Um auf das Thema dieses Threads zurückzukommen, gemeinsame Gene, die einen möglicherweise, wider aller Schlichtungsversuche, doch gleich was auf sein Land sein lassen?Quk hat geschrieben : ↑Fr 2. Mai 2025, 13:14Davon war ich schon immer überzeugt, denn offensichtlich können wir Menschen uns alle, trotz markanter kultureller Unterschiede, verständigen mittels Mimik, Melodie, Rhythmus, Gestik und so weiter. Das ist, denke ich, letztendlich nicht verwunderlich, schließlich kommen wir alle aus der selben Quelle und tragen sehr viele gemeinsame Gene in uns.
Stolz sein auf ein Land? – Ein Schlichtungsversuch
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Timberlake
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Jörn Budesheim
Wir haben uns von dem Thema gar nicht entfernt.
Hier ist ein geistig-moralisch unterirdischer TAZ-Artikel eines linksradikalen Antinationalisten/Antipatrioten, der "Schwarz-Rot-Gold-Ekel" für das einzig angemessene Gefühl gegenüber dem eigenen Land hält, das Fahnenschwenken deutscher Fußballfans bei der Frauen-EM als Ausdruck faschistischer "Deutschland über alles!"-Gesinnung betrachtet, und in jeglicher "Normalisierung nationaler Identifikation" die unmittelbare Gefahr einer Renazifizierung sieht: https://taz.de/Ob-Maenner--oder-Frauenf ... /!6100412/
P.S.:
Dass es nicht nur eine Form von Nationalismus gibt, und dass zwischen dem liberalen Nationalismus und dem faschistoiden integralen Nationalismus ein wesentlicher Unterschied besteht, scheint der Autor in seiner eigenen ideologischen Verblendung nicht wahrzunehmen; denn für ihn gilt offenkundig: Nationalismus = Fascho-/Nazi-Nationalismus.
P.S.:
Dass es nicht nur eine Form von Nationalismus gibt, und dass zwischen dem liberalen Nationalismus und dem faschistoiden integralen Nationalismus ein wesentlicher Unterschied besteht, scheint der Autor in seiner eigenen ideologischen Verblendung nicht wahrzunehmen; denn für ihn gilt offenkundig: Nationalismus = Fascho-/Nazi-Nationalismus.
"Integraler Nationalismus ist eine besonders extreme Form des Nationalismus, die die Nation als den höchsten Wert betrachtet und alle individuellen und zwischenmenschlichen Interessen ihr unterordnet. Diese Ideologie betont die Einheit und Homogenität der Nation und kann zu einem autoritären und exklusiven Denken führen.
Merkmale des Integralen Nationalismus:
* Überordnung der Nation: Die Nation steht über allem anderen, einschließlich individueller Rechte, Klasseninteressen und humanitären Werten.
* Homogenitätsstreben: Integraler Nationalismus strebt nach einer möglichst homogenen Gesellschaft, in der alle Mitglieder eine gemeinsame nationale Identität teilen.
* Abwertung anderer: Diese Ideologie neigt dazu, andere Nationen oder nationale Minderheiten abzuwerten oder als Bedrohung wahrzunehmen.
* Autoritäre Tendenzen: Integraler Nationalismus wird oft mit autoritären Regimen und der Unterdrückung abweichender Meinungen in Verbindung gebracht.
* Einschränkung individueller Freiheit: Individuelle Rechte und Freiheiten werden der vermeintlichen nationalen Einheit untergeordnet.
Abgrenzung zu anderen Formen des Nationalismus:
* Liberaler Nationalismus: Legt Wert auf die nationale Selbstbestimmung, aber auch auf individuelle Freiheiten und demokratische Prinzipien.
* Kultureller Nationalismus: Betont die kulturelle Einheit einer Nation, ohne unbedingt einen politischen Führungsanspruch zu erheben.
Historischer Kontext:
* Integraler Nationalismus fand im 19. und 20. Jahrhundert in verschiedenen Ländern Anklang und war eine Ideologie, die oft mit autoritären und totalitären Regimen verbunden war.
* Der Begriff wurde vom amerikanischen Historiker Carlton Hayes geprägt, wie Wikipedia schreibt.
Im deutschen Kaiserreich diente er als Grundlage für die Politik des Alldeutschen Verbandes und wurde später von den Nationalsozialisten aufgegriffen und radikalisiert."
Quelle: Google-Suche KI
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
Wie bitte?! Das Thema Patriotismus "sei kein Politikum"?"Grünen-Chef Felix Banaszak hat sich im "Sommerinterview" der ARD nicht nur den Fragen des stellvertretenden ARD-Studiochefs Matthias Deiß gestellt, sondern auch solchen, die Nutzer auf Social-Media-Portalen an ihn formuliert hatten. Ein Bürger erinnerte an ein älteres Zitat aus einem Buch von Robert Habeck, wonach dieser Vaterlandsliebe "zum Kotzen" fand und fragte Banaszak: "Haben Sie auch ein Problem mit dem Vaterland?"
Der Grünen-Co-Chef entgegnete: "Was soll ich dazu sagen? Ich liebe erst mal meine Frau und meine Tochter und das über alle Maßen. Und ich möchte, dass Deutschland ein Land ist, in dem sich alle Menschen wohlfühlen, das für alle Menschen eine Heimat ist." Auf Nachfrage erklärte Banaszak: "Ich liebe Duisburg. Ich liebe mein konkretes Umfeld." Er habe ein gutes Verhältnis zu Deutschland. "Ich kann mit dem Begriff Liebe für so etwas Abstraktes... Aber das soll jeder für sich entscheiden." Das sei kein Politikum."
