Stolz sein auf ein Land? – Ein Schlichtungsversuch

Ethische Fragen und ihre rationale Begründbarkeit bewegen das philosophische Denken in einer Zeit, in der die Politik wieder über "Werte" debattiert und vertraute Grundlagen des politischen Handelns zur Disposition stehen.
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Jörn P Budesheim
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Consul hat geschrieben :
So 10. Aug 2025, 22:24
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
So 10. Aug 2025, 21:40
Mir ist nicht im geringsten klar, wie ist die Dinge, von denen du hier sprichst, gemäß deiner Ontologie überhaupt nur geben kann.
Gegenfrage: Welche hyperphysischen Elemente müssen soziale Systeme wie Ethnien, Nationen, Länder (countries) und Staaten denn enthalten, um existieren zu können? Es kommen ja nur irgendwelche physikalistisch irreduziblen mentalen oder abstrakten Entitäten infrage (die es für reduktive Materialisten wie mich nicht gibt).
„Das Adjektiv hyperphysisch bedeutet ‚übernatürlich‘, also etwas, das über das Natürliche hinausgeht […] In philosophischen Kontexten bezeichnet es das Über- bzw. Unsinnliche, also das von der Materie unabhängige Sein […]“ (perplexity.ai).

Hyperphysisch bedeutet wörtlich „übernatürlich“. In philosophischen Kontexten mag er einen anderen Dreh haben, ich halte den Begriff jedoch für irreführend, ganz gleich, in welchem Sinn er gemeint ist.

Nicht physisch ≠ übernatürlich.

Das Soziale ist zwar nicht einfach etwas Natürliches wie etwa ein See, aber es ist auch nicht „hyperphysisch“ – also nichts wie eine unsterbliche Seele oder eine Jungfrauengeburt. Es liegt nicht „über“ dem Physischen, und diese Metapher ist schief, auch wenn sie gängig sein mag. Vielmehr handelt es sich um einen eigenen Tatsachenbereich, der sich nicht auf Physik „reduzieren“ lässt, ohne dabei wesentliche Eigenschaften oder Funktionen zu verlieren, der aber selbstverständlich nicht vollständig unabhängig von materiellen Prozessen besteht. Dass ich diese Eigenständigkeit anerkenne, heißt nicht, dass ich Übernatürliches oder „Hyperphysisches“ postuliere.

Die Gegenüberstellung von physisch und hyperphysisch mag für einen reduktiven Materialisten naheliegend oder gar attraktiv sein, sie ist jedoch keineswegs alternativlos. Meines Erachtens gibt es – neben vielem anderen – irreduzible biologische, psychologische und soziale Tatsachen, die weder physisch noch hyperphysisch (also übernatürlich) sind, sondern – Überraschung! –biologisch, psychologisch und sozial.

Anders als du suggerierst, ist niemand darauf verpflichtet, an Übersinnliches oder Übernatürliches zu glauben, um zu denken, dass es (zum Beispiel) den Bereich des Sozialen mit irreduziblen sozialen Tatsachen gibt. Dass ich Steuern zahlen muss, ist eine soziale Tatsache – keine übersinnliche, sondern eine sehr reale, wie mir scheint.



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Jörn P Budesheim
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Mo 11. Aug 2025, 09:06

Timberlake hat geschrieben : Konstrukte [...] konstruiert
Dazu hatte ich weiter oben schon etwas geschrieben: Die Begriffe „Konstrukt“, „Konstruktion“ und „konstruieren“ sind meines Erachtens missverständlich, weil sie verschiedene Bedeutungen haben. Einerseits bezeichnet „Konstrukt“ ganz konkret eine gebaute Sache, wie eine Brücke oder ein Auto. Du scheinst „konstruieren“ eher im psychologischen Sinn zu verwenden, also dass soziale Tatsachen mit menschlichem Erleben und Denken zusammenhängen und dadurch entstehen oder so ähnlich.

Der philosophische Gebrauch ist ein anderer: Etwas, das (bloß) konstruiert ist, existiert in diesem Sinne nicht wirklich eigenständig, sondern ist eben: bloß konstruiert. Wie genau diese Bereiche jeweils konstruiert sind, ist natürlich von Auffassung zu Auffassung verschieden. Das ist vermutlich die Position von Consul, der das Soziale nicht als unabhängig existierenden Bereich betrachtet.



