiedene Ansätze zur Quantenmechanik, von denen jeder – oder keiner – eine akzeptable physikalische Theorie hervorbringen könnte. Manchen Ansätzen zufolge ist die Welt deterministisch, anderen zufolge indeterministisch. Manchen zufolge gibt es Teilchen auf der fundamentalen Ebene, anderen zufolge gibt es nur Wellen (in einem hochdimensionalen Raum). Einer Theorie zufolge verzweigt sich der Inhalt des Universums, einschließlich der Menschen, ständig in mehrere Kopien. Die Frage, welche Theorie richtig ist, ist zum Teil eine Frage empirischer Untersuchungen durch die Experimentalphysik. Zum Teil ist sie aber auch eine Frage theoretischer Untersuchungen, sowohl von Physikern als auch von Philosophen, da unklar ist, welche Phänomene von einer empirisch adäquaten Theorie erfasst werden müssen, und es ist unklar, was die jeweilige Theorie über die Phänomene aussagt. Es ist nicht einmal klar, wie viele verschiedene Theorien es gibt. Inzwischen sollte jede metaphysische Behauptung der Form „Die Quantenmechanik zeigt, dass …“ mit Misstrauen betrachtet werden." [Google Translate]
(Lewis, Peter J. "Metaphysics and Quantum Physics." In The Routledge Companion to Metaphysics, edited by Robin Le Poidevin, Peter Simons, Andrew McGonigal, and Ross P. Cameron, 517-526. Abingdon: Routledge, 2009. p. 525)
"Auf der Grundlage der Quantenmechanik lassen sich nur sehr wenige vorbehaltlose Schlussfolgerungen ziehen: Metaphysische Behauptungen der Form „Die Quantenmechanik zeigt, dass …“ müssen sehr sorgfältig behandelt werden und sind in ihrer allgemeinen Aussage wahrscheinlich falsch. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Nachdenken über die Quantenontologie eine nutzlose Übung ist. Die empirisch fundierte Debatte über ontologische Fragen, die die Quantenmechanik anregt, unterscheidet sich oft deutlich von den üblichen Debatten über diese Fragen, und auch die Bandbreite der Möglichkeiten ist oft unterschiedlich. Auch wenn die Quantenmechanik viele ontologische Fragen nicht klärt, verschiebt sie die Debatte auf interessante und fruchtbare Weise. Darüber hinaus können die metaphysischen Konsequenzen der verschiedenen Interpretationen der Quantenmechanik in manchen Fällen auf die Haltbarkeit dieser Interpretationen zurückwirken. Wenn eine Interpretation kein kohärentes metaphysisches Bild der Welt liefern kann, kann sie nicht als adäquate deskriptive Theorie angesehen werden.
Die Quantenmechanik ist faszinierend und frustrierend. Ihre Phänomene lassen sich erstaunlich schwer in einen kohärenten ontologischen Rahmen einordnen. Die Rahmen, die wir letztendlich erhalten, sind faszinierend revisionistisch, aber auch frustrierend problematisch. Das Beste, was wir sagen können, ist, dass nicht alles in unserem klassischen Weltbild richtig sein kann." [Google Translate]
(Lewis, Peter J. Quantum Ontology: A Guide to the Metaphysics of Quantum Mechanics. New York: Oxford University Press, 2016. p. 182)
Totgesagte leben länger!Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Mi 26. Nov 2025, 07:19@Consul, eine kleine Anmerkung am Rande: Ich kann mir gut vorstellen, dass wir es hier – abgesehen von unseren sonstigen Differenzen bei diesem Begriff – mit einem sprachlichen Problem zu tun haben. Sowohl alltagssprachlich als auch philosophisch sind die deutschen und englischen Begriffe offenbar etwas unterschiedlich konnotiert. In der analytisch-angelsächsischen Tradition, mit der du arbeitest (Armstrong, Heil, Lowe …), scheint „substance” nach deinen Ausführungen weniger metaphysisch aufgeladen zu sein, sondern eher im Sinne von „object” oder „thing that bears properties” verwendet zu werden.
Im Deutschen hingegen trägt „Substanz” in meinen Ohren und nach meinem persönlichen Eindruck eine deutlich stärkere metaphysische Last oder wie immer man es nennen soll. (Bei Aristoteles mag das noch einmal anders klingen …) Für mich ist es ein Begriff, von dem ich dachte, dass er philosophisch längst passé sei. Ich habe noch gut die Verabschiedung von Substanzen aus einem Online-Mitschnitt einer Vorlesung von Sloterdijk im Ohr.
Im Gegensatz zum philosophischen Sprachgebrauch überwiegt im nichtphilosophischen und chemischen Sprachgebrauch die Bedeutung Substanz = Materie/Material (Stoff/Stoffmasse).
Soweit ich sehen kann, spielen semantische Besonderheiten oder Eigentümlichkeiten der jeweiligen Nationalsprachen in der internationalen philosophischen Diskussion über den Substanzbegriff keine Rolle. Dieser ist im Englischen nicht weniger stark oder stärker "metaphysisch aufgeladen" als im Deutschen. Es gibt zwar unterschiedliche ontologische Auslegungen des Substanzbegriffs, aber deren Unterschiedlichkeit ist nicht auf sprachliche Unterschiede zwischen dem Deutschen und dem Englischen (oder einer anderen Sprache) zurückzuführen.
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
Es ist eines zu behaupten, dass Substanzen_2 oder Dinge/Objekte (im engen ontologischen Sinn) gar nicht existieren (= Eliminativismus/Antirealismus); und es ist etwas anderes zu behaupten, dass sie zwar existieren, aber nichts weiter sind als relativ stabile, gleichförmige, "monotone" Prozesse (= konservativer Reduktionismus/reduktiver Realismus).Consul hat geschrieben : ↑Do 27. Nov 2025, 02:18Rovellis physikalische Ontologie ist eine antisubstanzialistische Ontologie mit substratlosen Relationen und Prozessen. Damit "hypostasiert" er Letztere insofern, als er sie zu Substanzen_1 im Sinne von fundamentalen, irreduziblen Entitäten macht. Relationen und Prozesse als Substanzen_1 sind natürlich keine Substanzen_2 im Sinne konkreter (materieller) Objekte, Dinge (Körper), Wesen.