Quelle: https://www.n-tv.de/politik/Sommerinter ... 42830.html
Wie peinlich! Linke wie Banaszak, die auf die Frage nach ihrer persönlichen Beziehung zum Vaterland mit einem derartigen Gestammel antworten, sollten sich über den Erfolg der AfD nicht wundern. "Er habe ein gutes Verhältnis zu Deutschland" – das klingt so wie "Er habe ein gutes Verhältnis zu seinem Steuerberater".
Für Banaszak ist Deutschland "etwas Abstraktes"—also etwas, das ihn vielleicht rational interessiert, aber emotional kaltlässt. Für seine Geburtsstadt Duisburg kann er sich hingegen liebevoll erwärmen, obgleich die meisten Duisburger genauso wenig zu seinem "konkreten Umfeld" gehören wie die meisten Deutschen. Und mit manchen Stadtteilen Duisburgs ist er wohl genauso wenig vertraut wie mit manchen Bundesländern. Trotzdem kann er Duisburg lieben und Deutschland nicht. Seltsam, oder nicht?
Dabei scheint er gar nicht zu verstehen, dass Vaterlandsliebe nicht genau dieselbe Art von Liebe sein muss wie die Liebe zu seiner Frau und seiner Tochter. Um erotische Liebe wie die zu seiner Frau geht es bei der Vaterlandsliebe jedenfalls nicht; denn dabei geht es um eine andere Art des Zugeneigt- oder Zugetanseins, der Geneigtheit oder Gewogenheit, die man alternativ mit dem Wort "Gunst" ausdrücken könnte, d.i. "die wohlwollend geneigte Gesinnung gegen Einen, wonach man ihm alles Gute gönnt und sein Wohl, seine Absicht fördert" (Sanders' Wörterbuch der deutschen Sprache).
Außerdem:
"Auch das Objekt patriotischer Loyalität – die patria oder das Land – bedarf einer Erläuterung. Ein Land – das eigene Land – ist nicht mit seinem Staat oder seiner Regierung gleichzusetzen, obwohl ein Land ein Gemeinwesen umfasst. …Wir müssen ein Land ganzheitlicher betrachten, im Allgemeinen als etwas, das aus einer Landschaft, einem Erdgebiet, einem Volk, einer Kultur, einer Geschichte, einem kollektiven Selbstverständnis und einem Netzwerk sozialer Institutionen besteht, die durch die besondere Rechtsstruktur einer Regierungsordnung gestaltet und zusammengehalten werden." [Google Translate]
(Kleinig, John. "The Virtue in Patriotism." In: John Kleinig, Simon Keller, & Igor Primoratz, The Ethics of Patriotism: A Debate, 19-47. Malden, MA: Wiley Blackwell, 2015. p. 21)
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
Was das Habeck-Zitat betrifft, so ist Folgendes anzufügen, wobei ich Habecks betreffendes Buch (Patriotismus: Ein linkes Plädoyer, 2010) nicht gelesen habe:Consul hat geschrieben : ↑Mo 4. Aug 2025, 01:41"Grünen-Chef Felix Banaszak hat sich im "Sommerinterview" der ARD nicht nur den Fragen des stellvertretenden ARD-Studiochefs Matthias Deiß gestellt, sondern auch solchen, die Nutzer auf Social-Media-Portalen an ihn formuliert hatten. Ein Bürger erinnerte an ein älteres Zitat aus einem Buch von Robert Habeck, wonach dieser Vaterlandsliebe "zum Kotzen" fand und fragte Banaszak: "Haben Sie auch ein Problem mit dem Vaterland?"…"
Quelle: https://www.n-tv.de/politik/Sommerinter ... 42830.html
Der Patriotismus, mit dem Habeck etwas anfangen kann, ist also der Verfassungspatriotismus.Frage von Rainer M. • 22.03.2024
"Vaterlandsliebe fand ich stets zum Kotzen. Ich wusste mit Deutschland noch nie etwas anzufangen und weiß es bis heute nicht." Dem DFB werfen sie keinen Standort Patriotismus vor. Ist das Sinneswandel??
Zitat von R.H. Falls es nicht CORRECTIV ist, kann er sich mir gerne erklären.
—
Antwort von Robert Habeck
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN • 17.06.2024
Sehr geehrter Herr M.,
vielen Dank für Ihre Frage an Robert Habeck. In Ihrer Frage beziehen Sie sich auf ein Zitat aus seinem Buch - aber schon dies besagt auf den nachfolgenden Seiten das Gegenteil des Zitates. Nach dem Satz kommen 150 Seiten, warum ein linker Patriotismus sinnvoll ist. Warum gerade auch linke Parteien sich um ein Wir-Gefühl und Heimat kümmern müssen. Fahne und Hymne gehören nicht den Rechtspopulisten. Und heute gilt erst recht, dass die Symbole der Republik für die Republik stehen – eine Republik, in der es egal ist, wo jemand herkommt, wen er liebt oder wie sie lebt. Das, was uns verbindet, sind die Werte unserer Verfassung.
Mit freundlichen Grüßen,
Team Robert Habeck
Quelle: https://www.abgeordnetenwatch.de/profil ... weiss-es-0
Siehe dazu:
https://www.glanzundelend.de/Artikel/ar ... habeck.htm
https://taz.de/Gruene-und-Patriotismus/!5739298/
"Auf gut 200 Seiten wirbt Habeck für Verfassungspatriotismus, für Begeisterung fürs Gemeinwohl, für gemeinsame Ideale, kurz: für einen linken Patriotismus."
