Wer oder was ist "Ich"?
Ich möchte vorweg schicken, dass ich kein Hegel-Experte bin. Vor einiger Zeit habe ich die Freiheitstheorie, die in "Grundlinien der Philosophie des Rechts" (GPR) beschrieben wird, an anderer Stelle diskutiert und konnte sie recht gut verteidigen. Deswegen halte ich seine Position für vielversprechend.
Hegel liefert seine Definition des Ich inmitten einer elaborierten Definition des Begriffs des Willens. Das verweist darauf, dass das Ich keine feste Substanz und kein Körper ist, sondern ein Prozess der Selbstbestimmung, welcher durch die Willensausübung erfolgt. Im Verhältnis zu unserem Körper drückt sich das beispielsweise so aus, dass unser Erscheinungsbild von uns bestimmt wird, also ob wir unsere Haare lang oder kurz tragen, ob und wie wir unseren Körper mit Piercings und Tattoos modifizieren. Beispielsweise zeigt dasPhänomen der Transidentität auf, dass wir auch durch unser biologisches Geschlecht nicht bestimmt sind. Natürlich würde Hegel nicht leugnen, dass wir ohne einen Körper nicht leben können, deswegen thematisiert er in §47 der GPR, dass wir uns in einem Verhältnis zu unserem Körper befinden: Ich "habe" einen Körper, d.h. er ist Instrument meines Willens.
Hegel liefert seine Definition des Ich inmitten einer elaborierten Definition des Begriffs des Willens. Das verweist darauf, dass das Ich keine feste Substanz und kein Körper ist, sondern ein Prozess der Selbstbestimmung, welcher durch die Willensausübung erfolgt. Im Verhältnis zu unserem Körper drückt sich das beispielsweise so aus, dass unser Erscheinungsbild von uns bestimmt wird, also ob wir unsere Haare lang oder kurz tragen, ob und wie wir unseren Körper mit Piercings und Tattoos modifizieren. Beispielsweise zeigt dasPhänomen der Transidentität auf, dass wir auch durch unser biologisches Geschlecht nicht bestimmt sind. Natürlich würde Hegel nicht leugnen, dass wir ohne einen Körper nicht leben können, deswegen thematisiert er in §47 der GPR, dass wir uns in einem Verhältnis zu unserem Körper befinden: Ich "habe" einen Körper, d.h. er ist Instrument meines Willens.
Doch, das ist sehr wohl eine Begründung (oder Rechtfertigung), d.h. eine Angabe von Gründen für eine bestimmte Annahme, Behauptung oder Überzeugung. Denn es ist mitnichten erforderlich, dass die angeführten Gründe einen rationalen Dissens dadurch unmöglich machen, dass die Wahrheit der zu begründenden Aussage mit logischer Notwendigkeit aus den begründenden Aussagen folgt – wie bei einem deduktiv gültigen Argument.Dynamis hat geschrieben : ↑Mi 29. Apr 2026, 19:58Du hast ja selbst anerkannt, dass es im Lager der Animalisten eine Kontroverse gibt. Das heißt, da gibt es einen Dissens zwischen folgenden Positionen: Dir erscheint es so, als ob der Grad an organismischer Einheitlichkeit insgesamt zu gering ist, um von zwei Organismen sprechen zu können. Anderen Leuten erscheint es so, dass der Grad an organismischer Einheitlichkeit groß genug ist, sodass man insgesamt von einem einzigen Organismus sprechen kann. Darauf hast du selbst hingewiesen:
…
Weil es also diesen Dissens gibt, unterläuft dir ein performativer Widerspruch. Du tust so, als wäre deine Position eine Begründung. Das steht im Widerspruch dazu, dass du ein Diskussionsteilnehmer bist. In dieser Diskussion gibt es einen Dissens darüber, ob man es hier mit einem oder zwei Organismen zu tun hat. Daher ist deine Position etwas, was einer Begründung bedarf, aber selbst keine Begründung!
Eine Begründung muss nicht von allen akzeptiert werden; und wenn sie nicht von allen akzeptiert wird, dann macht sie dieser Umstand nicht zu einer Nichtbegründung. Von einem "performativen Widerspruch" meinerseits kann also keine Rede sein!
Sorry, ich nix verstehen!Dynamis hat geschrieben : ↑Mi 29. Apr 2026, 19:58Warum ist dieser Widerspruch für die Frage "Was ist Ich?" relevant? Nun, wie ich schon mehrmals in dieser Diskussion kundgetan habe, vertrete ich inspiriert von Hegel folgende These: Ich ist das Übergehen aus unterschiedsloser Unbestimmtheit zur Unterscheidung, Bestimmen und Setzen einer Bestimmtheit als eines Inhalts und Gegenstands. (§6, Grundlinien der Philosophie des Rechts).
* Man widerspricht sich nicht, wenn man sagt X ist ein Kriterium für Y im Kontext K1, aber nicht im Kontext K2.Dynamis hat geschrieben : ↑Mi 29. Apr 2026, 19:58In dieser Definition taucht der Begriff der Unbestimmtheit auf. Dein Widerspruch verweist darauf, dass das Ich selbst im animalistischen Lager unbestimmt ist. Du versuchst das Ich über den Begriff des Organismus zu bestimmen, aber dieser Versuch einer Bestimmung bleibt erfolglos, weil der Begriff des Organismus selbst unbestimmt ist! Die Unbestimmtheit zeigt sich an einem weiteren Punkt: Schon seit geraumer Zeit versuche ich dir hier in dieser Diskussion die Angabe eines Kriteriums abzunötigen und erhalte einfach keine Antwort! Dein anderer Widerspruch unterlief dir ja deswegen, weil du einerseits das Kriterium der räumlichen Getrenntheit bestreitest und es gleichzeitig benutzt. An diesem Widerspruch zeigt sich also die Kriterienlosigkeit deiner Position, was auch zeigt, dass der Begriff des Organismus bei dir unbestimmt ist.
* Als Kriterien für die Ein-Organismus-These (EOT) bzw. die Zwei-Organismen-These (ZOT) werden evolutionär-reproduktive, ontogenetische (embryogenetische), (neuro-)physiologische oder/und morphologische Aspekte herangezogen.
Was mich anbelangt, ich kann dir leider ad hoc keine genauere Begründung meiner ZOT-Befürwortung anbieten, die über das bereits Vorgebrachte hinausgeht.
Ein zentraler Punkt in der Debatte ist jedenfalls die Frage nach dem Grad der morphologischen (strukturalen) und (neuro-)physiologischen (funktionalen) Integration.
…beziehungsweise zu zeigen, dass Fusion (z.B. Abigail+Britanny [Hensel]) selbst kein einzelner Organismus ist, sondern dass Lefty (z.B. Abigail) und Righty (z.B. Brittany) zwei partiell identische Organismen sind."Gewöhnlich ist es nicht schwierig festzustellen, mit wie vielen Organismen wir es zu tun haben – doch es gibt eine Reihe bemerkenswerter Problemfälle, darunter Espenhaine und die Portugiesische Galeere. Es wurden verschiedene Ansätze zur Bestimmung des Organismusbegriffs vorgeschlagen, mit dem Ziel, diese Individuationsprobleme zu lösen. In diesem und dem folgenden Abschnitt greife ich auf diese Ansätze zurück, um zu zeigen, dass es sich bei einem Dicephalus lediglich um ein einziges Tier handelt.
Diese Ansätze widmen sich Fragen der Individuation auf zweierlei Weise: zum einen durch die Bereitstellung von Kriterien für das Organismussein, anhand deren wir bestimmen können, ob ein biologisches Einzelwesen ein Organismus ist; zum anderen durch die Bereitstellung von Inklusionskriterien, mit denen wir festlegen können, was als Teil eines Organismus gilt. Um zu belegen, dass es sich bei einem Dicephalus um ein einzelnes menschliches Tier handelt, muss gezeigt werden, dass „Fusion“ ein menschliches Tier ist, „Lefty“ und „Righty“ hingegen nicht. Ich gehe davon aus, dass Fusion, Lefty und Righty genau dann menschliche Tiere sind, wenn sie Organismen sind. Da jedes menschliche Tier ein Organismus ist, können sie keine menschlichen Tiere sein, sofern sie keine Organismen sind; sollten sie hingegen Organismen sein, so ist schwer vorstellbar, um welche Art von Organismus es sich sonst bei ihnen handeln könnte. Unter Zugrundelegung dieser Annahmen besteht die anstehende Aufgabe darin, zu zeigen, dass Fusion ein Organismus ist, Lefty und Righty hingegen nicht." [übersetzt von Google]
(Boyle, Alexandria. "Conjoined Twinning & Biological Individuation." Philosophical Studies 177/8 (2020): 2395–2415. p. 2400)
[Boyle ist eine EOT-Befürworterin.]
Hier sind zwei Zitate von EOT-Befürwortern:
"Im Fall Hensel liegt plausiblerweise ein einzelnes biologisches Leben vor. Die Organe und Körperteile funktionieren in diesem Fall auf global integrierte Weise, wobei nicht-duplizierte Strukturen einheitliche biologische Systeme stützen, die für die Aufrechterhaltung des Lebens von entscheidender Bedeutung sind. Dieses Ausmaß an Integration legt die Existenz eines einzelnen Lebens – und somit eines einzelnen Organismus – nachdrücklich nahe.
