Sinn des Lebens

Ethische Fragen und ihre rationale Begründbarkeit bewegen das philosophische Denken in einer Zeit, in der die Politik wieder über "Werte" debattiert und vertraute Grundlagen des politischen Handelns zur Disposition stehen.
Jörn Budesheim

Mi 5. Mär 2025, 21:32

DJD-lectro hat geschrieben :
Mi 5. Mär 2025, 20:21
'Der Sinn des Lebens im Allgemeinen ist, sich zu erhalten, mehren und sich weiter zu entwickeln und sich dadurch den vorhandenen und ggf. zukünftigen Lebensräumen anpassen zu können.
Quk hat geschrieben :
Fr 10. Jan 2025, 16:34
Der Sinn des Lebens ist es, sich zu erhalten, und zwar durch Todvermeidung oder Fortpflanzung. Diese Antwort ist leider frustrierend für diejenigen Menschen, die einen "höheren" Sinn des Lebens brauchen.
Das wirkt auf dem ersten Blick so, als hättet ihr beide eine ähnliche Vorstellung.




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DJD-lectro
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Mi 5. Mär 2025, 21:36

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Mi 5. Mär 2025, 21:07
Herzlich willkommen im Forum!
Danke dir




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DJD-lectro
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Mi 5. Mär 2025, 21:39

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Mi 5. Mär 2025, 21:32
DJD-lectro hat geschrieben :
Mi 5. Mär 2025, 20:21
'Der Sinn des Lebens im Allgemeinen ist, sich zu erhalten, mehren und sich weiter zu entwickeln und sich dadurch den vorhandenen und ggf. zukünftigen Lebensräumen anpassen zu können.
Quk hat geschrieben :
Fr 10. Jan 2025, 16:34
Der Sinn des Lebens ist es, sich zu erhalten, und zwar durch Todvermeidung oder Fortpflanzung. Diese Antwort ist leider frustrierend für diejenigen Menschen, die einen "höheren" Sinn des Lebens brauchen.
Das wirkt auf dem ersten Blick so, als hättet ihr beide eine ähnliche Vorstellung.
Da würde ich noch mehr dazu schreiben. Das ist nur der 1. Teil.




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DJD-lectro
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Do 6. Mär 2025, 19:41

Was ist der Sinn des Lebens?
Um das zu beantworten müssen wir uns zuerst den Sinn des Lebens vom Leben allgemein anschauen. Das Leben in Form von Flora & Fauna. Jedem Zellkern dem dieser 'Funke' innewohnt. Ich nenne das mal zukünftig den 'wahren Sinn'. Der Sinn des Lebens im Allgemeinen ist, sich zu erhalten, mehren und sich weiter zu entwickeln und sich dadurch den vorhandenen und ggf. zukünftigen Lebensräumen anpassen zu können. Das betrifft wie gesagt alle lebenden Zellen. Sollte der Planet in Zukunft 5° wärmer werden, müssen sich alle anpassen können oder das Leben geht irgendwann verloren. Also strebt jedes Leben danach, sich (bzw. Die gesammelten Informationen durch Weitergabe) zu erhalten (weiter zu existieren), sich zu mehren, besser zu werden (mit den gegebenen Umständen besser zu Recht zu kommen) und sich zu entwickeln (zu lernen, sich immer wieder an neue Einflüsse und Umstände anzupassen und neue Lebensräume zu erobern). Grob gesagt: Das Leben ist dazu da um da zu sein, zu bleiben und sich zu entwickeln und anzupassen. Das ist der 'wahre Sinn'.
Ich nenne das den Selbsterhaltungstrieb bzw. das Selbsterhaltungsstreben im Zusammenspiel mit einem auferlegten Wissensdurst. Wissensdurst in Bezug auf Erkennen der Umstände in der das Leben gerade existiert und Anpassen bei Änderungen dieser Umstände. Sowie der Möglichkeit andere Lebensräume zu erobern.
Dies ist der Sinn des Lebens im Allgemeinen.