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
- Jörn P Budesheim
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Abstrakt meint er hier doch eher im Gegensatz zu „konkret“, denke ich: „Ich liebe Duisburg. Ich liebe mein konkretes Umfeld.“ Und: „Ich liebe zunächst einmal meine Frau und meine Tochter.“
Der Ausdruck „Liebe“ bezieht sich – so würde ich das verstehen – also zunächst auf Konkretes: etwas, das er erleben kann, das greifbar ist und Teil seines gelebten Alltags ist. In diesem Sinne ist Deutschland – im Vergleich dazu – etwas Abstraktes: etwas, das man nicht auf dieselbe Weise erleben kann wie Menschen oder den Stadtteil, in dem man lebt. Es ist also nicht so, dass er keinen „Bezug“ zu Deutschland habe – ein „gutes Verhältnis“ bejaht er sogar –, aber Liebe, Emotion und Nähe empfindet er eben nur für das, was ihm wirklich und persönlich begegnet.
Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“
Zusammenfassung von:
Pragmatische Vision
Lothar Struck zu Robert Habecks anregender Diskussionsgrundlage »Patriotismus - Ein linkes Plädoyer«
Robert Habeck entwickelt in seinem Buch ein Plädoyer für einen neuen, linken Patriotismus, den er maßgeblich von nationalistischer Vaterlandsliebe abgrenzt. Für Habeck sind Begriffe wie „Patriotismus“ und „Gemeinwohl“ historisch belastet, jedoch hält er es für notwendig, sie „durch eine offensive Neudefinition der politischen Rechten zu entreißen und selber produktiv zu machen.“ Zentral ist dabei eine positive Identifikation mit der Gesellschaft, in der man lebt, ohne in Nationalismus zu verfallen.
Habecks Ansatz versteht Patriotismus als einen „rationaler Gesellschaftsvertrag mit einer emotionalen Ansprache, eine[r] gemeinsamen Idee, damit ein Pathos der Zusammengehörigkeit entstehen kann, in dem das Gemeinwohl wieder neu entdeckt wird.“ Somit plädiert er für einen Institutions-Patriotismus, bei dem sich die Solidarität und Identifikation an den demokratischen Institutionen und dem Grundgesetz orientieren – nicht an Abstammung oder Herkunft. „Landsleute“ definiert Habeck inklusive: alle, die im Land leben.
Nationalistisch aufgeladene Elemente werden von ihm explizit abgelehnt: „Patriotismus als Vaterlandsliebe lehnt Habeck ab.“ Die Gefahr, lediglich durch die „Institutionen“ in ein bourgeoises Establishment integriert zu werden, sieht er und mahnt stattdessen, den „Marsch durch die Institutionen… in kritischer Sympathie“ zu begleiten.
Das Ziel ist ein inklusiver Patriotismus, der sich klar für Integration – etwa von Migrantinnen und Migranten – ausspricht, einen Fragenkatalog zur Einbürgerung ablehnt und die Demokratie emotional wie rational beleben will. Dabei bleibt für Habeck die Bindung an sozialstaatliche und freiheitliche Werte zentral, im Sinne eines Verfassungspatriotismus, der Bürgerrechte und -pflichten in den Mittelpunkt stellt, ohne die Fehler vergangener nationalistischer Bewegungen zu wiederholen [1].
[1] https://www.glanzundelend.de/Artikel/ar ... habeck.htm
Pragmatische Vision
Lothar Struck zu Robert Habecks anregender Diskussionsgrundlage »Patriotismus - Ein linkes Plädoyer«
Robert Habeck entwickelt in seinem Buch ein Plädoyer für einen neuen, linken Patriotismus, den er maßgeblich von nationalistischer Vaterlandsliebe abgrenzt. Für Habeck sind Begriffe wie „Patriotismus“ und „Gemeinwohl“ historisch belastet, jedoch hält er es für notwendig, sie „durch eine offensive Neudefinition der politischen Rechten zu entreißen und selber produktiv zu machen.“ Zentral ist dabei eine positive Identifikation mit der Gesellschaft, in der man lebt, ohne in Nationalismus zu verfallen.
Habecks Ansatz versteht Patriotismus als einen „rationaler Gesellschaftsvertrag mit einer emotionalen Ansprache, eine[r] gemeinsamen Idee, damit ein Pathos der Zusammengehörigkeit entstehen kann, in dem das Gemeinwohl wieder neu entdeckt wird.“ Somit plädiert er für einen Institutions-Patriotismus, bei dem sich die Solidarität und Identifikation an den demokratischen Institutionen und dem Grundgesetz orientieren – nicht an Abstammung oder Herkunft. „Landsleute“ definiert Habeck inklusive: alle, die im Land leben.
Nationalistisch aufgeladene Elemente werden von ihm explizit abgelehnt: „Patriotismus als Vaterlandsliebe lehnt Habeck ab.“ Die Gefahr, lediglich durch die „Institutionen“ in ein bourgeoises Establishment integriert zu werden, sieht er und mahnt stattdessen, den „Marsch durch die Institutionen… in kritischer Sympathie“ zu begleiten.
Das Ziel ist ein inklusiver Patriotismus, der sich klar für Integration – etwa von Migrantinnen und Migranten – ausspricht, einen Fragenkatalog zur Einbürgerung ablehnt und die Demokratie emotional wie rational beleben will. Dabei bleibt für Habeck die Bindung an sozialstaatliche und freiheitliche Werte zentral, im Sinne eines Verfassungspatriotismus, der Bürgerrechte und -pflichten in den Mittelpunkt stellt, ohne die Fehler vergangener nationalistischer Bewegungen zu wiederholen [1].