Rovellis Quantenwelt ist eine Welt ohne (prozessualistisch-relationistisch irreduzible) materielle Substanzen_2.
"In der von der Quantenmechanik beschriebenen Welt existiert keine Realität außer in den Beziehungen zwischen physikalischen Systemen. Nicht Dinge treten in Beziehungen, sondern vielmehr begründen Beziehungen den Begriff des ‚Dings‘. Die Welt der Quantenmechanik ist keine Welt der Objekte, sondern eine Welt der Ereignisse. Dinge entstehen durch das Eintreten elementarer Ereignisse: Wie der Philosoph Nelson Goodman in den 1950er Jahren treffend formulierte: ‚Ein Objekt ist ein monotoner Prozess.‘ Ein Stein ist eine Schwingung von Quanten, die ihre Struktur für eine gewisse Zeit beibehält, so wie eine Meereswelle ihre Form für eine gewisse Zeit bewahrt, bevor sie wieder im Meer versinkt. …" (S. 115–117) [Google Translate]
(Rovelli, Carlo. Reality Is Not What It Seems: The Journey to Quantum Gravity. London: Allen Lane, 2016.)
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
Ein Exkurs: Roman Ingarden (1893–1970) hat über das Theme (Un-)Abhängigkeit & (Un)-Selbstständigkeit gründlich nachgedacht. Er unterscheidet acht "existentiale Momente":
"Man sprach oft von der "Seinsabhängigkeit" der realen Welt von dem reinen Bewußtsein. Und da lehrt uns bereits die Geschichte des Problems, daß dieses Wort vieldeutig ist. Im Zusammenhang damit werde ich zunächst vier verschiedene Gegensatzpaare der existentialen Momente unterscheiden, und zwar: 1. Seinsautonomie – Seinsheteronomie, 2. Seinsursprünglichkeit – Seinsabgeleitetheit, 3. Seinsselbständigkeit – Seinsunselbständigkeit und 4. Seinsunabhängigkeit – Seinsabhängigkeit. Die Gegenüberstellung dieser gegensätzlichen existentialen Momente sucht gewisse, in der Geschichte der Philosophie von verschiedener Seite verwendete, aber miteinander vermengte Begriffe scharf auseinanderzuhalten, die einzelnen von ihnen zu klären und – soweit es geht – streng zu fassen."
(Ingarden, Roman. Der Streit um die Existenz der Welt, Bd. 1: Existentialontologie. Tübingen: Niemeyer, 1964. S. 78)
"Seinsautonomie und Seinsheteronomie
Eine Gegenständlichkeit (im Sinne von irgend etwas überhaupt) existiert autonom (ist seinsautonom), wenn sie in sich selbst ihr Seinsfundament hat. Und sie hat es in sich selbst, wenn sie in sich selbst etwas immanent Bestimmtes ist. Eine Gegenständlichkeit ist dagegen seinsheteronom (existiert heteronom), wenn sie ihr Seinsfundament außerhalb ihrer selbst hat."
(Ingarden, Roman. Der Streit um die Existenz der Welt, Bd. 1: Existentialontologie. Tübingen: Niemeyer, 1964. S. 79)
"Diese vollkommene Immanenz der Bestimmtheiten einer Gegenständlichkeit ist die wesentliche Bedingung ihrer Seinsautonomie: die der Gegenständlichkeit vollkommen immanenten Bestimmtheiten bilden eben das ihr eigene Seinsfundament und bauen es auf. Anders gesagt: Die echte, vollkommene Immanenz der Bestimmtheiten verleiht einer Gegenständlichkeit ihre Seinsautonomie. Die letztere ist sozusagen der existentiale Ausdruck dieser Immanenz. Wo diese Immanenz fehlt, da kann die betreffende Gegenständlichkeit nicht seinsautonom sein, und eben damit ist sie seinsheteronom, sofern sie überhaupt existiert."
(Ingarden, Roman. Der Streit um die Existenz der Welt, Bd. 1: Existentialontologie. Tübingen: Niemeyer, 1964. S. 81)
"Seinsursprünglichkeit und Seinsabgeleitetheit
Seinsursprünglich ist eine Gegenständlichkeit, wenn sie ihrem Wesen nach durch keine andere Gegenständlichkeit geschaffen werden kann. Dagegen ist eine Gegenständlichkeit seinsabgeleitet, wenn sie so geschaffen werden kann. Wenn eine seinsursprüngliche Gegenständlichkeit überhaupt existiert, so nur deswegen, weil sie es, ihrem Wesen nach, gar nicht vermag, nicht zu existieren, – falls es ein derartiges Wesen, und genauer: eine derartige ihre Natur bestimmende ideale Washeit überhaupt, gibt (worüber hier nicht entschieden wird). Aber wenn es so ist, dann zwingt ihr eigenes Wesen sie zur Existenz, sie enthält also gewissermaßen die Quelle ihres Seins in sich selbst. Daraus folgt, daß, wenn eine seinsursprüngliche Gegenständlichkeit existiert, sie auch durch keinen anderen Gegenstand vernichtet werden kann, d. h. daß sie seinsmäßig dauerhaft ist. Wenn dagegen eine Gegenständlichkeit seinsabgeleitet ist, so liegt es auch in ihrem Wesen, daß sie nur dank dem Geschaffensein durch einen anderen Gegenstand existieren kann bzw. existiert. Dies ist die absolute, unbedingte Seinsabgeleitetheit einer Gegenständlichkeit; sie ist von der zufälligen, empirischen Seinsabgeleitetheit zu unterscheiden. Die Verneinung der Seinsabgeleitetheit kann entweder die relative Nichtabgeleitetheit eines Gegenstandes von einem bestimmten anderen Gegenstande Χ – oder aber die Seinsursprünglichkeit bedeuten. Aus der ersten jedoch folgt die zweite noch nicht.
