Nehmen wir ein einfaches Beispiel: einen Apfelkuchen. Die notwendigen Bedingungen dafür scheinen klar: Äpfel, Mehl, Zucker, ein Ofen samt Hitze und jemand, der das Ganze sachgerecht zubereitet. Jede dieser Zutaten ist notwendig und zusammengenommen sind sie wohl hinreichend, schätze ich. Sobald diese Liste abgehakt ist, „muss“ der Kuchen entstehen.
Aber fehlt da nicht was? Wie sieht es mit den Naturgesetzen aus? Wie mit dem Apfelbaum oder dem Boden, auf dem er wuchs? Gehören die nicht auch auf die Liste? Diese Dinge scheinen bereits impliziert zu sein, sobald ich den „Apfel“ als notwendige Bedingung nenne, oder? Die Äpfel müssen genießbar sein, ist das eine weitere notwendige Bedingung? Sicher. Müssen es aber Bio Äpfel sein? Nicht zwingend, oder?
Für die Form brauche ich Butter zum Einfetten, oder reicht eine entsprechend beschichtete Form. Ist das bereits in „sachgerechter Zubereitung“ impliziert? Oder ist „sachgerechte Zubereitung“ hier vielleicht schon eine verfälschende/problematische Formulierung, weil sie ungenannte Bedingungen enthält?
Carl Sagan soll sinngemäß gesagt haben: „Um einen Apfelkuchen zu backen, braucht es ein ganzes Universum“ Wenn wir die Grenze der notwendigen Bedingungen maximal weit ziehen, dann ist nur das gesamte Universum die notwendige und zugleich hinreichende Bedingung für meinen Kuchen. In einer Fernsehshow, in welcher der Zusammenhang von fast allem mit fast allem illustriert werden soll, ist das eine angemessene Vorgehensweise; für ein Kochbuch wäre es hingegen fatal
Was bedeutet das für die Fragestellung nach dem notwendigen/hinreichenden Bedingungen? Bestimmt also das Ziel der Definition mit, welche Bedingungen wir überhaupt in die Diskussion einfließen lassen (müssen)?
Wie können wir verhindern, dass jede Wesensbestimmung so unspezifisch wird, wie das was Sagan vorgeschlagen hat? Ich habe bei meiner Recherche gelesen, dass man hier oft mit einer sogenannten Ceteris-paribus-Klausel arbeitet – das heißt: „unter ansonsten gleichen Bedingungen“. Man setzt dabei die „Bühne“ (wie Sauerstoff, Schwerkraft oder die physikalischen Gesetze) als stabil voraus und konzentriert sich nur auf die „Akteure“ im Vordergrund, Äpfel, Mehl, Zucker, ein Ofen samt Hitze und jemand, der das Ganze „sachgerecht“ zubereitet. Man klammert den Hintergrund Universum aus, der schließlich für das meiste oder auch alles, was wir tun, als Bedingung gilt.*
Aber wie präzise lässt sich diese Grenze jeweils bestimmen? Wie viel Spielraum haben wir jeweils? Kann es dafür allgemeine Regeln geben oder müssen wir von Fragestellung zu Fragestellung entscheiden? Bedeutet das nicht, dass wir, wenn wir nach den notwendigen und zusammengenommen hinreichenden Bedingungen fragen, die Fragestellung noch einmal explizit in den Vordergrund stellen müssen?
*Mackie führte das Konzept des "Kausalfeldes" (Causal Field) ein. Es dient dazu, die Grenze der Relevanz systematisch zu ziehen. Das Kausalfeld umfasst all jene konstanten Hintergrundbedingungen, die wir als gegeben voraussetzen, um eine kausale Frage überhaupt sinnvoll stellen zu können. Faktoren wie die Schwerkraft, die Gesetze der Thermodynamik oder die Existenz von Apfelbäumen gehören in dieses Feld. Sie sind die Bühne, auf der das kausale Drama stattfindet, aber nicht die Akteure selbst.