[1] https://www.glanzundelend.de/Artikel/ar ... habeck.htm
die KI des Forums / ich kann und werde Fehler machen
Banaszak hätte vor dem Interview mit dem nicht erst seit gestern bekannten Habeck-Zitat rechnen und sich darauf vorbereiten müssen – in dem Wissen, dass die äußeren Rechten (AfD & Co.) es immer wieder vorbringen, um die Grünen und die Linken allgemein als "vaterlandslose Gesellen" hinzustellen und zu verunglimpfen. Er hätte also vor seiner Antwort auf die Frage, ob er Deutschland liebe, zuerst klarstellen müssen, dass dieses Habeck-Zitat im Zusammenhang seines Buches zu verstehen ist, worin Habeck für einen linken Verfassungspatriotismus plädiert. Banaszak hätte dazu nur die oben zitierte Antwort des Habeck-Teams wiedergeben müssen. Doch leider hat er sich nicht wie ein schlauer Politprofi verhalten, sondern wie ein Dilettant. Die AfDler freut's.Consul hat geschrieben : ↑Mo 4. Aug 2025, 02:08…Frage von Rainer M. • 22.03.2024
"Vaterlandsliebe fand ich stets zum Kotzen. Ich wusste mit Deutschland noch nie etwas anzufangen und weiß es bis heute nicht." Dem DFB werfen sie keinen Standort Patriotismus vor. Ist das Sinneswandel??
Zitat von R.H. Falls es nicht CORRECTIV ist, kann er sich mir gerne erklären.
—
Antwort von Robert Habeck
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN • 17.06.2024
Sehr geehrter Herr M.,
vielen Dank für Ihre Frage an Robert Habeck. In Ihrer Frage beziehen Sie sich auf ein Zitat aus seinem Buch - aber schon dies besagt auf den nachfolgenden Seiten das Gegenteil des Zitates. Nach dem Satz kommen 150 Seiten, warum ein linker Patriotismus sinnvoll ist. Warum gerade auch linke Parteien sich um ein Wir-Gefühl und Heimat kümmern müssen. Fahne und Hymne gehören nicht den Rechtspopulisten. Und heute gilt erst recht, dass die Symbole der Republik für die Republik stehen – eine Republik, in der es egal ist, wo jemand herkommt, wen er liebt oder wie sie lebt. Das, was uns verbindet, sind die Werte unserer Verfassung.
Mit freundlichen Grüßen,
Team Robert Habeck
Quelle: https://www.abgeordnetenwatch.de/profil ... weiss-es-0
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
Banaszak hätte das Verb "lieben" geschickt vermeiden können, wenn er beispielsweise wie folgt geantwortet hätte: "Ich mag Deutschland, und ich will, dass es "blüht" – so wie es im Text unserer Nationalhymne steht."Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Mo 4. Aug 2025, 08:55Der Ausdruck „Liebe“ bezieht sich – so würde ich das verstehen – also zunächst auf Konkretes: etwas, das er erleben kann, das greifbar ist und Teil seines gelebten Alltags ist. In diesem Sinne ist Deutschland – im Vergleich dazu – etwas Abstraktes: etwas, das man nicht auf dieselbe Weise erleben kann wie Menschen oder den Stadtteil, in dem man lebt. Es ist also nicht so, dass er keinen „Bezug“ zu Deutschland habe – ein „gutes Verhältnis“ bejaht er sogar –, aber Liebe, Emotion und Nähe empfindet er eben nur für das, was ihm wirklich und persönlich begegnet.
Man kann auch Nichtpersonen lieben. Man kann Jugendstilmöbel, Weißwein, klassische Musik und das Skifahren lieben – und sein Vaterland eben auch, wobei dazu auch Personen gehören, nämlich die eigenen Landsleute. Das soll nicht heißen, dass die Wörter "lieben" und "Liebe" keinerlei semantische Nuancen aufweisen.
Bei der Liebe zum Vaterland (amor patriae) geht es nach meiner Auffassung im Grunde um benevolentia ("das Wohlwollen, die Geneigtheit, Gewogenheit, wohlwollende, freundschaftliche Gesinnung" [Georges]), um eine besondere Sympathie & Loyalität gegenüber dem eigenen Land und den eigenen Landsleuten.
Stanford Encyclopedia of Philosophy: Love
Stanford Encyclopedia of Philosophy: Liebe [Google Translate]
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
Jan-Werner Müller erwähnt zwei Haupteinwände gegen den Verfassungspatriotismus:
"Britische und amerikanische Politikwissenschaftler neigen dazu, das Konzept des Verfassungspatriotismus aus zwei Hauptgründen abzulehnen. Zum einen wird Verfassungspatriotismus – verstanden als postnationale, universalistische Form demokratischer politischer Loyalität – aufgrund seiner abstrakten oder, wie eine besonders unpassende Metapher lautet, „blutleeren“ Qualität abgelehnt. Angesichts der universalistischen Moral, die dem Verfassungspatriotismus zugrunde liegt, so argumentieren die Kritiker, gebe es keinen Grund, sich mit einem bestimmten Gemeinwesen zu identifizieren. Mit anderen Worten: Verfassungspatriotismus sei eine Art Oxymoron, in dem der universalistische Teil – angedeutet durch den Begriff des Konstitutionalismus – stets die Idee der Loyalität – angedeutet durch den Begriff des Patriotismus – verdrängen werde.