Eine seinsursprüngliche Gegenständlichkeit muß evidentermaßen zugleich seinsautonom sein, aber nicht umgekehrt. Eine seinsabgeleitete Gegenständlichkeit dagegen kann entweder seinsautonom oder seinsheteronom sein. Natürlich muß das Schaffen, aus dem eine seinsautonome Gegenständlichkeit hervorgeht, von dem Schaffen einer seinsheteronomen und insbesondere rein intentionalen Gegenständlichkeit durchaus verschieden sein."
(Ingarden, Roman. Der Streit um die Existenz der Welt, Bd. 1: Existentialontologie. Tübingen: Niemeyer, 1964. S. 87-8)
"Der seinsabgeleiteten Gegenständlichkeit dagegen fehlt jene absolute, selbsteigene Position, jenes "In-sich-selbst-gegründet-Sein". Sie kann zwar seinsautonom sein, nachdem sie einmal geschaffen worden ist, sie kann also mit anderen Worten durch die schon besprochene Immanenz ihrer Bestimmungen ausgezeichnet sein, aber ihr Sein – als das einer seinsabgeleiteten Gegenständlichkeit – hat trotzdem seinen Ursprung in einer anderen Gegenständlichkeit; die bloße Immanenz der qualitativen, materialen Bestimmungen reicht für die Seinsursprünglichkeit des Gegenstandes noch nicht aus. Bei einer seinsabgeleiteten Gegenständlichkeit ist nämlich nicht nur ihr materiales Wesen derartig, daß es ihr Sein gar nicht erfordert und somit nur ihr abgeleitetes Sein möglich macht, sondern es liegt in ihrer Seinsart selbst, daß – wenn sie existiert – sie nur als eine „geschaffene", in einer anderen Gegenständlichkeit ihren Seinsursprung habende, existieren kann. Es kennzeichnet sie zugleich nicht nur eine relative, von außen her stammende Position, sondern auch eine Unvollkommenheit des Seins. Auf seinsabgeleitete Weise zu sein, heißt soviel wie: lediglich als Geschaffenes zu existieren, d.h. dazu verurteilt zu sein, in einem anderen die Quelle seines Entstehens zu haben, und zwar gerade deswegen, weil man jener "In-sich-selbst-Gegründetheit" in sich entbehrt, die für den seinsursprünglichen Gegenstand kennzeichnend ist. Die Seinsunvollkommenheit macht sich zugleich in etwas anderem bemerkbar, und zwar in einer eigentümlichen Gebrechlichkeit, Sprödigkeit des Seins: kein seinsabgeleiteter Gegenstand muß seinem materialen Wesen nach existieren, aber auch wenn er schon aus irgendeinem Grunde entstanden ist und existiert, kann er immer aufhören zu existieren, denn sein eigenes materiales Wesen erhält ihn nicht – wenn man so sagen darf – im Sein. Einmal erschaffen, existiert er – wenn er überhaupt noch weiter existiert – nur dank der Trägheit des Seins. Aber auch diese Trägheit des Seins folgt weder aus seiner Seinsabgeleitetheit noch aus der materialen Bestimmung seines Wesens, sondern lediglich aus der Immanenz seiner Bestimmungen, falls dieselbe ihn zugleich auszeichnet, also aus seiner eventuell vorhandenen Seinsautonomie. Wie ich aber bereits bemerkt habe, muß nicht jeder seinsabgeleitete Gegenstand zugleich seinsautonom sein (bzw. ist zugleich). Er kann auch seinsheteronom sein. Dann liegt nicht nur die Quelle seines Seins, sondern auch das Fundament seiner Existenz in einem anderen Gegenstande. Infolgedessen existiert ein seinsabgeleiteter und seinsheteronomer Gegenstand nach seinem Entstandensein nur insofern, als jener ihn erschaffende Gegenstand oder irgendein anderer Gegenstand ihn im Sein erhält."
(Ingarden, Roman. Der Streit um die Existenz der Welt, Bd. 1: Existentialontologie. Tübingen: Niemeyer, 1964. S. 113-4)
"Als Ergebnis dieser gewiß nur einleitenden Erwägungen können folgende Behauptungen aufgestellt werden:
1. Der Gegensatz zwischen der Seinsursprünglichkeit und der Seinsabgeleitetheit ist mit dem Gegensatz zwischen der Seinsautonomie und der Seinsheteronomie nicht identisch.
2. Seinsheteronomie schließt Seinsursprünglichkeit aus.
3. Seinsautonomie läßt sowohl Seinsursprünglichkeit als Seinsabgeleitetheit zu.
4. Seinsursprünglichkeit einer Gegenständlichkeit fordert notwendig die Seinsautonomie derselben."
(Ingarden, Roman. Der Streit um die Existenz der Welt, Bd. 1: Existentialontologie. Tübingen: Niemeyer, 1964. S. 114-5)
"Seinsselbständigkeit und Seinsunselbständigkeit
Seinsselbständig ist eine Gegenständlichkeit, wenn sie ihrem Wesen nach zu ihrem Sein das Sein gar keiner anderen Gegenständlichkeit erfordert, welche mit ihr innerhalb der Einheit eines Ganzen zusammen sein müßte, oder mit anderen Worten, wenn ihr Sein kein notwendiges Zusammensein mit einer anderen Gegenständlichkeit innerhalb der Einheit eines Ganzen ist. Seinsunselbständig dagegen ist eine Gegenständlichkeit, wenn ihr Sein ein aus ihrem Wesen fließendes notwendiges Zusammensein mit einer anderen Gegenständlichkeit (die gegebenenfalls in ihrem materialen Wesen ganz besonders bestimmt sein muß) in der Einheit eines Ganzen ist."
(Ingarden, Roman. Der Streit um die Existenz der Welt, Bd. 1: Existentialontologie. Tübingen: Niemeyer, 1964. S. 115)
"Im ganzen sind also zu unterscheiden:
A1. Seinsunselbständigkeiten höherer und niedrigerer Stufe,
A2. eindeutig – vieldeutig – absolut relative Seinsunselbständigkeit,
A3. materiale – formale Seinsunselbständigkeit,
A4. einseitige – gegenseitige Seinsunselbständigkeit und
A5. echte Seinsunselbständigkeit – bloß tatsächliches Zusammensein
in der Einheit eines Ganzen.
