Auch hier ist mir nicht klar, was gemeint sein könnte. Denn ein Leben, das nur darin bestünde, es zu erhalten durch Todvermeidung oder Fortpflanzung ist ja in der Regel gerade keinen sinnvolles Leben.
Sinn des Lebens
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Jörn Budesheim
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Quk
Das ist klar. Aber ich bezog das "höchste" auf den "höchsten Sinn des Lebens", nicht auf die beste evolutive Anpassung. Anzupassen sind ja unendlich viele Variablen. Welche davon soll die wichtigste sein? Es ist doch alles interaktiv verwoben.Wolfgang Endemann hat geschrieben : ↑Fr 10. Jan 2025, 18:33Das "Hoch, höher, am höchsten" würde ich nicht so negativ bewerten, auch das ist Natur. Ein Organismus kann sich nur erhalten, indem er sich ständig anpaßt, ständig dazulernt.
Aber nehmen wir mal ein einfaches generelles Beispiel aus der Politik: Die Diktatur. Ist der Diktator die Nr. 1? Natürlich nicht. Wenn sein Volk nicht existierte, wäre er ein Würstchen. Das Volk erzeugt die Diktatur. Also könnte man sagen, in der Diktatur ist das Volk die Nr 1. Wenn das Volk unzufrieden wird, flieht der Diktator. Andererseits beeinflusst der Diktator die Gesinnung der Menschen. Es ist unmöglich, in solchen Regelkreisen die Nr. 1 zu bestimmen. Das "höchste" gibt es nicht. Das Leben ist interaktiv. Kein Furz ist autark. Wer dennoch etwas "höchstes" braucht, muss sich etwas göttliches erfinden und verlangen, dass dieses göttliche nicht hinterfragt wird. Denn wenn es hinterfragt wird, wie zum Beispiel: "Wer ist der Vater von Gott?" -- dann offenbart dies die Unmöglichkeit der Höchstbestimmung.
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Quk
Du kannst Deinem Leben Sinn geben durch Telefonseelsorge oder Bergbesteigung etc. Das geht aber nur, wenn Du von Deiner Mutter geboren wurdest und noch nicht tot bist. Deine lebendige Existenz ist die Voraussetzung, Telefonseelsorge anbieten zu können, beziehungsweise einen Telefonseelsorger mit Deinen Sorgen zu beschäftigen. Deswegen nannte ich diese Punkte zuerst. Als kleine Provokation. Natürlich gibt es unendlich viele Lebenssinne. Reinhold Messner erscheint es sinnvoll, sich in Gefahr zu begeben und darin den Tod zu vermeiden. Lüstlinge finden ihren Lebenssinn in täglichen erotischen Fortpflanzungs-Ritualen. Warum sollte das nicht sinnvoll sein?Jörn Budesheim hat geschrieben : ↑Fr 10. Jan 2025, 19:55Auch hier ist mir nicht klar, was gemeint sein könnte. Denn ein Leben, das nur darin bestünde, es zu erhalten durch Todvermeidung oder Fortpflanzung ist ja in der Regel gerade keinen sinnvolles Leben.
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Jörn Budesheim
"Der Sinn des Lebens ist es, sich zu erhalten, und zwar durch Todvermeidung oder Fortpflanzung." Was du damit meinst, verstehe ich jetzt noch weniger. :(
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Quk
Es gibt unendlich viele Lebenssinne. Stimmst Du dem zu?
Zum Beispiel:
Todvermeidung (heißt: Möglichst lange zu leben, im Sinne von: Das Leben ist der Sinn des Lebens.)
Töten von Rindern zur menschlichen Nahrungsbeschaffung und Bekleidung
In Urlaub fahren
Kindererziehung
Nächstenliebe
Nächstenbeschimpfung
Atmen
Begattung
Forumbetreiben
Malen
Singen
Tanzen
Häuser bauen
Häuser abreißen
Zum Beispiel:
Todvermeidung (heißt: Möglichst lange zu leben, im Sinne von: Das Leben ist der Sinn des Lebens.)