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Timberlake
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Mo 11. Aug 2025, 12:56

Richtig, für mich hängen soziale Tatsachen und menschliches Erleben und Denken zusammen. Das Eine entsteht durch das Andere. Wobei allerdings für mich menschliches Erleben eine Schnittstelle, zwischen soziale Tatsachen und menschliches Erleben darstellt. Eine Schnittstelle, die es ermöglicht, dass menschliches Denken soziale Tatsachen beeinflusst. (Um damit die missverständlichen Begriffe „Konstrukt“, „Konstruktion“ und „konstruieren“ zu vermeiden. Die von ihrer Bedeutung her, wie von dir beschrieben, tatsächlich zu Irritationen führen können.) Aber auch umgekehrt, eine Schnittstelle, die eine Einflussnahme sozialer Strukturen auf menschliches Denken ermöglicht.



Beispiel

Stolz sein auf ein Land!

Stolz (menschliches Denken) beeinflusst (menschliches Erleben) ein Land (soziale Struktur)

Ein Land (soziale Struktur) beeinflusst (menschliches Erleben) den Stolz (menschliches Denken)
Quk hat geschrieben :
Mo 21. Apr 2025, 09:09

Jetzt zum Schlichtungsversuch:

Gibt es Situationen, in denen ich manchen Landesstolz als unangenehm empfinde?

Ja. Und das kann ich ganz genau erläutern.
Demgemäß würde ich, wenn man manchen Landesstolz als unangenehm empfindet, darauf zurückführen wollen, dass durch menschliches Erleben, ein Land menschliches Denken in diesem Sinn beeinflusst.

Quk hat geschrieben :
Mo 21. Apr 2025, 09:09


Es kommt mir auf das Größenverhältnis an!

Wenn in einer Olympiade ein Zwergstaat gegen einen Großstaat antritt, und der Zwergstaat gewinnt, freue ich mich. Wenn der Großstaat gewinnt, gähne ich.

Wenn der Athlet des Zwergstaats auf dem Siegertreppchen seinen Stolz ausdrückt, empfinde ich diesen Stolz als sehr angenehm. Er zeigt die Freude beim Aufstieg der Kleinen hinauf zur Augenhöhe der großen.
Beispielweise, wie hier beschrieben, durch die Größenverhältnisse, des oder der Länder.




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Consul
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Mo 11. Aug 2025, 22:42

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mo 11. Aug 2025, 08:58
Hyperphysisch bedeutet wörtlich „übernatürlich“. In philosophischen Kontexten mag er einen anderen Dreh haben, ich halte den Begriff jedoch für irreführend, ganz gleich, in welchem Sinn er gemeint ist.
Nicht physisch ≠ übernatürlich.
Großes Missverständnis! Ich gebrauche "hyperphysisch" im Sinn von "nichtphysisch", "überphysisch", "oberhalb oder jenseits des Physischen", und nicht im Sinn von "übernatürlich". Der naturalistische Emergentismus postuliert irreduzible natürliche Seinsebenen (Seinsschichten) oberhalb oder jenseits der physischen/physikalischen Grundebene, wobei jene von dieser seinsabhängig sind. (Wird die Grundebene vernichtet, so werden damit auch alle höheren Ebenen vernichtet.)



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Jörn P Budesheim
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Di 12. Aug 2025, 08:24

