Metaphysik und Ontologie

Aspekte metaphysischer Systementwürfe und der Ontologie als einer Grunddisziplin der theoretischen Philosophie können hier diskutiert werden.
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Consul
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Mi 29. Okt 2025, 18:04

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mi 29. Okt 2025, 17:37
Consul hat geschrieben :
Di 28. Okt 2025, 20:24
Armstrong hat geschrieben : (Obwohl ich selbst sehr stark zum Atheismus neige, behaupte ich dennoch nicht zu wissen, dass es keinen Gott gibt. Insofern bin ich Agnostiker.)
Das macht aus Glauben und Nicht-Glauben aber irgendwie symmetrische Positionen, und das schmeckt mir nicht. Warum sollte ich Agnostiker sein, wenn ich keinerlei Gründe sehe, die für die Existenz eines Gottes sprechen? (Man könnte hier auch sagen, dass die Beweislast bei den Gläubigen liegt, aber auf der anderen Seite scheint die Frage nach der Beweislast irgendwie absurd zu sein.)
Mir ist zwar bewusst, dass die agnostische Haltung intellektuell wahrscheinlich die angemessenere ist, aber ich kann sie nicht mit ganzem Herzen einnehmen. Das Einzige, was mich etwas mit ihr etwas versöhnt, ist, dass es in meinem Bekanntenkreis einige gläubige Menschen gibt …
Armstrong war kein doxastischer Agnostiker oder Apistiker (griech. pistis = Glaube), der neutral bleibt und weder an die Existenz noch an die Nichtexistenz von Göttern glaubt, sondern ein positiver Atheist & epistemischer Agnostiker, der an die Nichtexistenz von Göttern glaubt, aber nicht behauptet zu wissen, dass Götter nicht existieren.
"Let the adherents of this phase of irreligion call themselves, not agnostics, signifying their lack of knowledge, but apistics, signifying their lack of belief; and let them call their system, not agnosticism, but apisticism."
———
"Die Anhänger dieser Phase der Irreligiosität sollen sich nicht Agnostiker nennen, um ihren Mangel an Wissen auszudrücken, sondern Apistiker, um ihren Mangel an Glauben auszudrücken; und sie sollen ihr System nicht Agnostizismus, sondern Apistizismus nennen."

(Rishell, Charles Wesley. The Foundations of the Christian Faith. New York: Eaton & Mains, 1899. p. 62)



"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding

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Jörn P Budesheim
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Mi 29. Okt 2025, 18:36

Ich kann jetzt nicht erkennen, wie die Einführung dieser Epizyklen auf meine Argumente reagiert. (Ich habe eher das Gefühl, dass meine Ausführungen weiträumig umfahren wurden.) Wie genau lautet die Antwort auf meine Position in einfacher Sprache ohne Volapück? :)



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Jörn P Budesheim
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Mi 31. Dez 2025, 11:33

Heinrich Schmidinger definiert in seinem Buch "Metaphysik" den Begriff so: Metaphysik wird als jene Wissenschaft begriffen, die sich mit Fragen beschäftigt, welche die Wirklichkeit, sofern sie den Menschen zugänglich, ist in ihrer Gesamtheit betreffen.



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Consul
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Mo 12. Jan 2026, 01:05

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mi 31. Dez 2025, 11:33
Heinrich Schmidinger definiert in seinem Buch "Metaphysik" den Begriff so: Metaphysik wird als jene Wissenschaft begriffen, die sich mit Fragen beschäftigt, welche die Wirklichkeit, sofern sie den Menschen zugänglich, ist in ihrer Gesamtheit betreffen.
"In den Bereichen der Philosophie und der Religion gibt es kein Wissen." [Consul Translate]

(Armstrong, D. M. "A Naturalist Program: Epistemology and Ontology." Proceedings and Addresses of the American Philosophical Association 73/2 (November 1999): 77-89. p. 82)
(Armstrong bestreitet natürlich nicht, dass es philosophiegeschichtliches Wissen darüber gibt, was die Philosophen glauben oder glaubten.)

Eine sogenannte Wissenschaft ohne (die Möglichkeit von) Wissen ist gar keine Wissenschaft. Die Metaphysik ist keine Wissenschaft.
Außerdem ist es nicht der Fall, dass sich Metaphysiker nur mit Fragen befassen, "welche die Wirklichkeit…in ihrer Gesamtheit betreffen"; denn sie beschäftigen sich auch mit einzelnen Teilbereichen davon.



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Jörn P Budesheim
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Mo 12. Jan 2026, 07:51

Die Definition von Schmidinger gibt meines Erachtens ein sehr weit verbreitetes Verständnis des Begriffes Metaphysik wieder. Wenn ich den Ausdruck nutze, dann meine ich das und wenn jemand ihn nutzt, dann verstehe ich das. Wenn jemand mit demselben Wort einen anderen Begriff meint, dann muss man das im entsprechenden Zusammenhang eben klären.



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Philoxander
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Di 3. Feb 2026, 12:30

Consul hat geschrieben :
Mo 12. Jan 2026, 01:05
Eine sogenannte Wissenschaft ohne (die Möglichkeit von) Wissen ist gar keine Wissenschaft. Die Metaphysik ist keine Wissenschaft.
Wie wahr! Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaber................................ Wie viel Möglichkeiten gibt es denn, Wissen zu schaffen?
Sollte ausgerechnet die Metaphysik das nicht leisten?

Die Wissen schaffende klassische Wissenschaft tut das mit so genannten Experimenten. Diese machen Aussagen innerhalb ihres Erfahrungsbereichs.
Nun ist die Frage, was ein Erfahrungsbereich sein kann?
Und oh Wunder: Das durch ein Experiment entstehende Wissen wird erst Wissen im Bewusstsein eines Wesens wie z. Bsp. der Mensch, das die Fähigkeit hat, Wissen zu wissen in Form von bewusstem Sein.

Gemäß meiner Vermutung ist Bewusstsein der transzendenten Geisteswelt zugehörig im Sinne von Metaphysi, dem "hinter der Physik" kommenden.
Nichts ist einem Menschen näher als sein Bewusstsein.




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Jörn P Budesheim
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Mi 4. Feb 2026, 07:56

Philoxander hat geschrieben :
Di 3. Feb 2026, 12:30
Die Wissen schaffende klassische Wissenschaft tut das mit so genannten Experimenten.
Nicht alle Wissenschaften arbeiten mit Experimenten. Hier zwei Beispiele: Die Mathematik kommt ohne Experiment aus. Ich glaube auch nicht, dass die Kunstgeschichte darauf angewiesen ist.



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Philoxander
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Mi 4. Feb 2026, 11:27

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mi 4. Feb 2026, 07:56
Philoxander hat geschrieben :
Di 3. Feb 2026, 12:30
Die Wissen schaffende klassische Wissenschaft tut das mit so genannten Experimenten.
Nicht alle Wissenschaften arbeiten mit Experimenten. Hier zwei Beispiele: Die Mathematik kommt ohne Experiment aus. Ich glaube auch nicht, dass die Kunstgeschichte darauf angewiesen ist.
Ich wollte nicht wörtlich verstanden werden, sondern prinzipiell.

Jede Wissenschaft beruht auf der Beantwortung von Fragen. Experimente sind auch eine Frageform.




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