Töten von Rindern zur menschlichen Nahrungsbeschaffung und Bekleidung
In Urlaub fahren
Kindererziehung
Nächstenliebe
Nächstenbeschimpfung
Atmen
Begattung
Forumbetreiben
Malen
Singen
Tanzen
Häuser bauen
Häuser abreißen
Der Sinn des Lebens und dem Leben einen Sinn geben, bzw. etwas sinnvolles zu tun, sind zwei unterschiedliche Dinge.
Der Sinn des Lebens ist, sich zu erhalten. Zum einem dadurch, dem Tod so lange wie möglich aus dem Weg zu gehen und oder Fortpflanzung. Das und habe ich zugefügt, weil es geht ja wohl beides.
Neben den notwendigen Dingen, wie Essen, Trinken, Schlafen, braucht das Leben aber einen Sinn. Nur essen, trinken, schlafen reicht nicht aus, um dem Tod so lange wie es möglich ist zu verhindern. Irgendwer hat mal festgestellt, dass z.B. Menschen ohne soziale Kontakte gleich welcher Art eine geringere Lebenserwartung haben.
Der eine macht Seelsorge, ein anderer hat sich der Gärtnerei verschrieben, oder der Kunst, der andere kraxelt in den Bergen rum usw.
Ohne Fortpflanzung kein Leben. Sowohl auf den einzelnen bezogen, wie auch auf die Menschheit bezogen.
So in etwa habe ich das verstanden.
Edit:
Mist : - ), das "Das Leben ist der Sinn des Lebens." Hatte ich auch geschrieben.
Der Sinn des Lebens ist, sich zu erhalten. Zum einem dadurch, dem Tod so lange wie möglich aus dem Weg zu gehen und oder Fortpflanzung. Das und habe ich zugefügt, weil es geht ja wohl beides.
Neben den notwendigen Dingen, wie Essen, Trinken, Schlafen, braucht das Leben aber einen Sinn. Nur essen, trinken, schlafen reicht nicht aus, um dem Tod so lange wie es möglich ist zu verhindern. Irgendwer hat mal festgestellt, dass z.B. Menschen ohne soziale Kontakte gleich welcher Art eine geringere Lebenserwartung haben.
Der eine macht Seelsorge, ein anderer hat sich der Gärtnerei verschrieben, oder der Kunst, der andere kraxelt in den Bergen rum usw.
Ohne Fortpflanzung kein Leben. Sowohl auf den einzelnen bezogen, wie auch auf die Menschheit bezogen.
So in etwa habe ich das verstanden.
Edit:
Mist : - ), das "Das Leben ist der Sinn des Lebens." Hatte ich auch geschrieben.
Prinzessinnen richten ihr Krönchen.
Königinnen ziehen ihr Schwert.
Königinnen ziehen ihr Schwert.
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Quk
Das leuchtet mir ein. Guter Punkt. -- Nun gibt es Leute, die ihrem Leben mit etwas bestimmtem einen Sinn geben, beispielsweise mit etwas religiösem, und dann meinen, dieser Sinn gelte für alle. Solche Leute heben besagte Unterscheidung auf und deklarieren ihren persönlichen Sinn als den allgemeinen Sinn des Lebens.
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Jörn Budesheim
Jemand mag sein Leben hervorragend erhalten und weitergegeben haben; angenommen, er wurde 100 Jahre alt oder älter, hat nie Not gelitten, viele Kinder bekommen und noch mehr Enkelkinder, die selbst bereits Familien gegründet haben. Dennoch könnte er das Gefühl haben, dass sein Leben eine große Leere war und ihm jeder Sinn fehlte.
Ein oft bemühtes Klischee, das sicher mitunter zutrifft, ist das der Kinder reicher Eltern: Sie führen ein Leben in Luxus, erleben jeden Tag den puren Überfluss – und dennoch finden sie keinen Sinn im Leben.
Was auch immer die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens sein mag, eines ist mir in unserer Diskussion jetzt schon klar: Der Sinn des Lebens mag vieles sein, aber ganz sicher nicht bloß, sich selbst zu erhalten.