Kommen wir nun aber zum 'individuellen Sinn' des Lebens. Den Sinn des Lebens welchen sich jedes Individuum selbst gibt, sucht oder auch nicht....
********
Dieser individuelle Sinn ist sozusagen auferlegt vom 'wahren Sinn', dem Sinn des Lebens im Allgemeinen. Also auferlegt vom Selbsterhaltungsstreben im Zusammenspiel mit Wissensdurst, welche uns anhand der vorhandenen Möglichkeiten, Einflüsse und Vorlieben (Aussenwelt, Genetik, Umstände, Erfahrungen...) einen Sinn im Leben finden/suchen LASSEN. D.h. Der Mensch sucht und gibt seinem Leben einen Sinn (auch) unbewusst, bzw. wird er vom 'wahren Sinn' dazu gedrängt, um weiterzumachen (Selbsterhaltungsstreben) und dem 'wahren Sinn' durch Sammeln von Erfahrungen (Wissensdurst) zu dienen, und das Leben so insgesamt weiterzuentwickeln. Diese Erfahrungen sammelt man durch eigene Handlungen und Wahrnehmungen, aber gibt sie auch, durch sein Aussenbild, Handlungen und seine pure Existenz. Wodurch andere Menschen durch Wahrnehmung dieser, wiederum Erfahrungen sammeln.
Der 'individuelle Sinn' besteht also darin, genau die Erfahrungen zu sammeln, die man in seinem Leben sammelt und durch seine Handlungen, seine Existenz (und deren Umstände) und Aussenbild anderen gibt, um die Entwicklung des gesamten menschlichen Lebens mit voranzutreiben.
Und jeder Sinn den man seinem Leben selbst gibt (gut oder böse, egoistisch oder altruistisch, ...) trägt dazu bei. Egal ob moralisch (Kant), religiös (Gott), selbst entwickelt/gestaltet (Nietzsche) oder metaphysich (zugeflogen durch erleben). Also ist jedes Leben sinnvoll. Auch wenn ich meinem Leben keinen Sinn gebe oder suche, mache ich Erfahrungen oder gebe diese und trage somit der Entwicklung bei. Jeder Sinn den ich meinem Leben gebe, oder auch nicht, ist also vollkommen richtig, da ich dadurch die eigenen, und aber auch die Erfahrungen anderer erweitere und die Entwicklung (Evolution) aller vorantreibe.
Auch nur schon die pure Existenz und die Umstände in der diese abläuft, sind wichtig und können dieser Entwicklung beitragen. Durch Wahrnehmung und Verarbeitung dieser Erfahrungen durch mich und durch andere, kann es passieren das sich Denkweisen ändern, Dinge, Verfahren oder Verhalten angepasst werden und evtl. Irgendwann sogar als allgemein gültig angesehen werden. Und somit ist die Entwicklung des menschlichen Lebens insgesamt angestossen.
Dieser 'individuelle Sinn' kann auch komplett dem 'wahren Sinn' widersprechen. Z.Bsp ein Serienmörder der den Sinn seines Lebens darin sieht, so viele Menschen als möglich zu töten. Aber dennoch trägt er der menschlichen Entwicklung im Allgemeinen, durch die Erfahrungen die er macht und gibt, bei. Auch wenn er nicht so handelt. Auch die 'schlechten Erfahrungen' (Evolution kennt keine Moral) sind wichtig um Strategien entwickeln zu können, diese zukünftig zu verhindern oder besser mit ihnen umzugehen.
Die Vielfalt des Lebens, das kollektive Gedächnis, in Form von externen Speichern, Regeln, Tratitionen und DNA) das Erleben (Erfüllung, Glück, Leid...) und die Anpassungsfähigkeit spielen hier nun eine grosse Rolle...
****
Ich brauche eine Pause. Das ist nicht fertig...ein Teil, und nur meine selbstgebastelten Theorien...für meinen Sinn hab ich den Sinn gefunden




Timberlake
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Do 6. Mär 2025, 22:27