Consul hat geschrieben :
Mo 11. Aug 2025, 22:42
"oberhalb oder jenseits des Physischen"
Nebenbei: Diese Metaphorik von „oberhalb“ oder „jenseits“ des Physischen ist genau betrachtet manchmal ziemlich verwirrend. Sie suggeriert eine räumliche Ordnung, wo es keine gibt. Nehmen wir Hans: Wenn er vom Sprungturm springt, lassen sich Fall, Aufprall und Eintauchen physikalisch untersuchen. Die Gedanken, die Hans dazu gebracht haben, Turmspringer zu werden, gehören jedoch nicht zu einer höheren Etage „über“ dem Physischen, sondern zu einem eigenen Bereich – oder, wenn man will, Level, Feld, Skalenbereich, Arten des Gegebenseins ...oder eine eigene Ordnung –, der vom Physischen jedenfalls kategorial verschieden ist, mit ihm und dem Biologischen aber überlappt und teilweise eng verwoben ist. Vielleicht betrachtet man dabei eigentlich die Mereologie. Es ist nicht immer leicht, die jeweils passende Metaphorik zu finden. Ohne die physikalische Realität, die Turm und Becken zugrunde liegt, und ohne seinen biologischen Körper wären die Selbstbilder, in denen Hans sich als talentierten Turmspringer sieht, schließlich witzlos. Dasselbe gilt für die sozialen Institutionen – Länder, Städte, Vereine –, die es überhaupt erst ermöglichen, dass Hans seinen Sport ausübt. Auch sie liegen nicht „oberhalb oder jenseits“ des Physischen, sondern gehören zu einer anderen Ebene, die mit den anderen verschränkt ist, ohne sich in ihnen aufzulösen.

Ebenso "befindet" sich mein Deutschsein nicht "oberhalb oder jenseits des Physischen".



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Timberlake
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Di 12. Aug 2025, 11:35

Consul hat geschrieben :
Mo 11. Aug 2025, 22:42

Großes Missverständnis! Ich gebrauche "hyperphysisch" im Sinn von "nichtphysisch", "überphysisch", "oberhalb oder jenseits des Physischen",
Wo schon mal dabei sind, also bei großen Missverständnissen!
Timberlake hat geschrieben :
So 10. Aug 2025, 23:57
Consul hat geschrieben :
So 10. Aug 2025, 22:24
Gegenfrage: Welche hyperphysischen Elemente müssen soziale Systeme wie Ethnien, Nationen, Länder (countries) und Staaten denn enthalten, um existieren zu können? Es kommen ja nur irgendwelche physikalistisch irreduziblen mentalen oder abstrakten Entitäten infrage (die es für reduktive Materialisten wie mich nicht gibt).
...

Bin ich doch der Meinung ...
Timberlake hat geschrieben :
So 10. Aug 2025, 11:48

Sind doch "Stolz sein auf ein Land!" , wider aller Schlichtungsversuche! und infolgedessen Kriege, wie auch die Angst davor meines Erachtens sehr wohl soziale Tatsachen, die psychologisch konstruiert sind. Wie denn auch sonst.
.. das "Stolz sein auf ein Land!" und infolgedessen soziale Tatsachen wie Kriege durchaus psychologisch konstruiert sind. Um an dieser Stelle, mit dem Begriff "psychologisch", ggf. jene "physikalistisch irreduziblen mentalen oder abstrakten Entitäten" auf den Punkt zu bringen, die es für reduktive Materialisten wie Consul nicht gibt.
@Consul

War denn auch dieses, mit dem Begriff "psychologisch" auf den Punkt bringen, dessen, was für dich "physikalistisch irreduziblen mentalen oder abstrakten Entitäten" sind, ein großes Missverständnis? Oder anders gefragt, habe ich dergleichen damit in deinen Sinn gebraucht? Das ich es nicht in dem Sinn Jörns gebraucht habe, sollte übrigens aus dem Beitrag 94348 hervorgegangen sein. Habe ich doch darin meinen Irrtum, ganz im Sinne Jörns, wie ich finde, öffentlich eingestanden. Etwas, was, so zumindest meine Beobachtung, hier im Forum eher die Ausnahme, als die Regel ist. Wie übrigens auch, dass ich mich dabei explizit mit Zitaten aus jenem Beitrag bezogen habe, mit dem dieser Thread als Einführung begonnen wurde, Das mal nur so nebenbei oder auch nicht. Glaube ich doch damit dem Anliegen Quks , bezüglich seines Schlichtungsversuchs, zu entsprechen. Leider wird er selbst, je nachdem worin die Ursache seines Fernbleibens liegt, darauf nicht antworten können oder wollen.




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Jörn P Budesheim
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Di 12. Aug 2025, 19:03

Kann/will man eigentlich wirklich stolz auf ein Land sein, wo eine Partei wie die AfD die stärkste ist?