Β. All dem ist die Seinsselbständigkeit in dem oben festgelegten absoluten Sinne gegenüberzustellen.
Werden die verschiedenen Seinsunselbständigkeiten nicht sorgsam unterschieden, so setzt man sich dadurch sehr leicht der Gefahr aus, grobe Fehler zu begehen, da - wie gesagt – die Leugnung der Seinsunselbständigkeit eines bestimmten M der Behauptung, daß dieses M seinsselbständig sei, nicht äquivalent ist. Diese Äquivalenz würde nur dann gelten, wenn dieses M in keinem der unterschiedenen Sinne seinsunselbständig wäre. Aber dies ist gar nicht notwendig. Eine bestimmte Gegenständlichkeit kann in einem Sinne nicht seinsunselbständig sein, während sie es doch in einem anderen Sinne ist."
(Ingarden, Roman. Der Streit um die Existenz der Welt, Bd. 1: Existentialontologie. Tübingen: Niemeyer, 1964. S. 120)
"Seinsabhängigkeit und Seinsunabhängigkeit
Innerhalb der seinsselbständigen Gegenständlichkeiten ist noch ein weiterer bedeutsamer existentialer Unterschied zu beachten. Es ist nämlich möglich, daß eine Gegenständlichkeit seinsselbständig ist und trotzdem zu ihrem Fortbestehen die Existenz einer anderen seinsselbständigen Gegenständlichkeit wesensmäßig erfordert. Wir nennen sie dann seinsabhängig. Dabei kann diese zweite erforderte Gegenständlichkeit entweder ein ganz bestimmtes materiales Wesen haben oder aber in dieser Hinsicht ganz beliebig sein. Auch der Fall einer gegenseitigen Seinsabhängigkeit von zwei oder mehreren Gegenständlichkeiten ist möglich. Immer aber bilden zwei Gegenständlichkeiten, von denen entweder die eine von der anderen oder beide voneinander seinsabhängig sind, zwei gegenseitig abgeschlossene Ganzheiten. Die Seinsabhängigkeit ist also von der Seinsunselbständigkeit deutlich verschieden. Wenn dagegen eine seinsselbständige Gegenständlichkeit zu ihrer Existenz die Existenz keiner anderen seinsselbständigen (und somit überhaupt keiner anderen) Gegen-[122] ständlichkeit wesensmäßig erfordert, so ist sie im absoluten Sinne seinsunabhängig. Absolute Seinsunabhängigkeit ist also existential sozusagen etwas mehr als Seinsselbständigkeit."
(Ingarden, Roman. Der Streit um die Existenz der Welt, Bd. 1: Existentialontologie. Tübingen: Niemeyer, 1964. S. 121-2)
"Absolutes Sein – relatives Sein
Man hat seit jeher vom "absoluten Sein" gesprochen und es dem "relativen" Sein gegenübergestellt. Man hat es freilich immer im metaphysischen Sinne getan und die tatsächliche Existenz des absolut Seienden entweder behauptet oder geleugnet. Dabei waren die Begriffe des absoluten bzw. relativen Seins nie geklärt und festgelegt. Auf Grund unserer Unterscheidungen der verschiedenen existentialen Momente sind wir in der Lage – allerdings nur im ontologischen Sinne –, diese beiden Begriffe streng zu bestimmen. Ist nämlich eine Gegenständlichkeit zugleich seinsautonom, -ursprünglich, -selbständig und -unabhängig, so sagen wir, daß sie eine absolut seiende ist. Wenn dagegen eine Gegenständlichkeit in ihrer Seinsweise mindestens einen Gegensatz der eben aufgezählten existentialen Momente aufweist, so ist ihr Sein relativ. Natürlich differenziert sich der Begriff der Seinsrelativität je nach dem, welche "negativen" existentialen Momente in der betreffenden "relativen" Seinsweise zugleich vorkommen. Bei Aufstellung der verschiedenen Begriffe des "relativen" Seins müssen natürlich die verschiedenen Ausschlußgesetze der existentialen Momente streng beachtet werden. Es schließen sich nämlich aus:
1. Seinsautonomie und Seinsheteronomie,
2. Seinsursprünglichkeit und Seinsabgeleitetheit,
3. Seinsselbständigkeit und Seinsunselbständigkeit,
4. Seinsunabhängigkeit und Seinsabhängigkeit,
5. Seinsursprünglichkeit und Seinsheteronomie,
6. Seinsunabhängigkeit im absoluten Sinne und Seinsunselbständigkeit,
7. Seinsunselbständigkeit und Seinsabhängigkeit,
8. Seinsheteronomie und Seinsunabhängigkeit im absoluten Sinne.
Trotzdem ist die Anzahl der möglichen Begriffe des "relativen" Seins verhältnismäßig groß, besonders wenn man noch beachtet, daß es verschiedene Seinsunselbständigkeiten und Seinsabhängigkeiten gibt. Es ist somit kein Wunder, daß es in den verschiedenen historisch vorliegenden Betrachtungen, welche mit einem ungeklärten Begriff des "relativen Seins" operiert haben, immer wieder zu verschiedenen Begriffvermengungen und den daraus sich ergebenden Schwierigkeiten,
unlösbaren Problemen usw. kam.
