Es gibt einerseits die äußere Grenze eines Organismus und andererseits innere Grenzen zwischen Teilen (Abschnitten) eines Organismus. Die Identifizierung innerer Grenzen kann sich an natürlichen Unterschieden im Körperaufbau, in der organismischen Struktur orientieren; aber man kann auch unabhängig davon ganz willkürlich innerkörperliche Grenzen ziehen, z.B. eine lineare Grenze zwischen dem unteren Siebtel eines menschlichen Körpers und dem oberen Rest.Dynamis hat geschrieben : ↑Do 9. Apr 2026, 14:03Aus deiner These, dass wir mit unserem Consul-Körper identisch sind, folgt natürlich, dass jeder Teil des Consul-Körpers auch Teil von uns selbst ist. Es gibt dann zwei offene Fragen:
- Woher wissen wir, dass die Grenzen des Consul-Körpers bei "normalen" Menschen (also die keine siamesischen Zwillinge sind) nicht irgendwo quer durch die zusammenhängende Fleischmasse, die von Haut begrenzt wird, verlaufen? Du kannst natürlich auch eine stipulative Definition verwenden und einfach so festlegen, dass die Grenzen nur bei siamesischen Zwillingen irgendwo quer verlaufen, bei anderen Menschen aber nicht, aber das wäre halt willkürlich.
- Woher wissen wir, dass die Teile des Consul-Körpers auch Teile des Ichs sind?
Es gibt eine mereologische Doktrin namens die Lehre von den willkürlichen unabgetrennten Teilen, der zufolge Körperteile wie das untere Siebtel und die Summe der oberen sechs Siebtel objektiv, "an sich" existieren, auch wenn an ihrer linearen Grenze keinerlei anatomische oder morphologische Diskontinuität zu erkennen ist.
"Viele Philosophen vertreten die sogenannte Lehre von den willkürlichen unabgetrennten Teilen (LWUT) [the Doctrine of Arbitrary Undetached Parts (DAUP)]. Anhänger dieser Lehre glauben an Objekte wie die nördliche Hälfte des Eiffelturms, die mittleren zwei Drittel der Zigarre, die Onkel Henry raucht, und die Tausenden (mindestens) sich überlappenden, perfekten Kopien von Michelangelos David, die in dem Marmorblock verborgen waren, aus dem Michelangelo (ihrer Ansicht nach) den David befreite. Darüber hinaus glauben sie nicht nur an einige „unabgetrennte Teile“, sondern sozusagen an alle. Die folgende Formulierung der LWUT, die zwar in mancher Hinsicht unvollkommen ist, erfasst zumindest die Allgemeingültigkeit der Lehre, die ich mit diesem Namen bezeichnen möchte:
Für jedes materielle Objekt M gilt: Wenn R der von M zum Zeitpunkt t eingenommene/besetzte Raumbereich ist und sub-R ein beliebiger, einnehmbarer/besetzbarer Teilbereich von R ist, dann existiert ein materielles Objekt, das den Bereich sub-R zum Zeitpunkt t einnimmt/besetzt." [übersetzt von Google]
(Van Inwagen, Peter. "The Doctrine of Arbitrary Undetached Parts." In Ontology, Identity, and Modality: Essays in Metaphysics, 75-94. Cambridge: Cambridge University Press, 2001. p. 75)
Ein phänomenales Körperbild hat ein Subjekt, aber es ist kein Subjekt—und auch kein Ich/Ego. Ich habe (als Körper) ein Körperbild; aber mein Körperbild ist selbst kein Ich.Dynamis hat geschrieben : ↑Do 9. Apr 2026, 14:03…Da ist eine Subjekt-Objekt-Dichotomie vorausgesetzt. Hier wäre mein Einwand derselbe wie bei Jörn, der das Ich mit der "Zeitwurst" identifiziert hat: Diese Subjekt-Objekt-Dichotomie vorausgesetzt ist es eine petitio principii, wenn man das Ich mit dem Objekt identifiziert. Genausogut könnte man es auch mit dem Subjekt, also mit dem phänomenalen Körperbild identifizieren. Wenn man das Ich mit dem Subjekt identifiziert, verlaufen die Grenzen anderswo als dort, wo du es "objektiv" für richtig hältst.
Ein psychologisches/phänomenologisches Subjekt ist für mich als Materialisten ein physikalisches Objekt mit psychologischen/phänomenologischen Attributen. Es gibt also Objekte mit Subjektivität (subjektiver Mentalität) und solche ohne.