Gott für Atheisten

Glaube und Wissen, Wesen und Formen von Religionen, ihre Bedeutung für das menschliche Leben, Grundfiguren religiösen Denkens u.ä. - Darauf wirft die Religionsphilosophie ihren Blick.
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Friederike
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Mo 27. Mai 2019, 13:40

herbert clemens hat geschrieben :
Mo 27. Mai 2019, 08:58
Kennst du, Friederike, Publik Forum, - christlich, - kritisch, - unabhängig, ökomenisch? Ich lese darin ganz gerne. Satz aus einem Leserbrief: „Ich gehe davon aus, dass wir alle aus der Liebe kommen und mit unserem Tod in das Meer der Liebe zurückfallen. Das heißt für „auferstehen“.“ Auch eine Möglichkeit?
Nein, bis eben nicht @Herbert. Aber ich habe es mir natürlich sofort aus dem Netz rausgefischt - es scheint religiös und politisch unbedenklich. :lol: Soweit ich es bei einer kurzen Durchsicht feststellen konnte. Zur "Auferstehung" (im alltäglichen Leben) muß ich nun unbedingt ein Gedicht von Kaschnitz zitieren:

Auferstehung
Manchmal stehen wir auf
Stehen wir zur Auferstehung auf
Mitten am Tage
Mit unserem lebendigen Haar
Mit unserer atmenden Haut.
Nur das Gewohnte ist um uns.
Keine Fata Morgana von Palmen
Mit weidenden Löwen
Und sanften Wölfen.
Die Weckuhren hören nicht auf zu ticken
Ihre Leuchtzeiger löschen nicht aus.
Und dennoch leicht
Und dennoch unverwundbar
Geordnet in geheimnisvolle Ordnung
Vorweggenommen in ein Haus aus Licht.


Es gibt ein anderes Gedicht von ihr, das ich gerade nicht finde. Ungefähr so, daß ihre Vorstellung vom Jenseits die ist, daß wir eingehen in die "große Liebesmacht". Wie in dem von Dir erwähnten Leserbrief.

Hängengeblieben bin ich an etwas ganz anderem, was noch aus der Gesprächssequenz von der letzten Woche herrührt. Wenn ich mich, mein Leben so beschreibe, daß ich mein ganz Leben auf den Tag gewartet habe, an dem ich anfangen kann zu leben ... woran ich, das "Ich" nie gezweifelt hat, daß dies so ist, dann weiß ich auf einmal nicht mehr, ob diese Erzählung meines Ich über mich "wahr" ist. Darüber sinniere ich nun seit Tagen herum.




herbert clemens
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Mi 29. Mai 2019, 07:57

Ein wunderschönes Gedicht.
Publik Forum raubt mir zwar viel Zeit.
Statt unbedenklich, würde ich (für Christin) empfehlenswert sagen.
(Manchmal gibt es ja Aktionen: soll ich dir eine Probenummer bestellen?)


Ich weiß nicht, ob ich deine letzten Sätze richtig verstanden habe, wenn ich so antworte.
Wie auch im Gedicht angedeutet: Das „Himmelreich“ ist immer im Hier und Jetzt, ganz nahe.
Die Zukunft „ auf den Tag gewartet habe, an dem ich anfangen kann zu leben“ scheint unter dieser Perspektive also keine Lösung.
Hast du ansonsten den langen Beitrag von mir gut genug durchgeschmeckt?




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Friederike
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Mi 29. Mai 2019, 11:43

herbert clemens hat geschrieben :
Mi 29. Mai 2019, 07:57
Publik Forum raubt mir zwar viel Zeit. Statt unbedenklich, würde ich (für Christin) empfehlenswert sagen. (Manchmal gibt es ja Aktionen: soll ich dir eine Probenummer bestellen?)
Wie? "PF" raubt Dir Zeit? Wenn ich eine Zeitschrift so bewerte, dann würde ich da nicht reinkucken. :lol: Dein Angebot freut mich, @Herbert, aber ich möchte es dennoch ausschlagen, weil ich nicht so gerne Christliches lese. Naja, das ist eigentlich erläuterungsbedürftig - hm, wenn ich "Christliches" lese, dann theologische Lektüre, also Texte, die mit meiner Lebenswirklichkeit möglichst wenig zu tun haben. Das muß man nicht verstehen.
Herbert hat geschrieben : Ich weiß nicht, ob ich deine letzten Sätze richtig verstanden habe, wenn ich so antworte. Wie auch im Gedicht angedeutet: Das „Himmelreich“ ist immer im Hier und Jetzt, ganz nahe. Die Zukunft „ auf den Tag gewartet habe, an dem ich anfangen kann zu leben“ scheint unter dieser Perspektive also keine Lösung.
Das ist, glaube ich, ein nächster zu gehender Schritt. Bisher bin ich nur bis dahin gekommen, daß im Warten selbst möglicherweise das wirkliche Leben (meines) bestanden hat und besteht.
Herbert hat geschrieben : Hast du ansonsten den langen Beitrag von mir gut genug durchgeschmeckt?
O nein, ich komme nicht in die Pötte. Zu einem Punkt, aus welchen religiösen und weltanschaulichen Traditionen schöpfe ich, in welcher Beziehung stehen sie zu meinen Erfahrungen, dazu habe ich mir eine Liste angelegt, die auf dem Küchentisch liegt, und da notiere ich meine Einfälle.