Nachtrag: Es gibt sogar Menschen, die ihr Leben hingeben, um ihm Sinn zu verleihen. Märtyrer, Widerstandskämpfer oder Revolutionäre etwa kämpfen für eine Überzeugung und sind bereit, den höchsten Preis dafür zu zahlen und ihr Leben gerade nicht zu erhalten.
Genau. Was aber bedeutete dann dein Einleitungssatz, der ja das Gegenteil behauptete? War es eine Paraphrase eines anderen Textes?
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Jörn Budesheim
Quk hat geschrieben : ↑Sa 11. Jan 2025, 00:20Nun gibt es Leute, die ihrem Leben mit etwas bestimmtem einen Sinn geben, beispielsweise mit etwas religiösem, und dann meinen, dieser Sinn gelte für alle. Solche Leute heben besagte Unterscheidung auf und deklarieren ihren persönlichen Sinn als den allgemeinen Sinn des Lebens.
Insgesamt habe ich nicht das Gefühl, deine Position verstehen zu können (später mehr). Erst sagst du glasklar, dass es keinen Sinn des Lebens gibt. Dann sagst du, dass der Sinn des Lebens darin besteht, sein Leben zu erhalten. Und später sagst du, im krassen Gegensatz zu deiner Eingangsbemerkung, dass das Leben keinen Sinn hat, dass es sogar "unendlich viele Lebenssinne" gibt. Das kriege ich nicht wirklich zusammen - am Ende dieses kurzen Textes schlage ich dennoch eine vage Interpretation vor.
Mehrfach hat du den Sinn des Lebens in Zusammenhang mit etwas Höherem ("Hoch, höher, am höchsten") oder Religiösen gebracht. So als käme Lebenssinn eigentlich nur in Betracht, wenn man auf so etwas setzt, an so etwas glaubt.
Jetzt mein Deutungsversuch: Sinn, verstanden als höherer oder religiöser Sinn, ist deine Gegenposition, wenn man so sagen darf. Und dem möchtest du etwas entgegenstellen, nämlich etwas möglichst Profanes: Das Leben hat keinen Sinn, außer es selbst zu erhalten.
Ich bin, wie üblich, anderer Ansicht. Ich bin ein ziemlich eingefleischter Atheist. Dennoch bin ich der Ansicht, dass unser Leben einen Sinn haben kann. Sinn und Religiosität können, müssen aber nicht zusammenhängen*. Das Leben kann auch für atheistische Menschen wie mich einen Sinn haben. Und das nicht etwa nur, wenn man sich etwas vormacht oder es zur Beruhigung braucht.
Ich für meinen Teil habe auch kein Problem damit, wenn jemand den Sinn seines Lebens in etwas findet, was größer ist als er, das muss keineswegs eine religiöse oder arbeitgläubische Position sein. Vor kurzem habe ich dazu ein Zitat gefunden, was mich beeindruckt hat: Ein deutscher Bergmann, 33 Jahre alt und Vater von acht Kindern, sprach für viele Arbeiter dieser Zeit, als er 1912 formulierte: «Die moderne Arbeiterbewegung bereichert mich und all meine Freunde durch das zunehmende Licht der Erkenntnis. Wir verstehen, dass wir nicht länger der Amboss sind, sondern der Hammer, der die Zukunft unserer Kinder formt, und dieses Gefühl ist mehr wert als Gold.» (aus: Martin Hägglund, "Dieses eine Leben")
* Hägglund argumentiert sogar – nach meinem Verständnis – dass der Sinn des Lebens in einem gewissen Kontrast zu bestimmten Formen der Religiosität stehen kann. Er betont, dass die Anerkennung und Bejahung dieses einen und einzigen, endlichen Lebens zentral für ein sinnvolles Dasein ist.
