Intuition

Dieses Unterforum beschäftigt sich mit dem Umfang und den Grenzen der menschlichen Erkenntnisfähigkeit sowie um die speziellen Gesichtspunkte des Systems der modernen Wissenschaften.
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Jörn P Budesheim
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Wir reden ja hier über Intuition, daran möchte ich gerne noch mal erinnern.



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Burkart
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Sa 28. Feb 2026, 16:00

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Sa 28. Feb 2026, 15:48
Wir reden ja hier über Intuition, daran möchte ich gerne noch mal erinnern.
Gehören Instinkte auch zur Intuition? Oder sind es etwas ganz Anderes?



Der Mensch als Philosophierender ist Ausgangspunkt aller Philosophie.
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Jörn P Budesheim
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So 1. Mär 2026, 08:22

Burkart hat geschrieben :
Sa 28. Feb 2026, 16:00
Gehören Instinkte auch zur Intuition?
Ein Beispiel für einen Instinkt ist der Saugreflex: Wird der Gaumen eines Säuglings berührt, beginnt er zu saugen. Das ist ein automatischer, physiologischer Vorgang – weder eine Erkenntnis noch eine Schlussfolgerung.

In der philosophischen Tradition, wie sie Kemmerling beschreibt, meint „Intuition“ jedoch etwas anderes. Er definiert sie als unmittelbare Erkenntnis, die mit einem Erlebnis größter Evidenz einhergeht und nicht auf einem Schluss beruht. Hier geht es also um unmittelbare Einsicht, nicht um Reflexe. Wer beispielsweise die Evidenz eines Axioms einsieht, folgt keinem Reflex.

Im Alltag verwendet man „instinktiv“ allerdings oft metaphorisch. Wenn jemand sagt, er habe „instinktiv“ richtig gehandelt, meint er meist schnelles, nicht ausdrücklich reflektiertes Denken – etwa aus verinnerlichtem Wissen oder Erfahrung. Das hat eher mit eingeübten Mustern zu tun als mit einem biologischen Instinkt im engeren Sinn. Man spricht dann auch vom „Bauchgefühl“. Diesen Ausdruck hat Gabriel zwar ebenfalls verwendet, allerdings meines Erachtens in einer anderen Bedeutung.

Mit der philosophischen Intuition im Sinne von BonJour hat ein Reflex jedenfalls wenig zu tun. Dort geht es um unmittelbare, nicht folgernde Einsicht in eine (oft grundlegende) Wahrheit, nicht um Reiz-Reaktions-Muster oder eingeübte Routinen.

Dass diese Unterscheidung sachhaltig ist, zeigt sich auch daran, dass man sich irren kann. Man kann etwas für eine Intuition im starken Sinn halten, was in Wirklichkeit nur Gewohnheit oder eingeübtes Denken ist.



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Burkart
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So 1. Mär 2026, 09:26

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
So 1. Mär 2026, 08:22
Burkart hat geschrieben :
Sa 28. Feb 2026, 16:00
Gehören Instinkte auch zur Intuition?
Ein Beispiel für einen Instinkt ist der Saugreflex: Wird der Gaumen eines Säuglings berührt, beginnt er zu saugen. Das ist ein automatischer, physiologischer Vorgang – weder eine Erkenntnis noch eine Schlussfolgerung.
Wenn ein Baby Durst hat (und es ihn zur Mutterbrust zieht), ist das dann auch automatisch oder nicht schon eine Folgerung aufgrund seines Durstes?
Ich denke, es gibt Übergänge von rein automatischen Instinkten hin zu ersten Folgerungen.
(Auch Instinkte können wie Intuition mal zu fehlerhaften Resultaten führen.)



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So 1. Mär 2026, 09:54

Burkart hat geschrieben :
So 1. Mär 2026, 09:26
Wenn ein Baby Durst hat (und es ihn zur Mutterbrust zieht), ist das dann auch automatisch oder nicht schon eine Folgerung aufgrund seines Durstes?
Das ist keine Folgerung. Es ist ein Reflex. Wann immer man dem Kind den Finger in den Mund steckt, fängt es an zu saugen. Der Baby hat dabei keine Einsicht, es ist keine Geltung und keine Normativität im Spiel. Es gibt hier auch kein „Richtig“ oder „Falsch“, sondern einfach einen festgelegten physiologischen Ablauf. Wenn das Einsehen, die rationale Intuition von der BonJour spricht, einfach nur ein Reflex wäre, dann wäre ich nach dem Einsehen (dass keines wäre) so klug wie zuvor. Ich hätte keine Wahrheit erfasst, sondern es hätte sich irgendein automatischer Ablauf abgespielt.