Sieht man von den besonderen Komplikationen ab, welche sich aus der Berücksichtigung der verschiedenen Seinsunselbständigkeiten und Seinsabhängigkeiten ergeben, so erhalten wir auf Grund der von uns durchgeführten Unterscheidung der existentialen Momente im ganzen acht zulässige Seinsbegriffe:
A. Absolutes Sein
I. Autonomie – Ursprünglichkeit – Selbständigkeit – Unabhängigkeit
B. Relatives Sein
II. Autonomie – Abgeleitetheit – Selbständigkeit – Unabhängigkeit
III. Autonomie – Ursprünglichkeit – Unselbständigkeit
IV. Autonomie – Ursprünglichkeit – Selbständigkeit – Abhängigkeit
V. Autonomie – Abgeleitetheit – Selbständigkeit – Abhängigkeit
VI. Autonomie – Abgeleitetheit – Unselbständigkeit
VII. Heteronomie – Abgeleitetheit – Selbständigkeit – Abhängigkeit
VIII. Heteronomie – Abgeleitetheit – Unselbständigkeit
Andere Kombinationen der hier berücksichtigten existentialen Momente sind widerspruchsvoll und sind als solche hier übergangen worden."
(Ingarden, Roman. Der Streit um die Existenz der Welt, Bd. 1: Existentialontologie. Tübingen: Niemeyer, 1964. S. 123-5)
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
Ohne Meere gibt es keine Meereswellen. Wellen gibt es nur dort, wo sich ein Ding oder Stoff wellt.Consul hat geschrieben : ↑Do 27. Nov 2025, 02:18"…Die Welt der Quantenmechanik ist keine Welt der Objekte, sondern eine Welt der Ereignisse. Dinge entstehen durch das Eintreten elementarer Ereignisse: Wie der Philosoph Nelson Goodman in den 1950er Jahren treffend formulierte: ‚Ein Objekt ist ein monotoner Prozess.‘ Ein Stein ist eine Schwingung von Quanten, die ihre Struktur für eine gewisse Zeit beibehält, so wie eine Meereswelle ihre Form für eine gewisse Zeit bewahrt, bevor sie wieder im Meer versinkt.…" (S. 115–117) [Google Translate]
(Rovelli, Carlo. Reality Is Not What It Seems: The Journey to Quantum Gravity. London: Allen Lane, 2016.)
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
Ehrlich gesagt, bei Rovellis (quanten)physikalischer Ontologie blicke ich nicht ganz durch; und wenn er beispielsweise schreibt, "die Zeit entsteht aus den Prozessen" eines Quantenfeldes, dann erscheint mir das widersprüchlich, weil alle Vorgänge oder Ereignisse an sich zeitliche, zeitabhängige, in der Zeit ablaufende Entitäten sind, deren Existenz oder "Okkurrenz" folglich die Existenz von Zeit voraussetzt. Die Rede von zeitlosen oder vorzeitlichen Prozessen, die die Zeit hervorbringen, ergibt keinen Sinn. Quantenfelder sind für Rovelli prozessuale und damit dynamische Entitäten, Entitäten "in action & motion", sodass sie bereits eine zeitliche Dimension haben müssen und diese nicht aus einem un-/vorzeitlichen Zustand heraus erschaffen können."Woraus besteht die Welt?
Der Hintergrund des Raumes ist verschwunden, die Zeit ist verschwunden, die klassischen Teilchen sind verschwunden, zusammen mit den klassischen Feldern. Woraus besteht die Welt also?
Die Antwort ist nun einfach: Die Teilchen sind Quanten von Quantenfeldern; Licht wird aus Quanten eines Feldes gebildet; der Raum ist nichts anderes als ein Feld, das ebenfalls aus Quanten besteht; und die Zeit entsteht aus den Prozessen desselben Feldes. Mit anderen Worten: Die Welt besteht vollständig aus Quantenfeldern.
Diese Felder existieren nicht in der Raumzeit; sie existieren sozusagen übereinander: Felder auf Feldern. Der Raum und die Zeit, die wir im Großen wahrnehmen, sind unser verschwommenes und annäherndes Abbild eines dieser Quantenfelder: des Gravitationsfeldes.
Felder, die auf sich selbst existieren, ohne dass die Raumzeit als Substrat oder Stütze dient, und die selbst die Raumzeit erzeugen können, werden als „kovariante Quantenfelder“ bezeichnet. Die Substanz, aus der die Welt besteht, wurde in den letzten Jahren radikal vereinfacht. Die Welt, Teilchen, Licht, Energie, Raum und Zeit – all dies ist nichts anderes als die Manifestation eines einzigen Typs von Entität: kovariante Quantenfelder.
Kovariante Quantenfelder sind heute die beste Beschreibung, die wir für das Apeiron haben, die Ursubstanz, aus der alles besteht, welche von dem Mann postuliert wurde, den man vielleicht als ersten Wissenschaftler und ersten Philosophen bezeichnen könnte: Anaximander." [Google Translate]
(Rovelli, Carlo. Reality Is Not What It Seems: The Journey to Quantum Gravity. London: Allen Lane, 2016. pp. 167-8)
Was genau sind Quanten und Quantenfelder aus ontologischer Sicht? Zu welcher ontologischen Kategorie gehören sie? – Darüber sind sich die Gelehrten nicht einig. Sie dazu diesen älteren Beitrag von mir!
Zur Erinnerung: Das Wort "Substanz" hat unterschiedliche Bedeutungen:
1. Substanz = fundamentale Entität – Rovellis Quantenfelder sind Substanzen in diesem Sinn.
2. Substanz = Materie – Rovelli nennt Quantenfelder "die Ursubstanz, aus der alles besteht", was einer Gleichsetzung mit der Urmaterie, dem Urstoff gleichkommt.
3. Substanz = materielles Objekt (Körper) – Quanten und Quantenfelder sind für Rovelli keine körperlichen Dinge oder Körpersubstanzen.
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Der Text enthält keine Beispiele. Ohne Beispiele kann ich mit all dem gar nichts anfangen. Beispiele! Wir brauchen Beispiele!"Man sprach oft von [...]