Ein zweiter Kritikpunkt – schriftlich deutlich zurückhaltender, aber oft in direkter Konfrontation mit den Befürwortern des Verfassungspatriotismus geäußert – behauptet jedoch fast genau das Gegenteil des ersten. Hier wird argumentiert, dass der Verfassungspatriotismus, obwohl er universalistisch erscheint, in Wirklichkeit durch und durch partikularistisch ist. Einer genealogischen Kritik zufolge wird behauptet, dass der Verfassungspatriotismus in seinem Ursprungskontext – nämlich in Westdeutschland, einer „Halbnation“ mit einem aufgrund der Nazi-Vergangenheit zutiefst kompromittierten Nationalgefühl – angemessen gewesen sein könnte. Andere Länder, so das Argument, haben jedoch keine vergleichbar schwierige Vergangenheit und sind daher mit Formen des liberalen Nationalismus besser bedient. Ein weiteres Argument besagt, dass andere Länder entweder keine (geschriebene) Verfassung haben oder die Verfassung einfach nicht als Mittelpunkt demokratischer Loyalität verehren, wie es die Deutschen (und übrigens auch die Amerikaner) tun. Kurz gesagt, Verfassungspatriotismus ist eine Art Partikularismus in universalistischer Verkleidung – und einer, der Europa als Ganzes aufgezwungen werden könnte, wenn es nach den Befürwortern eines „europäischen Verfassungspatriotismus“ ginge. Auf seltsame Weise könnte Thomas Manns Albtraum – ein deutsches Europa statt eines europäischen Deutschlands – am Ende doch wahr werden." [Google Translate]
(Müller, Jan-Werner. "On the Origins of Constitutional Patriotism." [2007.] Repr. in Patriotism: Philosophical and Political Perspectives, ed. by Igor Primoratz & Aleksandar Pavković, 95-111. Aldershot: Ashgate, 2007. pp. 95-6)
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
"Verfassungspatriotismus – auf den ersten, unbefangenen Blick erscheint der Begriff wie ein Widerspruch in sich. Verfassungen begrenzen politische Handlungsspielräume; sie »vertexten« den Staat, wie Niklas Luhmann einmal bemerkte; oft sind sie auch Resultat blutiger Konflikte oder zumindest langwieriger Verhandlungen, in denen bestimmte Interessen durchgesetzt werden sollen, und somit auch eine Art »Autobiografie der Macht«. Patriotismus hingegen erscheint als etwas kategorial anderes: Wo die Verfassung den Staat vertextet, verzaubert ihn der Patriotismus; er ist keine Sache von Interessen, sondern von aus Liebe und Leidenschaft dargebrachten Opfern. Und während die Verfassung die Rechte der Individuen schützen soll, stellt der Patriotismus im Zweifelsfall das Wohlergehen des Kollektivs – und zwar gerade des romantisch verklärten, wenn nicht gar mystischen – über die Rechte, Freiheiten und Interessen des Einzelnen. Der Philosoph Alasdair MacIntyre bemerkte einmal, Patriotismus stelle eine ständige Quelle moralischer Gefahren dar; der politische Theoretiker George Kateb ging noch einen Schritt weiter und behauptete, es liege in der Natur des Patriotismus, die Moral zu missachten.
Und doch: Das scheinbare Oxymoron Verfassungspatriotismus hatte und hat zweifelsohne eine gewisse politische und vor allem auch moralische Anziehungskraft. Die Grundidee ist nicht allzu schwer zu erfassen: Politische Loyalität, so die Verfechter des Verfassungspatriotismus, sei nicht der Nation – einem sich über Kultur definierenden Kollektiv – oder der Menschheit an sich geschuldet, sondern den universalistischen Prinzipien und (auf eher indirekte Weise) den Prozeduren der liberalen Demokratie, die sich für gewöhnlich in einer Verfassung kristallisieren. Damit unterscheidet sich Verfassungspatriotismus sowohl von Gedankenströmungen, die im englischsprachigen Raum unter »liberaler Nationalismus« zusammengefasst werden, als auch von einem Kosmopolitismus, der moralische Pflichten primär auf die »weltweite Gemeinschaft aller Menschen« bezieht, wie Martha Nussbaum behauptet. Verfassungspatriotismus ist aber auch etwas anderes als der republikanische, oftmals von der römischen Antike inspirierte Patriotismus, welcher vor allem in der Renaissance eine Blütezeit erlebte und welcher martialische Tugenden und Opferbereitschaft in den Vordergrund stellt."
(Müller, Jan-Werner. Verfassungspatriotismus. Berlin: Suhrkamp, 2010. S. 9-10)
"Verfassungspatriotismus und liberaler Konstitutionalismus sind zwei eng verwandte Konzepte, die eine wichtige Rolle im Verständnis moderner Demokratien spielen. Verfassungspatriotismus bezeichnet die Identifikation mit den Werten und Institutionen einer Verfassung, während liberaler Konstitutionalismus die Verankerung von Rechten und Pflichten des Staates und seiner Bürger in einer Verfassung betont. Beide Konzepte sind grundlegend für die Funktionsweise einer freiheitlichen, rechtsstaatlichen Demokratie.
Verfassungspatriotismus:
Verfassungspatriotismus, geprägt von Dolf Sternberger, ist eine Form der Identifikation mit dem eigenen Staat, die nicht auf ethnischen oder kulturellen Merkmalen basiert, sondern auf den gemeinsamen Werten und Prinzipien einer Verfassung. Es geht darum, eine politische Kultur zu schaffen, in der sich die Bürger aktiv mit ihrer Verfassung und den darin verankerten Grundrechten identifizieren und diese aktiv mittragen. Sternberger sah im Verfassungspatriotismus einen Ersatz für den traditionellen, oft nationalistischen Patriotismus, der zu Konflikten und Ausgrenzung führen kann.