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So 1. Mär 2026, 10:00

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
So 1. Mär 2026, 09:54
Burkart hat geschrieben :
So 1. Mär 2026, 09:26
Wenn ein Baby Durst hat (und es ihn zur Mutterbrust zieht), ist das dann auch automatisch oder nicht schon eine Folgerung aufgrund seines Durstes?
Das ist keine Folgerung. Es ist ein Reflex. Wann immer man dem Kind den Finger in den Mund steckt, fängt es an zu saugen. Der Baby hat dabei keine Einsicht, es ist keine Geltung und keine Normativität im Spiel. Es gibt hier auch kein „Richtig“ oder „Falsch“, sondern einfach einen festgelegten physiologischen Ablauf.
Îch schrieb, dass das Baby Durst hat, nicht dass man ihm einen Finger in den Mund steckt, ein ziemlicher Unterschied. Ob man Durstlöschung als Einsicht oder nur automatische Notwendigkeit ansieht, ist die Frage.



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So 1. Mär 2026, 10:08

Nein es ist eben kein Unterschied. Denn es handelt sich schließlich um einen Reflex. Wann immer – also egal wann – man den Finger in den Mund steckt, fängt der Baby an zu saugen. Du willst eine genuine Logik loswerden, weil bei dir überall metaphysische Verbotsschilder rumstehen. Das verstehe ich schon. Aber es ist schlicht absurd, das wovon BonJour spricht, mit diesem Reflex zu vergleichen.



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So 1. Mär 2026, 10:36

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
So 1. Mär 2026, 10:08
Nein es ist eben kein Unterschied. Denn es handelt sich schließlich um einen Reflex. Wann immer – also egal wann – man den Finger in den Mund steckt, fängt der Baby an zu saugen. Du willst eine genuine Logik loswerden, weil bei dir überall metaphysische Verbotsschilder rumstehen. Das verstehe ich schon. Aber es ist schlicht absurd, das wovon BonJour spricht, mit diesem Reflex zu vergleichen.
Schreib doch mal von "Durst löschen" und nicht von "Finger in Mund stecken", letzteres mag ja klar sein. Mir geht es nicht um BonJour, sondern um ein allgemeines (intuitives!?) Verstehen der Begriffe, hier eben mit "Durst löschen" und dass dies Reflex wie auch "Folgerung" sein kann.



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So 1. Mär 2026, 11:21

Burkart hat geschrieben :
So 1. Mär 2026, 10:36
Schreib doch mal ...
Das solltest Du selbst tun. Ich habe meine Argumente vorgelegt. Und wenn du andere hast, dann schreib doch mal ...



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So 1. Mär 2026, 11:32

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
So 1. Mär 2026, 11:21
Burkart hat geschrieben :
So 1. Mär 2026, 10:36
Schreib doch mal ...
Das solltest Du selbst tun. Ich habe meine Argumente vorgelegt. Und wenn du andere hast, dann schreib doch mal ...
Warum gehst du dann nicht auf mein Beispiel ein, das meine Sicht aufzeigt?



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So 1. Mär 2026, 11:37

Ich habe nicht die mindeste Ahnung, warum dein Beispiel auch nur in der Nähe davon sein sollte, etwas in der Art zu zeigen.



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So 1. Mär 2026, 11:59

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
So 1. Mär 2026, 11:37
Ich habe nicht die mindeste Ahnung, warum dein Beispiel auch nur in der Nähe davon sein sollte, etwas in der Art zu zeigen.
"Durst löschen" kann Reflex wie auch "Folgerung" sein; damit gibt es keine klare Trennung zwischen beidem und "Folgerung" ist auch nicht immer so klar, wie es dir erscheinen mag.



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So 1. Mär 2026, 12:23

Dafür sehe ich kein Argument. Du scheinst hier ohne jede Begründung aus einer Folge eine Folgerung zu machen. Wie auch immer: wenn es ein Reflex ist, dann kann es keine Intuition in dem Sinne sein, wie es z.b Kemmerling beschrieben hat.



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So 1. Mär 2026, 14:22

Tegtmeyer, Kunst hat geschrieben : Philosophie und Kunst haben das gleiche allgemeine Thema [den Menschen]. Aber sie stellen es auf diametral gegensätzliche Weise dar. Philosophie ist diskursiv; Kunst ist intuitiv.
Ich möchte das Thema auf ein anderes Feld ausweiten. Welche Rolle spielt Intuition in der Kunst? Sowohl beim Betrachten als auch beim Erschaffen? Was bedeutet Intuition im Zusammenhang mit Kunst? Es ist ja nicht gerade ungewöhnlich, zu sagen, dass Künstler:innen intuitiv arbeiten. Worin unterscheidet sich dieser Intuitionsbegriff vom Begriff der Intuition, der – wie hier im Faden bereits erwähnt – beispielsweise als das unmittelbare Gewahrwerden einer logischen Notwendigkeit verstanden wird? Oder unterscheidet er sich gar nicht? Denn bestimmte Formen der inneren Notwendigkeit finden sich auch in der Kunst, insbesondere, wenn man von der Autonomie des Kunstwerks ausgeht.