(Ingarden, Roman. Der Streit um die Existenz der Welt, Bd. 1: Existentialontologie. Tübingen: Niemeyer, 1964. S. 123-5)
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Dazu drei zusammenhängende Anmerkungen:Consul hat geschrieben : ↑Do 27. Nov 2025, 05:30Ohne Meere gibt es keine Meereswellen. Wellen gibt es nur dort, wo sich ein Ding oder Stoff wellt.Consul hat geschrieben : ↑Do 27. Nov 2025, 02:18"…Die Welt der Quantenmechanik ist keine Welt der Objekte, sondern eine Welt der Ereignisse. Dinge entstehen durch das Eintreten elementarer Ereignisse: Wie der Philosoph Nelson Goodman in den 1950er Jahren treffend formulierte: ‚Ein Objekt ist ein monotoner Prozess.‘ Ein Stein ist eine Schwingung von Quanten, die ihre Struktur für eine gewisse Zeit beibehält, so wie eine Meereswelle ihre Form für eine gewisse Zeit bewahrt, bevor sie wieder im Meer versinkt.…" (S. 115–117) [Google Translate]
(Rovelli, Carlo. Reality Is Not What It Seems: The Journey to Quantum Gravity. London: Allen Lane, 2016.)
- Das Beispiel von Rovelli mit den Meereswellen hatte allerdings einen anderen Fokus als es deine Antwort nahelegt: Es sollte zeigen, dass auch stabile Objekte wie Steine zugleich als Prozesse zu sehen sind – ein zeitweise stabiles Muster, das für eine Weile besteht und wieder zerfällt. Wie eine Welle, die ihre Form behält und vergeht, aber nicht als isoliertes 'Ding' existiert.
- Im Sinne des Beispiels sind übrigens auch Meere Wellen – nur auf einer anderen Zeitskala. Auch Meere entstehen, bestehen, vergehen - und: sie existieren in komplexen, systemischen Zusammenhängen.
- Mit dem (sinnvollen) Fokus auf Prozesse sollte aber mein zentraler Punkt nicht aus dem Blick geraten: Was es gibt, existiert immer in Zusammenhängen, die nicht irgendwie logisch oder kausal "nachträglich" sind. Relationen sind konstitutiv, nicht akzidentell. Was es gibt, gibt es in Bereichen/Feldern/Ordnungen. Und dabei handelt es sich um eine unaufhebbare Relation: Die Bereiche sind nicht ohne die Gegenstände "in" ihnen möglich und umgekehrt. Und genau in diesem Sinne gibt es meiner Ansicht nach keine Substanzen. Der Fokus auf Substanzen unterschlägt die konstitutive Einbettung in Bereiche.
Für den folgenden Text wurde die KI (notebookLM) mit einem Text aus dem "Neuen Handbuch philosophischer Grundbegriffe" trainiert.
1. Einleitung: Die zentrale Rolle des Substanzbegriffs in der Metaphysik
Der Begriff der Substanz stellt eines der zentralen Fundamente der westlichen Metaphysik dar. Als Versuch, die grundlegenden Bausteine der Wirklichkeit zu identifizieren und zu beschreiben, hat das Projekt der Substanz-Metaphysik das philosophische Denken über Jahrhunderte geprägt und bestimmt. Dieser Bericht zeichnet die Entwicklung dieses Konzepts nach, basierend auf dem zugrundeliegenden Fachtext. Er beleuchtet die aristotelischen Wurzeln, die das begriffliche Feld absteckten, analysiert die tiefgreifende Transformation durch die neuzeitliche Philosophie und erörtert die fundamentalen Kritiken, die das gesamte Projekt infrage stellten. Abschließend wird die Frage nach der heutigen Relevanz und einer möglichen Neubewertung der ursprünglichen Konzeption aufgeworfen. Um diesen komplexen Weg zu verstehen, muss die Untersuchung bei ihrem Ursprung beginnen: der Philosophie des Aristoteles.
2. Das Fundament: Die aristotelische Substanzontologie
Die Substanzlehre des Aristoteles ist mehr als nur ein historischer Ausgangspunkt; sie ist das Fundament, auf dem die nachfolgende metaphysische Diskussion aufbaut. Ihr grundlegender Charakter ergibt sich daraus, dass die Kategorie der Substanz die Grundlage für alle anderen, unselbstständigen Kategorien wie Qualität oder Quantität bildet. Sein differenzierter Ansatz zur Analyse des Seienden lieferte somit den begrifflichen Rahmen, der das Verständnis von Wirklichkeit, Kausalität und Identität für mehr als zwei Jahrtausende formte.
2.1. Die Definition der Substanz (Ousia) als Grundbaustein der Wirklichkeit
Aristoteles definiert die Substanz (ousia) als den primären Baustein der Realität. Im Zentrum seiner Analyse steht die Unterscheidung zwischen ersten Substanzen und zweiten Substanzen.
2.2. Die hylomorphe Struktur: Materie (Hyle) und Form (Morphe)
Nach Aristoteles ist jede individuelle Substanz eine untrennbare Einheit aus zwei Prinzipien: Materie (hylē) und Form (eidos oder morphē). Dieses Konzept wird als Hylomorphismus bezeichnet.
2.3. Die Dynamik von Wirklichkeit (Energeia) und Möglichkeit (Dynamis)
Die Unterscheidung von Form und Materie ist eng mit den Konzepten von Wirklichkeit (energeia) und Möglichkeit (dynamis) verknüpft.
3. Die neuzeitliche Wende: Descartes' dualistische Metaphysik
Mit dem Beginn der Neuzeit vollzog sich ein Paradigmenwechsel: Der Fokus verschob sich von ontologischen Fragen hin zu erkenntnistheoretischen. René Descartes prägte dieses neue Denken maßgeblich durch seinen methodischen Zweifel.
3.1. Die Neudefinition der Substanz: Res Cogitans und Res Extensa
Descartes definiert Substanz neu als etwas, das zu seiner Existenz nichts anderes bedarf. Er unterscheidet zwei Arten geschaffener Substanzen:
3.2. Die Konsequenzen des Dualismus: Das Leib-Seele-Problem
Die Trennung von Geist und Körper führt zum bis heute ungelösten Leib-Seele-Problem: Wie interagieren zwei völlig verschiedene Substanzen miteinander? Die Schwierigkeiten dieser Annahme zwangen spätere Denker wie Locke und Kant zu grundlegender Kritik.