Liberaler Konstitutionalismus:
Liberaler Konstitutionalismus ist eine Staatsform, in der die Macht des Staates durch eine Verfassung begrenzt wird und die Rechte und Pflichten von Staat und Bürgern klar definiert sind. Er basiert auf der Idee, dass die staatliche Gewalt nicht unbegrenzt ist, sondern durch Gesetze und Institutionen eingeschränkt wird, um die Freiheit und die Rechte der Bürger zu schützen. Im liberalen Konstitutionalismus spielt die Verfassung eine zentrale Rolle als Fundament der Rechtsordnung und als Garant für die Einhaltung der Grundrechte.
Zusammenhang:
Verfassungspatriotismus und liberaler Konstitutionalismus ergänzen sich: Ein starker Verfassungspatriotismus kann dazu beitragen, dass die Bürger die Prinzipien des liberalen Konstitutionalismus aktiv mittragen und verteidigen. Umgekehrt kann ein gut funktionierender liberaler Konstitutionalismus die Grundlage für eine positive Identifikation mit dem Staat und seinen Werten schaffen. In einer liberalen Demokratie ist es wichtig, dass die Bürger eine aktive Rolle im politischen Prozess übernehmen und sich für die Erhaltung und Weiterentwicklung der Verfassung einsetzen. Dies erfordert ein tiefes Verständnis der Verfassungswerte und die Bereitschaft, diese zu verteidigen und zu leben."
Quelle: Google-Suche KI
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Ich habe das, was Felix Banaszak sagt, nicht so verstanden. Er sagt schließlich: „Ich liebe Duisburg.”
Ja, das wäre wohl professioneller gewesen.
Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“
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"Vaterlandsliebe fand ich stets zum Kotzen. Ich wusste mit Deutschland noch nie etwas anzufangen und weiß es bis heute nicht." (Robert Habeck)
"Nach dem Satz kommen 150 Seiten, warum ein linker Patriotismus sinnvoll ist. Warum gerade auch linke Parteien sich um ein Wir-Gefühl und Heimat kümmern müssen. Fahne und Hymne gehören nicht den Rechtspopulisten. Und heute gilt erst recht, dass die Symbole der Republik für die Republik stehen – eine Republik, in der es egal ist, wo jemand herkommt, wen er liebt oder wie sie lebt. Das, was uns verbindet, sind die Werte unserer Verfassung. (Team Robert Habeck)
"Jan-Werner Müller erwähnt zwei Haupteinwände gegen den Verfassungspatriotismus: ..." (Consul)
Wünschst du dir also, dass Habeck seinen "linken Patriotismus" aufgibt ... und ganz unpatriotisch wird, denn das wäre ja dann die Konsequenz für ihn, oder?
"Nach dem Satz kommen 150 Seiten, warum ein linker Patriotismus sinnvoll ist. Warum gerade auch linke Parteien sich um ein Wir-Gefühl und Heimat kümmern müssen. Fahne und Hymne gehören nicht den Rechtspopulisten. Und heute gilt erst recht, dass die Symbole der Republik für die Republik stehen – eine Republik, in der es egal ist, wo jemand herkommt, wen er liebt oder wie sie lebt. Das, was uns verbindet, sind die Werte unserer Verfassung. (Team Robert Habeck)
"Jan-Werner Müller erwähnt zwei Haupteinwände gegen den Verfassungspatriotismus: ..." (Consul)
Wünschst du dir also, dass Habeck seinen "linken Patriotismus" aufgibt ... und ganz unpatriotisch wird, denn das wäre ja dann die Konsequenz für ihn, oder?
Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“
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Verfassungen [...] »vertexten« den Staat, wie Niklas Luhmann einmal bemerkte. (Jan-Werner Müller)
Vertexten? Damit kann ich nichts anfangen.
Vertexten? Damit kann ich nichts anfangen.
Ja, das ist ein Text, aber es geht nicht um die Text-Form, sondern um den Inhalt. Damit wird der Staat nicht »vertextet«, sondern auf eine starke ethische Grundlage gestellt. Warum soll man sich damit nicht identifizieren können? Warum sollte man darauf nicht stolz sein können?Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland
(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“
Die Regeln und Normen des Staates sind in dessen Verfassung als einem Gesetzestext "vertextet" und damit kodizifiert. So verstehe ich das.Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Di 5. Aug 2025, 09:15Verfassungen [...] »vertexten« den Staat, wie Niklas Luhmann einmal bemerkte. (Jan-Werner Müller)
Vertexten? Damit kann ich nichts anfangen.
Ich habe die Phrase "Vertextung des Staates" einmal bei Luhmann gefunden [*, dessen Texte nicht dafür bekannt sind, leicht verständlich zu sein. (Ich verzichte darauf, diese Phrase in ihrem Kontext zu zitieren, weil ich dazu mehrere Seiten zitieren müsste.)
[* Luhmann, Niklas. Gesellschaftsstruktur und Semantik: Studien zur Wissenssoziologie der modernen Gesellschaft. Band 4. 2. Aufl. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 2012. S. 114]
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
Ich würde gerne sein (vergriffenes) Buch lesen, bevor ich ein Urteil über sein Patriotismus-Verständnis fälle; aber es ist allgemein fraglich, ob "Verfassungsliebe" ein guter, geeigneter Ersatz für Vaterlandsliebe ist, und ob der sogenannte Verfassungspatriotismus überhaupt noch eine Art von Patriotismus ist—angesichts dessen, dass sein primärer und zentraler Gegenstand nicht mehr die patria, sondern die (liberal-demokratische) constitutio ist.Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Di 5. Aug 2025, 08:57Wünschst du dir also, dass Habeck seinen "linken Patriotismus" aufgibt ... und ganz unpatriotisch wird, denn das wäre ja dann die Konsequenz für ihn, oder?
