Für meine Argumentation muss ich mich gar nicht auf eine dieser möglichen Positionen festlegen. Mein Argumentationsziel ist es nämlich nicht den Animalisten zu widerlegen, indem ich die Optionen (b)-(e) ausschließe. Sondern mir geht es darum nachzuweisen, dass aus einer animalistischen Position nicht folgt, dass wir mit jedem Körperteil identisch sind. Da Option (a) absurd ist, kann ich auch mit (b)-(e) weiter argumentieren.Consul hat geschrieben : ↑Mi 8. Apr 2026, 02:05"Wie Blatti betont, sind Animalisten jedoch nicht von sich aus auf eine Interpretation des Dicephalus festgelegt, die gegen die Transitivität verstößt. Tatsächlich gibt es mehrere mögliche Interpretationen des Dicephalus. Die natürlichste Interpretation ist, dass es zwei Personen, aber nur einen Organismus gibt. Nennen wir diese Ansicht (a). Der Animalismus würde gegen die Transitivität verstoßen, wenn (a) wahr wäre. Der Animalist könnte jedoch eine der folgenden Alternativen akzeptieren: (b) Es gibt nur einen Organismus und daher nur einen von uns – eine einzige Person mit zwei Geisten [minds] oder ein einziger Geist [mind], der auf zwei Gehirne verteilt ist. (c) Es gibt zwei von uns und daher zwei sich überschneidende oder verschmolzene Organismen, von denen jeder eine separate Person ist. (d) Der Dicephalus ist, was Blatti einen „Grenzfall“ nennt, in dem die dicephalen Zwillinge genügend Eigenschaften eines bestimmten Merkmalsclusters aufweisen, um als Kandidat für einen einzigen menschlichen Organismus zu gelten, aber nicht genug, um als eindeutiger Fall eines einzigen menschlichen Organismus zu gelten, da sie einige Eigenschaften aufweisen, die nicht charakteristisch für einen einzigen Menschen sind – „insbesondere das Vorhandensein zweier unterschiedlicher Subjekte der Erfahrung sowie die Fülle verschiedener Organe und Anhängsel“ (Blatti 2007: 604). Blatti drückt seine Auffassung von Dicephalus aus, indem er sagt, es handele sich um mehr als einen vollständigen menschlichen Organismus, aber weniger als zwei. Es gibt auch eine fünfte Position, die Blatti nicht explizit unterscheidet, nämlich (e) dass die Anzahl der menschlichen Organismen und somit die Anzahl der Wesen unserer Art unbestimmt ist." [übersetzt von Google]
(Campbell, Tim, & Jeff McMahan. "Animalism and the Varieties of Conjoined Twinning." In Animalism: New Essays on Persons, Animals, and Identity, ed. by Stephan Blatti & Paul F. Snowdon, 229-252. Oxford: Oxford University Press, 2016. pp. 235-6)
Ich gehe noch einmal auf mein Argument zurück:
Die Optionen (b)-(e) laufen, soweit ich das sehe, allesamt darauf hinaus die Aussage A2 infrage zu stellen. Unabhängig von solchen Infragestellungen dürfte aber festzuhalten sein:
A2*: Trix und Flix sind miteinander in einer Fleischmasse M vereint, die von Haut, Knochen, Sehnen, Blutbahnen, Knorpel etc. zusammengehalten wird.
A2* dürfte unstrittig sein. Dass Trix und Flix in dieser Fleischmasse vereint sind, macht genau den Unterschied zwischen siamesischen Zwillingen und gewöhnlichen Zwillingen aus.
Jetzt argumentieren Leute, die Aussage A3 unterschreiben: Die Aussage A2* stimmt, aber Aussage A2 ist trotzdem falsch. Ja, es gibt diese Fleischmasse M. Aber M ist nicht identisch mit dem Körper von Flix oder mit dem Körper von Trix. Trix und Flix haben zwei verschiedene Körper, die Teile von M sind.
Okay, dann antworte ich: Ich stecke ebenfalls in einer Fleischmasse drin. Aber nicht jeder Teil dieser Fleischmasse ist Teil meines Körpers. Warum sollte ein Querschnittsgelähmter seine gelähmten Beine als Teil seines Körpers betrachten? Und warum sollte ich dann jedes Ereignis, das sich in meinem Gehirn abspielt, als Teil meines Körpers betrachten?
Also, die Animalisten dürften sich gerne weiterhin mit ihrem Körper identifizieren, aber daraus folgt trotzdem nicht, dass sie jedes Ereignis im Gehirn unmittelbar mit ihrem Ich identifizieren können.
EDIT: (b) ist natürlich eine Infragestellung von A1. Aber (c)-(e) laufen auf eine Infragestellung von A2 hinaus. Und soweit ich sehe, wird (b) in dieser Diskussion nicht ernsthaft diskutiert.