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So 1. Mär 2026, 14:58

Consul hat geschrieben :
Do 26. Feb 2026, 17:38
Intuition gilt als Quelle apriorischer Glaubensrechtfertigung und apriorischen Wissens.
In meinen Sekundärquellen finde ich bei BonJour ein einfaches Gedankenexperiment. Wir stehen vor einer roten Wand. Die Wand ist komplett rot. Wir verstehen unmittelbar, dass sie nicht zugleich komplett grün sein kann. Und das ist gemäß BonJour – und ich würde ihm hier zustimmen – kein Erfahrungswissen. Es ist nicht so, dass wir nachdenken und uns daran erinnern, dass von den ca. 10.000 Wänden, die wir bereits gesehen haben, keine zugleich rot und grün war. Wir wissen sofort, ohne jede Erfahrung, dass eine Wand nicht zugleich komplett rot und grün sein kann. Es ist notwendig so.

(Dieses Gedankenexperiment könnte man natürlich auch mit einem blauen Bild von Yves Klein durchspielen.)



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So 1. Mär 2026, 20:41

Consul hat geschrieben :
Fr 27. Feb 2026, 16:49
Wenn Rationalisten von Intuition als apriorischer, nichtempirischer Erkenntnisquelle sprechen, dann meinen sie damit kein "Bauchgefühl", keine "instinktive" Ahnung oder Vermutung.
Die Frage ist aber nicht nur, was Rationalisten meinen, oder? Mein erster vager Zwischenstand sieht ungefähr so aus:

In der Intuition präsentieren sich uns Sachverhalte nichtdiskursiv als evident: bisweilen, weil wir Wissen verinnerlicht haben; bisweilen, weil die Sachverhalte nur auf diese Weise zugänglich sind; und bisweilen basal, im unmittelbaren Kontakt mit uns selbst und der Wirklichkeit.

Beispiele:
(1) Kahnemanns System 1, wie z. B. beim Schachspielen
(2) grundlegende logische Formen
(3) das Cogito



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Mo 2. Mär 2026, 00:06

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
So 1. Mär 2026, 14:58
Consul hat geschrieben :
Do 26. Feb 2026, 17:38
Intuition gilt als Quelle apriorischer Glaubensrechtfertigung und apriorischen Wissens.
In meinen Sekundärquellen finde ich bei BonJour ein einfaches Gedankenexperiment. Wir stehen vor einer roten Wand. Die Wand ist komplett rot. Wir verstehen unmittelbar, dass sie nicht zugleich komplett grün sein kann. Und das ist gemäß BonJour – und ich würde ihm hier zustimmen – kein Erfahrungswissen. Es ist nicht so, dass wir nachdenken und uns daran erinnern, dass von den ca. 10.000 Wänden, die wir bereits gesehen haben, keine zugleich rot und grün war. Wir wissen sofort, ohne jede Erfahrung, dass eine Wand nicht zugleich komplett rot und grün sein kann. Es ist notwendig so.

(Dieses Gedankenexperiment könnte man natürlich auch mit einem blauen Bild von Yves Klein durchspielen.)
Was heißt "unmittelbar" und "ohne Erfahrungswissen"? Wie ist das wissenschaftlich belegt?
(Wenn ich eine rote Wand sehe, denke ich i.a. nicht darüber nach ("verstehe"), ob sie auch grün oder sonst eine Farbe haben kann.)
Aber wenn deine Quelle Kemmerling das so postuliert/definiert, bitte sehr...



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Mo 2. Mär 2026, 07:41

Burkart hat geschrieben :
Mo 2. Mär 2026, 00:06
Wie ist das wissenschaftlich belegt?
Wie würdest du einen entsprechenden wissenschaftlichen Forschungsauftrag über rote Wände, die nicht in derselben Hinsicht zugleich grün sein können, formulieren und begründen? Wobei ich vermute, dass du mit „wissenschaftlich“ „naturwissenschaftlich“ meinst. Und wie würde man das experimentell überprüfen? Etwa, indem man den Probanden eine Wand präsentiert, die zugleich komplett rot und grün ist? Wie willst du die herstellen?
Burkart hat geschrieben :
Mo 2. Mär 2026, 00:06
Was heißt [...] "ohne Erfahrungswissen"?
Das bedeutet in der Philosophie in der Regel, dass man nicht "nachgucken" muss. Man muss keine empirischen Erhebungen machen, um herauszufinden, dass alle unverheirateten Männer Junggesellen sind und alle Kreise rund. Das gilt natürlich auch für die rote Wand, die nicht zugleich auch grün sein kann. Dieses Wissen ist apriorisch. Consul hatte auf den Ausdruck und seine Bedeutung für den Begriff Intuition bereits zuvor hingewiesen.
Consul hat geschrieben :
Do 26. Feb 2026, 17:38
Intuition gilt als Quelle apriorischer Glaubensrechtfertigung und apriorischen Wissens.



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Mo 2. Mär 2026, 10:50

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
So 1. Mär 2026, 20:41
In der Intuition präsentieren sich uns Sachverhalte nichtdiskursiv als evident: bisweilen, weil wir Wissen verinnerlicht haben; bisweilen, weil die Sachverhalte nur auf diese Weise zugänglich sind; und bisweilen basal, im unmittelbaren Kontakt mit uns selbst und der Wirklichkeit.

Beispiele:
(1) Kahnemanns System 1, wie z. B. beim Schachspielen
(2) grundlegende logische Formen
(3) das Cogito
Vielleicht müsste man, um es systematischer zu machen, unterscheiden zwischen Gegenstandsbereichen und Zugangsarten? So?

Bild

Ich könnte mir vorstellen, dass der letzte Punkt vage auch das betrifft, was Gabriel sagt.
Markus Gabriel hat geschrieben : ... Wir müssen in Kontakt mit Wirklichem stehen, das wir noch nicht logisch-mathematisch entschlüsselt haben, damit eine Entschlüsselung überhaupt einsetzen kann. Diesen jeder logisch-mathematischen Kodierung und Dekodierung vorgängigen Kontakt bezeichnet die Philosophie seither als Intuition beziehungsweise als Anschauung, was alltäglich auch als „Bauchgefühl“ bekannt ist.

Die Intuition ist Platon zufolge angeboren. Jeder Mensch steht von Geburt an in Wirklichkeitskontakt. Darin ist Platon zuzustimmen. Kinder könnten ja keine Sprache erlernen, wenn sie nicht spätestens nach der Geburt – natürlich beginnt dies alles schon im Mutterleib – imstande wären, Strukturen zu erfassen. Heute erklären wir dies freilich nicht mehr wie Platon unter Rekurs auf die Annahme einer unsterblichen Seele, die von Ewigkeit zu Ewigkeit mit Mustern ausgerüstet ist, die er bekanntlich als Ideen bezeichnet. Es genügt, der Natur selber Strukturen zu unterstellen, die sich in Lebewesen dank einer evolutionären Systembildung zu Musterkennungssystemen ausdifferenziert haben. ...

Quelle: Bildungsklick



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Di 3. Mär 2026, 00:03

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mo 2. Mär 2026, 07:41
Burkart hat geschrieben :
Mo 2. Mär 2026, 00:06
Wie ist das wissenschaftlich belegt?
Wie würdest du einen entsprechenden wissenschaftlichen Forschungsauftrag über rote Wände, die nicht in derselben Hinsicht zugleich grün sein können, formulieren und begründen? Wobei ich vermute, dass du mit „wissenschaftlich“ „naturwissenschaftlich“ meinst. Und wie würde man das experimentell überprüfen? Etwa, indem man den Probanden eine Wand präsentiert, die zugleich komplett rot und grün ist? Wie willst du die herstellen?
Mir ging es um das "unmittelbare Verstehen", wie man das sinnvoll verstellen will. Ich wüsste nicht, wie, außer man setzt es schon voraus, was es dann witzlos machen würde, sondern nur definieren würde.
Burkart hat geschrieben :
Mo 2. Mär 2026, 00:06
Was heißt [...] "ohne Erfahrungswissen"?
Das bedeutet in der Philosophie in der Regel, dass man nicht "nachgucken" muss. Man muss keine empirischen Erhebungen machen, um herauszufinden, dass alle unverheirateten Männer Junggesellen sind und alle Kreise rund. Das gilt natürlich auch für die rote Wand, die nicht zugleich auch grün sein kann. Dieses Wissen ist apriorisch. Consul hatte auf den Ausdruck und seine Bedeutung für den Begriff Intuition bereits zuvor hingewiesen.
Consul hat geschrieben :
Do 26. Feb 2026, 17:38
Intuition gilt als Quelle apriorischer Glaubensrechtfertigung und apriorischen Wissens.
Mit der Wand ist es nicht so eindeutig wie mit den Junggesellen und den runden Kreisen. Z.B. könnte die Wand gleichzeitig rot und grün wirken mit welchen Tricks auch immer (z.B. für Menschen mit Rot-Grün-Schwäche).



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