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Jörn Budesheim
Hier habe ich ähnliche Verständnisprobleme wie bei Quk. Der Text beginnt mit der Vermutung, dass es objektiv keinen Sinn des Lebens gibt, schließt jedoch aus meiner Sicht mit dem Gegenteil, nämlich damit, dass unsere Lebensqualität von der Reichhaltigkeit der Sinngebung abhängt. Das ist für mich ungereimt. Wenn jemand seinem Leben Sinn geben kann, wie du immerhin einräumst, dann heißt das doch, dass dieses Leben einen (objektiven) Sinn hat, nämlich im besten Fall genau den Sinn, den sich diese Person selbst gegeben hat.Wolfgang Endemann hat geschrieben : ↑Fr 10. Jan 2025, 15:55Objektiv gibt es keinen Sinn des Lebens. Aber das Leben selbst ist ein Sinnzusammenhang (der keinen "höheren" Sinn hat). Sinn in diesem Sinne heißt einfach ein Ausschluß von Vielem, Sinn reduziert das anything goes. Das müssen reflexionsfähige Lebewesen. Zu ihrer Selbsterhaltung gehört es, sinnvoll zu scheiden (was ist gut für mich, was schlecht). Sinn ist, was das Leben lebenswert macht. Daher sollte man das Wissen, besser wäre es, hier von einer bestens bestätigten Vermutung zu sprechen, daß es keinen objektiven Sinn gibt, mit dem Wissen verbinden, daß unsere Lebensqualität von der Reichhaltigkeit an Sinngebung abhängt.
Die Krux liegt vermutlich irgendwo in dem Begriff "objektiv". Was meinst du damit?
Die Unterscheidung zwischen "subjektiv" und "objektiv" wird immer dann heikel, wenn es um Subjekte selbst geht und vor allem, man gleichzeitig glaubt, dass "subjektiv" und "objektiv" grundsätzlich Gegensätze bilden. (Was meines Erachtens nicht der Fall ist.) Oder alternativ: wenn man glaubt, dass für Objektivität nur das in Frage kommt, was in der sogenannten bewusstseinsunabhängigen Wirklichkeit (oder wie auch immer man es nennen möchte) verortet ist.
Leider, möchte ich fast sagen, spielen eigentlich in jedes Thema diese ontologischen Grundunterscheidungen hinein, so dass man im Prinzip nie darüber hinaus kommt. Nach meiner Sicht der Dinge, gibt es Menschen tatsächlich (und sie sind nicht einfach nur, wie es die nihilistische Position nahe legt, ein biologisches Datum) und die Dinge, die für sie wichtig sind, wie z.b der Sinn des Lebens, sind genauso "objektiv" (in welchem Sinne auch immer) wie Elementarteilchen oder der Urknall.
Wenn man "subjektiv" als Gegensatz oder Gegenbegriff zu "objektiv" versteht, dann ist nach meiner Ansicht der Sinn des Lebens ganz sicher nicht "subjektiv". Wenn man unter "subjektiv" aber nur versteht, dass der Sinn des Lebens immer der Sinn des Lebens eines Subjekts ist, dann ist dieser Sinn natürlich subjektiv, und wenn der Sinn getroffen wird, natürlich auch objektiv.
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Jörn Budesheim
Ein Wort zu dem Begriff "objektiv". Objektivität kommt meines Erachtens immer da ins Spiel, wo wir uns über etwas irren können.
Da wir uns selbst nicht vollkommen transparent sind, können wir uns natürlich auch über uns selbst irren. Hier ein fiktives Beispiel mit Bezug auf das Thema: Ich lese einen Artikel über eine junge Frau, die ein Talent und eine Leidenschaft für das Schreiben hat. Es gelingt ihr das Unwahrscheinliche, sie macht ihre Leidenschaft zum Beruf und hat auch Erfolg damit. Das Schreiben wurde zum Sinn ihres Lebens. Das begeistert und inspiriert mich, also versuche ich, es ihr gleichzutun und beginne zu schreiben und mein Leben darauf aufzubauen. Allerdings habe ich die Rechnung ohne den Wirt (mich selbst) gemacht, ich habe nämlich nicht das geringste Talent zum Schreiben. Vielleicht bilde ich mir sogar die Obsession fürs Schreiben nur ein, eine bloße Folge der Begeisterung für das Vorbild.