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
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Das Vater- oder Mutterland („patria“) und seine Verfassung („constitutio“) gehören doch eng zusammen. Die constitutio kann eine tiefe emotionale Bindung erzeugen – eben weil ihre Wirkung konkret, am eigenen Leib und Geist spürbar ist: nämlich ob ich frei sprechen, lieben, glauben oder reisen darf.
Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“
Der amerikanische Politologe George Kateb sieht es auch so:Consul hat geschrieben : ↑Mo 4. Aug 2025, 01:41"…Auf Nachfrage erklärte Banaszak: "Ich liebe Duisburg. Ich liebe mein konkretes Umfeld." Er habe ein gutes Verhältnis zu Deutschland. "Ich kann mit dem Begriff Liebe für so etwas Abstraktes...."
Quelle: https://www.n-tv.de/politik/Sommerinter ... 42830.html
Dem hält Igor Primoratz Folgendes entgegen:"Was ist das eigene Land? Die Antwort, die ich hier gebe, entspricht nicht der allgemeinen Auffassung, die die von mir vorgeschlagene Antwort zurückweisen würde. Meine Antwort ist, dass das eigene Land – jedes Land – am besten als Abstraktion verstanden wird, da es sich aus wenigen realen und vielen imaginären Bestandteilen zusammensetzt. Wenn das Wort imaginär zu verächtlich ist, ersetzen Sie es durch imaginativ oder ästhetisch induziert. Ein Land ist keine erkennbare Ansammlung erkennbarer Individuen wie ein Team, eine Fakultät oder ein Ortsverband einer Freiwilligenvereinigung. Natürlich ist ein Land ein abgegrenztes Gebiet. Es ist auch ein Ort, ein Schauplatz, ein Geographie; es gibt Landschaften, Stadtansichten, vielleicht auch Meerespanoramen; es gibt alte Gebäude ebenso wie neue; es hat historische Stätten; es hat Licht, Luft, eine Atmosphäre; es hat ein besonderes Aussehen. Aber es ist auch konstruiert aus überlieferten Erinnerungen, wahren und falschen; einer Geschichte, die meist fälschlicherweise beschönigt oder heroisiert wird; einem Gefühl der Verwandtschaft von weitgehend erfundener Reinheit; und sozialen Bindungen, die weitgehend unsichtbar oder unpersönlich, ja abstrakt sind, aber durch einen Akt beharrlicher oder traumhafter Vorstellungskraft sichtbar und persönlich gemacht werden.
Was ist Patriotismus also wirklich? Es ist die Bereitschaft, für eine Abstraktion zu sterben und zu töten: nichts, was man vollständig sehen, fühlen oder begreifen kann, wie man die Anwesenheit eines anderen Menschen spürt. Patriotismus ist also die Bereitschaft, für etwas zu sterben und zu töten, das größtenteils ein Produkt der Fantasie ist. Für dieses Produkt verpflichtet man sich zu einer militarisierten und kontinuierlich politisierten Lebensauffassung, einer durch und durch maskulinistischen Auffassung. Patriotismus ist seinem Wesen nach ein Bekenntnis zu das System des vorzeitigen, gewaltsamen Todes, der zugefügt und akzeptiert wird, in welcher Stimmung auch immer es dem Temperament des Einzelnen entspricht oder in der eigenen Zeit und am eigenen Ort aktuell ist, und mit Siegen und Niederlagen, die kommen, wie sie kommen." [Google Translate]
(Kateb, George. "Is Patriotism a Mistake?" [2000.] Repr. in Patriotism and Other Mistakes, 3-20. New Haven: Yale University Press, 2006. pp. 7-8)
"[D]ie Tatsache, dass ein Land keine Ansammlung „erkennbarer Individuen“ ist und die sozialen Bindungen zwischen Landsleuten „weitgehend unsichtbar oder unpersönlich“ und nicht greifbar und persönlich sind, bedeutet nicht, dass es unwirklich oder imaginär ist. Wie Benedict Anderson, der den Begriff „imaginierte Gemeinschaft“ geprägt hat, betont, „sind alle Gemeinschaften, die größer sind als ursprüngliche Dörfer mit persönlichem Kontakt,…imaginiert“. Eine „imaginierte Gemeinschaft“ ist nicht das Gegenteil einer „realen Gemeinschaft“, sondern einer Gemeinschaft, deren Mitglieder persönliche Beziehungen pflegen." [Google Translate|
(Primoratz, Igor. Patriotism, in Stanford Encyclopedia of Philosophy, 2020.)
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
Ich habe heute ein Druckexemplar dieses Buches erhalten, das auf der Rückseite von keinem Geringeren als Habermas gepriesen wird:
"Ich kenne keine präzisere und sorgfältigere Darstellung des politischen und ideengeschichtlichen Kontexts, in dem die Debatte um den Verfassungspatriotismus einst begann. Vor allem bietet Müller eine meisterhafte Interpretation dieses wichtigen Konzepts, die viele Mißverständnisse beseitigt." – Jürgen Habermas
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
Apropos Literatur, Thea Dorn hat ein Buch mit dem Titel "deutsch, nicht dumpf: Ein Leitfaden für aufgeklärte Patrioten" geschrieben:
"Heimat, Leitkultur, Nation: Thea Dorn will diese Themen nicht den Rechten überlassen."
Darin geht sie auch auf Habecks Patriotismus-Buch ein:
"Heimat, Leitkultur, Nation: Thea Dorn will diese Themen nicht den Rechten überlassen."