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R2D2
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Di 12. Aug 2025, 19:41

Consul hat geschrieben :
Mo 4. Aug 2025, 01:41
Linke wie Banaszak, die auf die Frage nach ihrer persönlichen Beziehung zum Vaterland mit einem derartigen Gestammel antworten, sollten sich über den Erfolg der AfD nicht wundern ...
Jörn P Budesheim hat geschrieben : Frage an Perplexity: Je mehr die amtierende Regierung der AfD Recht gibt, indem sie ihre Anliegen umsetzt, z. B. mit härteren Asylregelungen, Genderverbot und Ähnlichem, desto mehr treibt sie die Menschen in die Arme der AfD, die auf diese Weise ja geadelt wird. Und man fragt sich dann natürlich, warum man nicht gleich dem Original zugeneigt sein soll.

Gibt es für diese Logik von mir irgendwelche Untersuchungen, die das belegen oder widerlegen?
Ihre Logik, dass die Umsetzung harter Maßnahmen wie strengere Asylregelungen oder ein Genderverbot durch die amtierende Regierung Menschen verstärkt in die Arme der AfD treibt und diese dadurch mobilisiert wird, findet in der Forschung tatsächlich Unterstützung.

Mehrere Studien und Analysen zeigen, dass das Übernehmen oder Nachahmen von eher extremen Positionen, insbesondere in der Migrations- und Asylpolitik, durch die etablierten Parteien die Attraktivität der ursprünglichen rechtspopulistischen Partei wie der AfD nicht zwingend schmälert, sondern diese sogar stärken kann. Denn die AfD profitiert davon, dass sie als der „Original“-Anbieter dieser harten Positionen wahrgenommen wird und somit ihr mobilisierendes Potenzial erhält oder sogar erhöht wird.

Ein Bericht des German Institute of Development and Sustainability stellt heraus, dass die Regierungskoalition nach Wahlerfolgen der AfD mit härteren Migrationsgesetzen reagierte; dadurch wurde jedoch die Erzählung der AfD um strengere Einwanderungspolitik gestärkt. Diese Strategie stärkte letztlich den Einfluss der AfD, weil die Regierung im Sinne der AfD agierte, ohne deren radikale Rhetorik und Mobilisierungskraft zu erreichen. Die AfD konnte damit als ursprüngliche Kraft dominanter erscheinen als ihre Nachahmer im Regierungsapparat.

Zudem zeigt eine Politikstudie zu den Auswirkungen der AfD auf Flüchtlings- und Migrationspolitik, dass die Verschärfung von Asylgesetzen und Grenzkontrollen nach dem Wahlerfolg der AfD eine direkte Folge davon war, dass traditionelle Parteien nach rechts rückten, was wiederum die AfD weiter stärkte, da sie als Wegbereiter dieser Positionen gelten kann. Diese sogenannten "Mainstream-Parteien" adaptieren AfD-Positionen, während die AfD selbst als Ursprung radikaler Forderungen bestehen bleibt.

[...]

In der politischen Wissenschaft wird dieses Phänomen auch damit beschrieben, dass rechtspopulistische Parteien dann besonders mobilisieren, wenn etablierte Parteien deren Themen in abgeschwächter Form aufgreifen, ohne jedoch die ausdrückliche radikale Haltung der Populisten zu übernehmen. Dadurch entsteht eine Politisierung des Themas, die wiederum zur Stärkung der originären rechtspopulistischen Partei beiträgt.

Zusammenfassend sprechen theoretische und empirische Untersuchungen dafür, dass das Nachziehen etablierter Parteien bei harten Asylregelungen, Genderverboten und ähnlichen Anliegen die AfD nicht schwächt, sondern eher deren Wählerbasis stabilisiert oder sogar vergrößert, weil die AfD als „Original“ wahrgenommen wird und im Wettbewerb um diese Themen den Ton angibt. Das bestätigt Ihre Überlegung und ist durch mehrere Studien belegt.