Selbst wenn man Überlegungen zur biologischen Integration außer Acht lässt, handelt es sich eindeutig um ein einzelnes evolutionäres und reproduktives Individuum. Jeder Nachkomme hätte eine einzige biologische Mutter und würde einen einzelnen Satz genetischer Merkmale erben, was die Auffassung vom Vorliegen eines einzelnen Organismus zusätzlich stützt." [übersetzt von Google]
(Luzio, Hugo, & Ricardo Santos. "Animalism and Dicephalus: The Psychological Disunity Solution." Philosophia (2026).)
Anmerkungen:"Die dritte und vielversprechendste Option besteht darin, zu behaupten, dass dizephahlische Zwillinge tatsächlich zwei verschiedene, wenngleich überlappende Organismen sind. Van Inwagen vertritt diese Ansicht möglicherweise; denn an einer Stelle schreibt er – in Klammern – von „einer Verschmelzung zweier oder mehrerer vielzelliger Organismen, nach Art der siamesischen Zwillinge“. Dieses Verständnis ist natürlich vollkommen überzeugend im Falle von siamesischen Zwillingen, die nur oberflächlich miteinander verwachsen sind (und daher potenziell trennbar) und die jeweils über einen vollständigen Satz an Organen und Körperteilen verfügen. Es erscheint auch plausibel in Fällen, in denen eine begrenzte gemeinsame Nutzung bestimmter Organe oder Körperteile vorliegt, jedoch eine umfassende Verdoppelung anderer. Es ist jedoch wesentlich weniger plausibel, wenn – wie im Fall der Hensel-Schwestern – nur eine sehr begrenzte Verdoppelung von Organen besteht und alle Organe gemeinsam als eine Einheit funktionieren. Obwohl die Hensel-Zwillinge zwei Herzen und zwei Mägen besitzen, teilen sie sich drei Lungen, verfügen über eine einzige Leber, einen einzigen Dünndarm, einen einzigen Dickdarm, ein einziges Harnsystem und ein einziges Fortpflanzungssystem (somit wäre jedes Kind, das sie empfangen könnten, das Kind beider – ein Kind mit drei Elternteilen: einem Vater und zwei Müttern). Die Organe sind gemeinsam in einem einzigen Brustkorb umschlossen und arbeiten auf harmonisch koordinierte Weise zusammen. Die begrenzte Verdoppelung der Organe – die zwei Herzen und zwei Mägen – scheint dabei eher zufällig zu sein. Dokumentierte Fälle von Dicephalie zeigen unterschiedliche Grade der Verdoppelung; es erscheint denkbar, dass es sogar noch „reinere“ Fälle geben könnte als den der Hensel-Zwillinge, in denen unterhalb des Halses praktisch keinerlei Organverdoppelung vorläge.
…
Dicephale Zwillinge wie die Hensel-Schwestern bilden eine einzige, integral funktionierende Organeinheit, die von einer einzigen Haut umschlossen ist, von einem einzigen, koordinierten Stoffwechselsystem aufrechterhalten wird, von einem einzigen Blutkreislauf versorgt wird, von einem einzigen Immunsystem geschützt wird (das – bezeichnenderweise – jede Zelle, die einer der beiden Zwillinge als Teil ihres Körpers beanspruchen könnte, als „Selbst“ erkennt) und so weiter. Diese Systeme und die von ihnen getragenen Prozesse bilden gemeinsam ein einziges biologisches Leben – ungeachtet der Tatsache, dass verschiedene Aspekte dieses Lebens gewissermaßen gemeinsam von zwei Gehirnen gesteuert werden. Es existieren natürlich zwei personale oder biografische Leben; sollte also einer der Zwillinge den Hirntod erleiden, würde eine Person sterben oder aufhören zu existieren. Doch dies bedeutet – wie ich später darzulegen versuchen werde – keineswegs, dass gleichermaßen auch der Organismus sterben oder aufhören würde zu existieren. In Fällen von Dicephalie trägt ein einziges biologisches Leben die Existenz – und somit die Leben – zweier eigenständiger Personen." [übersetzt von Google]
(McMahan, Jeff. The Ethics of Killing: Problems at the Margins of Life. New York: Oxford University Press, 2002. pp. 36-7)
* McMahans Liste der Verdopplungen ist nicht ganz richtig und nicht ganz vollständig:
* McMahan spricht von "einem einzigen Blutkreislauf" und von "einem einzigen Immunsystem"; aber dass beim Nervensystem keine solche Gesamteinheitlichkeit vorliegt, erwähnt er nicht:## Verteilung der Organe
Ihre inneren Systeme sind so angeordnet, dass sie sowohl individuelle Funktionen als auch gemeinsame biologische Prozesse ermöglichen:
* Zweifach vorhanden (getrennt):
* Köpfe und Gehirne: Sie haben zwei separate Köpfe mit jeweils eigenem Gehirn.
* Wirbelsäulen: Zwei separate Wirbelsäulen, die am Steißbein verschmelzen.
* Herzen: Zwei separate Herzen in einem gemeinsamen Kreislaufsystem.
* Mägen: Sie haben zwei getrennte Mägen und Speiseröhren.
* Gallenblasen: Jede besitzt eine eigene Gallenblase.
* Teilweise verschmolzen oder atypisch:
* Lungen: Insgesamt vier Lungenflügel, wobei die inneren (medialen) Lungenflügel teilweise miteinander verwachsen sind.
* Nieren: Sie besitzen insgesamt drei Nieren.
* Skelett: Ein breiter Brustkorb mit Anzeichen von verwachsenen Rippen. Ein rudimentärer dritter Arm wurde bei der Geburt operativ entfernt, wobei ein zusätzliches Schulterblatt zurückblieb.
* Einfach vorhanden (gemeinsam genutzt):
* Leber: Eine einzige, vergrößerte Leber.
* Darmtrakt: Ein gemeinsamer Dünn- und Dickdarm.
* Blase und Fortpflanzungsorgane: Sie teilen sich eine Blase, eine Gebärmutter und eine Harnröhre.
Quelle: Google KI
Matthew Liao argumentiert folgendermaßen gegen McMahans Auffassung und damit für ZOT:## Motorik und Steuerung
Die neurologische Steuerung ist streng getrennt: Abby kontrolliert die rechte Körperhälfte (rechter Arm und rechtes Bein), während Brittany die linke Seite steuert. Um alltägliche Aufgaben wie Gehen, Schwimmen oder Autofahren zu bewältigen, ist eine beispiellose Koordination und Kommunikation zwischen den beiden Gehirnen erforderlich.