Und Punkt 2, die Liebe als alles durchdringende Energie ... jetzt während des Schreibens fällt mir diese Umschreibung ein. Sie ist besser als die Definitionen , die ich zwischenzeitlich ausprobiert habe. Das heißt, ich kritzele stillschweigend für mich vor mich hin -schriftlich und gedanklich.




herbert clemens
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Do 30. Mai 2019, 20:12

Ich kann heute in der Gegenwart des“Wartens“ durchaus eine wichtige Wirklichkeit sehen: „daß im Warten selbst möglicherweise das wirkliche Leben (meines) bestanden hat und besteht.“ Denn ich habe gerade in einer anderen Lieblingszeitschrift „Brennstoff“ Zitate von Bloch: Prinzip Hoffnung gefunden:z.B. „die menschliche Sehnsucht in beiderlei Gestalt: als Unruhe und als „Wachtraum“, ist das Segel in die andere Welt. Dieses Intendieren auf einen Stern, eine Freude, eine Wahrheit gegen die inhumane Welt, ist der einzige Weg noch Wahrheit zu finden...“
Ws mensch in seinem Herzen lebendig macht, ist gegenwärtig.
„die Liebe als alles durchdringende Energie“ schmeckt mir gut“




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Friederike
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So 2. Jun 2019, 11:43

Das ist ja eine originelle Zeitschrift @Herbert. Die "Brennstoff" meine ich. Eben habe ich sie mir rausgesucht und nur recht flüchtig die Themen, die darin beackert werden, überflogen. Bienenschutz und Jean Ziegler, Anais Nin und E. Bloch ... in den nächsten Tagen werde ich sie mir gründlicher vornehmen.




herbert clemens
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Mo 10. Jun 2019, 08:52

(ja originell, spirituell und gesellschaftskritisch und ...
Basis ist eine genossenschaftlich geführte Schuhmanufaktur mit hervorragenden preiswerten Schuhen.)

„ die Liebe als alles durchdringende Energie“
ist dies für uns alle eine gemeinsame Grundlage?
Diese Einsicht wurde uns geschenkt von den spirituellen Traditionen, von den großen Weltreligionen in unterschiedlichen Facetten, in unterschiedlcihen Gemeindezusammenhängen, in unterschiedlcihen rituellen Praktiken lebendig gemacht.
Beuys sinngemäß: „Die Mysterien finden heute auf dem Hauptbahnhof statt.“
Deute ich jetzt so: Die Liebe/Göttliches ist im Alltag zu finden und zu verwirklichen.
„Jeder Mensch ist ein Künstler.“
Ob wir dafür die Beziehung zu einem Gott als Person wahrnehmen können, soll ja nicht in diesem Diskussionszusammenhang behandelt werden, nicht wahr?
Haben die Religionen ihren Auftrag erledigt?




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Jörn Budesheim
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Mo 10. Jun 2019, 10:40

Religionsgeschichte

„Der Wind weht, wo er will“

Als an Pfingsten der Heilige Geist auf die Erde kam, tobte ein heftiger Sturm. So berichtet es die Bibel. Auch in vielen anderen Religionen spielt der Wind eine wichtige Rolle. Weltweit glauben Menschen, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen Wind, Atem, Geist und Göttern.

Von Christian Röther

https://www.deutschlandfunk.de/religion ... _id=450669



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Mo 10. Jun 2019, 10:43

herbert clemens hat geschrieben :
Mo 10. Jun 2019, 08:52
Ob wir dafür die Beziehung zu einem Gott als Person wahrnehmen können, soll ja nicht in diesem Diskussionszusammenhang behandelt werden, nicht wahr?
Mein Ziel in diesem Thread war, nach den Berührungspunkten, nach den vielfältige Überschneidungen zwischen Atheisten und Theisten zu suchen. Der Artikel aus dem Deutschlandfunk zeigt z.b., dass es viele gemeinsame, grundlegende Intuitionen gibt, die vielleicht aber verschüttet sind...



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herbert clemens
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Mo 17. Jun 2019, 10:13

Ich habe das Gefühl, das in diesem Gespräch alles Wesentlich gesagt ist, oder?
Aus meinen Besinnungen:
Jede Seele finde ihren eigenen Weg zum Urgrund der Liebe in sich selbst

Wie tief der Atem in mich einströmt.

Ist eine bessere Welt möglich?
Ich finde mich in meiner Welt, wenn ich trotz alledem immer wieder für eine bessere Welt eintrete.
Das ist göttlich.