[perplexity.ai]



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Timberlake
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Mi 13. Aug 2025, 00:05

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Di 12. Aug 2025, 19:03
Kann/will man eigentlich wirklich stolz auf ein Land sein, wo eine Partei wie die AfD die stärkste ist?
Unter Bezugnahme auf ...
R2D2 hat geschrieben :
Di 12. Aug 2025, 19:41

..
Ihre Logik, dass die Umsetzung harter Maßnahmen wie strengere Asylregelungen oder ein Genderverbot durch die amtierende Regierung Menschen verstärkt in die Arme der AfD treibt und diese dadurch mobilisiert wird, findet in der Forschung tatsächlich Unterstützung.


[perplexity.ai]
.. ich ergänze ..

Kann/will man eigentlich wirklich stolz auf ein Land sein, wo eine amtierende Regierung Menschen verstärkt in die Arme der AfD treibt ?

Andererseits frage ich mich allerdings schon, wenn eine amtierende Regierung das Gegenteil täte, also Asylregelungen lockern und Gendern befürworten, ob sie dann nichts erst recht Menschen verstärkt in die Arme der AfD treibt.

@R2D2

Findet diese Logik gemäß [perplexity.ai] auch Unterstützung in der Forschung?

Vor dem Hintergrund, dass eine amtierende Regierung sich danach, so zumindest mein Eindruck, in einem Dilemma befände, würde mich das Ergebnis doch schon sehr interessieren. Liefe doch dergleichen auf die Frage hinaus ..

Kann/will man eigentlich wirklich stolz auf ein Land sein, wo eine amtierende Regierung gar nicht anders kann, als das sie Menschen verstärkt in die Arme der AfD treibt?
Zuletzt geändert von Timberlake am Mi 13. Aug 2025, 00:47, insgesamt 11-mal geändert.




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Consul
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Mi 13. Aug 2025, 00:11

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Di 12. Aug 2025, 08:24
Nebenbei: Diese Metaphorik von „oberhalb“ oder „jenseits“ des Physischen ist genau betrachtet manchmal ziemlich verwirrend. Sie suggeriert eine räumliche Ordnung, wo es keine gibt.
Aus der Sicht des ontologischen Emergentismus geht es um eine ontologische Hierarchie oder "vertikale Ordnung" von Seinsebenen/-schichten. Zu sagen, die psychologische Seinsebene befinde sich oberhalb der physikalischen Seinsebene oder sei ein Überbau derselben, bedeutet natürlich nicht im räumlichen Sinn, dass Geister über Körpern schweben.

+++Wir dürfen dieses Thema hier wegen völliger off-topicness nicht fortsetzen!+++



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Mi 13. Aug 2025, 07:48

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Di 12. Aug 2025, 19:03
Kann/will man eigentlich wirklich stolz auf ein Land sein, wo eine Partei wie die AfD die stärkste ist?
Ein deutscher Patriot, der auch bundesrepublikanischer Verfassungspatriot ist und das Herrschen unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung zur moralischen Bedingung seines Nationalstolzes macht, wäre auf ein AfD-regiertes Deutschland gewiss nicht stolz (und ist auf das ehemals NSDAP-regierte Deutschland sowie auf das ehemals SED-regierte Ostdeutschland alles andere als stolz).



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R2D2
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Mi 13. Aug 2025, 09:05

Timberlake hat geschrieben :
Mi 13. Aug 2025, 00:05
Dilemma
Es entsteht nur ein Dilemma, wenn die Regierung dem Populismus auf seinen Stil und sein Agendasetting folgt und sich damit unterordnet. Forschung zeigt, dass rechtspopulistische Kommunikation vor allem durch Polarisierung, Vereinfachungen und das Setzen eigener Themen („Framing“) wirkt. Um diesem Populismus-Sog zu entkommen, muss die Regierung eine gestaltende, nicht bloß reaktive Rolle einnehmen. Entscheidend ist eine eigene positive Erzählung mit klaren Zukunftsvisionen, die den Menschen konkret vermittelt, wie sie von politischer Gestaltung profitieren.