Quelle: Google KI
Anmerkungen:"McMahans Fall des Dicephalus sowie der Fall der Hemisphärenkommissurotomie zielen darauf ab, die Organismus-Ansicht (Organism View) infrage zu stellen. In beiden Fällen besteht das Ziel darin zu zeigen, dass – da zwei Personen, aber nur ein Organismus vorliegen – Personen folglich nicht numerisch identisch mit ihren Organismen sind. Als Erwiderung auf den Dicephalus-Fall lässt sich einwenden, dass es sich tatsächlich um zwei Organismen handelt, wenngleich diese möglicherweise keine vollständig voneinander unabhängigen Organismen sind. In den meisten Fällen von Dicephalus ist es möglich, funktionstüchtige Organe für zwei Organismen zu identifizieren. So verfügt beispielsweise in McMahans Beispiel der Zwillinge Abigail und Brittany Hensel jede der beiden über einen eigenen Magen und ein eigenes Herz; sie besitzen voneinander getrennte Hirnstämme und Wirbelsäulen, die lediglich im Hüftbereich miteinander verbunden sind; zudem verfügen sie über teilweise getrennte, aber miteinander verwachsene Organe. Dies legt die Schlussfolgerung nahe, dass es sich hier tatsächlich um zwei Organismen handelt – auch wenn diese keine vollständig unabhängigen Organismen sind. Darüber hinaus gilt in den meisten, wenn nicht sogar in sämtlichen tatsächlichen Fällen von dicephalen Zwillingen – aus metaphysischer Perspektive betrachtet –, dass diese aus zwei separaten Embryonen hervorgegangen sind, der Teilungsprozess der beiden Embryonen jedoch unvollständig blieb. Eine monozygotische Zwillingsbildung liegt vor, wenn sich eine einzelne befruchtete Eizelle in zwei Embryonen aufteilt. Üblicherweise verläuft diese Teilung vollständig, woraus zwei voneinander getrennte Individuen hervorgehen. Gelegentlich bleibt die Teilung jedoch unvollständig, was zu Fällen wie dem Dicephalus führt. Da die dicephale Zwillingsbildung erst zu einem Zeitpunkt einsetzt, zu dem bereits zwei Embryonen – ausgestattet mit jeweils eigener Fähigkeit zur Regulierung und Koordination der verschiedenen Lebensprozesse – entstanden sind, jedoch noch bevor deren vollständige Trennung erfolgt ist, erscheint das Argument plausibel, dass hier bereits zwei Organismen vorliegen. Schließlich – und dies ist der entscheidende Punkt – lassen sich in den meisten Fällen von Dicephalus zwei voneinander getrennte Kapazitäten zur Koordination und Regulierung der verschiedenen Lebensprozesse identifizieren. Man betrachte hierzu beispielsweise den Fall von Jodie und Mary, die am 8. August 2000 im St. Mary's Hospital in Manchester (Großbritannien) zur Welt kamen. Obwohl sie auf den ersten Blick jeweils über einen separaten, wohlgeformten Körper zu verfügen schienen – lediglich im unteren Körperbereich waren sie miteinander verbunden –, ergaben detaillierte Untersuchungen, dass diese siamesischen Zwillinge äußerst ungleich beschaffen waren: Jodie stellte Herz und Lunge bereit sowie viele andere grundlegende Funktionen für beide, während Mary lediglich Teile ihrer Gliedmaßen steuern konnte. In der Folge ordnete das Gericht – gegen den Willen der Eltern – die Trennung der Zwillinge an, mit der Begründung, dass Mary Jodies Leben gefährden könnte. Unabhängig davon, ob das Gerichtsurteil zutreffend ist oder nicht, veranschaulicht der Fall, dass sich ermitteln lässt, welcher Zwilling welches Organ oder welchen Körperteil steuert; dies legt nahe, dass zwei Kapazitäten zur Koordination verschiedener Lebensprozesse existieren und dass es sich folglich um zwei Organismen handelt." [übersetzt von Google]
(Liao, Matthew S. "The Organism View Defended." The Monist 89/3 (2006): 334–350. pp. 340-1)
"Organismen sind Lebewesen, die über die Fähigkeit verfügen, bestimmte Lebensprozesse auszuführen. Zu diesen Prozessen zählen unter anderem der Stoffwechsel – die Fähigkeit, Substanzen abzubauen und in andere Substanzen umzuwandeln, die vom Körper genutzt werden können; das Wachstum – die Fähigkeit, die Größe bestehender Zellen sowie die Zellzahl zu vergrößern; die Assimilation – die Fähigkeit, Substanzen aufzunehmen, die sich chemisch von den im Körper bereits vorhandenen Substanzen unterscheiden; die Reizbarkeit – die Fähigkeit, Veränderungen außerhalb oder innerhalb des Körpers wahrzunehmen und darauf zu reagieren; die Bewegung – die Fähigkeit, den gesamten Körper, Körperteile wie Organe, einzelne Zellen oder sogar Strukturen innerhalb von Zellen zu bewegen; sowie die Fortpflanzung – die Fähigkeit, neue Zellen für Wachstum, Reparatur oder Ersatz zu bilden oder ein neues Individuum hervorzubringen. Weitere Lebensprozesse können Atmung, Verdauung, Resorption, Kreislauf, Ausscheidung, Differenzierung und Ähnliches umfassen.
…
Die Organismus-Ansicht besagt – so wie ich sie verstehe –, dass ein Wesen X im essenziellerweise ein Organismus ist, wenn a) X zu existieren beginnt, sobald die Fähigkeit vorhanden ist, Stoffwechselprozesse und andere Lebensvorgänge zu regulieren und zu koordinieren; b) X so lange fortbesteht, wie das vorliegt, was man als „organismische Kontinuität“ bezeichnen kann – also die fortwährende Fähigkeit, Stoffwechselprozesse und andere Lebensvorgänge zu regulieren und zu koordinieren; und c) X aufhört zu existieren, sobald die Fähigkeit, Stoffwechselprozesse und andere Lebensvorgänge zu regulieren und zu koordinieren, dauerhaft erloschen ist." [übersetzt von Google]
(Liao, Matthew S. "The Organism View Defended." The Monist 89/3 (2006): 334–350. pp. 336-7)
* Ich präsentiere Liaos Organismus-Auffassung hier, ohne sie einfach so zu übernehmen. Seinen Punkt (c) lehne ich sogar ab, weil daraus entgegen meiner Auffassung folgt, dass es keine toten Organismen gibt.
* Ich weise generell darauf hin, dass die Definition des Begriffs Organismus = Lebewesen sowie des zugrunde liegenden Begriffs Leben nach wie vor ein schwieriges und umstrittenes Thema in der (Philosophie der) Biologie ist.
Life: https://plato.stanford.edu/entries/life/
Biological Individuals: https://plato.stanford.edu/entries/biology-individual/
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
Liaos Aufsatz ist schon 20 Jahre alt, und in der aktuellen Forschung gibt es zwei konkurrierende Theorien zur Embryogenese siamesischer Zwillinge:Consul hat geschrieben : ↑Sa 2. Mai 2026, 00:19* Als Kriterien für die Ein-Organismus-These (EOT) bzw. die Zwei-Organismen-These (ZOT) werden …ontogenetische (embryogenetische)…Aspekte herangezogen.
Matthew Liao argumentiert folgendermaßen gegen McMahans Auffassung und damit für ZOT:
"…Darüber hinaus gilt in den meisten, wenn nicht sogar in sämtlichen tatsächlichen Fällen von dicephalen Zwillingen – aus metaphysischer Perspektive betrachtet –, dass diese aus zwei separaten Embryonen hervorgegangen sind, der Teilungsprozess der beiden Embryonen jedoch unvollständig blieb. Eine monozygotische Zwillingsbildung liegt vor, wenn sich eine einzelne befruchtete Eizelle in zwei Embryonen aufteilt. Üblicherweise verläuft diese Teilung vollständig, woraus zwei voneinander getrennte Individuen hervorgehen. Gelegentlich bleibt die Teilung jedoch unvollständig, was zu Fällen wie dem Dicephalus führt. Da die dicephale Zwillingsbildung erst zu einem Zeitpunkt einsetzt, zu dem bereits zwei Embryonen – ausgestattet mit jeweils eigener Fähigkeit zur Regulierung und Koordination der verschiedenen Lebensprozesse – entstanden sind, jedoch noch bevor deren vollständige Trennung erfolgt ist, erscheint das Argument plausibel, dass hier bereits zwei Organismen vorliegen. …" [übersetzt von Google]
(Liao, Matthew S. "The Organism View Defended." The Monist 89/3 (2006): 334–350. pp. 340-1)
In der Wissenschaft gibt es heute zwei Haupttheorien zur Entstehung siamesischer Zwillinge während der frühen Embryogenese:
1. Die Fissionstheorie (Spaltungstheorie):
Dies ist die klassische Erklärung. Sie besagt, dass sich eine bereits befruchtete Eizelle (monozygotisch) unvollständig teilt. Normalerweise findet diese Trennung bei „normalen“ eineiigen Zwillingen innerhalb der ersten 12 Tage nach der Befruchtung statt. Erfolgt die Spaltung erst nach dem 13. Tag, ist sie laut dieser Theorie nicht mehr vollständig möglich, wodurch die Embryonen an bestimmten Stellen verbunden bleiben. [1, 2, 3, 4]
2. Die Fusionstheorie (Verschmelzungstheorie):
Viele moderne Wissenschaftler halten diese Theorie für wahrscheinlicher. Sie besagt, dass sich die befruchtete Eizelle zunächst komplett in zwei separate Embryonalanlagen teilt. In einem sehr frühen Stadium (während der Gastrulation) treffen diese beiden Anlagen jedoch wieder aufeinander und verschmelzen an Stellen, an denen das schützende Deckgewebe noch nicht vollständig ausgebildet ist. [5, 6]
Während die Fissionstheorie davon ausgeht, dass sie nie ganz getrennt waren, besagt die Fusionstheorie, dass sie erst getrennt waren und dann sekundär zusammengewachsen sind.
[1] [https://de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Siamesisc ... 20dem%2013.)
[2] [https://www.wissenschaft.de](https://www.wissenschaft.de/erde-umwelt ... %20bekannt.)
[3] [https://www.scinexx.de](https://www.scinexx.de/dossierartikel/z ... nen%20kann.)
[4] [https://flexikon.doccheck.com](https://flexikon.doccheck.com/de/Verbundene_Zwillinge)
[5] [https://www.sirene.at](https://www.sirene.at/projekte/2012-201 ... 0verbunden.)
[6] [https://www.simplyscience.ch](https://www.simplyscience.ch/teens/wiss ... pr%C3%A4gt.)
Quelle: Google KI
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
Eine weitere Google-Suchanfrage auf Englisch hat Folgendes ergeben:Consul hat geschrieben : ↑Sa 2. Mai 2026, 01:41In der Wissenschaft gibt es heute zwei Haupttheorien zur Entstehung siamesischer Zwillinge während der frühen Embryogenese:
1. Die Fissionstheorie (Spaltungstheorie):
…
2. Die Fusionstheorie (Verschmelzungstheorie):
Viele moderne Wissenschaftler halten diese Theorie für wahrscheinlicher. …
Quelle: Google KI
"1. Fission Theory (Incomplete Splitting): This is widely considered the more likely explanation.…"
Tja, was soll man nun glauben? Ich weiß nicht, welche der beiden Theorien von den meisten Experten für wahrscheinlicher gehalten wird; aber mir geht es zunächst nur darum, auf die Existenz dieser beiden Theorien hinzuweisen.