Nicht immer, wenn wir uns für etwas engagieren oder zu engagieren glauben, liegen wir damit in jeder Hinsicht richtig. Sicher wissen wir in vielen Fällen, was das Richtige für uns ist, aber leider nicht in allen. Meine Großmutter hat geglaubt, dass für sie als Frau der richtige Platz im Leben Kinder, Kirche und Küche sind. Damit hat sie sich viele andere Optionen versperrt. Damit will ich keineswegs sagen, dass man darin nicht seinen Lebens-Sinn finden kann, ich will nur sagen, dass man sich darin auch irren kann. Vielleicht wäre für sie etwas anderes besser gewesen, das werden wir natürlich nie herausfinden.
Da wir uns selbst nicht vollkommen transparent sind, können wir uns natürlich auch über uns selbst irren. Hier ein fiktives Beispiel mit Bezug auf das Thema: Ich lese einen Artikel über eine junge Frau, die ein Talent und eine Leidenschaft für das Schreiben hat. Es gelingt ihr das Unwahrscheinliche, sie macht ihre Leidenschaft zum Beruf und hat auch Erfolg damit. Das Schreiben wurde zum Sinn ihres Lebens. Das begeistert und inspiriert mich, also versuche ich, es ihr gleichzutun und beginne zu schreiben und mein Leben darauf aufzubauen. Allerdings habe ich die Rechnung ohne den Wirt (mich selbst) gemacht, ich habe nämlich nicht das geringste Talent zum Schreiben. Vielleicht bilde ich mir sogar die Obsession fürs Schreiben nur ein, eine bloße Folge der Begeisterung für das Vorbild.
Nicht immer, wenn wir uns für etwas engagieren oder zu engagieren glauben, liegen wir damit in jeder Hinsicht richtig. Sicher wissen wir in vielen Fällen, was das Richtige für uns ist, aber leider nicht in allen. Meine Großmutter hat geglaubt, dass für sie als Frau der richtige Platz im Leben Kinder, Kirche und Küche sind. Damit hat sie sich viele andere Optionen versperrt. Damit will ich keineswegs sagen, dass man darin nicht seinen Lebens-Sinn finden kann, ich will nur sagen, dass man sich darin auch irren kann. Vielleicht wäre für sie etwas anderes besser gewesen, das werden wir natürlich nie herausfinden.
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Jörn Budesheim
Noch ein kleiner Nachtrag: der amerikanische Philosoph Jean Searle schlägt die Unterscheidung zwischen "epistemisch subjektiv" und "ontologisch subjektiv" vor. Sein Beispiel ist das Bewusstsein, dass ontologisch subjektiv ist. Subjektiv und objektiv sind also nicht einfach per se Gegensätze, das Bewusstsein z.B. ist objektiv subjektiv.
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Wolfgang Endemann
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Der Begriff "Sinn" macht nur Sinn, mir ist die Zirkularität dieses Arguments bewußt, aber es geht nicht anders, wenn Sinn etwas anderes ist als unmittelbares Sein, denn Sinn bedeutet ja etwas; wäre Sinn unmittelbar, wären Sein und Bedeutung dasselbe und Sinn nur ein weiteres Wort für dasselbe. völlig redundant. Sinnvollerweise bezeichnen wir also mit Sinn etwas anderes als unmittelbares Sein; wenn Sinn etwas ist, dann ist es eine Zuschreibung zum unmittelbaren Sein. Wer nimmt diese Zuschreibung vor? Sie kann objektiv vorliegen, in Gestalt eines unmittelbaren Seins höherer Stufe, in dem Sein niederer Stufe(n) miteinander vermittelt ist, das könnte man einen objektiven Sinn nennen. Wenn es über einer Dingmenge, zB einem Objekt der Realwelt, einen notwendigen Zusammenhang gibt, also alle Elemente dieser Menge einem naturgesezlichen Zusammenhang unterliegen, dann kann man diesen notwendigen Zusammenhang der Dinge ihren "objektiven Sinn" nennen, eine Einschränkung des Möglichkeitsraums auf das real Seiende. Objektiver Sinn ist diese objektive Redundanz. Sie kann, natürlich nur im Rahmen der Falsifizierbarkeit, gewonnen werden, eine (bedingte) Erkenntnis des Seins (eine Realität des Denkens, das selbst kein unmittelbares Sein ist).*Jörn Budesheim hat geschrieben : ↑Sa 11. Jan 2025, 08:26
Die Krux liegt vermutlich irgendwo in dem Begriff "objektiv". Was meinst du damit?