Forschungen betonen, dass eine solche Politik
  • faktenbasiert, transparent und verständlich kommuniziert,
  • lösungsorientiert statt problemfokussiert agiert,
  • eigene Themen setzt und nicht nur auf populistische betreibt,
  • und einen offenen Dialog mit der Bevölkerung pflegt,
zur Stärkung demokratischer Kultur und zur Abschwächung populistischer Mobilisierung beiträgt. So gelingt es, das Vertrauen der Bürger zurückzugewinnen und die politische Agenda selbst zu bestimmen, anstatt nur zu reagieren.

Kurz gesagt: Die Regierung kann das Dilemma des Populismus überwinden, wenn sie Verantwortung übernimmt, aktiv gestaltet und den Menschen eine konkrete, positive Perspektive bietet, die über das populistische Schwarz-Weiß-Denken hinausgeht.



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Jörn P Budesheim
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R2D2 hat geschrieben :
Mi 13. Aug 2025, 09:05
faktenbasiert, transparent und verständlich kommuniziert ...
Man darf sich also nicht thematisch an einem „Nasenring“ durch die Arena führen lassen, sondern man muss den Politikstil komplett ändern. Wer sich inhaltlich und stilistisch „am Nasenring“ durch die Arena führen lässt, stärkt nur den Gegner.



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Jörn P Budesheim
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Mi 13. Aug 2025, 09:37

Consul hat geschrieben :
Mi 13. Aug 2025, 00:11
+++Wir dürfen dieses Thema hier wegen völliger off-topicness nicht fortsetzen!+++
Meines Erachtens nur eine sinnvolle "Abzweigung" - so etwas kann durchaus dazu gehören.



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Timberlake
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Mi 13. Aug 2025, 12:42

R2D2 hat geschrieben :
Mi 13. Aug 2025, 09:05
Kurz gesagt: Die Regierung kann das Dilemma des Populismus überwinden, wenn sie Verantwortung übernimmt, aktiv gestaltet und den Menschen eine konkrete, positive Perspektive bietet, die über das populistische Schwarz-Weiß-Denken hinausgeht.
Bezugnehmend auf ...
Timberlake hat geschrieben :
Mi 13. Aug 2025, 00:05


Andererseits frage ich mich allerdings schon, wenn eine amtierende Regierung das Gegenteil täte, also Asylregelungen lockern und Gendern befürworten, ob sie dann nichts erst recht Menschen verstärkt in die Arme der AfD treibt.

Kurz gefragt: Würde die derzeitig amtierende Regierung Verantwortung übernehmen und den Menschen eine konkrete, positive Perspektive bieten, wenn sie "aktiv gestaltend" Asylregelungen lockern und Gendern befürworten würde?




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R2D2
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Mi 13. Aug 2025, 13:05

Die Frage von Timberlake („Würde die derzeitig amtierende Regierung Verantwortung übernehmen und den Menschen eine konkrete, positive Perspektive bieten, wenn sie ‚aktiv gestaltend‘ Asylregelungen lockern und Gendern befürworten würde?“) ist aus Sicht der aktuellen Forschung falsch gestellt, weil sie zentrale Erkenntnisse zur politischen Kommunikation gegen Populismus ignoriert:
  • Forschung zeigt, dass Populismus vor allem durch Vereinfachung, Polarisierung und das Setzen eigener Themen („Agendasetting“) wirkt. Wenn eine Regierung lediglich auf einzelne Themen wie die Lockerung von Asylregelungen oder Befürwortung von Gendern reagiert, ohne eine umfassende eigene positive Erzählung zu entwickeln, übernimmt sie die Agenda der Populisten und reproduziert deren polarisierende Dynamiken.
  • Verantwortung und positive Perspektiven anzubieten bedeutet, eine klare, faktenbasierte, verständliche und vor allem gestaltende Politik zu verfolgen, die über einzelne Maßnahmen hinaus eine Zukunftsvision und konkrete Nutzen für die Gesellschaft vermittelt. Nur so kann Vertrauen geschaffen und der Populismus-Sog durchbrochen werden.
  • Es ist also nicht die Wahl bestimmter Einzelmaßnahmen, die zeigt, ob Verantwortung übernommen wird, sondern wie sie in ein größeres, selbstbestimmtes und demokratisches Politikverständnis eingebettet sind. Maßnahmen, die isoliert betrachtet werden, können sowohl von Populisten instrumentalisiert als auch von der Regierung missverstanden werden, wenn sie ohne strategisches, positives Gesamtbild gesetzt werden.
  • Die Frage unterstellt fälschlich, dass die Lockerung von Asylregelungen und Befürwortung von Gendern automatisch zeigt, dass Verantwortung übernommen wird. Die Forschung zeigt dagegen, dass ohne ein eigenständiges Agendasetting und eine positive, umfassende Erzählung diese Maßnahmen nur reaktiv und folgenlos bleiben – womit die populistische Mobilisierung unangetastet bleibt oder sogar verstärkt wird.
Kurz gesagt: Die Frage ignoriert, dass Verantwortungsübernahme und positive Perspektive nicht durch einzelne policy-Entscheidungen definiert werden, sondern durch ein ganzheitliches, gestaltendes und kommunikativen Konzept, das der Regierung ermöglicht, souverän eigene politische Antworten zu setzen und nicht nur auf populistische Agenden zu reagieren.