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Zu dem Hegel Zitat habe ich der Übersichtlichkeit halber einen neuen Faden eröffnet: viewtopic.php?t=1932#p101197
Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“
Also gut, gehen wir wieder deine beiden Widersprüche durch. Anschließend erläutert ich noch weiter, was das mit dem Hegel-Zitat zu tun hat.
- 1. Widerspruch:
Du behauptest zwar eine "Angabe von Gründen" geliefert zu haben, aber du hast lediglich auf die anatomischen Daten verwiesen. Der bloße Verweis auf die anatomischen Daten liefert noch keine Gründe. Dass du dennoch behauptest, dass der bloße Verweis auf anatomische Daten bereits Gründe liefert, steht im Widerspruch zu deiner Darstellung der Debatte:
Je nachdem, welche Kriterien man verwendet, kommt man in der Debatte zu unterschiedlichen Positionen. Die bloßen anatomischen Daten begründen also keine Position. Es kommt auf die Kriterien an, die man der Interpretation dieser anatomischen Daten zugrunde legt. Es ist halt nicht erkennbar, welche Kriterien du verwendest, das gestehst du ganz offen ein:Consul hat geschrieben : Als Kriterien für die Ein-Organismus-These (EOT) bzw. die Zwei-Organismen-These (ZOT) werden evolutionär-reproduktive, ontogenetische (embryogenetische), (neuro-)physiologische oder/und morphologische Aspekte herangezogen.
Ja, eben, auch hier explizierst du deine Kriterien nicht, auch hier zeigt sich wieder die Kriterienlosigkeit deiner Position. Anschließend zitierst du ausführlich, was andere Leute so sagen, aber welche Kriterien du daraus für deine Position entnimmst, geht daraus nicht hervor. Somit liefern diese Zitate keine Gründe!Consul hat geschrieben : Was mich anbelangt, ich kann dir leider ad hoc keine genauere Begründung meiner ZOT-Befürwortung anbieten, die über das bereits Vorgebrachte hinausgeht. - 2. Widerspruch:
Nur hast du das nicht an der Stelle gesagt, wo ich dir den Widerspruch angekreidet habe. Dein Argument basierte an dieser Stelle, wo ich dir den Widerspruch angekreidet habe, gerade darauf, dass du die Kontextualisierung weggelassen hast. Sonst wäre es sofort erkennbar gewesen, dass es kein Einwand ist. Wenn ich dich darauf verweise, dass du im Kontext K1 (biologisch produzierte Einheiten = Organismen) Kriterium X verwendest, ist dein Hinweis, dass im Kontext K2 (konventionell produzierte Einheiten wie Bikini oder Alaska) von dir andere Kriterien verwendet werden, nun einmal kein Einwand. Weil du die Kontextualisierung weggelassen hast, hat sich auch dein Widerspruch ergeben, dass du ein und dasselbe Kriterium mal verwendet und mal bestritten hast.
Doch, das tun sie. Wenn beispielsweise McMahan argumentiert, dass "die Hensel-Schwestern…eine einzige, integral funktionierende Organeinheit [bilden], die von einer einzigen Haut umschlossen ist, von einem einzigen, koordinierten Stoffwechselsystem aufrechterhalten wird, von einem einzigen Blutkreislauf versorgt wird, von einem einzigen Immunsystem geschützt wird", dann nennt er damit (seine) Kriterien für die biologische Individualität/Singularität eines tierischen Organismus/Tieres, und liefert zugleich entsprechende Gründe, die (seiner Meinung nach) für die Ein-Organismus-These sprechen.Dynamis hat geschrieben : ↑Sa 2. Mai 2026, 20:58Ja, eben, auch hier explizierst du deine Kriterien nicht, auch hier zeigt sich wieder die Kriterienlosigkeit deiner Position. Anschließend zitierst du ausführlich, was andere Leute so sagen, aber welche Kriterien du daraus für deine Position entnimmst, geht daraus nicht hervor. Somit liefern diese Zitate keine Gründe!
Ich und andere sind dagegen der Meinung, dass der Grad der vereinheitlichenden morphologisch-physiologischen Integration bei den Hensel-Schwestern trotz der von McMahan angeführten Tatsachen für eine EOT-Rechtfertigung zu niedrig ist. – "Wie hoch muss er dafür denn sein?", mag man sich fragen; aber ich kann dir darauf leider keine genau Antwort geben.
Liao teilt jedenfalls meine gegensätzliche ZOT-Position, und ich halte insbesondere seinen Verweis auf die Embryogenese von Dicephalus-Zwillingen für relevant: Unabhängig davon, ob die Fusionstheorie oder die Fissionstheorie richtig ist, steht fest, dass Dicephalus-Zwillinge insofern zutreffenderweise Zwillinge genannt werden, als sie tatsächlich eineiige Zwillinge sind, die in der Anfangsphase ihrer Ontogenese entweder zwei vollständig getrennte embryonale Individuen (die danach teilweise verschmolzen) oder auf dem Entwicklungsweg zu zwei vollständig getrennten Individuen waren (bis der embryonale Teilungsvorgang vor seiner Vollendung gestoppt wurde). Das spricht für ZOT, finde ich.
Übrigens: Wenn die Fusionstheorie zutrifft, dann kann ein Vierdimensionalist, der Organismen sowohl räumliche Teile als auch zeitliche Teile zuspricht und sie somit als 4D-Objekte betrachtet, argumentieren, dass Abigail und Brittany (Hensel) nicht ein einziger 4D-Organismus sein können, weil einige ihrer Zeitteile gänzlich räumlich getrennt und somit total nichtidentisch sind – nämlich diejenigen, die (präfusionäre) Embryonen sind. Allgemein gilt: Zwei 4D-Objekte sind nur dann (total) identisch, wenn sowohl alle Raumteile als auch alle Zeitteile von ihnen (total) identisch sind.
Tja, es mag dich nicht zufriedenstellen, aber mir geht es wie Snowdon:Dynamis hat geschrieben : ↑Sa 2. Mai 2026, 20:58Zur Unbestimmtheit: Wie die Kontroverse zeigt, ist ausgehend von den anatomischen Daten der Begriff des Organismus unbestimmt. Er ist weder im Sinne der Ein-Organismus-These noch im Sinne der Zwei-Organismen-These bestimmt. Das Übergehen von Unbestimmtheit zur Bestimmtheit erfolgt anhand einer konsistenten Interpretation der anatomischen Daten, durch die der Begriff des Organismus noch näher bestimmt wird.
Eine allgemeine biologisch-ontologische Theorie (tierischer) Organismen und ihrer Individuation ist auch gar nicht das Thema dieses Diskussionsstrangs. Der hier wichtige Punkt ist, dass es Animalismus-kompatible Auslegungen von Dicephalus-Fällen (und auch andersartigen Fällen) bei siamesischen Zwillingen gibt:"Nun, meine Argumentation basiert nicht auf einer allgemeinen und ausgearbeiteten Theorie von Tieren und Organismen. Ich habe keine solche allgemeine Theorie anzubieten. Meine Antwort besteht vielmehr darin, den Anschein zu entkräften, als hätten C&M [Campbell & McMahan—hinzugef.] ein Argument vorgebracht, das uns dazu bewegen sollte, die Ein-Tier-These [in Bezug auf Dicephalus-Fälle siamesischer Zwillinge—hinzugef.] zu vertreten." [übersetzt von Google & Consul]
(Snowdon, Paul F. Persons, Animals, Ourselves. Oxford: Oxford University Press, 2014. pp. 186-7)
1. A & B sind ein einziger tierischer Organismus (der nicht aus zwei "Semiorganismen" besteht—siehe 3!). A & B sind eine Person mit zwei Geisten oder einem gespaltenen Geist.
2. A & B sind zwei teilweise überlappende (verschmolzene) tierische Organismen, die zusammen einen "Doppelorganismus" bilden. A & B sind entsprechend zwei Personen mit zwei Geisten.
3. A & B sind zwei verbundene, aber nicht überlappende tierische "Semiorganismen", die zusammen einen ganzen Organismus bilden. A & B sind zwei Personen oder "Semipersonen" mit zwei Geisten. (A & B sind jeweils nur "Halbtiere"; aber mir ist kein Animalist unter den Philosophen bekannt, der 3 vertritt.)
4. Aufgrund der Vagheit des Begriffs (tierischer) Organismus bleibt es unbestimmt, ob es sich bei A & B um ein Tier oder zwei Tiere handelt. (Es handelt sich jedoch keinesfalls um ein oder zwei Nichttiere.) Entsprechend bleibt auch unbestimmt, ob es sich um eine Person oder zwei Personen handelt.
Anyway, du und ich haben keinen siamesischen Zwillingsbruder; und als Animalist behaupte ich bekanntlich, dass wir beide als Personen oder "Egos" jeweils mit einem einzelnen tierischen Organismus (Tier) identisch sind.