Das mit dem Sinn des Lebens, in Form von Flora & Fauna und somit im Allgemeinen mag ja durchaus so sein. Um jedoch dazu auf das Thema dieses Threads zurück zu kommen , als da wäre ..
Wolfgang Endemann hat geschrieben :
Fr 10. Jan 2025, 14:44
Jörn Budesheim hat geschrieben :
Fr 10. Jan 2025, 14:16
↻ ⤖ (S ↔ I) ˄ (N ∨ N) ⇅ ⊨ (D(E) ˄ S(⩔)) ⊢⫛ ⌐(L → E) ⊕ (B(⩔) ↔ E(N)) ⩔ S

Worin besteht er? Oder gibt es sowas gar nicht?
Dieser Satz ist in logischer Syntax verfaßt, aber mit undefinierten Symbolen und syntaktisch unkorrekt. Also ist er nicht mathematisch brauchbar, ganz unabhängig davon, was die Zeichen bedeuten mögen. Da wir in unserer natürlichen Sprache, ohne daß dem inhaltlichen Verstehen daraus nachhaltige Beeinträchtigungen entstehen würden, syntaktische Fehler machen (können/dürfen), ist es möglich, daß Du Dir etwas Sinnvolles dabei gedacht hast. Allerdings die Semantik der Zeichen mußt Du uns mitliefern, sonst können wir das nur als Formalismus lesen, und dann ist es einfach falsch.
… in Form des menschlichen Lebens würde ich jedoch dabei .. . metaphorisch gesprochen .. bestenfalls von einer "logischen Syntax" ausgehen. Also dieses Leben ist nicht brauchbar, ganz unabhängig davon, was die "Zeichen" bedeuten mögen. Da wir in unserer natürlichen Sprache, ohne daß dem inhaltlichen Verstehen daraus nachhaltige Beeinträchtigungen entstehen würden, syntaktische Fehler machen (können/dürfen), ist es möglich, daß sich "Gott" etwas Sinnvolles dabei gedacht hat.

Somit ich widerspreche. So wie nicht jede logische Syntax , so ist auch nicht jedes Leben sinnvoll.

Wie es übrigens auch nicht sinnvoll ist ... hier in diesem Thread ! .. über den Sinn des Lebens zu diskutieren . Es sei denn metaphorisch gesprochen.

... oder vielleicht doch ...
Jörn Budesheim hat geschrieben :
Fr 10. Jan 2025, 15:47
Stefanie hat geschrieben :
Fr 10. Jan 2025, 15:43
???
Liest man in der Überschrift nur die Buchstaben, ergibt sich: "SINN DES LEBENS". Es geht in diesem Faden also um den Sinn des Lebens, falls es dergleichen gibt.
Nur warum dann diese Verschlüsselung. So das @ Wolfgang Endemann dergleichen falsch kontextualisieren musste ? Worin liegt darin der "Sinn" ?
Wolfgang Endemann hat geschrieben :
Fr 10. Jan 2025, 15:15
Stattdessen ist es eine sehr schöne Metapher über eine scheinhafte und opake Wirklichkeit, der wir mit Sprache den Sinn zu entlocken versuchen.
Lag der Sinn dieser Verschlüsslung etwa in dieser sehr schönen Metapher ? Ich denke , wir werden es ( aus naheliegenden Gründen , mich betreffend ) von @Jörn wohl nie erfahren.




Jörn Budesheim

Fr 7. Mär 2025, 07:44

Timberlake hat geschrieben :
Do 6. Mär 2025, 22:27
auf das Thema dieses Threads zurück zu kommen
DJD-lectro hat das Thema gar nicht verlassen. Das Thema lautet: Worin besteht der Sinn des Lebens? Und ob es so etwas überhaupt gibt.

↻ ⤖ (SI) ˄ (NN) ⇅ ⊨ (D(E) ˄ S(LE) ⊕ (BE(N)) ⩔ S

Die Art und Weise, wie die Frage notiert wurde, ergab sich aus dem zeitlichen Zusammenhang des Fadens hier im Forum, in dem nach meinem Gefühl bestimmte Themen und Methoden dominant waren und existenzielle Fragen etwas zu kurz kamen.