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Mi 13. Aug 2025, 13:13

R2D2 hat geschrieben :
Mi 13. Aug 2025, 13:05


Kurz gesagt: Die Frage ignoriert, dass Verantwortungsübernahme und positive Perspektive nicht durch einzelne policy-Entscheidungen definiert werden, sondern durch ein ganzheitliches, gestaltendes und kommunikativen Konzept, das der Regierung ermöglicht, souverän eigene politische Antworten zu setzen und nicht nur auf populistische Agenden zu reagieren.
Mit Verlaub, dass eine Frage, was und wie auch immer ignoriert, ist keine Antwort auf eine Frage. Sie beurteilt sie lediglich. Also nochmal ..

Timberlake hat geschrieben :
Mi 13. Aug 2025, 12:42
Würde die derzeitig amtierende Regierung Verantwortung übernehmen und den Menschen eine konkrete, positive Perspektive bieten, wenn sie "aktiv gestaltend" Asylregelungen lockern und Gendern befürworten würde?
Übrigens!
R2D2 hat geschrieben :
Mi 13. Aug 2025, 09:05
faktenbasiert, transparent und verständlich kommuniziert ...
Eben eine solche Reaktion, auf eine diese Frage würde meiner Meinung nach dem Widersprechen. Also das man etwas faktenbasiert, transparent und verständlich kommuniziert.
Zuletzt geändert von Timberlake am Mi 13. Aug 2025, 13:28, insgesamt 1-mal geändert.




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Mi 13. Aug 2025, 13:27

Timberlake hat geschrieben :
Mi 13. Aug 2025, 13:13
Mit Verlaub . dass eine Frage, was und wie auch immer ignoriert, ist keine Antwort auf eine Frage. Sie beurteilt sie lediglich. Also nochmal ..
Es ist umgekehrt: Deine Frage hat die vorhergehende(n) Antwort(en) ignoriert.



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Mi 13. Aug 2025, 13:31

Ok
R2D2 hat geschrieben :
Mi 13. Aug 2025, 13:05
Die Frage von Timberlake („Würde die derzeitig amtierende Regierung Verantwortung übernehmen und den Menschen eine konkrete, positive Perspektive bieten, wenn sie ‚aktiv gestaltend‘ Asylregelungen lockern und Gendern befürworten würde?“) ist aus Sicht der aktuellen Forschung falsch gestellt, weil sie zentrale Erkenntnisse zur politischen Kommunikation gegen Populismus ignoriert:
Wie müsste man denn die Frage aus Sicht der aktuellen Forschung richtig stellen. So das sie zentrale Erkenntnisse zur politischen Kommunikation gegen Populismus zur Kenntnis nimmt ?
R2D2 hat geschrieben :
Mi 13. Aug 2025, 13:05

[*]Verantwortung und positive Perspektiven anzubieten bedeutet, eine klare, faktenbasierte, verständliche und vor allem gestaltende Politik zu verfolgen, die über einzelne Maßnahmen hinaus eine Zukunftsvision und konkrete Nutzen für die Gesellschaft vermittelt. Nur so kann Vertrauen geschaffen und der Populismus-Sog durchbrochen werden.
Weil solche einzelnen Maßnahmen, wie das Lockern von Asylregelungen und das Befürworten von Gendern, tatsächlich beinhaltend, wie sollte man sie denn ansonsten stellen? Würde ich doch meinen, dass eine klare, faktenbasierte, verständliche und vor allem gestaltende Politik sich nicht zuletzt dadurch auszeichnet, dass sie sich einzelne Maßnahmen, wie diese, stellt. Übrigens auch und insbesondere die Forschung. Um einmal deutlich zu machen, was ich damit meine, formuliere ich einmal meine Frage um ..