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Mo 17. Jun 2019, 10:46

herbert clemens hat geschrieben :
Mo 17. Jun 2019, 10:13
Ich habe das Gefühl, das in diesem Gespräch alles Wesentlich gesagt ist, oder?
Ich schätze, das käme einem Wunder gleich :-)



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herbert clemens
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Mi 30. Okt 2019, 09:05

Bisher ist dieses Wunder geschehen und keine neuen Gesichtspunkte, Erwiderungen, aufgetaucht, ...




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Jörn Budesheim
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Mi 30. Okt 2019, 19:29

Ich für meinen Teil glaube nicht, dass dieses Wunder geschehen ist :) es ist sicherlich noch nicht alles gesagt. Es gäbe sicherlich noch einiges zu erwägen und zu sagen. Nur leider findet sich niemand, der es tut :(



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Mi 30. Okt 2019, 21:08

Ich hatte hierzu vor ein paar Tagen in einem anderen Thread eine Zeichnung gezeigt...

Bild

Die große ü - Erfahrung

Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt. Die große ü-Erfahrungen ist hier im ü des früh. Ziehst du das ü lang, lässt du es schwingen und surren und brummen bis zum gehtnichtmehr, setzt der Gegenatem irgendwann von selbst wieder ein. Das ist das "automaton" (Natur), das sich meldet. Das ist auch die göttliche Natur in dir (als Atheist gesprochen) - dann wirst du wieder geweckt.

Die große ü-Etüde ist das Vertrauen in die Lebendigkeit des Leibes!



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Jörn Budesheim
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Do 31. Okt 2019, 18:02

Bild

Diese (in Arbeit befindliche) Skizze ist inspiriert von einer Zeichnung von Michelangelo Buonarroti. Dieser hat sie für Vittoria Colonna gezeichnet. Sie war eine sehr bekannte und geschätzte Dichterin dieser Zeit. Außerdem war sie zutiefst religiös. Ich bin zwar ein Atheist, aber ich weigere mich zu glauben, dass die beiden über nichts gesprochen haben, wenn sie über religiöse Themen gesprochen haben.



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Alethos
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Mo 4. Nov 2019, 23:06

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Do 31. Okt 2019, 18:02
Ich bin zwar ein Atheist, aber ich weigere mich zu glauben, dass die beiden über nichts gesprochen haben, wenn sie über religiöse Themen gesprochen haben.
Nun ja, das bestimmt ja zunächst einmal gar nichts. Über nichts spricht ja niemand, wenn er über etwas spricht. Nur, was ist der Gegenstand des Glaubens?

Und ferner: Verhält sich denn ein Atheist nicht wie ein Monist, der behauptet, etwas gebe es in einem
bestimmten Sinn nicht und dehsalb überhaupt nicht? Wie kann es etwas nicht geben, das immerhin etwas ist? Man kann gar nicht Atheist in jedem Fall
sein, meine ich: Gott gibt es in vielfältiger Weise, auch wenn vielleicht gerade nicht in jener Weise, in welcher der Atheist sein atheistisch sein meint. Aber kann man als Atheist für sich einen alles umfassenden Bereich beanspruchen für die Behauptung, dass Gott nicht existiere? Ich wage zu meinen: nein. :)



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Di 5. Nov 2019, 14:11

Alethos hat geschrieben :
Mo 4. Nov 2019, 23:06
Über nichts spricht ja niemand, wenn er über etwas spricht.
Ein Kritiker würde vielleicht einwenden, dass es keinen Unterschied macht, ob man über Gott spricht, über das Spaghetti-Monster oder über Krksttt. Das Zeichen "pickt" jeweils nichts raus aus der Realität. Dazu fällt mir dann immer den bekannte Slogan ein: "Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht." Gott ist für Gläubige (schätze ich) doch wohl kein "Etwas" neben anderen "Etwassen". Deswegen finde ich als Ansatz interessant, worüber wir auch im Metapher-Thread gesprochen haben: "Gott" hat keine Bedeutung, sondern Sinn. (Entsprechend der Ausdrucksweise Freges.)



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Sa 9. Nov 2019, 12:17

Bild

So ist es mit der Zeichnung weiter gegangen :) mich interessiert immer noch sehr die ü Übung ...



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Alethos
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Mo 18. Nov 2019, 13:07

Was hat es eigentlich auf sich mit der ü-Übung?



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Mo 18. Nov 2019, 14:12

Das kommt aus dem Forum hier :-) Es gab mal einen Thread "zu" dem Wiegen Lied "Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt". Das hat mich seither beschäftigt! Meine Oma hat das immer voller "Hingabe" für mich gesungen. Und ich erinnere mich insbesondere an das ü in "früh". Das hab ich zum Beispiel in meine Meditationsübungen eingebaut oder in diverse Zeichnungen.



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Alethos
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Mo 18. Nov 2019, 14:40

Ich erinnere mich. :)



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