Das Anthropozän

Mit Beginn der 1920er Jahre bilden sich in der deutschen Philosophie die Disziplinen der Philosophischen Anthropologie und der Lebensphilosophie aus, deren Grundfragen in den 1990er Jahren eine Renaissance erleben.
Timberlake
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Di 24. Feb 2026, 01:03

Burkart hat geschrieben :
Mo 23. Feb 2026, 20:46
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mo 23. Feb 2026, 08:49
Manchmal hört oder liest man, dass wir nur den je gegenwärtigen Moment haben/leben.

„Du lebst nur den gegenwärtigen Moment! Die übrige Zeit ist in der Truhe der Vergangenheit begraben oder sie liegt in der ungewissen Zukunft.“ – (Marcus Aurelius zugeschrieben)
„Verweile nicht in der Vergangenheit, träume nicht von der Zukunft, konzentriere den Geist auf den gegenwärtigen Moment.“ – (Buddha zugeschrieben)
„Erkenne zutiefst, dass der gegenwärtige Moment alles ist, was du jemals hast. Mach das Jetzt zum Hauptfokus deines Lebens.“ – (Eckhart Tolle zugeschrieben)

Was meint ihr? Ist da was dran?
Ich denke, der Mensch sollte immer (s)ein Gleichgewicht zwischen dem Gestern (Vergangenheit), Heute (Moment) und Morgen (Zukunft) finden.
Die Sprüche könnten sich so an Menschen wenden, die zu viel über die Zukunft nachgrübeln bzw. sich über sie Sorgen machen oder gar zu sehr für die Zukunft zu leben.

.. ich denke, als solches übrigens insbesondere an mich. Der, wie nicht zuletzt im Hinblick seiner Aktivitäten hier, in diesem Thread, meiner Meinung nach deutlich wird, ganz sicher zu viel über die Zukunft nachgrübelt bzw. sich über sie Sorgen macht oder gar zu sehr für die Zukunft zu lebt.
Burkart hat geschrieben :
Sa 25. Feb 2023, 12:36
...
Sagen wir z.B.: Dass die Erde eine Kugel ist, bestreitet kaum noch jemand in der Hinsicht, dass es ihm praktisch keinen Nutzen bringt, außer vielleicht Gleichgesinnte. Hier ist die Glaubwürdigkeit zur "Erde ist Kugel" sehr hoch, wenn auch nicht perfekt bzw. "objektiv" (siehe "platte Erde"-Anhänger).
Beim Klimaschutz haben die Verstoßer leider klare Vorteile davon, dagegen zu verstoßen, sodass die Verstoßer gerne (zumindest lange Zeit) Argumente gegen Klimaschutz hervorgebracht haben. Dadurch sinkt insgesamt die allgemeine Glaubwürdigkeit hinsichtlich Klimaschutz, also noch weniger Objektivität.
Übrigens zeichnen sich diese Verstoßer meiner Meinung dadurch aus, dass sie den je gegenwärtigen Moment haben/leben und weil sie klare Vorteile davon haben/leben durchaus zu Recht .. leider. Sicherlich, die Sonne schickt uns keine Rechnung, nur macht sie sich eben naturgemäß auch zu gewissen Zeiten rar. (Stichwort: Dunkelflaute) Kohle, Erdöl und Erdgas hingegen stehen zu jeder Zeit zu Verfügung. Als solches ich vielmehr meinen würde, dass dadurch insgesamt die allgemeine Glaubwürdigkeit hinsichtlich Klimaschutz sinkt, also noch weniger Objektivität, durch eben diese Objektivität. Wie nicht zuletzt an den Weltrekord bei den CO2-Emissionen 2024, so als ob es die Weltklimakonferenzen gar nicht gäbe, deutlich wurde und wovon ich ausgehe im "Moment" deutlich wird, wie auch zukünftig deutlich werden wird.




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Jörn P Budesheim
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So 1. Mär 2026, 12:39

Das Öffnen der Augen.

In der materialistischen Metaphysik stehen an jeder Ecke Verbotsschilder. Alles, was die Fülle unserer Lebenswirklichkeit ausmacht, wird als Illusion oder als Neuronengewitter ausgewiesen: das Grün der Wiesen, der Gesang der Vögel, die Süße einer Frucht, die Zartheit der Haut – doch gerade in diesen Erscheinungen zeigt sich, dass Natur mehr ist als eine Ressource, sie begnet uns als ein Gegenüber, das uns umfasst. Wir brauchen eine Metaphysik, die Werte und Schönheit nicht als Illusion behandelt.

Den Wert des Lebens, die Schönheit eines Gedichts, die Notwendigkeit der Kunst … Nichts davon finden wir in den Naturgesetzen, die das Wort "Natur" ganz zu unrecht tragen, denn die Ausdrucksqualitäten der Natur können sie nicht erfassen. Der paradigmatische Begriff der Natur ist die lebendige Natur und nicht nur das, was man in Teilchenbeschleuniger in Cern erforscht.

Dieser Nihilismus, der die Wirklichkeit auf das zurechtstutzt, was sich mit Hilfe der Physik erkennen lässt, hat meines Erachtens die Umweltkatastrophe, der wir gerade entgegeneilen, zu direkten Folge.

Damit will ich keineswegs die Errungenschaften der Physik, eine faszinierende Wissenschaft, in Frage stellen. Das Problem ist nicht die Physik, sondern das sogenannte naturwissenschaftliche Weltbild. Diese Wissenschaft, so wie wir sie im Moment betreiben und kennen, ist eben auf das rein Quantitative festgelegt. Damit kommt man offenbar ziemlich weit im Verständnis der Wirklichkeit. Aber sehr vieles passt eben auch nicht in das Bild. Wir dürfen uns nicht darauf beschränken was mit diesen Mitteln zu erkennen ist; wir können nicht unser Leben und das Leben dieses Planeten darauf reduzieren.

Die Physik kann den Wert des Lebens nicht erforschen. Und ich vermute, viele Physiker und Physikerinnen würden das auch gar nicht leugnen. Wir müssen der Philosophie, den Geisteswissenschaften und der Kunst wieder ihr Recht einräumen; sie sind wesentliche Stimmen auf dem Weg zu einer neuen Aufklärung, die uns dazu führen kann, die Schönheit und den Wert der Wirklichkeit wieder zu erkennen.



Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“

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