Jenseits dieses objektiven Sinns existiert der "subjektive Sinn", eine Zuschreibung, die nicht objektiv vorliegt, sondern subjektiv vorgenommen wird, die also nur subjektive Notwendigkeit beanspruchen kann. Aber Sinn bedeutet wiederum die Einschränkung des Möglichkeitsraums des Denkens auf den Realraum des eingeschränkten Denkens auf das für sinnvoll erachtete. Der subjektive Sinn schränkt so das unüberschaubare und nur willkürlich entscheidbare Möglichkeitsspektrum des Handelns auf eine kalkulierbare Menge von Alternativen ein, die zu einem konsistenten oder besser hinreichend konsequentem Handeln führt. In dem Maße wie die Handlungsfreiheit wächst, wächst auch die Notwendigkeit, sich durch Sinnbildung gegen Kompliziertheit und Komplexität zu entlasten. Subjektiver Sinn sind die "Werte", die das leisten.
"Nach meiner Sicht der Dinge, gibt es Menschen tatsächlich (und sie sind nicht einfach nur, wie es die nihilistische Position nahe legt, ein biologisches Datum) und wie z.b der Sinn des Lebens, sind genauso "objektiv" (in welchem Sinne auch immer) wie Elementarteilchen oder der Urknall."
"die Dinge, die für sie wichtig sind" - sind also nicht Dinge, die objektiv, sondern "subjektiv" - für uns - wichtig sind. Dabei ist nach dem oben beschriebenen wichtig zu unterscheiden, ob für uns als biologische Objekte (als Individuen und als Art), da heißt wichtig alles Lebensnotwendige, das ist eine objektive Notwendigkeit, und andrerseits ob für uns als bewußte Lebewesen, da habe ich festgestellt, daß es eine partielle objektive Notwendigkeit für Sinn(haftigkeit) gibt ("Sinn des Lebens"), aber keine Notwendigkeiten für bestimmte Festlegungen auf Sinn. Inhaltliche Bestimmungen von Sinn sind funktional äquivalent. Daher redet man hier am besten von subjektiven Werten.
Die Begriffe "subjektiv" und "objektiv" erlauben, diese Situation angemessen zu beschreiben.
* Das wird übrigens vom Kantschen Ding-an-sich formuliert, das Denken reicht nie an seine Unmittelbarkeit heran - oder von Hegels Stufe der unmittelbaren Gewißheit.
Den einen Sinn des Lebens gibt es nicht. Wenn ich mir deine Liste anschaue, sehe ich grob drei (nicht unbedingt disjunkte) Gruppen:Quk hat geschrieben : ↑Fr 10. Jan 2025, 22:35Es gibt unendlich viele Lebenssinne. Stimmst Du dem zu?
Zum Beispiel:
Todvermeidung (heißt: Möglichst lange zu leben, im Sinne von: Das Leben ist der Sinn des Lebens.)
Töten von Rindern zur menschlichen Nahrungsbeschaffung und Bekleidung
In Urlaub fahren
Kindererziehung
Nächstenliebe
Nächstenbeschimpfung
Atmen
Begattung
Forumbetreiben
Malen
Singen
Tanzen
Häuser bauen
Häuser abreißen
1. Persönliche Freude (Urlaub, Tanzen...)
2. Persönliche Notwendigkeiten (Atmen )
3. Sinn zusammen mit anderen Menschen (Kindererziehung...)
Gerade 3. ist z.T. etwas, was über unser eigenes Leben hinaus geht und für mich insofern ein wichtiger Sinn unseres Lebens als (und in) menschliche Gemeinschaft ist.
Der Mensch als Philosophierender ist Ausgangspunkt aller Philosophie.