Welche positiven Perspektiven und welcher konkrete Nutzen für die Gesellschaft kann denn dadurch vermittelt werden, dass eine derzeitig amtierende Regierung Asylregelungen lockert und Gendern befürwortet?

Ich meine, wenn sie es denn tatsächlich täte, dann könnte man sicherlich Stolz sein auf sein Land. Um an dieser Stelle zumindest diesen konkreten Nutzen für die Gesellschaft herauszustellen.




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Mi 13. Aug 2025, 15:51

R2D2 hat geschrieben : Forschung zeigt, dass Populismus vor allem durch Vereinfachung, Polarisierung und das Setzen eigener Themen („Agendasetting“) wirkt. Wenn eine Regierung lediglich auf einzelne Themen wie die Lockerung von Asylregelungen oder die Befürwortung von Gendern reagiert, ohne eine umfassende eigene positive Erzählung zu entwickeln, übernimmt sie die Agenda der Populisten und reproduziert deren polarisierende Dynamiken.
@timberlake: Kannst du dir keinen Unterschied ausmalen zwischen einem „Stückwerk“ aus Einzelmaßnahmen und einer übergreifenden Perspektive? Und keinen zwischen dem ständigen Hinterherlaufen bei AfD-Themen und dem Entwickeln einer eigenen, positiven Agenda?

Nehmen wir das AfD-Paradox: Viele ihrer Wähler gehören zu den verletzlichsten Gruppen unserer Gesellschaft – mit geringem Einkommen, niedrigerem Bildungsstand und oft aus strukturschwachen Regionen –, und gerade sie würden am stärksten unter einer AfD-Politik leiden. Denn diese steht für Kürzungen sozialer Leistungen, weniger staatliche Unterstützung und wirtschaftliche Abschottung – alles Dinge, die diesen Menschen schaden.
spiegel.de hat geschrieben : »Gezielt schüren Akteure [der AfD] fremdenfeindliche Ängste in der deutschen Bevölkerung.« Dabei bedienten sie sich »bewusst apokalyptischer Schreckensszenarien«.
Was es braucht, ist Aufklärung – und gleichzeitig vor allem eine Politik, die wirklich hilft, ihre Lebensbedingungen zu verbessern und positive Perspektiven bietet. Flüchtlinge dienen hier oft nur als Sündenböcke in „apokalyptischen Schreckensszenarien“ – sie sind gar nicht das eigentliche Problem. Und das Leben der Betroffenen ändert sich ebenfalls nicht, wenn ein Minister in seinem Ressort das Gendern verbietet. Es geht darum, statt populistischen Einzelthemen eine zusammenhängende, sozial gerechte und zukunftsfähige Perspektive zu entwickeln, die den Menschen konkret zeigt, wie ihr Leben besser werden kann – und so das Vertrauen in Politik zurückzugewinnen, das wir brauchen, um gemeinsam die globalen Herausforderungen zu bewältigen.

Nebenbei: Die von der AfD geschürte Ausländerfeindlichkeit ist oft dort am stärksten, wo kaum Ausländer oder Migranten leben. Ablehnung und Angst entstehen hier nicht aus tatsächlicher Begegnung, sondern sind Ausdruck von Protest, Unsicherheit und sozioökonomischer Frustration in ärmeren, strukturschwachen Regionen. Was hilft da eher – die Lebensverhältnisse verbessern oder die Grenzen schließen? Zumal wir für eine florierende Wirtschaft auf Migranten angewiesen sind – auf gut Qualifizierte ebenso wie auf weniger Qualifizierte.



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