Jörn Budesheim

Fr 7. Mär 2025, 08:09

Hallo DJD-lectro,

du unterscheidest zwischen dem wahren Sinn und dem individuellen Sinn des Lebens, wobei der zweite vom ersten "auferlegt" ist.
  • Der „wahre Sinn“ dient dem Erhalt und der Anpassung des Lebens insgesamt.
  • Der „individuelle Sinn“ besteht darin, durch Erfahrungen und Handlungen zur Weiterentwicklung der Menschheit beizutragen.
Das Folgende scheint der zentrale Gedanke deiner Vorstellung vom individuellen Sinn zu sein.:
"Der 'individuelle Sinn' besteht also darin, genau die Erfahrungen zu sammeln, die man in seinem Leben sammelt und durch seine Handlungen, seine Existenz (und deren Umstände) und Aussenbild anderen gibt, um die Entwicklung des gesamten menschlichen Lebens mit voranzutreiben." (DJD-lectro)

Das könnte man als funktionale Perspektive bezeichnen. Eine Analogie: So wie das Herz eine Funktion im Organismus hat, erfüllt das Individuum eine Funktion bei der „Entwicklung des gesamten menschlichen Lebens“.

Mir drängt sich dabei ein Einwand auf: Nach dieser Sicht trägt selbst jemand, der sein eigenes Leben als sinnlos empfindet, dennoch zur „Entwicklung des gesamten menschlichen Lebens“ bei. Die Empfindungen des Einzelnen, sein Wunsch nach einem sinnerfüllten Leben, spielen dabei nach meinem Gefühl nur eine nachgeordnete Rolle. Doch selbst wenn jedes Leben eine solche Funktion hätte, folgt daraus nicht, dass es für das Individuum selbst einen Sinn hat, oder?
DJD-lectro hat geschrieben :
Do 6. Mär 2025, 19:41
Das ist nicht fertig
Dann mal sehen, wie es weiter geht :-)




Jörn Budesheim

Fr 7. Mär 2025, 09:14

Vielleicht müsste man in diesem Faden genauer zwischen den (verwandten) Begriffen Sinn, Zweck, Funktion, Ziel ... und weiteren unterscheiden. Wenn man nach dem Sinn des Lebens fragt - wonach fragt man da eigentlich? Vielleicht nach seinem Wert, seiner Bedeutsamkeit, nach Erfüllung ... oder einer Art verbindendem Element, etwas woran man sich orientiert? Vielleicht auch das, was einen ausmacht? Das, was man "geben" kann?




Jörn Budesheim

Sa 8. Mär 2025, 08:48

  • Quk am Fr 10. Jan 2025, 15:34: "Der Sinn des Lebens ist es, sich zu erhalten, und zwar durch Todvermeidung oder Fortpflanzung. Diese Antwort ist leider frustrierend für diejenigen Menschen, die einen 'höheren' Sinn des Lebens brauchen."
  • DJD-lectro am Mi 5. Mär 2025, 19:21 und wiederholt dies in späteren Beiträgen: "Der Sinn des Lebens im Allgemeinen ist, sich zu erhalten, mehren und sich weiter zu entwickeln und sich dadurch den vorhandenen und ggf. zukünftigen Lebensräumen anpassen zu können. Das betrifft wie gesagt alle lebenden Zellen." DJD-lectro nennt dies den "'wahren Sinn'."
  • Wolfgang Endemann am Sa 11. Jan 2025, 12:11: "Es gibt den objektiven Sinn, unverfügbar vorgegebenen Sinn, zB den biologischen der Erhaltung, Fortpflanzung und allem, was dem dient."
Die Selbst-Erhaltung ist eine zentrale Eigenschaft des Lebens. Wenn man von Leben spricht, spricht man auch von Selbst-Erhaltung. Doch den Sinn des Lebens darin zu sehen, leuchtet mir nicht ein. Es wäre seltsam, meinen Stoffwechsel als Sinn meines Lebens zu betrachten. Die biologischen Bedingungen sind zwar Voraussetzung für ein gelingendes/sinnvolles (oder wie auch immer man es nennen mag) Leben, aber sie sind nicht der Sinn dieses Lebens. Andernfalls wäre jedes Leben – allein durch den Umstand, dass es lebt – bereits von Sinn erfüllt.