Darin geht sie auch auf Habecks Patriotismus-Buch ein:
"Munter und unerschrocken geht Robert Habeck ans Werk, Patriotismus für die zeitgenössische deutsche Linke zumutbar zu machen. Der Schriftsteller und Politiker, den Bündnis 90/Die Grünen in diesem Januar zu einem ihrer beiden Parteivorsitzenden gewählt haben, war der erste prominente Grüne, der es wagte, den Begriff »Patriotismus« nicht nur in den Mund zu nehmen, sondern sogar auf den Titel eines Buches zu setzen. 2010, in seiner Zeit als Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag von Schleswig-Holstein, veröffentlichte Habeck Patriotismus. Ein linkes Plädoyer. Auf dem Cover ist er selbst zu sehen, entspannt im Rollkragenpullover, die Hände in die Taschen seiner Jeans versenkt, auf einem leicht nebligen Acker stehend.
Frei von der Leber weg bekennt der 1969 Geborene: »Patriotismus, Vaterlandsliebe also, fand ich stets zum Kotzen. Ich wusste mit Deutschland nichts anzufangen und weiß es bis heute nicht.«
Na, was jetzt?, mögen manche stutzen. Weiß mit Deutschland nichts anzufangen und will für Patriotismus werben – wie soll denn das gehen? In der Tat verkündet Habeck erst einmal, einen »Patriotismus ohne Deutschland« konstruieren zu wollen, der trotzdem – oder gerade deshalb – seinerseits dazu geeignet wäre, »eine Gesellschaft, eine Gemeinsamkeit, ein Wir« zu begründen. »Wenn Menschen füreinander da sein sollen«, schreibt er, »obwohl sie einander Fremde sind, obwohl sie durch Alter, Bildung, Herkunft getrennt in verschiedenen Welten leben, braucht man eine emotionale Ansprache, eine gemeinsame Idee, ein Pathos der Zusammengehörigkeit.« Ein »linker Patriotismus« ist für Habeck demnach jede »Erzählung, die auf Veränderung setzt, auf Gerechtigkeit und Internationalität«, jedes Engagement, das den »verborgenen Idealismus« der Menschen zu wecken vermag, denn: »Begeisterung für Politik, Gemeinwohl, Engagement ist notwendig. […] Ideale ohne Menschen sind nur leere Ideen. Letzteres beschreibt den Zustand der politischen Kultur in Deutschland. Wir wurschteln uns so durch, reformieren so vor uns hin, aber nur kurzsichtig, ohne langfristige Ideen und konsequente Ideale.«
Sehnsüchtig blickt Habeck im Jahre 2010 über den Atlantik und verleiht seiner Bewunderung für den damaligen US-Präsidenten Barack Obama Ausdruck. Von seiner Kritik der deutschen Zustände nimmt Habeck auch die eigene Partei nicht aus. Dem »spielerischen Patriotismus« bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 konnte er durchaus etwas abgewinnen, der politischen Linken in Deutschland wirft er vor, dass ihr »genau diese Freude, diese Lust« und damit letztlich auch »die Begeisterung für Veränderung« abhandengekommen seien. »Ihr ganzer Ansatz ist irgendwie griesgrämig«, stellt er unverblümt fest. Der »Mut, Veränderung zu wollen und neue Antworten auf neue Fragen zu suchen«, macht für Habeck aber den Kern des Linksseins aus. »Linkssein«, sagt er klar, »hat nichts mit Sozialismus zu tun.«
Sein eigenes Projekt eines »linken Patriotismus«, den er auch als »liberalen Paternalismus« respektive »sanften Zwang zur Freiheit« versteht, umreißt Habeck im Hauptteil seines Buches, in welchem er postsozialistische linke Forderungen wie Bildungsgeld, Sozialerbschaft, Kindergrundsicherung, Elternteilzeit, Umweltschutz und die Stärkung von Infrastrukturen anstelle von Transferleistungen erhebt.
Beim Schreiben muss Habeck selbst irgendwann gemerkt haben, dass sein »Patriotismus ohne Deutschland« am Ende doch auf Backen ohne Mehl hinausläuft. Auf den letzten beiden Seiten seines Buches erklärt er nämlich: »Ein neues fortschrittliches Regierungsprojekt, eine neue fortschrittliche Partei, wird […] einen neuen Begriff des Gemeinwesens entwickeln müssen, einen neuen Gesellschaftsvertrag, der die alten Gegensätze überwindet und seine Ideale als Gleichheit, Mündigkeit und Teilhabe neu formuliert. […] Dies aber erfordert […] ein positives Bekenntnis zu der Gesellschaft, in der man agiert. […] ein Ja zum Gemeinwohl als grundlegende Haltung [ist] die Voraussetzung, sonst kann man es bleiben lassen.«
Ich würde sagen, die »intellektuelle Redlichkeit«, die Habeck zufolge »zum Bemühen um einen linken Patriotismus« zwingt, hätte ihn auch dazu verpflichtet, sich zu trauen, im letzten Satz statt »Gemeinwohl« »Bundesrepublik Deutschland« zu „schreiben. Schließlich gibt er selbst zu, dass jedes »neue fortschrittliche Regierungsprojekt« ein »positives Bekenntnis zu der Gesellschaft, in der man agiert«, erfordert. Und diese Gesellschaft ist nun einmal – solange die Vereinigten Staaten von Europa oder gar der Weltbürgerstaat keine Wirklichkeit sind – unsere gute, alte Bundesrepublik.
Ich wünsche Habeck und unserem Land, dass er als neuer Vorsitzender in seiner Partei viele offene Ohren und Herzen für sein Anliegen eines »linken Patriotismus« finden möge."
(Dorn, Thea. deutsch, nicht dumpf: Ein Leitfaden für aufgeklärte Patrioten. 2. Aufl. München: Knaus, 2018. S. 292-4)
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding