Zyniker und Epikureer

Mit Beginn der 1920er Jahre bilden sich in der deutschen Philosophie die Disziplinen der Philosophischen Anthropologie und der Lebensphilosophie aus, deren Grundfragen in den 1990er Jahren eine Renaissance erleben.
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Timberlake
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Sa 25. Okt 2025, 16:09

Weil andernorts gerade thematisiert , soll es hier einmal darum gehen, wozu ein jeder "philosophisch anthropologisch und lebensphilosophisch" eingeladen ist, um einigermaßen arbeitstüchtig zu bleiben und um seine Lebensweise erträglich zu machen.

Flame hat geschrieben :
Sa 25. Okt 2025, 10:55
Wie soll man der Widersprüchlichkeit, Doppelmoral und Heuchlerei
der Menschheit anders begegnen als mit Hohn und Spott?
Ich bin für eine neue Herrschaftsform:

Idiocracy

Kennt ihr den Film ? :)
Ich kenne ihn , also diesen Film. Wie ich ,wo hier schon mal zuletzt erwähnt, ggf auch dich kenne ..
  • „Der moderne Zyniker ist ein in­tegrierter Asozialer, der es an unterschwelliger Illusionslosigkeit mit jedem Hippie aufnimmt. […] Es ist die bei aufgeklärten Leuten allgemein verbreitete Form, darauf zu sehen, daß sie nicht die Dummen bleiben. […] Psychologisch läßt sich der Zyniker der Gegenwart als Grenzfall-Melancholiker verstehen, der seine depressi­ven Symptome unter Kontrolle halten und einigermaßen arbeitstüchtig bleiben kann.“
    Sloterdijk ... Kritik der zynischen Vernunft, Bd. 1, 1983, S. 36–37
Dazu vielleicht ergänzend ..
  • "Zyniker und Epikureer. – Der Zyniker erkennt den Zusammenhang zwischen den vermehrten und stärkeren Schmerzen des höher kultivierten Menschen und der Fülle von Bedürfnissen; er begreift also, daß die Menge von Meinungen über das Schöne, Schickliche, Geziemende, Erfreuende ebensosehr reiche Genuß-, aber auch Unlustquellen entspringen[615] lassen mußten. Gemäß dieser Einsicht bildet er sich zurück, indem er viele dieser Meinungen aufgibt und sich gewissen Anforderungen der Kultur entzieht; damit gewinnt er ein Gefühl der Freiheit und der Kräftigung, und allmählich, wenn die Gewohnheit ihm seine Lebensweise erträglich macht, hat er in der Tat seltnere und schwächere Unlustempfindungen als die kultivierten Menschen und nähert sich dem Haustier an; überdies empfindet er alles im Reiz des Kontrastes und – schimpfen kann er ebenfalls nach Herzenslust: so daß er dadurch wieder hoch über die Empfindungswelt des Tieres hinauskommt. – Der Epikureer hat denselben Gesichtspunkt wie der Zyniker; zwischen ihm und jenem ist gewöhnlich nur ein Unterschied des Temperamentes. Sodann benutzt der Epikureer seine höhere Kultur, um sich von den herrschenden Meinungen unabhängig zu machen; er erhebt sich über dieselben, während der Zyniker nur in der Negation bleibt. Er wandelt gleichsam in windstillen, wohlgeschützten, halbdunklen Gängen, während über ihm, im Winde, die Wipfel der Bäume brausen und ihm verraten, wie heftig bewegt da draußen die Welt ist. Der Zyniker dagegen geht gleichsam nackt draußen im Windeswehen umher und härtet sich bis zur Gefühllosigkeit ab.
    Nietzsche .. Menschliches, Allzumenschliches
Und für die, die Epikur nicht kennen ...
  • Epikur .. Lexikon der Philosophen
    "An seinen Schüler Menoikeus gerichtet, unterscheidet Epikur zwischen drei Formen der Begierde : die leeren, die natürlichen und die notwendigen Begierden. Erste (wie Ruhm und Reichtum) gilt es zu untersagen, weil sie früher oder später zu Frustration und damit zu Leid führen. Zweitere sind angenehm aber optional (wie Wissenschaft, Kunst, Sexualität…). Drittere sind unumgänglich, weil ihre Abwesenheit zu Leid führt (Hunger, Durst, aber auch Freundschaft und… Philosophie, denn Epikur schätzt auch die Freuden des Geistes).
    Von dort ausgehend ist jedes Individuum eingeladen, ein „Kalkül der Begierden“ anzustellen, um das größtmögliche Glück zu erreichen. Aber Vorsicht! Bei diesem Kalkül muss manchmal kurzfristiger Schmerz in Kauf genommen werden um langfristig das größtmögliche Glück zu erreichen.
Von dort ausgehend ist jedes Individuum eingeladen wie Epikur , ein „Kalkül der Begierden“ anzustellen, um das größtmögliche Glück zu erreichen, während über ihm, im Winde, die Wipfel der Bäume brausen und ihm verraten, wie heftig bewegt da draußen die Welt ist oder dagegen wie der Zyniker, gleichsam nackt draußen im Windeswehen umher zu gehen und sich bis zur Gefühllosigkeit abzuhärten. Einigermaßen arbeitstüchtig bleiben, wie auch seine Lebensweise erträglichen machen, gelingt meiner Meinung nach allerdings, wenn man sowohl der Einladung Epikurs, als auch die des Zynikers folgt. Um an dieser Stelle Nietzsche bzw. Sloterdijk zu korrigieren.




Timberlake
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So 26. Okt 2025, 13:45

Flame hat geschrieben :
So 26. Okt 2025, 02:43
Ich nehme vorerst wieder meine Tabletten und ordne mich dem System unter.
Nicht hinterfragen, nicht kritisieren, einfach funktionieren.
Ich musste etwas Druck ablassen, kann während einer manischen Phase schonmal passieren. :)
Bis zur nächsten Episode :)
Wenn es in dem Zitat zu Epikur, im Lexikon der Philosophen , heißt ...

"Von dort ausgehend ist jedes Individuum eingeladen, ein „Kalkül der Begierden“ anzustellen, um das größtmögliche Glück zu erreichen"

.. sicherlich nicht die schlechteste Idee, um ..einigermaßen arbeitstüchtig zu bleiben, wie auch seine Lebensweise erträglich zu machen. :)

Wo wir schon mal dabei sind, einem Zitat zu Philosophen im Lexikon der Philosophen ..

  • Mark Aurel ... Lexikon der Philosophen
    Seine Selbstbetrachtungen haben nicht die Form eines Essays: Es finden sich darin die großen Themen der stoischen Philosophie: Die Suche nach der Seelenruhe, der Unterschied zwischen den Dingen, die wir beeinflussen können und denen, die wir nicht beeinflussen können, die Sorge darum, den eigenen Platz in der Ordnung der Natur zu finden. ...
    Die stoischen Grundsätze können sicherlich behilflich dabei sein, eine gewisse Gradlinigkeit in alltäglichen Praktiken zu bringen und Hilfestellungen bei Fragen der Art „Wie mit einem Trauerfall umgehen? Wie auf einen Schicksalsschlag reagieren?“ zu geben. Vor allem aber geht es darum, die eigene Existenz in Einklang mit dem Kosmos zu bringen und dessen Funktionsweise zu akzeptieren.
Sich einem System unterzuordnen macht natürlich Sinn, wie dass man infolgedessen seine eigene Existenz in Einklang mit dem Kosmos bringt und dessen Funktionsweise akzeptiert. Wie dass man zwischen den Dingen, die wir im System beeinflussen können und denen, die wir darin nicht beeinflussen können, zu unterscheiden weiß und von daher in der Lage ist, seine Seelenruhe zu bewahren. Um als solches einfach zu funktionieren, muss man allerdings das System vielleicht nicht unbedingt kritisieren, aber ganz sicher hinterfragen. In dem dergleichen in manischen Phasen eher nicht gegeben ist, so ist die Einnahme von Tabletten zur Abwendung dessen, sicherlich zu empfehlen. Wenngleich nicht wegen manischer Phasen, sondern wegen einer Angststörung muss ich übrigens vorerst selbst Tabletten einnehmen. Insofern ich mir tatsächlich nicht sicher bin, bei dem, wie ich das System hinterfrage. Möglicherweise ist bei der Einflussnahme, auf dieses System, sehr viel mehr möglich, als von mir angenommen. So das von daher meine Seelenunruhe völlig unbegründet ist.




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