By the way, als Lesetipp kann ich dieses derzeit kostenlos verfügbare (englischsprachige) Buch empfehlen: Jan Baedke: The Organism
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
Es gibt keinen "Prozess der Selbstbestimmung" ohne etwas Sich-selbst-Bestimmendes. Was (für eine Art von Seiendem) ist das Sich-selbst-Bestimmende?Dynamis hat geschrieben : ↑Fr 1. Mai 2026, 19:31Hegel liefert seine Definition des Ich inmitten einer elaborierten Definition des Begriffs des Willens. Das verweist darauf, dass das Ich keine feste Substanz und kein Körper ist, sondern ein Prozess der Selbstbestimmung, welcher durch die Willensausübung erfolgt. Im Verhältnis zu unserem Körper drückt sich das beispielsweise so aus, dass unser Erscheinungsbild von uns bestimmt wird, also ob wir unsere Haare lang oder kurz tragen, ob und wie wir unseren Körper mit Piercings und Tattoos modifizieren. Beispielsweise zeigt dasPhänomen der Transidentität auf, dass wir auch durch unser biologisches Geschlecht nicht bestimmt sind. Natürlich würde Hegel nicht leugnen, dass wir ohne einen Körper nicht leben können, deswegen thematisiert er in §47 der GPR, dass wir uns in einem Verhältnis zu unserem Körper befinden: Ich "habe" einen Körper, d.h. er ist Instrument meines Willens.
Als Animalist sage ich, dass das (angeblich) sich selbst bestimmende Ich in unserem Fall ein menschliches Tier ist. Außerdem ist mein Menschentiersein keine zufällige (akzidentelle) Eigenschaft von mir, sondern eine wesentliche (essenzielle). Ich kann mich nicht in eine Katze, einen Baum oder einen Stein verwandeln.
Kann sich ein männlicher Mensch körperlich in einen weiblichen verwandeln oder umgekehrt? – Nicht wirklich bzw. nicht vollständig!
(Der allgemeinen biologischen Geschlechtsdefinition nach gilt: das männliche Geschlecht = das Samenzellen (kleine, bewegungsfähige Keimzellen) erzeugende Geschlecht & das weibliche Geschlecht = das Eizellen (große, bewegungsunfähige Keimzellen) erzeugende Geschlecht.)
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
Hier unterläuft dir folgender Widerspruch: Es wurden nach Gründen für deine Position gefragt. Stattdessen lieferst du die Gründe für die Position von McMahan, die deiner Position nun einmal widerspricht.Consul hat geschrieben : ↑So 3. Mai 2026, 04:58Doch, das tun sie. Wenn beispielsweise McMahan argumentiert, dass "die Hensel-Schwestern…eine einzige, integral funktionierende Organeinheit [bilden], die von einer einzigen Haut umschlossen ist, von einem einzigen, koordinierten Stoffwechselsystem aufrechterhalten wird, von einem einzigen Blutkreislauf versorgt wird, von einem einzigen Immunsystem geschützt wird", dann nennt er damit (seine) Kriterien für die biologische Individualität/Singularität eines tierischen Organismus/Tieres, und liefert zugleich entsprechende Gründe, die (seiner Meinung nach) für die Ein-Organismus-These sprechen.Dynamis hat geschrieben : ↑Sa 2. Mai 2026, 20:58Ja, eben, auch hier explizierst du deine Kriterien nicht, auch hier zeigt sich wieder die Kriterienlosigkeit deiner Position. Anschließend zitierst du ausführlich, was andere Leute so sagen, aber welche Kriterien du daraus für deine Position entnimmst, geht daraus nicht hervor. Somit liefern diese Zitate keine Gründe!
McMahans Argumentation ist durchaus aufschlussreich. Er argumentiert dahingehend, dass gerade genug biologische Fakten für die Einheitlichkeit der Hensel-Schwestern als Organismus sprechen.
Consul hat geschrieben : Ich und andere sind dagegen der Meinung, dass der Grad der vereinheitlichenden morphologisch-physiologischen Integration bei den Hensel-Schwestern trotz der von McMahan angeführten Tatsachen für eine EOT-Rechtfertigung zu niedrig ist. – "Wie hoch muss er dafür denn sein?", mag man sich fragen; aber ich kann dir darauf leider keine genau Antwort geben.
Eben. Da gestehst du die Kriterienlosigkeit deiner Position ein. McMahan ist der Ansicht, dass der Grad hoch genug sei. Du bist der Ansicht, dass der Grad zu niedrig sei. Welches Kriterium verwenden wir also? Ohne eine Antwort auf diese Frage stehen halt beide Interpretationen gleichberechtigt nebeneinander im Raum.
Das ist ein anderes Kriterium. Wenn du mit dem "Grad der vereinheitlichenden morphologisch-physiologischen Integration" argumentierst, argumentierst du ja gerade nicht mit der Genese. Du könntest natürlich versuchen ein Doppelkriterium zu verwenden und beide Kriterien miteinander zu kombinieren, aber dann müsstest du halt gewichten, wie du vorgehst, wenn beide Kriterien zu sich widersprechenden Ergebnissen führen. Wenn man beispielsweise einem Menschen die Beine amputiert, dann sind nach erfolgter Abtrennung diese Beine von der embryonalen Entwicklung her gesehen Teil des Menschen, von dem Integrationsgrad her gesehen jedoch nicht mehr.Consul hat geschrieben : Liao teilt jedenfalls meine gegensätzliche ZOT-Position, und ich halte insbesondere seinen Verweis auf die Embryogenese von Dicephalus-Zwillingen für relevant: Unabhängig davon, ob die Fusionstheorie oder die Fissionstheorie richtig ist, steht fest, dass Dicephalus-Zwillinge insofern zutreffenderweise Zwillinge genannt werden, als sie tatsächlich eineiige Zwillinge sind, die in der Anfangsphase ihrer Ontogenese entweder zwei vollständig getrennte embryonale Individuen (die danach teilweise verschmolzen) oder auf dem Entwicklungsweg zu zwei vollständig getrennten Individuen waren (bis der embryonale Teilungsvorgang vor seiner Vollendung gestoppt wurde). Das spricht für ZOT, finde ich.
Den Zusammenhang zum Thema dieses Diskussionsstrangs habe ich mit meinem Hegel-Zitat aufgezeigt. Ich ist das Übergehen aus der Unbestimmtheit in die Bestimmtheit. Gerade an deinem Dissens, den du mit McMahan hast, zeigt sich gerade die Unbestimmtheit des Organismusbegriffs. Da gestehst ja die Kriterienlosigkeit deiner Position selbst ein. Ab welchem Grad hat man einen Organismus und ab welchem Grad hat man zwei Organismen? Das ist eben nicht durch die anatomischen Daten festgelegt! Folglich bedarf es einer weitergehenden Bestimmung auf der Grundlage einer Interpretation, die gerade nicht durch die anatomischen Daten festgelegt ist. Wenn du nun Organismus = Ich identifizierst, dann ist diese weitergehende Bestimmung eine Selbstbestimmung, eben das Übergehen aus der Unbestimmtheit (durch die anatomischen Daten) in die Bestimmtheit (durch die Interpretation, die nicht durch die anatomischen Daten festgelegt ist).Consul hat geschrieben : Eine allgemeine biologisch-ontologische Theorie (tierischer) Organismen und ihrer Individuation ist auch gar nicht das Thema dieses Diskussionsstrangs. Der hier wichtige Punkt ist, dass es Animalismus-kompatible Auslegungen von Dicephalus-Fällen (und auch andersartigen Fällen) bei siamesischen Zwillingen gibt:
Wieso "angeblich"? Dass es einer Selbstbestimmung bedarf, da der Mensch durch die anatomischen Daten nicht hinreichend bestimmt ist, ergibt sich ja gerade aus unserer Diskussion. An der Kontroverse zwischen dir und McMahan zeigt sich ja gerade die Unbestimmtheit. Die von dir selbst eingestandene Kriterienlosigkeit deiner Position ist ja gerade ein Ausdruck dieser Unbestimmtheit.Consul hat geschrieben : Als Animalist sage ich, dass das (angeblich) sich selbst bestimmende Ich in unserem Fall ein menschliches Tier ist.
Konkret könnte diese Selbstbestimmung beispielsweise so aussehen, dass du philosophische, biologische und medizinische Fachartikel liest, Konferenzen besuchst und dort mit Leuten über diese Kontroverse diskutierst. Dann kannst du dem McMahan in der Kaffee-Pause oder abends bei einem Glas Bier erklären, warum sein Kriterium zur Begründung seiner Position nicht hinreichend ist und seinen Irrglauben mit überzeugenden Argumenten korrigieren. Auf diese Weise kannst du die Bestimmung des Organismusbegriffs zu deinem persönlichen Projekt machen, was auch eine Form der Selbstbestimmung ist. Insofern, das Ich bestimmt sich nicht nur "angeblich", sondern tatsächlich selbst!
Morphologisch betrachtet, sprechen bei den Hensel-Zwillingen die Dopplungen im Oberkörper für ZOT. Physiologisch betrachtet, spricht die Getrenntheit von Nervenfunktionen für ZOT. Das ist wohlgemerkt auf diesen Einzelfall bezogen, denn die morphologischen und (neuro-)physiologischen Gegebenheiten sind bei Dicephalus-Fällen unterschiedlich.Dynamis hat geschrieben : ↑So 3. Mai 2026, 12:01Das ist ein anderes Kriterium. Wenn du mit dem "Grad der vereinheitlichenden morphologisch-physiologischen Integration" argumentierst, argumentierst du ja gerade nicht mit der Genese. Du könntest natürlich versuchen ein Doppelkriterium zu verwenden und beide Kriterien miteinander zu kombinieren, aber dann müsstest du halt gewichten, wie du vorgehst, wenn beide Kriterien zu sich widersprechenden Ergebnissen führen.Consul hat geschrieben : ↑So 3. Mai 2026, 04:58Liao teilt jedenfalls meine gegensätzliche ZOT-Position, und ich halte insbesondere seinen Verweis auf die Embryogenese von Dicephalus-Zwillingen für relevant: Unabhängig davon, ob die Fusionstheorie oder die Fissionstheorie richtig ist, steht fest, dass Dicephalus-Zwillinge insofern zutreffenderweise Zwillinge genannt werden, als sie tatsächlich eineiige Zwillinge sind, die in der Anfangsphase ihrer Ontogenese entweder zwei vollständig getrennte embryonale Individuen (die danach teilweise verschmolzen) oder auf dem Entwicklungsweg zu zwei vollständig getrennten Individuen waren (bis der embryonale Teilungsvorgang vor seiner Vollendung gestoppt wurde). Das spricht für ZOT, finde ich.
Sowohl ein EOT-Animalist als auch ein Antiantimalist könnte allerdings ein hypothetisches Beispiel vorbringen, das mit ZOT zweifellos unvereinbar ist:
Stellen wir uns eine menschenähnliche Tierart vor, deren individuelle Mitglieder normalerweise als zweiköpfige & zweihirnige Wesen ohne biologisch unnötige Organverdopplungen im Rumpf oder Unterkörper auf die Welt kommen. In dieser Spezies wäre also ein einköpfiges/einhirniges Individuum eine missgebildete Abnormität!
Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass ein Exemplar dieser hypothetischen Tierart ein einzelner Organismus ist, sodass ZOT hier nicht haltbar ist. Der Verweis auf die Embryonalentwicklung hilft den ZOTlern auch nicht, da die Entwicklung von zwei Köpfen & zwei Gehirnen bei dieser Spezies völlig normal ist und nichts Pathologisches oder Teratologisches an sich hat. (Teratologie = Wissenschaft von den körperlichen Missbildungen)
Man kann auch mythische Tiere wie die vielköpfige Schlange Hydra und den dreiköpfigen Hund Zerberus erwähnen, bei denen man ebenfalls davon ausgehen muss, dass sie einzelne Organismen und nicht zwei überlappende Organismen sind (bzw. wären, wenn es sie gäbe). Folglich muss ein Animalist in solchen Fällen die folgende Option wählen:
Fußnote: Ich verwende bewusst den allgemein ungebräuchlichen Plural "Geiste" statt "Geister", weil es sehr seltsam klingt zu sagen, ein Körper habe zwei Geister. Geister sind für mich hyper-/paraphysische Substanzen, wohingegen Geiste (minds) nichtsubstanzielle Komplexe psychischer Attribute (Eigenschaften, Fähigkeiten) oder Okkurrenzen (Ereignisse, Vorgänge, Zustände) sind."Es gibt nur einen Organismus und daher nur einen von uns – eine einzige Person [oder ein einziges Subjekt—hinzugef.] mit zwei Geisten oder einem einzigen Geist, der auf zwei Gehirne aufgeteilt ist." [übersetzt von Google & Consul]
(Campbell, Tim, & Jeff McMahan. "Animalism and the Varieties of Conjoined Twinning." In Animalism: New Essays on Persons, Animals, and Identity, ed. by Stephan Blatti & Paul F. Snowdon, 229-252. Oxford: Oxford University Press, 2016. p. 235)
Verteilung der Organe im Fall der Hensel-Zwillinge:
Ihre inneren Systeme sind so angeordnet, dass sie sowohl individuelle Funktionen als auch gemeinsame biologische Prozesse ermöglichen:
* Zweifach vorhanden (getrennt):
* Köpfe und Gehirne: Sie haben zwei separate Köpfe mit jeweils eigenem Gehirn.
* Wirbelsäulen: Zwei separate Wirbelsäulen, die am Steißbein verschmelzen.
* Herzen: Zwei separate Herzen in einem gemeinsamen Kreislaufsystem.
* Mägen: Sie haben zwei getrennte Mägen und Speiseröhren.
* Gallenblasen: Jede besitzt eine eigene Gallenblase.
* Teilweise verschmolzen oder atypisch:
* Lungen: Insgesamt vier Lungenflügel, wobei die inneren (medialen) Lungenflügel teilweise miteinander verwachsen sind.
* Nieren: Sie besitzen insgesamt drei Nieren.
* Skelett: Ein breiter Brustkorb mit Anzeichen von verwachsenen Rippen. Ein rudimentärer dritter Arm wurde bei der Geburt operativ entfernt, wobei ein zusätzliches Schulterblatt zurückblieb.
* Einfach vorhanden (gemeinsam genutzt):
* Leber: Eine einzige, vergrößerte Leber.
* Darmtrakt: Ein gemeinsamer Dünn- und Dickdarm.
* Blase und Fortpflanzungsorgane: Sie teilen sich eine Blase, eine Gebärmutter und eine Harnröhre.
————————————
Motorik und Steuerung:
Die neurologische Steuerung ist streng getrennt: Abby kontrolliert die rechte Körperhälfte (rechter Arm und rechtes Bein), während Brittany die linke Seite steuert. Um alltägliche Aufgaben wie Gehen, Schwimmen oder Autofahren zu bewältigen, ist eine beispiellose Koordination und Kommunikation zwischen den beiden Gehirnen erforderlich.
Quelle: Google KI
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
Ich unterschreibe das Folgende (geschrieben von einem der führenden Vertreter des Animalismus):
"Ich bin nicht davon überzeugt, dass es in irgendeinem realen Fall von Dizephalie (Dicephalus parapagus) nur einen einzigen Organismus gibt. Ich denke, dass die Hensel-Zwillinge wahrscheinlich zwei überlappende Tiere sind. Doch meines Wissens könnte es durchaus einen einzelnen Organismus mit zwei Gehirnen geben, von denen jedes ein eigenständiges geistiges Leben trägt, welches hinreichend hoch entwickelt ist, um demjenigen einer Person zu entsprechen. Wenn Personen Tiere sind, kann es in einem solchen Fall nur eine einzige Person geben, die jedoch über zwei unabhängige geistige Leben verfügt." [übersetzt von Google & Consul]
(Olson, Eric T. "Partial Twinning and the Boundaries of a Person." Belgrade Philosophical Annual 36/1 (2023): 7–24. p. 10)
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
Wie du schon selbst angeführt hast, wenn McMahan argumentiert, dass "die Hensel-Schwestern…eine einzige, integral funktionierende Organeinheit [bilden], die von einer einzigen Haut umschlossen ist, von einem einzigen, koordinierten Stoffwechselsystem aufrechterhalten wird, von einem einzigen Blutkreislauf versorgt wird, von einem einzigen Immunsystem geschützt wird", dann sieht er das eben anders.Consul hat geschrieben : ↑Mo 4. Mai 2026, 22:09Morphologisch betrachtet, sprechen bei den Hensel-Zwillingen die Dopplungen im Oberkörper für ZOT. Physiologisch betrachtet, spricht die Getrenntheit von Nervenfunktionen für ZOT. Das ist wohlgemerkt auf diesen Einzelfall bezogen, denn die morphologischen und (neuro-)physiologischen Gegebenheiten sind bei Dicephalus-Fällen unterschiedlich.
Da stehen also zwei Interpretationen gleichberechtigt nebeneinander. Beide dieser Interpretationen lassen sich mit anatomischen Daten untermauern, aber welche dieser beiden man auszuwählen hat, das ist noch nicht entschieden. Darin zeigt sich die Unbestimmtheit des Organismusbegriffs.
Wenn man den neurologischen Zusammenhang stärker gewichtet, wie du es anscheinend tust, kann man auch beim Querschnittsgelähmten argumentieren, dass seine Beine kein Teil des Organismus sind. Denn schließlich ist da der neurologische Zusammenhang zerstört.