Jörn Budesheim

Sa 8. Mär 2025, 09:04

Quk hat geschrieben :
Fr 10. Jan 2025, 21:18
Du kannst Deinem Leben Sinn geben durch Telefonseelsorge oder Bergbesteigung etc. Das geht aber nur, wenn Du von Deiner Mutter geboren wurdest und noch nicht tot bist. Deine lebendige Existenz ist die Voraussetzung ...
Wenn man nach dem Sinn von x fragt, setzt das doch bereits voraus, dass x in irgendeiner Form existiert, oder? Warum also der Hinweis, dass man leben muss, um seinem Leben einen "Sinn zu geben", wie du es nennst?

Nehmen wir dein Beispiel: Hans sieht in der Telefonseelsorge den Sinn seines Lebens. Wird ihm diese Möglichkeit jedoch aus irgendeinem Grund genommen, bricht für ihn eine Welt zusammen – sein Leben hat seinen Sinn verloren. Hans 1, der Telefonseelsorger und Hans 2, der diesen Beruf nicht mehr nachgehen kann, haben vieles gemeinsam: Sie wurden von ihrer Mutter geboren, ihre Existenz wird erhalten, beide können atmen, Nahrung aufnehmen und so weiter. Dennoch unterscheiden sie sich: Für Hans 1 hat sein Leben einen Sinn, für Hans 2 nicht. Daraus folgere ich, dass lebendige Existenz allein nicht hinreicht, um dem Leben einen "Sinn zu geben".




Jörn Budesheim

Sa 8. Mär 2025, 10:10

(1) Ist es möglich, dass das eigene Leben keinen Sinn hat, aber man denkt, es habe einen?

(2) Ist es möglich, dass das eigene Leben einen Sinn hat, aber man es nicht so empfindet?




Jörn Budesheim

Sa 8. Mär 2025, 10:47

(1) ist meines Erachtens relativ leicht zu beantworten. Meines Erachtens ist es relativ einfach vorstellbar, dass man sich irrt, wenn man meint, einen Sinn im Leben gefunden oder ihm einen Sinn gegeben zu haben. Ein gutes Beispiel sind Tyrannen, die glauben, einen höheren Sinn darin zu finden, tausende Menschen aus welchen Gründen auch immer zu ermorden.

(2) zu beantworten ist schon deutlich schwieriger. Weiter oben habe ich mich darauf festgelegt, dass es nicht möglich ist. Aber jetzt bin ich skeptisch. Denn zu fast allen Dingen, die man tut, die dem Leben einen Sinn geben können, gehören immer auch Phasen des Zweifels und der Unsicherheit.




Wolfgang Endemann
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Sa 8. Mär 2025, 11:48

Der Begriff "Sinn" macht nur Sinn, wenn "Etwas" nicht nur ist, sondern "etwas (anderes) bedeutet", dann hat dieses (andere) in dem seienden Etwas seinen Grund. Sinn ist diese Doppelstruktur, Sein und Bedeutung. Sinnvolles Sprechen ist iA Syntax und Semantik, Zeichen und Bedeutung. Ist nur ein unmittelbares Sein gemeint, reduziert sich der Sinn auf die korrekte extensionale Identifikation des Etwas. Ansonsten ist der Sinn die Menge der Beziehungen, in denen das Etwas steht, die intensionale Tiefe, die in seinem Begriff begriffen werden muß, dazu gehört alles, für was das Etwas ein Grund ist, zB ein kausaler. Allgemeiner jedoch wird diese Grund-Folge-Beziehung als Funktionalität bezeichnet, Kausalität ist eine zeitliche Funktionalität. Unser begriffliches Denken und Sprechen bezeichnet das intensionale Sprechen über die Dinge.