Die Philosophie eines Menschen kann durch Andere fahrlässig missverstanden oder gezielt diskreditiert oder gar ganz ignoriert werden, u.a. um eine eigene Meinung durchsetzen zu wollen.
Die Philosophie eines Menschen kann durch Andere fahrlässig missverstanden oder gezielt diskreditiert oder gar ganz ignoriert werden, u.a. um eine eigene Meinung durchsetzen zu wollen.
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Jörn Budesheim
Jede Jeck ist anders.
Dass wir einen Begriff wie "Jeck" verwenden, bedeutet keineswegs, dass alles, was darunter fällt, identisch ist. Jede Jeck ist eben anders.
Wenn es den Sinn im Leben gibt – was ich glaube –, heißt das nicht, dass er für jede Jeck völlig gleich sein muss. Martin Hägglund schreibt: „Ein erfülltes Leben bedeutet [...] mich für Dinge einzusetzen, die mir wichtig sind.“ Wenn dieser Gedanke stimmt, dann haben wir beides: den Sinn des Lebens und zugleich etwas, das jede Jeck individuell und unterschiedlich auslebt. Denn was für die Einzelnen wichtig ist, kann ja jeweils völlig verschieden sein.
An dieser Stelle möchte ich nicht unbedingt dafür plädieren, dass Hägglund Recht hat, obwohl ich seine Überlegung fürs Erste gut finde. Mein Punkt ist vielmehr: Es ist möglich, dass es den Sinn des Lebens gibt und dieser zugleich von jedem Jeck ganz individuell bewertet, gestaltet und erlebt wird.
Vielleicht sollten wir hier noch fragen/klären. über Sinn für wen oder in welcher Hinsicht wir sprechen. Man kann sich natürlich selbst im Mittelunkt sehen, dann geht's natürlich einfach(er).Jörn Budesheim hat geschrieben : ↑Sa 11. Jan 2025, 12:29Jede Jeck ist anders.
Dass wir einen Begriff wie "Jeck" verwenden, bedeutet keineswegs, dass alles, was darunter fällt, identisch ist. Jede Jeck ist eben anders.
Wenn es den Sinn im Leben gibt – was ich glaube –, heißt das nicht, dass er für jede Jeck völlig gleich sein muss. Martin Hägglund schreibt: „Ein erfülltes Leben bedeutet [...] mich für Dinge einzusetzen, die mir wichtig sind.“ Wenn dieser Gedanke stimmt, dann haben wir beides: den Sinn des Lebens und zugleich etwas, das jede Jeck individuell und unterschiedlich auslebt. Denn was für die Einzelnen wichtig ist, kann ja jeweils völlig verschieden sein.
An dieser Stelle möchte ich nicht unbedingt dafür plädieren, dass Hägglund Recht hat, obwohl ich seine Überlegung fürs Erste gut finde. Mein Punkt ist vielmehr: Es ist möglich, dass es den Sinn des Lebens gibt und dieser zugleich von jedem Jeck ganz individuell bewertet, gestaltet und erlebt wird.
Der Mensch als Philosophierender ist Ausgangspunkt aller Philosophie.
Die Philosophie eines Menschen kann durch Andere fahrlässig missverstanden oder gezielt diskreditiert oder gar ganz ignoriert werden, u.a. um eine eigene Meinung durchsetzen zu wollen.
Die Philosophie eines Menschen kann durch Andere fahrlässig missverstanden oder gezielt diskreditiert oder gar ganz ignoriert werden, u.a. um eine eigene Meinung durchsetzen zu wollen.
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Das habe ich so ausgedrückt:Burkart hat geschrieben : ↑Sa 11. Jan 2025, 11:56[
Den einen Sinn des Lebens gibt es nicht. Wenn ich mir deine Liste anschaue, sehe ich grob drei (nicht unbedingt disjunkte) Gruppen:
1. Persönliche Freude (Urlaub, Tanzen...)
2. Persönliche Notwendigkeiten (Atmen )
3. Sinn zusammen mit anderen Menschen (Kindererziehung...)
Gerade 3. ist z.T. etwas, was über unser eigenes Leben hinaus geht und für mich insofern ein wichtiger Sinn unseres Lebens als (und in) menschliche Gemeinschaft ist.
