Sinn des Lebens
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Jörn Budesheim
Zur Etymologie von Sinn: Der Begriff „Sinn“ hat eine bemerkenswert vielschichtige Geschichte und ist auch heute noch in seiner Bedeutung keineswegs eindimensional. Ursprünglich aus der indogermanischen Wurzel sent- stammend, die „gehen, reisen, fahren“ bedeutete, verweist er auf Bewegung und Zielgerichtetheit – Aspekte, die wir auch in modernen Begriffen wie „Uhrzeigersinn“ oder „Drehsinn“ wiederfinden. Interessanterweise finden sich ähnliche Bedeutungen auch im Italienischen, etwa in „senso unico“, was „Einbahnstraße“ bedeutet – ein klarer Verweis auf Richtung und Ziel.
Im Laufe der Zeit kamen weitere Bedeutungen hinzu. „Sinn“ wurde sowohl mit Wahrnehmung als auch mit Absicht und geistiger Orientierung (auch eine Form der "Aus-Richtung") verknüpft. Im Lateinischen etwa steht sentire für „empfinden“ oder „wahrnehmen“.
In der Philosophie steht der Begriff im Zusammenhang mit Konzepten wie Bedeutung, Zweck und Verständnis ... (Frege, Gabriel und Luhmann lasse ich der Einfachheit halber weg, alle drei geben dem Begriff Sinn einen weiteren Dreh.)
Im Laufe der Zeit kamen weitere Bedeutungen hinzu. „Sinn“ wurde sowohl mit Wahrnehmung als auch mit Absicht und geistiger Orientierung (auch eine Form der "Aus-Richtung") verknüpft. Im Lateinischen etwa steht sentire für „empfinden“ oder „wahrnehmen“.
In der Philosophie steht der Begriff im Zusammenhang mit Konzepten wie Bedeutung, Zweck und Verständnis ... (Frege, Gabriel und Luhmann lasse ich der Einfachheit halber weg, alle drei geben dem Begriff Sinn einen weiteren Dreh.)
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Jörn Budesheim
Der Sinn eines Satzes wie „Ich trinke Wasser“ liegt in seiner Proposition.
Der Sinn der Handlung „Ich trinke Wasser“ ist in ihrer Absicht zu finden.
Der Sinn des Wassertrinkens „Ich trinke Wasser“ ergibt sich u.a. aus der Rolle, die Wasser in meiner Biologie spielt.
(etc.)
Was der Ausdruck „Sinn des Lebens“ bedeutet, ist vielleicht offener, als man zunächst annimmt. Sicher ist jedoch, dass das Leben nicht im gleichen Sinn einen „Sinn“ hat wie ein Verkehrsschild oder ein Satz. Das Leben ist kein Symbol, und sein Sinn ist keine Proposition.
Ich denke, es ist nicht klar, ob sich der Begriff des „Sinns des Lebens“ tatsächlich auf andere Begriffe zurückführen lässt, wie etwa auf „Zweck“ oder „Transzendenz“. Wahrscheinlich wird sich die Bedeutung des Ausdrucks erst dann verfeinern, wenn wir auf der Suche nach den allgemeinen Strukturen Fortschritte machen, die den verschiedenen Konkretisierungen des Begriffs gemeinsam sind.
Die empirischen Daten jedoch sind stark: Etwas, dessen Fehlen krank machen kann und dessen Erkennen gesund, glücklich und zufrieden machen kann, muss eine größere Bedeutung für uns haben, zumal die Frage nach dem Sinn des Lebens für die große Mehrheit von großer Bedeutung ist.
Der Sinn der Handlung „Ich trinke Wasser“ ist in ihrer Absicht zu finden.
Der Sinn des Wassertrinkens „Ich trinke Wasser“ ergibt sich u.a. aus der Rolle, die Wasser in meiner Biologie spielt.
(etc.)
Was der Ausdruck „Sinn des Lebens“ bedeutet, ist vielleicht offener, als man zunächst annimmt. Sicher ist jedoch, dass das Leben nicht im gleichen Sinn einen „Sinn“ hat wie ein Verkehrsschild oder ein Satz. Das Leben ist kein Symbol, und sein Sinn ist keine Proposition.
Ich denke, es ist nicht klar, ob sich der Begriff des „Sinns des Lebens“ tatsächlich auf andere Begriffe zurückführen lässt, wie etwa auf „Zweck“ oder „Transzendenz“. Wahrscheinlich wird sich die Bedeutung des Ausdrucks erst dann verfeinern, wenn wir auf der Suche nach den allgemeinen Strukturen Fortschritte machen, die den verschiedenen Konkretisierungen des Begriffs gemeinsam sind.
Die empirischen Daten jedoch sind stark: Etwas, dessen Fehlen krank machen kann und dessen Erkennen gesund, glücklich und zufrieden machen kann, muss eine größere Bedeutung für uns haben, zumal die Frage nach dem Sinn des Lebens für die große Mehrheit von großer Bedeutung ist.
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Quk
Ich dachte, den Sinn, den Sinnsuchende vermissen, ist ein Sinn des Typs Zweck, Ziel, Ursache und dergleichen, und nicht ein Sinn unbekannten Typs.Jörn Budesheim hat geschrieben : ↑Mo 10. Mär 2025, 16:24... dessen Fehlen krank machen kann und dessen Erkennen gesund, glücklich und zufrieden machen kann, muss eine größere Bedeutung für uns haben ...
Des Weiteren dachte ich, dass jener Sinn, den Sinngenießende glücklich macht, ebenfalls ein Sinn des Typs Zweck, Ziel, Ursache und dergleichen ist, und nicht ein Sinn unbekannten Typs. Denn wenn dieser unbekannt wäre, so könnten die glücklichen Sinngenießenden nicht benennen, was sie glücklich macht.
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Jörn Budesheim
Ich bin jetzt draußen und untersuche die Frage an anderer Stelle für mich alleine.
- Jörn P Budesheim
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Hier noch mal ein neuer Anlauf zu diesem Thema.
Man kann unterscheiden zwischen dem Sinn des Lebens und dem Sinn im Leben, wobei sich das natürlich überschneiden kann.
Der Sinn im Leben besteht in den Dingen, die jedem einzelnen Leben so etwas wie einen roten Faden geben, einen inneren Zusammenhalt. In Dingen, die in sich wertvoll sind und die wir mit Hingabe und Liebe verfolgen, tun oder pflegen – manchmal sogar ein ganzes Leben lang.
Der Sinn des Lebens zeigt sich dagegen in der Bedeutung, die jedes einzelne Dasein für andere hat: für die Gesellschaft, den Freundeskreis, die Kinder, die Familie, den Lebenspartner – für alle, für die wir in irgendeiner Form von Bedeutung sind, im positiven Sinn. Er entsteht dort, wo wir Spuren hinterlassen und in irgendeiner Weise wirklich wichtig oder bedeutsam sind.
Der Sinn im Leben und der Sinn des Lebens können natürlich auch zusammenfallen.
Man kann unterscheiden zwischen dem Sinn des Lebens und dem Sinn im Leben, wobei sich das natürlich überschneiden kann.
Der Sinn im Leben besteht in den Dingen, die jedem einzelnen Leben so etwas wie einen roten Faden geben, einen inneren Zusammenhalt. In Dingen, die in sich wertvoll sind und die wir mit Hingabe und Liebe verfolgen, tun oder pflegen – manchmal sogar ein ganzes Leben lang.
Der Sinn des Lebens zeigt sich dagegen in der Bedeutung, die jedes einzelne Dasein für andere hat: für die Gesellschaft, den Freundeskreis, die Kinder, die Familie, den Lebenspartner – für alle, für die wir in irgendeiner Form von Bedeutung sind, im positiven Sinn. Er entsteht dort, wo wir Spuren hinterlassen und in irgendeiner Weise wirklich wichtig oder bedeutsam sind.
Der Sinn im Leben und der Sinn des Lebens können natürlich auch zusammenfallen.
Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“
Verlagstext zu: Anderen wichtig sein: Eine Philosophie des Lebenssinns hat geschrieben : Was ist der Sinn des Lebens? Seit Jahrtausenden stellen sich Menschen diese Frage, und doch hat sie in wissenschaftlichen Kreisen keinen sonderlich guten Ruf: zu schwierig und zu subjektiv sei sie, zu beliebig und unseriös, aber vor allem: unbeantwortbar. In seinem ebenso grundlegenden wie zugänglichen Buch zeigt der Philosoph Michael Zichy, dass das Gegenteil der Fall ist. Die Frage nach dem Lebenssinn hat neben ihrer persönlich-existenziellen nämlich eine eminent politisch-gesellschaftliche Dimension, die bislang unbeachtet geblieben ist. Das verleiht ihr große Aktualität und Dringlichkeit. Und sie lässt auch eine klare Antwort zu!
In sorgfältiger Auseinandersetzung mit der Tradition entwickelt Zichy einen originellen neuen Ansatz, der der existenziellen Tiefe der Sinnfrage gerecht wird und ihre politische Tragweite deutlich macht. Am Ende, so sein präziser und mit viel Feingefühl argumentierter Vorschlag, geht es im Leben darum, aus den richtigen Gründen und um seiner selbst willen anderen wichtig zu sein. Diese Einsicht hat Folgen für unser Zusammenleben.
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Michael Zichy, Einleitung hat geschrieben : [...] spätestens ab den 2010er Jahren [wird] die metaphysische Frage nach dem Sinn des Lebens von der ethischen Frage nach dem Sinn im Leben abgelöst. Statt in der Transzendenz wird der Sinn nun in der Immanenz gesucht. Und so lässt sich seit einigen Jahren eine gewisse, wenn auch zaghafte Wiederkehr der Sinnfrage in der akademischen Philosophie beobachten. Zum einen ist dies eine Spätfolge sowohl der Rückkehr genuin praktisch-ethischer Fragen in das Zentrum der Philosophie seit den ausgehenden 1970er Jahren nach dem Scheitern des Programms des logischen Empirismus, der Wertfragen ja generell für unwissenschaftlich hielt, als auch der Renaissance der philosophischen Anthropologie, die in dieselbe Zeit fällt. Zum anderen ist das neuerwachte Interesse der Philosophie wohl auch eine Folge der Tatsache, dass sich die Psychologie für den Sinn des Lebens zu interessieren und ihn empirisch zu untersuchen beginnt. Auffällig ist, dass sich diese »kleine Renaissance der Sinnfrage« vornehmlich bei analytisch geprägten Autorinnen und Autoren aus dem angelsächsischen Raum zeigt. Am bekanntesten darunter sind sicherlich die Tanner Lectures von Susan Wolf, die 2010 unter dem Titel Meaning in Life and Why It Matters veröffentlicht wurden, sowie die Arbeiten von Thaddeus Metz, insbesondere seine 2013 erschienene Monographie Meaning in Life. Seither hat sich das Thema einen festen Platz in der analytisch geprägten Philosophie erkämpft, was sich an der enorm gestiegenen Zahl der Publikationen, dem immer höher werdenden Differenzierungsgrad der Debatte sowie daran zeigt, dass es mittlerweile Einführungen und ein Handbuch zur Thematik gibt. [...]
In vier Unterkapiteln werden metaphysische, nihilistische, subjektivistische und objektivistische Antworten ausführlich dargestellt, kritisch analysiert und – weitgehend – verworfen.
Im dritten Hauptteil wird dann die neue Antwort entwickelt, die das, was insbesondere in der vierten Theoriefamilie an Tragfähigem entwickelt wurde, aufgreift, aber entscheidend über sie hinausgeht. Im Kern, so viel sei hier schon verraten, lebt ein sinnvolles Leben, wer aus den richtigen Gründen für andere – um seiner selbst willen – wichtig ist.
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Markus Gabriel, der Mensch als Tier hat geschrieben : [Der Sinn des Lebens ist das gute Leben und dieses besteht darin], dass wir gemeinsam am humanen, moralischen Fortschritt arbeiten. Ziel und Sinn unseres irdischen Lebens ist es, dass wir Spielräume der sozialen Freiheit abstecken, die es jedem Menschen erlauben, einen Sinn im Leben zu finden, worin auch immer dieser dann im Einzelnen bestehen mag. Das ist die Grundidee des liberalen Pluralismus. Freiheit ist dabei kein individualistischer Begriff, d. h. kein Begriff, der uns Menschen voneinander unterscheidet oder gar unsere Interessen gegeneinander in Stellung bringt, sondern vielmehr etwas, was uns verbindet. Der liberale Pluralismus darf daher nicht mit dem entfesselten Neoliberalismus verwechselt werden, der die Freiheit der Einzelnen darin sieht, dass wir Präferenzen haben, die wir in losen strategischen Kooperationen mit anderen verfolgen und gegen die Präferenzen anderer durchsetzen. Vielmehr sind wir Menschen derart eng miteinander verwoben, dass keine Ausübung unserer Freiheit jemals vollkommen a-sozial ist.
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- Jörn P Budesheim
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Handelsblatt hat geschrieben : Arbeit verliert laut Umfrage als Sinn des Lebens an Bedeutung
Die Arbeit verliert laut einer neuen Umfrage ihre sinnstiftende Bedeutung für das Leben vieler Menschen in Deutschland. Nur ein Drittel der Befragten (33 Prozent) möchte in der Arbeit etwas tun und leisten, was Sinn hat und Spaß macht, ergab eine repräsentative Studie des Instituts GfK im Auftrag der Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen von British American Tobacco (BAT). Vor 20 Jahren hatten sich den Angaben zufolge über die Hälfte (52 Prozent) so geäußert, vor zehn Jahren noch 39 Prozent.
[...]
„Die Sinnfrage bleibt bestehen – sie verlagert sich jedoch“, sagte Reinhardt. ...
https://www.handelsblatt.com/unternehme ... 92547.html
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Also, nun kommt der Sinn des Lebens. Nun, es ist wirklich nichts Besonderes: Sei nett zu deinen Nachbarn, vermeide fettes Essen, lies ein paar gute Bücher, geh‘ spazieren und versuche in Frieden und Harmonie mit Menschen jeden Glaubens und jeder Nation zu leben.
Aus "der Sinn des Lebens" von Monty Python
Aus "der Sinn des Lebens" von Monty Python
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- Jörn P Budesheim
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Kryptisch, oder?
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Na ja, ich würde es so interpretieren, dass sinnhaftes Leben einfach voll mit sich zufrieden ist und so sich nicht extra hinterfragt, vielmehr sogar seinen Sinn lieber erst gar nicht hinterfragen möchte (es könnte sich ja etwas verschlechtern, z.B. seine Sinnhaftigkeit).
Der Mensch als Philosophierender ist Ausgangspunkt aller Philosophie.
Die Philosophie eines Menschen kann durch Andere fahrlässig missverstanden oder gezielt diskreditiert oder gar ganz ignoriert werden, u.a. um eine eigene Meinung durchsetzen zu wollen.
Die Philosophie eines Menschen kann durch Andere fahrlässig missverstanden oder gezielt diskreditiert oder gar ganz ignoriert werden, u.a. um eine eigene Meinung durchsetzen zu wollen.
- Jörn P Budesheim
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Es gibt ja von Adorno das berühmte Zitat „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“ – möglicherweise ist das der Zusammenhang. Dass der Sinn des eigenen Lebens auch auf die Verhältnisse bezogen ist/sein kann, wer würde das bezweifeln.
"Viktor Frankl, der österreichische Psychiater und Neurologe, überlebte drei Jahre in vier Konzentrationslagern (Theresienstadt, Auschwitz, Kaufering, Türkheim), wo seine Familie getötet wurde, und schrieb seine Erfahrungen in seinem berühmten Buch "…trotzdem Ja zum Leben sagen" nieder, das seine Erkenntnis über die Sinnfindung trotz unvorstellbaren Leids darstellt.“ (Google)
"Viktor Frankl, der österreichische Psychiater und Neurologe, überlebte drei Jahre in vier Konzentrationslagern (Theresienstadt, Auschwitz, Kaufering, Türkheim), wo seine Familie getötet wurde, und schrieb seine Erfahrungen in seinem berühmten Buch "…trotzdem Ja zum Leben sagen" nieder, das seine Erkenntnis über die Sinnfindung trotz unvorstellbaren Leids darstellt.“ (Google)
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Timberlake
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Der Sinn des Lebens, Nietzsche und ein watschelnder Pinguin ...
Wie dem auch sei, auch wenn es diesem Pinguin nicht bewusst ist bzw. war, in dem sein Tod etwas bewirkt hat, erhebt ihm das aus der anonymen Masse von Pinguinen.
watson.de hat geschrieben :
Nihilistischer Pinguin aus Werner Herzogs Doku geht viral: "Aber warum?"
Es ist eine herzzerreißende Szene aus der Tierwelt, die gerade viral geht. Millionen junge Menschen fühlen mit, projizieren die eigenen Sorgen und Ängste auf den einsamen Pinguin. .
Mit ausgebreiteten Flossen watschelt der Pinguin in tollpatschigen Schritten davon, aufgeregt und übereifrig, als folgte er einem Ziel, das nur ihm bekannt ist. Einmal hält er inne, blickt zurück zur Gruppe. Es wirkt wie ein Zögern. Dann setzt er seinen Weg fort, in Richtung einer Gebirgskette, die in weiterer Ferne liegt.
Mit unheilvoller Stimme verkündet Herzog: "Mit 5000 Kilometern vor ihm, läuft er auf den sicheren Tod zu." Der Clip endet mit der Frage: "Aber warum?"
....
Für manche repräsentiert er die Einsamkeit eines jeden Lebens, für andere den Drang nach einem radikalen Akt der Abweichung. Auch das Gefühl, nicht dazuzugehören – und nicht dazugehören zu müssen – projizieren Menschen derzeit auf diesen Pinguin.
Was ist also der Sinn des Lebens?
"Ich weiß keinen besseren Lebenszweck, als am Großen und Unmöglichen, zu Grunde zu gehen", schrieb Nietzsche schon 1874 in "Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben"
Ebendieses Zitat trifft den Nerv derer, die in einer Welt aufwachsen, die erschöpft und verunsichert. Man braucht Mut, um aus ihr auszubrechen.
Wie der Pinguin, der sich auf den Weg macht, die unmöglich zu erreichende Bergkette zu erklimmen, obwohl es seinen Tod bedeuten wird.Vielleicht hat er es vor seinem Ableben sogar noch geschafft, den friedlichen Ausblick auf die Antarktis zu werfen. Der Gen Z geht es aber gar nicht um das Erreichen des Aussichtspunkts. Sondern das Erreichen der Kraft, es einfach zu versuchen. Fehlt nur noch, dass Werner Herzog am Ende flüstert: "Trau dich."
Wie dem auch sei, auch wenn es diesem Pinguin nicht bewusst ist bzw. war, in dem sein Tod etwas bewirkt hat, erhebt ihm das aus der anonymen Masse von Pinguinen.
- Jörn P Budesheim
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Wenn es etwas gibt, was unserem Leben einen Sinn verleiht, dann sollte dieses Etwas doch wohl am besten etwas Sinnvolles sein, oder?
Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“
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Pommesbude
- Beiträge: 49
- Registriert: Do 12. Sep 2024, 01:04
Das Gras sprießt im Frühling,
im Herbst verwelkt es und wird zu Erde.
Wer versteht diesen Grund,
hat den Weg gefunden.
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Timberlake
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- Registriert: Mo 16. Mai 2022, 01:29
- Wohnort: Shangrila 2.0
Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Mi 28. Jan 2026, 08:37Wenn es etwas gibt, was unserem Leben einen Sinn verleiht, dann sollte dieses Etwas doch wohl am besten etwas Sinnvolles sein, oder?
Um dazu auf dieses Video und damit, in dem Beitrag 98117 konstruierten Zusammenhang konstruiertem Sinn des Lebens zurückzukommen, für den Fall, dass dieser Pinguin weiß, dass er in den sicheren Tod watschelt wäre ein solches Verhalten sicherlich nicht sinnvoll. Nur wusste er es eben nicht.
So wie es auch Kolumbus nicht wusste, als er sich an seinem Lebenszweck machte, und zwar möglicherweise an jenem Großem zugrunde zu gehen, was bis dahin unmöglich galt - die Gewürzinseln über einen westlichen Kurs zu erreichen. Wenn sich allerdings in dem Zitat auf jene bezogen wird, die derzeit einer Welt aufwachsen, die erschöpft und verunsichert, so frage ich mich allerdings schon, worin im Vergleich dazu heute das Große und Unmögliche bestehen könnte. Wohlgemerkt, woran man, wie damals Kolumbus, zugrunde gehen könnte. Wo schon mal hier schon mal darauf bezogen, also auf Nietzsche und - "sie" (Pinguin, Kolumbus .. ) sind ausgezogen auf Kundschaft ... nur mal Vergleich ..watson.de hat geschrieben :
Nihilistischer Pinguin aus Werner Herzogs Doku geht viral: "Aber warum?"
Was ist also der Sinn des Lebens?
"Ich weiß keinen besseren Lebenszweck, als am Großen und Unmöglichen, zu Grunde zu gehen", schrieb Nietzsche schon 1874 in "Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben"
Ebendieses Zitat trifft den Nerv derer, die in einer Welt aufwachsen, die erschöpft und verunsichert. Man braucht Mut, um aus ihr auszubrechen.
"Es sind meine Tiere!« sagte Zarathustra und freute sich von Herzen.
»Das stolzeste Tier unter der Sonne und das klügste Tier unter der Sonne – sie sind ausgezogen auf Kundschaft.
Erkunden wollen sie, ob Zarathustra noch lebe. Wahrlich, lebe ich noch?
Gefährlicher fand ich's unter Menschen als unter Tieren, gefährliche Wege geht Zarathustra. Mögen mich meine Tiere führen!«
Als Zarathustra dies gesagt hatte, gedachte er der Worte des Heiligen im Walde, seufzte und sprach also zu seinem Herzen:
»Möchte ich klüger sein! Möchte ich klug von Grund aus sein, gleich meiner Schlange!
Aber Unmögliches bitte ich da: so bitte ich denn meinen Stolz, daß er immer mit meiner Klugheit gehe!
Und wenn mich einst meine Klugheit verläßt – ach, sie liebt es, davonzufliegen! – möge mein Stolz dann noch mit meiner Torheit fliegen!« –
– Also begann Zarathustras Untergang.
Nietzsche .. Also sprach Zarathustra