Wird Sinn gefunden oder erfunden? Der objektive, also unmittelbar seiende Sinn wird gefunden, entdeckt. der subjektive wird erfunden, hergestellt. Es gibt den mechanischen Zusammenhang eines Sonnensystems. Das Sonnensystem ist kein Ding, sondern ein notwendiger Zusammenhang von Dingen. Ich kann zwar ein Sonnensystem minutiös extensional feststellen, den Bestand dieser Gesamtheit im zeitlichen Verlauf hinreichend dokumentieren, angenähert begriffen habe ich ihn aber erst mit den Keplerschen Gesetzen, in deren funktionalen Bewegungsgleichungen habe ich das Sonnensystem begriffen. Und auch Leben habe ich erst begriffen, wenn ich es mit den Lebensfunktionen vom toten Material unterscheiden kann.

Menschen (auch zumindest die höherentwickelten Tiere, wenn auch in weit bescheidenerem Ausmaß) sind nicht nur Objekte, sondern auch Subjekte. Dh, sie sind nicht nur gegebenes, determiniertes Sein, sondern sich zu einem gewissen Grad selbstbestimmendes, autonomes Sein. Um sinnvoll Handeln zu können, müssen wir unserem Handeln Ziele geben und, soweit es vom Handeln anderer abhängig ist, reagiert, das Handeln der anderen voraussehen, also verstehen können. Handeln ist abhängig von den Motivationen der Handelnden. Diese unterscheiden sich im Ausmaß der individuellen und kollektiven Autonomie (Autopoiesis). Damit ergibt sich ein subjektiver Sinnbegriff, der keinen gegebenen Zusammenhang, sondern einen hergestellten beschreibt. Und so gibt es den objektiven Sinn des Lebens, der durch die objektive Funktionalität bestimmt ist, und den subjektiven Sinn, der dem individuellen wie kollektiven Leben einen Sinn zuspricht, dem Leben eine subjektive Ordnung aufprägt. Soweit Menschen Subjekte sind, gibt es nicht DEN Sinn des Lebens, sondern eine Pluralität von Sinn.

Gesellschaften zeichnen sich in der Regel durch eine Homogenität der Sinngebung, durch das Vorherrschen paradigmatischer Vorstellungen, einen konvergenten Wertekosmos aus. Sie können aber auch multikulturell sein, wenn es wenigstens einen Metakonsens gibt. Ohne einen solchen zerfällt die Gesellschaft.




Quk

Sa 8. Mär 2025, 12:51

Wolfgang Endemann hat geschrieben :
Sa 8. Mär 2025, 11:48
Sinn ist diese Doppelstruktur, Sein und Bedeutung.
Ich sehe das ähnlich, denke ich.

Eine Sache zeichnet sich dadurch aus, dass sie Eigenschaften hat, und diese stellen gleichermaßen die Sinne der Sache dar. Was sind die Sinne einer Regenwolke? Gleichermaßen frage ich: Was sind die Eigenschaften einer Regenwolke?

Grau zu sein.
Wasser zu sammeln.
Wasser abzulassen.
Boden benässen.
Boden beschatten.
Und so weiter.

Es sind unendlich viele Sinne. Man kann sie als Paket zusammenfassen und dieses Paket dann "den Sinn" nennen. Oder man kann sagen, "den Sinn" gebe es nicht, weil es unendlich viele verschiedene sind.

Oder mein Beispiel ist unangebracht, weil es bei der Sinnfrage immer einen Intellekt geben müsse; eine Regenwolke hat vermutlich keinen.

Frage an die Runde: Kann nur dasjenige einen Sinn haben, dass mit einem Intellekt befüllt ist?




Quk

Sa 8. Mär 2025, 13:04

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 8. Mär 2025, 10:10
(1) Ist es möglich, dass das eigene Leben keinen Sinn hat, aber man denkt, es habe einen?

(2) Ist es möglich, dass das eigene Leben einen Sinn hat, aber man es nicht so empfindet?
In meinem Paradigma würde ich diese Fragen so formulieren:

(1) Ist es möglich, dass das eigene Leben keine befriedigende Tätigkeit ermöglicht, aber man denkt, es sei befriedigend?