4. Kritische Einwände gegen das Projekt der Substanz-Metaphysik
Die Kritik am Substanzbegriff wurde zu einem Treiber der modernen Philosophie. Drei zentrale Einwände dominieren:
5. Fazit: Haben wir Aristoteles zu früh verabschiedet?
Der Weg des Substanzbegriffs führt von Aristoteles’ reichhaltiger Ontologie über Descartes’ Dualismus hin zur erkenntnistheoretischen Auflösung bei Kant. Die daraus resultierenden Probleme, insbesondere das Leib-Seele-Problem, prägen die Philosophie bis heute.
Der Autor stellt die Frage, ob die Verabschiedung des aristotelischen Modells vorschnell war. Das hylomorphe Konzept könnte eine alternative Deutung der Wirklichkeit bieten, die die Einheit von Form und Materie wahrt und dualistische Aporien vermeidet.
Die Frage nach der angemessenen Beschreibung der Wirklichkeit bleibt offen – und damit auch die Relevanz aristotelischer Ontologie für das heutige Denken.
1. Einleitung: Die zentrale Rolle des Substanzbegriffs in der Metaphysik
Der Begriff der Substanz stellt eines der zentralen Fundamente der westlichen Metaphysik dar. Als Versuch, die grundlegenden Bausteine der Wirklichkeit zu identifizieren und zu beschreiben, hat das Projekt der Substanz-Metaphysik das philosophische Denken über Jahrhunderte geprägt und bestimmt. Dieser Bericht zeichnet die Entwicklung dieses Konzepts nach, basierend auf dem zugrundeliegenden Fachtext. Er beleuchtet die aristotelischen Wurzeln, die das begriffliche Feld absteckten, analysiert die tiefgreifende Transformation durch die neuzeitliche Philosophie und erörtert die fundamentalen Kritiken, die das gesamte Projekt infrage stellten. Abschließend wird die Frage nach der heutigen Relevanz und einer möglichen Neubewertung der ursprünglichen Konzeption aufgeworfen. Um diesen komplexen Weg zu verstehen, muss die Untersuchung bei ihrem Ursprung beginnen: der Philosophie des Aristoteles.
2. Das Fundament: Die aristotelische Substanzontologie
Die Substanzlehre des Aristoteles ist mehr als nur ein historischer Ausgangspunkt; sie ist das Fundament, auf dem die nachfolgende metaphysische Diskussion aufbaut. Ihr grundlegender Charakter ergibt sich daraus, dass die Kategorie der Substanz die Grundlage für alle anderen, unselbstständigen Kategorien wie Qualität oder Quantität bildet. Sein differenzierter Ansatz zur Analyse des Seienden lieferte somit den begrifflichen Rahmen, der das Verständnis von Wirklichkeit, Kausalität und Identität für mehr als zwei Jahrtausende formte.
2.1. Die Definition der Substanz (Ousia) als Grundbaustein der Wirklichkeit
Aristoteles definiert die Substanz (ousia) als den primären Baustein der Realität. Im Zentrum seiner Analyse steht die Unterscheidung zwischen ersten Substanzen und zweiten Substanzen.
- Erste Substanzen sind die einzelnen, konkreten Dinge – beispielsweise ein bestimmter Mensch wie Sokrates oder ein bestimmtes Pferd. Sie sind das eigentlich Seiende, denn sie existieren für sich und sind Träger von Eigenschaften. Charakteristisch für sie ist, dass sie weder von einem Zugrundeliegenden ausgesagt werden noch in einem Zugrundeliegenden sind.
- Zweite Substanzen sind die Gattungen und Arten, unter die die ersten Substanzen fallen, wie zum Beispiel „Mensch“ oder „Lebewesen“. Sie werden zwar von den ersten Substanzen ausgesagt, existieren aber nicht eigenständig, sondern nur in den konkreten Einzeldingen.
2.2. Die hylomorphe Struktur: Materie (Hyle) und Form (Morphe)
Nach Aristoteles ist jede individuelle Substanz eine untrennbare Einheit aus zwei Prinzipien: Materie (hylē) und Form (eidos oder morphē). Dieses Konzept wird als Hylomorphismus bezeichnet.
- Die Materie ist das, woraus ein Ding besteht. Sie ist das passive Substrat und das Prinzip der Individuation.
- Die Form ist das bestimmende Prinzip, das der Materie Gestalt, Struktur und Funktion verleiht.
2.3. Die Dynamik von Wirklichkeit (Energeia) und Möglichkeit (Dynamis)
Die Unterscheidung von Form und Materie ist eng mit den Konzepten von Wirklichkeit (energeia) und Möglichkeit (dynamis) verknüpft.
- Die Materie repräsentiert die Möglichkeit.
- Die Form repräsentiert die Wirklichkeit.
3. Die neuzeitliche Wende: Descartes' dualistische Metaphysik
Mit dem Beginn der Neuzeit vollzog sich ein Paradigmenwechsel: Der Fokus verschob sich von ontologischen Fragen hin zu erkenntnistheoretischen. René Descartes prägte dieses neue Denken maßgeblich durch seinen methodischen Zweifel.
3.1. Die Neudefinition der Substanz: Res Cogitans und Res Extensa
Descartes definiert Substanz neu als etwas, das zu seiner Existenz nichts anderes bedarf. Er unterscheidet zwei Arten geschaffener Substanzen:
- Res Cogitans: die denkende Substanz, deren wesentliches Attribut das Denken ist.
- Res Extensa: die ausgedehnte Substanz, deren wesentliches Attribut räumliche Ausdehnung ist.
3.2. Die Konsequenzen des Dualismus: Das Leib-Seele-Problem
Die Trennung von Geist und Körper führt zum bis heute ungelösten Leib-Seele-Problem: Wie interagieren zwei völlig verschiedene Substanzen miteinander? Die Schwierigkeiten dieser Annahme zwangen spätere Denker wie Locke und Kant zu grundlegender Kritik.
4. Kritische Einwände gegen das Projekt der Substanz-Metaphysik
Die Kritik am Substanzbegriff wurde zu einem Treiber der modernen Philosophie. Drei zentrale Einwände dominieren:
- Das Problem des unerkennbaren Substrats
Locke argumentiert, dass wir nur Eigenschaften wahrnehmen, nicht aber die dahinterliegende Substanz. Sie bleibt ein „Etwas, ich weiß nicht was“. - Die Aporien des Dualismus
Der kartesische Dualismus macht die Interaktion zwischen Geist und Materie unerklärlich. - Die kantische Wende
Für Kant ist „Substanz“ keine Eigenschaft der Welt an sich, sondern eine Kategorie unseres Verstandes, eine Bedingung der Möglichkeit von Erfahrung.
5. Fazit: Haben wir Aristoteles zu früh verabschiedet?
Der Weg des Substanzbegriffs führt von Aristoteles’ reichhaltiger Ontologie über Descartes’ Dualismus hin zur erkenntnistheoretischen Auflösung bei Kant. Die daraus resultierenden Probleme, insbesondere das Leib-Seele-Problem, prägen die Philosophie bis heute.
Der Autor stellt die Frage, ob die Verabschiedung des aristotelischen Modells vorschnell war. Das hylomorphe Konzept könnte eine alternative Deutung der Wirklichkeit bieten, die die Einheit von Form und Materie wahrt und dualistische Aporien vermeidet.
Die Frage nach der angemessenen Beschreibung der Wirklichkeit bleibt offen – und damit auch die Relevanz aristotelischer Ontologie für das heutige Denken.
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Timberlake
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Damit @Consul dem entsprechen kann, greife ich daraus einmal folgendes Zitat heraus ..Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Do 27. Nov 2025, 08:11Der Text enthält keine Beispiele. Ohne Beispiele kann ich mit all dem gar nichts anfangen. Beispiele! Wir brauchen Beispiele!"Man sprach oft von [...]
(Ingarden, Roman. Der Streit um die Existenz der Welt, Bd. 1: Existentialontologie. Tübingen: Niemeyer, 1964. S. 123-5)
So würde ich von ihm doch schon sehr gerne wissen, was nach seiner Ansicht eine solche seinsursprüngliche Gegenständlichkeit bzw. eine seinsabgeleitete Gegenständlichkeit ist.Eine seinsursprüngliche Gegenständlichkeit muß evidentermaßen zugleich seinsautonom sein, aber nicht umgekehrt. Eine seinsabgeleitete Gegenständlichkeit dagegen kann entweder seinsautonom oder seinsheteronom sein.
(Ingarden, Roman. Der Streit um die Existenz der Welt, Bd. 1: Existentialontologie. Tübingen: Niemeyer, 1964. S. 87-8)
Bezugnehmend darauf, könnte ich mir unter eine seinsursprüngliche Gegenständlichkeit zum Beispiel die Elementarteilchen vorstellen und unter eine seinsabgeleitete Gegenständlichkeit zum Beispiel Pferde. In dem für ihn einzelnen Atome und Elementarteilchen, aus denen Pferde bestehen, "substanzieller" = ontisch fundamentaler sind, als Pferde, was wäre da nicht naheliegender, das Fundamentale, mit jeweils jener Gegenständlichkeit zu verknüpfen?Consul hat geschrieben : ↑Mi 26. Nov 2025, 22:45Wenn "Substanz" nicht im besonderen Sinn zur Bezeichnung einer bestimmten ontologischen Kategorie (wie individuelles konkretes Objekt) verwendet wird, sondern im allgemeinen Sinn zur Auszeichnung einer bestimmten Kategorie von Entitäten als Fundamentalentitäten (Fundamenten/Elementen/Prinzipien des Seins), dann sind Pferde gewiss keine Substanzen. Die einzelnen Atome und Elementarteilchen, aus denen Pferde bestehen, sind "substanzieller" = ontisch fundamentaler als Pferde. Wenn die räumlichen Abstände zwischen allen Atomen eines Pferdes plötzlich wundersamerweise auf mehrere Kilometer anwüchsen, dann wäre da immer noch dieselbe Menge von Atomen, aber nicht mehr ein Pferd.Timberlake hat geschrieben : ↑Di 25. Nov 2025, 19:44Dieser Aspekt einer Substanz-Ontologie scheint mir allerdings eines zu unterschlagen, und zwar, um dazu auf deine Beispiele zurückzukommen, dass man sich sehr wohl die Elemente ohne einen "Zusammenhang" mit Pferde, aber ganz sicher nicht Pferde ohne einen "Zusammenhang" mit Elementen vorstellen kann. Von daher ich also die Elemente für substanzieller halten würde, als Pferde.
Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Di 18. Nov 2025, 21:15
- Substanzen sind das, was unabhängig von allem anderen für sich allein existieren könnte.
- Nichts kann unabhängig von allem anderen für sich allein existieren.
- Also gibt es keine Substanzen.
Prämisse 1: Substanzen sind das, was unabhängig von allem anderen für sich allein existieren könnte.
Prämisse 2: Nichts kann unabhängig von allem anderen für sich allein existieren
Schlussfolgerung :Also gibt es keine Substanzen
Wie ich übrigens der Meinung bin, damit diesen Syllogismus widerlegt zu haben.
Eine Verknüpfung , die zugleich nochmal meine Meinung, "damit" diesen Syllogismus widerlegt zu haben, bestätigen dürfte.
Vorausgesetzt natürlich, dass die räumlichen Abstände zwischen allen Atomen eines Pferdes nicht plötzlich wundersamerweise auf mehrere Kilometer anwachsen. Kann doch die seinsabgeleitete Gegenständlichkeit eines Pferdes nur solange seinsautonom oder seinsheteronom sein, wie dass sich die räumlichen Abstände zwischen allen Atomen nicht verändern. Gleichwohl zugleich ein solches wundersamerweise Anwachsen der Abstände, an der seinsursprünglichen Gegenständlichkeit der Atome, weil evidentermaßen zugleich seinsautonom sein müssend , rein garnichts ändert. Um an dieser Stelle zu demonstrieren, wie man nicht nur bloß Beispiele erwähnt, sondern mit ihnen zudem auch arbeitet.