Es spricht tatsächlich ein Grund dafür den neurologischen Zusammenhang stärker zu gewichten, so wie du es tust, anstatt den "einzigen, koordinierten Stoffwechselsystem" im Vorschlag von McMahan. Es ist nämlich der neurologische Zusammenhang, der den Körper zu einem Instrument unseres Willens macht. So jedenfalls argumentiert Stuart Hampshire:
Was folgt, wenn man dem zustimmt? Nun, ein Querschnittsgelähmter kann keine Kontrolle über seine Beine ausüben und müsste dementsprechend seine Beine nicht als Teil seines Körpers auffassen. Richtig ist, dass die Identitätskriterien mit denen des Organismus identisch sind. Wenn sein Organismus stirbt, stirbt er auch. Aber daraus folgt noch nicht, dass die Beine Teil seines Körpers sind.Stuart Hampshire hat geschrieben : Selbst wenn mir parallel zu meinen Handlungen andere Gedanken durch den Kopf gehen, werden die Handlungen selbst von einer Absicht bestimmt, die in die Handlung einfließt und sie von einer bloßen körperlichen Bewegung unterscheidet. Wir haben daher keinen Grund, nach einem Kriterium der persönlichen Identität zu suchen, das sich von der Identität unseres Körpers als beständiges physisches Objekt unterscheidet. ("Thought and Action", S. 74f., übers. mit DeepL)
Im Fall der Hensel-Zwillinge kontrolliert Abigails Gehirn den Arm und das Bein auf der einen Seite und Brittanys Gehirn den Arm und das Bein auf der anderen Seite. Daraus folgt jedoch nicht, dass die von Abigail bzw. Brittany nicht kontrollierbaren Gliedmaßen nicht zu Abigail bzw. Brittany gehören.Dynamis hat geschrieben : ↑Di 5. Mai 2026, 13:20Es spricht tatsächlich ein Grund dafür den neurologischen Zusammenhang stärker zu gewichten, so wie du es tust, anstatt den "einzigen, koordinierten Stoffwechselsystem" im Vorschlag von McMahan. Es ist nämlich der neurologische Zusammenhang, der den Körper zu einem Instrument unseres Willens macht. So jedenfalls argumentiert Stuart Hampshire: …
Was folgt, wenn man dem zustimmt? Nun, ein Querschnittsgelähmter kann keine Kontrolle über seine Beine ausüben und müsste dementsprechend seine Beine nicht als Teil seines Körpers auffassen. Richtig ist, dass die Identitätskriterien mit denen des Organismus identisch sind. Wenn sein Organismus stirbt, stirbt er auch. Aber daraus folgt noch nicht, dass die Beine Teil seines Körpers sind.
Wenn man davon ausgeht, dass sie zwei körperlich überlappende Menschentiere sind, dann scheint der von Abigail bzw. Brittany nicht kontrollierbare Arm im Gegensatz zum von Abigail bzw. Brittany nicht kontrollierbaren Bein zwar kein Teil von Abigail bzw. Brittany zu sein, aber aus einem strukturellen anatomischen Grund und nicht einem funktionalen neurologischen Grund.
Ein Querschnittgelähmter, der seine Beine nicht mehr kontrollieren kann, hat sie dadurch in anatomischer Hinsicht nicht verloren wie durch eine Amputation. Sie sind weiterhin Teile von ihm, auch wenn er sie nicht mehr willentlich bewegen kann. Der Verlust einer Körperfunktion ist nicht dasselbe wie der Verlust eines Teils der Körperstruktur. Ein Betroffener mag äußern, dass es sich für ihn subjektiv so anfühle, als wären seine Beine gar nicht mehr da; aber er sieht ja selbst, dass dies objektiv nicht der Fall ist.
Wenn ein Mensch keine Beine mehr hat, dann ist er dadurch körperlich kleiner geworden oder "geschrumpft". Ein Querschnittgelähmter, der noch Beine hat, sie aber nicht mehr spürt und nicht mehr bewegen kann, ist dadurch hingegen nicht körperlich kleiner geworden oder "geschrumpft". Seine Körpergröße hat sich durch die Lähmung nicht verändert. (Ein vom Hals abwärts Gelähmter ist nicht auf die Größe seines Kopfes geschrumpft.)
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
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Timberlake
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@Consul /@Dynamis
Für jemanden wie mich, der die Frage Wer oder was ist "Ich"? vor dem Hintergrund der Psychologie, im Allgemeinem und weil darin namentlich vom "Ich" die Rede ist , Freuds drei Instanzen Modell der Psyche, im Besonderen behandelt wissen will, mutet euer beider Diskussion um Hensel-Zwillinge, kontrollierbare Gliedmaßen und nicht zu vergessen, um amputierte Beine irgendwie merkwürdig an. Das mal so nur nebenbei oder auch nicht, wenn man denn davon ausgeht, dass man die Frage Wer oder was ist "Ich"? normalerweise mit der Psyche verknüpft.
Für jemanden wie mich, der die Frage Wer oder was ist "Ich"? vor dem Hintergrund der Psychologie, im Allgemeinem und weil darin namentlich vom "Ich" die Rede ist , Freuds drei Instanzen Modell der Psyche, im Besonderen behandelt wissen will, mutet euer beider Diskussion um Hensel-Zwillinge, kontrollierbare Gliedmaßen und nicht zu vergessen, um amputierte Beine irgendwie merkwürdig an. Das mal so nur nebenbei oder auch nicht, wenn man denn davon ausgeht, dass man die Frage Wer oder was ist "Ich"? normalerweise mit der Psyche verknüpft.
Zumal bei dem, wie ich die Frage Wer oder was ist "Ich"? behandelt wissen möchte, dem entsprochen wird. Sicherlich wird sich in Freuds drei Instanzen Modell der Psyche, auch auf den Leib bezogen. Beispielsweise im Hinblick der leiblichen Bedürfnisse, bezüglich der Instanz "ES" . Nur hat das meiner Meinung nach bestenfalls indirekt etwas mit dem Leib-Seele-Dualismus zu tun.
Animalisten verknüpfen die Frage der personalen Identität eben nicht mit psychischen Aspekten; denn wenn ich ein menschliches Tier bin, dann hängen mein Dasein und mein Fortbestehen als Menschentier nicht von meiner Psyche ab. Mein Dasein und mein Fortbestehen als Person hängen zwar davon ab, aber als menschliches Tier bin ich nicht notwendigerweise eine Person. Als Fötus war ich noch keine Person—d.h. ein Wesen mit höchstentwickeltem Selbst- oder Ichbewusstsein—; und falls ich dement werde, dann verliere ich meine Personalität, ohne dadurch meine Existenz zu verlieren.Timberlake hat geschrieben : ↑Mi 6. Mai 2026, 20:04Für jemanden wie mich, der die Frage Wer oder was ist "Ich"? vor dem Hintergrund der Psychologie, im Allgemeinem und weil darin namentlich vom "Ich" die Rede ist , Freuds drei Instanzen Modell der Psyche, im Besonderen behandelt wissen will, mutet euer beider Diskussion um Hensel-Zwillinge, kontrollierbare Gliedmaßen und nicht zu vergessen, um amputierte Beine irgendwie merkwürdig an. Das mal so nur nebenbei oder auch nicht, wenn man denn davon ausgeht, dass man die Frage Wer oder was ist "Ich"? normalerweise mit der Psyche verknüpft.
"Der Hauptrivale des Animalismus wird nicht selten als „Neo-Lockeanismus“ bezeichnet. Diese Art der Rahmung der Debatte geht zumindest auf einen prominenten Austausch zwischen Noonan (1998, 2001) und D. Mackie (1999a) zurück. Zudem unternimmt die erste dem Animalismus gewidmete Monografie einen umfassenden Angriff auf den „psychologischen Ansatz“ der persönlichen Identität – einen Ansatz, dessen „bekanntester Verfechter … natürlich Locke ist“ (Olson 1997: 20). Und der Gegensatz „Animalismus vs. Neo-Lockeanismus“ ist auch in gegenwärtigen Diskussionen nach wie vor weit verbreitet (z. B. S. Campbell 2001; Hershenov 2012; Johnston 2010; Madden 2016; Parfit 2012; Robinson 2016; S. Shoemaker 2008).
In einer Hinsicht ist diese Art der Darstellung der Sachlage recht harmlos. Als „neo-lockeanisch“ klassifizierte Positionen teilen die gemeinsame Verpflichtung auf ein psychologisches Kriterium der persönlichen Identität (wobei dieses Kriterium entweder eine direkte psychologische Verbundenheit oder lediglich überlappende Ketten psychologischer Kontinuität verlangen mag) – ein Kriterium, das von den Animalisten ausnahmslos abgelehnt wird." [übersetzt von Google]
Animalism: https://plato.stanford.edu/entries/animalism/
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
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.. nun ja, dann bin ich schon mal kein Animalist. Gut zu wissen.
Dann musst du dich fragen, in welcher anderen Beziehung (≠ Identität) du zu demjenigen Menschentier stehst, das immer dort ist, wo du bist (oder zu sein scheinst [*).Timberlake hat geschrieben : ↑Do 7. Mai 2026, 00:54.. nun ja, dann bin ich schon mal kein Animalist. Gut zu wissen.
[* Wenn du eine cartesianische Seele bist, dann bist du nirgendwo, weil solche Seelen sowohl räumlich unausgedehnt als auch räumlich unverortet sind.]