(2) Ist es möglich, dass das eigene Leben eine befriedigende Tätigkeit ermöglicht, aber man es nicht als befriedigend empfindet?




Jörn Budesheim

Sa 8. Mär 2025, 15:14

Dazu kann ich nichts sagen, weil ich den Zusammenhang zum Thema nicht erkennen kann. Worum geht es dir dabei?




Quk

Sa 8. Mär 2025, 15:48

Es war ein Versuch der Konkretisierung, wodurch die beiden Fragen möglicherweise leichter zu beantworten sind. In meinem Paradigma bedeutet "Lebenssinngebung" nämlich "befriedigende Tätigkeit". Ich denke, das ist bildhafter und erhöht somit die Vorstellungskraft für eine Beantwortung. Irre ich mich?




Jörn Budesheim

Sa 8. Mär 2025, 16:13

Für mich ist das keineswegs konkreter, sondern unverständlich. Es soll ja wohl kaum heißen, dass jemand, der in seinem Leben zum Beispiel einmal eine befriedigende Tätigkeit gemacht hat, damit seinem Leben als Ganzem einen Sinn gegeben hat. Ebenso ist denkbar, dass ein Leben ein Sammelsurium befriedigender Tätigkeiten war, aber als ganzes keinen Sinn hatte und auch nicht als sinnvoll empfunden wurde.




Quk

Sa 8. Mär 2025, 16:59

Ich meine "Tätigkeit" allgemein im unzähligen Sinne. (Keine bestimmte Arbeit oder Zeit.)

Der Sinnbegriff, den wir hier verwenden, kann in meinen Augen nur im Sinne von Befriedigung gedacht werden. Ich habe noch nie gehört, dass jemand seinen Lebenssinn gleichstellt mit Unbefriedigung. Unbefriedigung ist Unsinn. Befriedigung ist Sinn.

Und weil das Leben eine Aktivität darstellt, und sei es nur Schlafen oder Grinsen, füge ich dem Begriff "befriedigend" noch das Wort "Tätigkeit" hinzu.

Befriedigende Tätigkeit = Sinn des Lebens

Und noch ein drittes Wort ist nötig, wenn es nicht nur um den Sinn geht, sondern um die Sinngebung oder Sinnsuche.

Die Suche nach befriedigender Tätigkeit = Die Suche nach dem Sinn des Lebens

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 8. Mär 2025, 16:13
... ein Leben ein Sammelsurium befriedigender Tätigkeiten war, aber als ganzes keinen Sinn hatte ...
Diese Kombination ist für mich so undenkbar wie: "Das Wasser war nass, aber trocken."

Ein Leben voller befriedigender Tätigkeit erachte ich als ein äußerst sinnvolles Leben.

Grüße gehen raus an Epikur.




Jörn Budesheim

Sa 8. Mär 2025, 18:47

Quk hat geschrieben :
Sa 8. Mär 2025, 16:59
Ein Leben voller befriedigender Tätigkeit
Ein Leben voller befriedigender Tätigkeiten kann genau das Entscheidende fehlen: der Sinn. Eine schöne Metapher dafür ist der rote Faden. Fehlt er, können selbst viele befriedigende Tätigkeiten letztlich in eine Leere führen. Das kann sogar in einen Teufelskreis münden: Das Gefühl, dass etwas fehlt, treibt die Suche nach der nächsten Befriedigung an, dann nach der nächsten und der nächsten – doch ohne den roten Faden kann genau das Entscheidende fehlen: der Sinn.

Und umgekehrt: Der rote Faden ermöglicht es, Dinge zu tun, die für sich genommen wenig befriedigend sind – vielleicht sogar abstoßend, bloß ermüdend, kräftezehrend oder sogar langweilig. Aber wenn sie in einem größeren Sinnzusammenhang stehen (dem roten Faden), erhalten sie, auch wenn sie für sich genommen keine befriedigenden Tätigkeiten sind, ja was wohl: ihren Sinn.




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