Es gibt den objektiven Sinn, unverfügbar vorgegebenen Sinn, zB den biologischen der Erhaltung, Fortpflanzung und allem, was dem dient.
Es gibt den subjektiven Sinn, den ein Subjekt setzt, sei es ein Individual- oder ein Kollektivsubjekt.
Sinn des Lebens hat die zwei Seiten eines objektiven und eines subjektiven Sinns.
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Das würde ich anders formulieren, mit der Unterscheidung von Sinn und Sinnhaftigkeit.Jörn Budesheim hat geschrieben : ↑Sa 11. Jan 2025, 12:29[Es ist möglich, dass es den Sinn des Lebens gibt und dieser zugleich von jedem Jeck ganz individuell bewertet, gestaltet und erlebt wird.
Das menschliche Leben wird mit Bewußtsein geführt, und damit immer mit Sinnhaftigkeit. Nur eben nicht mit einem allgemeingültigen Sinn (oder vielen). Richtig ist aber auch, daß es so gut wie keinen rein individuellen Sinn gibt, dafür Sinnschwerpunkte, -häufungspunkte, also sozusagen Gravitationspunkte, -pole der Sinnbildung. Das drückt sich schon in der Sprache aus, insofern Sprachliches im Kern von allen Mitgliedern der Sprachgemeinschaft verstanden wird. Anders wäre Sprache gar nicht möglich.
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Jörn Budesheim
Welche anderen Begriffe bzw Wörter können wir statt Sinn verwenden? Ich will nicht geltend machen, dass sie alle synonym sind - das nicht ich will nur ein vages Begriffsfeld abstecken.
Etwas, was man liebt, kann dem Leben einen Sinn geben.
Etwas, was man liebt, kann dem Leben eine Bedeutsamkeit schenken.
Etwas, was man liebt, kann dem Leben einen Gehalt geben.
Etwas, was man liebt, kann dem Leben eine Substanz verleihen.
Etwas, was man liebt, kann dem Leben ein Gewicht geben.
Etwas, was man liebt, kann das Leben wertvoll machen.
Etwas, was man liebt, kann dem Leben eine Bestimmung geben.
Etwas, was man liebt, kann dem Leben eine Aufgabe geben.
Etwas, was man liebt, kann das Leben erfüllend machen.
Etwas, was man liebt, kann dem Leben Tiefe verleihen.
Etwas, was man liebt, kann das Leben reichhaltig machen.
Etwas, was man liebt, kann das Leben lebenswert machen.
Etwas, was man liebt, kann das Leben zu einem "mehr als nur Leben" machen.
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Etwas, was man liebt, kann dem Leben einen Sinn geben.
Etwas, was man liebt, kann dem Leben eine Bedeutsamkeit schenken.
Etwas, was man liebt, kann dem Leben einen Gehalt geben.
Etwas, was man liebt, kann dem Leben eine Substanz verleihen.
Etwas, was man liebt, kann dem Leben ein Gewicht geben.
Etwas, was man liebt, kann das Leben wertvoll machen.
Etwas, was man liebt, kann dem Leben eine Bestimmung geben.
Etwas, was man liebt, kann dem Leben eine Aufgabe geben.
Etwas, was man liebt, kann das Leben erfüllend machen.
Etwas, was man liebt, kann dem Leben Tiefe verleihen.
Etwas, was man liebt, kann das Leben reichhaltig machen.
Etwas, was man liebt, kann das Leben lebenswert machen.
Etwas, was man liebt, kann das Leben zu einem "mehr als nur Leben" machen.
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Jörn Budesheim
Der Sinn des Lebens wird meines Erachtens in der Regel nicht gemacht und nicht gesetzt, sondern gefunden, erfahren, erkannt und entdeckt, wahrgenommen, erspürt, empfunden, durchlebt, vertieft, entwickelt, entfaltet, verfeinert, gestärkt, gefestigt, ausgebaut, bereichert, durchdrungen, angenommen, verinnerlicht, zu eigen gemacht, gelebt ...