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
Es fragt sich nur: Aus welchem Grund? Das ist halt unklar. Aus der Anatomie alleine ergibt sich kein Grund. Gerade diese Unklarheit habe ich bereits thematisiert, indem ich nachgewiesen habe, dass sie zu einem Widerspruch in deiner Position führt:Consul hat geschrieben : ↑Mi 6. Mai 2026, 07:02Im Fall der Hensel-Zwillinge kontrolliert Abigails Gehirn den Arm und das Bein auf der einen Seite und Brittanys Gehirn den Arm und das Bein auf der anderen Seite. Daraus folgt jedoch nicht, dass die von Abigail bzw. Brittany nicht kontrollierbaren Gliedmaßen nicht zu Abigail bzw. Brittany gehören.Dynamis hat geschrieben : ↑Di 5. Mai 2026, 13:20Es spricht tatsächlich ein Grund dafür den neurologischen Zusammenhang stärker zu gewichten, so wie du es tust, anstatt den "einzigen, koordinierten Stoffwechselsystem" im Vorschlag von McMahan. Es ist nämlich der neurologische Zusammenhang, der den Körper zu einem Instrument unseres Willens macht. So jedenfalls argumentiert Stuart Hampshire: …
Was folgt, wenn man dem zustimmt? Nun, ein Querschnittsgelähmter kann keine Kontrolle über seine Beine ausüben und müsste dementsprechend seine Beine nicht als Teil seines Körpers auffassen. Richtig ist, dass die Identitätskriterien mit denen des Organismus identisch sind. Wenn sein Organismus stirbt, stirbt er auch. Aber daraus folgt noch nicht, dass die Beine Teil seines Körpers sind.
Wenn man davon ausgeht, dass sie zwei körperlich überlappende Menschentiere sind, dann scheint der von Abigail bzw. Brittany nicht kontrollierbare Arm im Gegensatz zum von Abigail bzw. Brittany nicht kontrollierbaren Bein zwar kein Teil von Abigail bzw. Brittany zu sein, aber aus einem strukturellen anatomischen Grund und nicht einem funktionalen neurologischen Grund.
Wenn du den neurologischen Zusammenhang als Kriterium verwenden würdest, kämen wir in Bezug auf die themensetzende Frage "Was ist Ich?" weiter. Das hatte ich vorher anhand des Hampshire-Zitats begründet: Die persönliche Identität hat etwas mit unserer Willensausübung zu tun. Wenn ich Tänzer bin, dann benutze ich meinen Körper, um zu tanzen. Das funktioniert freilich nur aufgrund des neurologischen Zusammenhangs, welcher die Impulse aus dem Gehirn in die restlichen Körperteile weiterleitet. Deswegen mache ich hier einen konstruktiven Vorschlag, indem ich darauf verweise, dass wir doch wenigstens mit diesem Kriterium weiterarbeiten könnten. Aber wenn du dich stattdessen bloß auf einen unbestimmt bleibenden "strukturellen anatomischen Grund" beziehst, verwickelst du dich halt in den Widerspruch, den ich inzwischen detailliert herausgearbeitet habe.Dynamis hat geschrieben : ↑Sa 2. Mai 2026, 20:58Du behauptest zwar eine "Angabe von Gründen" geliefert zu haben, aber du hast lediglich auf die anatomischen Daten verwiesen. Der bloße Verweis auf die anatomischen Daten liefert noch keine Gründe. Dass du dennoch behauptest, dass der bloße Verweis auf anatomische Daten bereits Gründe liefert, steht im Widerspruch zu deiner Darstellung der Debatte:
Je nachdem, welche Kriterien man verwendet, kommt man in der Debatte zu unterschiedlichen Positionen. Die bloßen anatomischen Daten begründen also keine Position. Es kommt auf die Kriterien an, die man der Interpretation dieser anatomischen Daten zugrunde legt. Es ist halt nicht erkennbar, welche Kriterien du verwendest, das gestehst du ganz offen ein:Consul hat geschrieben : Als Kriterien für die Ein-Organismus-These (EOT) bzw. die Zwei-Organismen-These (ZOT) werden evolutionär-reproduktive, ontogenetische (embryogenetische), (neuro-)physiologische oder/und morphologische Aspekte herangezogen.
Diesen Eindruck kann ich nachvollziehen. Meine eigene Position ist durchaus vereinbar mit derjenigen Position, die hier Freud zugeschrieben wird (ob Freud sie tatsächlich vertritt, ist noch einmal eine andere Frage, die anhand der konkreten Textbelege zu überprüfen wäre):Timberlake hat geschrieben : ↑Mi 6. Mai 2026, 20:04@Consul /@Dynamis
Für jemanden wie mich, der die Frage Wer oder was ist "Ich"? vor dem Hintergrund der Psychologie, im Allgemeinem und weil darin namentlich vom "Ich" die Rede ist , Freuds drei Instanzen Modell der Psyche, im Besonderen behandelt wissen will, mutet euer beider Diskussion um Hensel-Zwillinge, kontrollierbare Gliedmaßen und nicht zu vergessen, um amputierte Beine irgendwie merkwürdig an.
Schon mehrmals habe ich hier zustimmend Hegel zitiert, welcher das Ich als Übergehen aus unterschiedsloser Unbestimmtheit zur Unterscheidung, Bestimmen und Setzen einer Bestimmtheit als eines Inhalts und Gegenstands definiert. Diese Definition umfasst natürlich auch Entscheidungen. Jede Entscheidung ist ein Übergehen aus Unbestimmtheit zur Bestimmtheit. Vor der Entscheidung war noch unbestimmt, ob man Handlungsoption A oder B wählt. Wenn man sich beispielsweise für Handlungsoption A entscheidet, ist nach der Entscheidung die Handlung durch eben diese Entscheidung bestimmt.Studyflix hat geschrieben : Das Ich vermittelt zwischen Es und Über-Ich, indem es eine Entscheidung fällt (Realitätsprinzip).
Die von Consul und mir geführte Diskussion um den Organismus-Begriff zeigt nun, dass man Hegels Definition auch aus der animalistischen Position herleiten kann. Ich habe inzwischen nachgewiesen, dass Hegels Definition auch aus der animalistischen Kontroverse um die siamesischen Zwillinge folgt:
Dynamis hat geschrieben : ↑So 3. Mai 2026, 12:01Den Zusammenhang zum Thema dieses Diskussionsstrangs habe ich mit meinem Hegel-Zitat aufgezeigt. Ich ist das Übergehen aus der Unbestimmtheit in die Bestimmtheit. Gerade an deinem Dissens, den du mit McMahan hast, zeigt sich gerade die Unbestimmtheit des Organismusbegriffs. Da gestehst ja die Kriterienlosigkeit deiner Position selbst ein. Ab welchem Grad hat man einen Organismus und ab welchem Grad hat man zwei Organismen? Das ist eben nicht durch die anatomischen Daten festgelegt! Folglich bedarf es einer weitergehenden Bestimmung auf der Grundlage einer Interpretation, die gerade nicht durch die anatomischen Daten festgelegt ist. Wenn du nun Organismus = Ich identifizierst, dann ist diese weitergehende Bestimmung eine Selbstbestimmung, eben das Übergehen aus der Unbestimmtheit (durch die anatomischen Daten) in die Bestimmtheit (durch die Interpretation, die nicht durch die anatomischen Daten festgelegt ist).Consul hat geschrieben : Eine allgemeine biologisch-ontologische Theorie (tierischer) Organismen und ihrer Individuation ist auch gar nicht das Thema dieses Diskussionsstrangs. Der hier wichtige Punkt ist, dass es Animalismus-kompatible Auslegungen von Dicephalus-Fällen (und auch andersartigen Fällen) bei siamesischen Zwillingen gibt:
Wieso "angeblich"? Dass es einer Selbstbestimmung bedarf, da der Mensch durch die anatomischen Daten nicht hinreichend bestimmt ist, ergibt sich ja gerade aus unserer Diskussion. An der Kontroverse zwischen dir und McMahan zeigt sich ja gerade die Unbestimmtheit. Die von dir selbst eingestandene Kriterienlosigkeit deiner Position ist ja gerade ein Ausdruck dieser Unbestimmtheit.Consul hat geschrieben : Als Animalist sage ich, dass das (angeblich) sich selbst bestimmende Ich in unserem Fall ein menschliches Tier ist.
Konkret könnte diese Selbstbestimmung beispielsweise so aussehen, dass du philosophische, biologische und medizinische Fachartikel liest, Konferenzen besuchst und dort mit Leuten über diese Kontroverse diskutierst. Dann kannst du dem McMahan in der Kaffee-Pause oder abends bei einem Glas Bier erklären, warum sein Kriterium zur Begründung seiner Position nicht hinreichend ist und seinen Irrglauben mit überzeugenden Argumenten korrigieren. Auf diese Weise kannst du die Bestimmung des Organismusbegriffs zu deinem persönlichen Projekt machen, was auch eine Form der Selbstbestimmung ist. Insofern, das Ich bestimmt sich nicht nur "angeblich", sondern tatsächlich selbst!
Das ist unverständlicher Hegelsprech.
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding